Barbara Asper , Hannelore Kempin Wiedersehen mit Nesthäkchen

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Inhaltsangabe zu „Wiedersehen mit Nesthäkchen“ von Barbara Asper

Else Ury: beliebte Jugendschriftstellerin der Wilhelminischen und Weimarer Zeit, Erfinderin von 'Nesthäkchen', einer der bekanntesten Romanfiguren ihrer Epoche. Von den Nazis als Jüdin schon 1935 mit Schreibverbot belegt und schließlich Anfang 1943 im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet. Diese oberflächliche Beschreibung wird der Schöpferin von 39 erfolgreichen Büchern nicht gerecht. Denn Else Ury ist nicht nur die Verfasserin bürgerlich-romantischer 'Backfischliteratur'. In einer Zeit mangelnder oder gänzlich fehlender Bildungs- und Berufschancen für junge Frauen und der daraus folgenden finanziellen Abhängigkeit setzt sich Ury für eine selbstbestimmte Rolle der Frau in Gesellschaft, Beruf und Familie ein. Mit ihren in viele ihrer Bücher eingegangenen emanzipatorischen Vorstellungen und Forderungen reiht sie sich in die Gruppe der Streiterinnen für die Gleichberechtigung der Frau ihrer Zeit ein, ohne ihre Forderungen so offensiv und öffentlich zu verfechten wie z. B. Clara Zetkin. Das vorliegende Buch zeichnet ein aktuelles Bild der 'Nesthäkchen'-Autorin Else Ury und befreit ihr literarisches Schaffen gleichzeitig von häufig politisch motivierten Fehlinterpretationen.
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  • Rezension zu "Wiedersehen mit Nesthäkchen" von Barbara Asper

    Wiedersehen mit Nesthäkchen

    sabisteb

    01. May 2011 um 17:00

    Nesthäkchen, man liebt die Bücher oder man hasst sie, aber man kennt sie, zumindest dem Namen nach und hat mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann einmal die Filme gesehen. Weniger bekannt ist über die Autorin selber. Die wenigsten wissen, dass sie mit 65 Jahren am 12.1.1943 in Auschwitz-Birkenau vergast wurde. 1992 veröffentlichte Marianne Brentzel eine erste literarische Annäherung an die Autorin, Pionierarbeit, zumal wenn man bedenkt, dass es damals noch nicht so einfach war online Informationen zu erlangen. Anfang 2000 bildete sich eine Else Ury Sammlergemeinde aus, obwohl Gemeinde wohl das falsche Wort ist. Anders als andere Sammler, die ihr Hobby eint, entzweite die Autorin die Sammler ihrer Werke, die dazu neigten sich gegenseitig anzugiften und anzugreifen. Jeder neue Versuch mehr über die Autorin herauszufinden und zu veröffentlichen wurde dadurch auch zu einen Spießrutenlaufen. Dieses Buch ist einerseits eine Sammlung neuer Erkenntnisse, andererseits jedoch vor allem eine persönliche Abrechnung der drei Autorinnen mit allen vorherigen Autoren, die es wagten nicht ihrer Meinung zu sein, denn nur Apser, Kempin und Münchmeyer-Schöneberg haben die Wahrheit enthüllt, nur sie haben das einzig wahre Bild der Else Ury gepachtet, nur ihre Interpretation des Werkes ist die einzig richtige, und das lassen sie in diesem Buch mehrfach deutlich durchblicken. Ja, es gibt in dieser Biografie durchaus neues zu entdecken, wie Verlagsexemplare von "Das Kränzchen", anhand derer anonymer Veröffentlichungen zweifelsfrei Else Ury zugeschrieben werden können. Auch die Auflistung der Übersetzungen in andere Sprachen ist für viele durchaus neu. Dennoch hat diese Biographie einige deutliche Schwächen, so dass sie fast schon nicht als Biografie zu bezeichnen ist. Wer sich für Else Ury interessiert ist sicherlich nicht an einer minutiösen Untersuchung und Gegenüberstellung der verschiedenen Übersetzungen interessiert, die in diesem Buch S. 87-109 einnehmen, zumal man dafür auch die seit 1933 nicht mehr erhältlichen Ury Bücher kennen muss, um den Ausführungen der Autorin folgen zu können. Die Vorraussetzung von Detaillierten Kenntnissen auch der seltenen Ury Werke ist somit das Hauptproblem, das sich durch das ganze Buch zieht. Das Kapitel Reisen bei Else Ury (S. 77-86), wird damit ebenfalls für nicht Spezialisten einfach nur langweilig. Im Prinzip ist nur Teil I des Buches (S. 19-62) die tatsächliche Biografie, in den Restlichen Seiten protzt man mit seinem Spezialwissen und wie groß die eigenen Sammlung doch ist. Wirklich interessantes Neues, wie das Theaterstück "Der Sandmann kommt" werden erwähnt, aber nicht im Anhang angefügt, denn das ginge gegen den Sammlerstolz, es im Gegensatz zu anderen, zu besitzen. Das Buch weist erheblich stilistische Mängel auf. Unangenehm fallen vor allem Bandwurmsätze z. Bsp über 16 Zeilen auf S. 11 auf, die durch viele Nebensätze und Einschübe noch aufgebläht werden. Die Wortwahl, was Veröffentlichungen von andersdenkenden Ury Interessierten angeht ist diffamierend, unsachlich und unpassend. So "versteigt" sich Marianne Brentzel mit einer Aussage auf S. 15 und ihr wird generell Unkenntnis der Übersetzungen vorgeworfen (S. 102) und Brentzels Ansichten werden als verleumderisch (S. 105) angesehen. Verleumderisch ist aber die generelle Wortwahl der drei Autorinnen, wenn es um ihre Intimfeindin Brentzel geht. Diese Biografie könnte auch den Titel "Brentzel hatte unrecht", oder "Brentzel ist doof" tragen, zumindest drängt sich der Gedanke nach der Lektüre sehr auf. Man sucht bei jedem gutgemeinten Versuch anderer, sich Urys Werk zu nähern nach Fehlern und listet diese minutiös (und für nicht Ury Kenner unglaublich eintönig und langweilig) auf, so wird die Änderung des Kosenamens Herzle in Herzchen in einer Südafrikanischen Schulausgabe des 6. Nesthäkchenbandes als dümmlich wirkend bezeichnet und die gutgemeinte Übersetzung des Weltkriegsbandes ins Englische bekommt auch massiv Kritik ab. In Fußnoten wird dann immer mal wieder nachgetreten besonders im Anhang "Nachkriegszeit". Das ist unprofessionell und peinlich, denn auch dieses Werk ist sicherlich mitnichten vollständig und über jeden Verdacht erhaben.

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