Barbara Büchner Blaubarts Schloß

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Inhaltsangabe zu „Blaubarts Schloß“ von Barbara Büchner

Im düsteren Schloß ihres Onkels lebt das Mädchen Merle inmitten pensionierter Werwölfe, verzauberter Raben und mitfühlender Holztiere. Das dunkelste Geheimnis aber umgibt den Kinderhirten, der eine Herde kleiner Gespenster durch den Park treibt und auch Merle immer stärker in seinen Bann zieht.

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  • Barbara Büchner: Blaubarts Schloss

    Blaubarts Schloß
    Elmar Huber

    Elmar Huber

    31. January 2014 um 11:53

    “Die Wirtin sagte (so leise, dass sie glaubte, ich könnte es nicht hören): “Wenn sie mich fragen, ist Carnanoth kein geeigneter Ort für ein Kind.” Sie warf einen raschen Blick auf mich, aber als ich tat, als bestauntet ich den Wagen – eine sehr großen, imposanten Wagen – und interessiere mich nicht im geringsten für ihr Gespräch, fügte sie mit der selben gedämpften Stimme hinzu: “Ich würde nie zulassen, dass eines meiner Kinder dorthin gebracht wird, Man kann sagen, was man will, es ist genausowenig anständig wie das, was früher dort geschehen ist.” STORY Ein neunjähriges Mädchen, das später nur noch Merle genannt wird, obwohl dies gar nicht ihr Name ist, ist alleine unterwegs zum Schloss Carnanoth seines Onkels Abelart unterwegs. Schon der Weg dorthin ist gekennzeichnet von unheilvollen Vorboten und Träumen. Im Schloss schließlich lernt sie nicht nur ihren Onkel kennen, sondern auch Herrn Marnion, den ihr Onkel eigens aus seiner Gefangenschaft ausgelöst hat, um als Hauslehrer für das Mädchen zu Diensten zu sein. Obschon dieser seltsame Manierismen an den Tag legt, fasst Merle Vertrauen zu dem vogelartigen Mann, der sie eindringlich vor dem ehemaligen Schlossherrn von Carnanoth warnt. Denn dieser streift des Nachts als Hirte um das Schloss, in seiner Gefolgschaft eine Horde abgezehrter Kinder. Doch Merle gerät in den Bann des Hirten, der sie in sein Reich entführt. MEINUNG Schon der Titel des Buches verheißt Bedrohung für die junge Nichte des Schlossherren, ist Blaubart doch als (Ehe-)frauenmordender Unhold in die Geschichte der Märchen eingegangen. Auch Barbara Büchner baut bereits auf den ersten Seiten mit ungeheurem Tempo eine dichte fremdartige und gar bedrohliche Atmosphäre auf, die zum einen daraus resultiert, dass hier ein neunjähriges Mädchen offensichtlich alleine – ohne Eltern oder sonstige bekannten Bezugspersonen – auf die lange Reise an einen fremden Ort geschickt wurde, zum anderen aus den Beschreibungen der Reisenden aus der Ich-Perspektive: “Ich weiß noch, dass mir der Tag endlos lang erschien und dass ich – wie ich damals dachte – um den halben Erdball reiste. Die Landschaft, graue Marschen zu beiden Seiten der Eisenbahnstrecke, war beklemmend öde. Ich erblickte nur zweierlei, das man als Orientierungspunkte ansehen konnte, und beides erweckte ein Gefühl des Unbehagens in mir. Einer dieser Orientierungspunkte waren die steilwandigen, düsteren Hügel am Horizont, der andere waren Gebäude: An verschiedenen Stellen in der Ebene erhoben sich Türme, bedrohliche Türme von zylindrischer Form und beträchtlicher Höhe. Welchem Zweck sie dienten, war nicht ersichtlich; vielleicht waren es Silos, vielleicht Beobachtungsposten.” Am ersten Abend dessen Zeuge der Leser wird, rastet das Mädchen in einem Hotel in einer Stadt “bleierner Düsternis und Unfreundlichkeit”, in der nur noch die Spuren menschlicher Vergnüglichkeit zu erkennen sind. Dort wartet bereits ein Päckchen von ihrem Onkel auf sie, adressiert an Merle, was gar nicht ihr Name ist. Das Päckchen enthält ein Buch, das das Mädchen sogleich nach dem Zubettgehen aufschlägt. Und so beginnt eine Binnenerzählung, in der man die Protagonistin namens Merle sogleich mit dem reisenden Mädchen gleichsetzt. Die hübsch zurecht gemachte Merle des Buches ist im Auftrag ihrer Eltern unterwegs in das nahe Schloss, um dem Schlossherren Erdbeeren zu bringen und vielleicht mit einem süßen Brei entlohnt zu werden. Unterwegs rettet Merle einem Raben das Leben, der sie im Gegenzug vor dem Schlossherren warnt: “Hernach wird er Dinge tun, über die ich in Anbetracht deines zarten Alters nichts Näheres sagen möchte, und dann wird er dir mit einem scharfen Messer die Augen ausstechen und das Herz herausschneiden; und was von dir noch übrig ist, wird er in einem Topf kochen, bis die Knochen nackt und weiß sind, wie er’s mit allen Kindern gemacht hat, die auf sein Schloss gekommen sind.” Tatsächlich nähert sich der Schlossherr, der immer mehr den Charakter eines bösen Tiers annimmt, Merle nach dem Genuss der Erdbeeren in lüsterner, eindeutig sexuell motivierter Weise und nur dank des Raben gelingt Merle die Flucht. In der auf die Lektüre folgenden Nacht spinnt das reisende Mädchen die Geschichte weiter, indem sie von einem dort ein Treffen des Schlossherrn mit Merles Eltern träumt, der impliziert, dass diese Merle regelrecht an den Schlossherren verkauft haben. Entsprechend vorbereitet ist der Leser, als nun die Merle der Haupterzählung Carnanoth erreicht und dort nicht nur auf einige höchst skurrile Figuren und sonderbare Gepflogenheiten des Schlosslebens trifft sondern auch auf symbolhafte Parallelen zur Geschichte des Buches.  Mit dieser beunruhigenden Spannungshaltung gelingt es der Autorin, den Leser anfänglich immer tiefer in den Bann ihrer Geschichte zu ziehen. Mit Merles Entführung durch den Hirten jedoch erhält die Geschichte mehr und mehr Leerlauf. Es häufen sich selbstzweckhafte Skurrilitäten, die nirgendwo hin führen. So bleibt nicht nur der Überblick über die Ereignisse zunehmend auf der Strecke, auch die durchgehende unterschwellige Bedrohung des Beginns fällt nach und nach in sich zusammen. Alles läuft darauf hinaus, dass der Hirte und frühere Schlossherr am Ende Erlösung erfährt, die jedoch vor christlicher Symbolik trieft. Weniger wäre hier mehr gewesen, zumal Barbara Büchner den vermeintlichen Bösewicht der Geschichte äußerst gelungen in eine Figur verwandelt, die inzwischen Absolution verdient hat. „Dann kamen wir an die Mauer des Wintergartens und an die schmale Pforte. Onkel Abelard schloss sie auf, wir schritten einer nach dem anderen hinein. In der kühlen Stille des verschneiten Gartens klangen die Hymnen die sie hinten sangen, viel lauter und eindringlicher als zuvor. Der Kinderhirt schauderte. „Dass ich noch einmal hier stehen würde!“ sagte er und drückte die gefalteten Hände auf die Brust, als müsste er dein Herz festhalten, und dann fügte er hinzu: „Ich wollte, ich wäre jung gestorben und hätte mich nicht so maßlos mit Sünden beladen.“ Wie in zahlreichen anderen Märchen auch, ist in BLAUBARTS SCHLOSS unterschwellig auch die Frauwerdung der Protagonistin ein Thema, das sich durch die komplette Erzählung zieht. Urplötzlich sieht sich Merle dem Begehren ausgeliefert, dass ihr von dem Hirten entgegenschlägt. Doch mehr noch als die körperliche Entwicklung wird hier die psychische Frauwerdung behandelt, denn erst das selbst Erlebte macht uns zu einem reifen, “erfahrenen” Menschen. FAZIT BLAUBARTS SCHLOSS erweist sich als modernes und durchaus erwachsenes Kunstmärchen mit ambivalenten Figuren, das leider die dichte Spannung des Beginns nicht voll durchhalten kann und zum Ende hin in christlicher Symbolik versinkt.

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