Barbara Demick

 4.5 Sterne bei 28 Bewertungen
Autor von Im Land des Flüsterns, Die Rosen von Sarajevo und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Barbara Demick

Im Land des Flüsterns

Im Land des Flüsterns

 (8)
Erschienen am 02.05.2016
Die Rosen von Sarajevo

Die Rosen von Sarajevo

 (7)
Erschienen am 01.03.2012
Die Kinogänger von Chongjin

Die Kinogänger von Chongjin

 (6)
Erschienen am 09.03.2010
Nothing to Envy

Nothing to Envy

 (4)
Erschienen am 21.09.2010
Nothing To Envy: Real Lives In North Korea

Nothing To Envy: Real Lives In North Korea

 (3)
Erschienen am 08.07.2010
Besieged

Besieged

 (0)
Erschienen am 05.04.2012
Nothing to Envy

Nothing to Envy

 (0)
Erschienen am 29.12.2009

Neue Rezensionen zu Barbara Demick

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GrauerVogels avatar

Rezension zu "Im Land des Flüsterns" von Barbara Demick

Wo selbst Gedanken gefährlich sein können
GrauerVogelvor 2 Monaten

Barbara Demick hat für eine Zeitung in Los Angeles lange Zeit in Korea gelebt und darüber geschrieben. In dieser Zeit lernte sie viele Flüchtlinge aus der nordkoreanischen Stadt Chongjin kennen und hat einige dieser Geschichten in diesem Buch zusammengefasst. Dabei lesen wir einige sehr verschiedene Biografien, die sich gegenseitig gut ergänzen.

Die Geschichten sind denkbar unterschiedlich: Da gibt es das junge Liebespaar Mi-ran und Jun-sang, ihr Vater stammt aus Südkorea, seine Familie aus Japan, beide haben einen entsprechend niedrigen Status. Frau Song ist überzeugte Anhängerin des Regimes - bis zur Hungersnot. Ihre älteste Tochter hingegen hat schon immer dagegen rebelliert. Dr. Kim ist eine junge Ärztin, deren Vater in den 1960er Jahren als ethnischer Koreaner aus China nach Nordkorea kam, um der dortigen Hungersnot zu entfliehen. Hyuck wurde früh zum Straßenkind und schlug sich irgendwie so durch. Sie alle verbindet am eines: Die Flucht.

Die Geschichten sind gut zusammengestellt und beleuchten verschiedene Gruppen, die es innherhalb der nordkoreanischen Gesellschaft gibt.

Insgesamt verläuft das Buch chronologisch. Es beginnt mit den 1960er Jahren, als Nordkorea zunächst besser dastand als Südkorea und durch die Hilfe von kommunistischen Bruderstaaten eine funktionierende Wirtschaft aufzubauen. Später kommt es zum unvermeidlichen Kollaps der Planwirtschaft und zur großen Hungersnot. Fabriken werden geschlossen, die Menschen verlieren ihre Existenzen, Schwarzmärkte und eine zweite, geheime Wirtschaft entstehen. Immer mehr Menschen entwickeln Zweifel am Regime - oder gar ernsthafte Kritik. Das Buch versorgt einen außerhalb der persönlichen Schicksale auch mit Hintergrundinformationen. Dadurch eignet sich dieses Buch auch sehr für alle, die sich noch nie vorher mit Nordkorea beschäftigt haben.

Die Flucht gestaltet sich dann ebenso unterschiedlich, außer dass alle über China fliehen (müssen). Aber von China nach Südkorea finden sie wiederum ganz verschiedene Wege. Hier war mir die Informationslage teilweise zu dünn, da haben mir einige Aspekte gefehlt, die ich schon von anderswo kenne.

Auch über die erste Zeit in Südkorea erfahren wir zu jedem Protagonisten seine Geschichte.

Die Schicksale der Menschen waren wirklich spannend zu lesen und haben mich teilweise sehr berührt. Für unsereins ist das Leben dort schwer vorstellbar. Dennoch war dieses Buch nicht ganz so eindringlich, wie es eine Autobiografie sein kann, dafür aber vielseitiger.

Informatives Buch für alle, die sich für dieses Land interessieren. Die gewählten Geschichten ergänzen sich gegenseitig sehr gut und vermitteln umfassende Eindrücke über dieses Land. Trotzdem berührt es mich nicht so sehr, wie es eine Autobiografie kann und wirkt zum Teil etwas zu nüchtern. Insgesamt empfehlenswert, ich rate bei diesem Thema aber grundsätzlich immer dazu, noch andere Bücher darüber zu lesen.

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BluevanMeers avatar

Rezension zu "Nothing To Envy: Real Lives In North Korea" von Barbara Demick

Schockierend
BluevanMeervor einem Jahr

Zugegeben - als dieses Buch für meinen englischen Bookclub von einer Bekannten ausgewählt wurde, bin ich nicht gerade im Kreis gesprungen vor Freude. Ich hatte Lust auf ein literarisches Werk.  Trotzdem beeindruckte mich diese Reportage über Nordkorea, kein Wunder, hat die Journalistin Barbara Demick doch bisher auch durch Reportagen über den Konflikt in Sarajevo auf sich aufmerksam gemacht.

Barbara Demick beginnt zunächst mit einigen Fakten über Nordkorea, dem sicherlich abgeschottetsten Land dieser Welt. 2001 befand sich die Journalistin selbst in Südkorea und berichtete für die Los Angeles Times. Da es für ausländische Journalisten nach wie vor schwierig ist, nach Nordkorea zu reisen, suchte sie Kontakt zu Geflüchteten. Mehr als sieben Jahre lang recherchierte Demick über das Land, ohne es jemals betreten zu können. In ihrem Vorwort schreibt sie:

My hope is that one day North Korea will be open and we will be able to judge for ourselves what really happened there.

Als es der Journalistin 2005 endlich gelang ins Land zu reisen, wurde sie nicht nur von offizieller Seite begleitet, sondern der Besuch glich einer Zirkusveranstaltung. Vorbei an monumentalen Gemälden von Kim Jong-il und seinem Vater Kim Il-Sung, mit der Bevölkerung zu sprechen war nicht möglich. Der Comiczeichner Guy Deslile macht ähnliche Erfahrungen, als er in Pjöngjang unterwegs ist und hat seine Erlebnisse in dem gleichnamigen Graphic Novel verarbeitet.

 Demick konzentriert sich deshalb auf Erzählungen von Geflüchteten. In ihrem Buch beschreibt sie sechs Nordkoreaner:innen, die ihre Heimat verlassen haben. Die Geschichten sind tragisch und häufig einfach nur traurig. Besonders mitgenommen hat mich die traurige Liebesgeschichte eines Paares, die im Buch Mi-Ran und Ju-Sang genannt werden. Es ist herzzereißend zu lesen, dass beide nicht einmal gegenseitig von ihren Plänen zu fliehen, wissen dürfen. Aus Angst, den anderen mit in ein Problem hineinzuziehen. Aber auch aus Angst, dass der andere die eigenen Pläne verraten würde. Das Spitzelwesen ist extrem ausgeprägt und dass sich nicht einmal Verliebte über so elementare Dinge austauschen können, hat mich schwer getroffen. Dabei haben sie lange Zeit als angepasste Bürger in ihrem System überlebt. Als sie sich später in Südkorea wieder treffen, ist es für eine gemeinsame Zukunft zu spät.

Kim Jong-Ils Version der Schreckensherrschaft und Diktatur kann  nicht allein mit dem Begriff Kommunismus gefasst werden. Der Staatsführer wird als Gott verehrt, seine Stimme im Fernsehen mit Schalleffekten nachbearbeitet, die Legende über seine Geburt fabuliert die Erscheinung eines doppelten Regenbogens unter dem der Führer die Welt betreten haben soll. Am laufenden Band, ganz seiner messiasartigen Intelligenz entsprechend, schreibt er Doktorarbeiten. Mittlerweile sollen es an die 3000 sein...

Sieht man vor diesem Hintergrund die Bilder von eskalierenden Menschenmengen, die sich vor Trauer auf dem Boden wälzen, als Kim Jong Un verstarb, lässt sich zumindest die Eskalation dieser Ereignisse nachvollziehen. Als ich die Bilder im Fernsehen sah, dachte ich noch, da wären Schauspielerinnen engagiert worden. Aber in den Augen der Menschen ist ein Gott verstorben - wie sollen sie ohne ihn leben können? Gleichzeitig verbirgt sich hinter dem Nordkoreanischen System auch eine Übertragung alter Adelsvorstellungen des reinen Blutes, die sich mit nationalistischen Vorstellungen verbindet. Es ist interessant zu lesen, wie Legenden über Volk und Blut und Boden gestrickt werden und um so trauriger zu erkennen, dass auch viele Nordkoreaner, die es geschafft haben, ihre Heimat hinter sich zu lassen. ohne in einem Arbeitslager zu enden, massive Anpassungsschwierigkeiten in der "neuen Welt" haben.

Mich hat Demicks Bcuh überzeugt, weil es die persönlichen Schicksale der Menschen in den Vordergrund stellt ohne ihre Lebensgeschichten auszustellen. Eine beeindruckende Reportage.

 

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ErleseneBuechers avatar

Rezension zu "Im Land des Flüsterns" von Barbara Demick

Wanderschwalben, Hunger & Dunkelheit
ErleseneBuechervor 3 Jahren

Es ist unglaublich, dass es dieses Land zur heutigen Zeit noch so gibt, wie es ist. Was dieses peinlich, veraltete, tyrannische Regime der Bevölkerung antut, kann man kaum glauben. Und viele Länder gucken tatenlos zu, da sie nur wirtschaftliche Interessen verfolgen. Aber das ist ja nichts Neues.

Nachdem ich “Flucht aus Lager 14“, in dem es vor allem um die Gefangenenlager in Nordkorea geht, gelesen habe, wollte ich unbedingt mehr aus dem Alltag in diesem furchtbaren Land wissen. Genau das konnte mir Barbara Demick nun mit ihrem Buch liefern. Sie erzählt verschiedene Geschichten aus dem Alltag. Dazu hat sie viele Flüchtlinge aus Nordkorea, die in China oder Südkorea leben, interviewt. Vor allem geht es um das Leben von sechs ganz unterschiedlichen Menschen, die bereit waren ausgiebig zu erzählen. Demick selbst war auch viele Male in Nordkorea und hat sich ebenfalls ein Bild machen können.

Man erfährt Unglaubliches und sehr oft musste ich immer wieder auf die Jahreszahlen gucken, von wann diese Berichte sind, da es sich wie das vorvorherige Jahrhundert anhörte und nicht wie die 90er oder Anfang 2000. Schon allein wie man in diesem Land gereist ist, was das für Verhältnisse sind. Ganz zu schweigen von der Kommunikation in den 90ern. Post kam im Winter eigentlich nie an, da die Beamten die Briefe verheizt haben, um nicht zu erfrieren. Im Sommer dauerte ein Brief manchmal Monate für z.B. eine Strecke von 150 km.

Aber das sind ja nur die Dinge, die am Rande geschildert wurden. Vor allem war natürlich die großen Hungersnöte in den 90ern prägend. Es sind Millionen Menschen einfach verhungert, da die Regierung, die sich doch als großer Wohltäter aufspielte, nicht wirtschaften konnte bzw. wollte, da alles in die eigenen Taschen floß, wie z.B. auch die vielen Nahrungslieferungen der Westländer. Es war ein völlig natürliches Straßenbild, abgehungerte, bettelnde Kinder zu sehen, auch wenn Leichen am Wegesrand lagen, überraschte es keinen.

Erschreckend ist auch, wie dieses Land in den Flüchtlingen nachwirkt. So könnte man denken, es gibt ja für jeden der Interviewten ein Happy End, da sie am Ende in Südkorea oder China leben. Auf jeden Fall haben sie dort genug zu Essen, das ist ein Fortschritt. Aber sie leben alle mit großen Schuldgefühlen, sei es weil sie einige Dinge tun mussten bzw. unterlassen haben, um selbst zu überleben, oder weil ihre Angehörigen vermutlich tot sind, da sie geflüchtet sind.

Das Buch lässt einen traurig, leer zurück. Aber es ist so wichtig, dass die Welt nicht mehr die Augen verschließt. Ich finde es schon richtig, dass die Welt sich über Kim Jong Un lustig macht, da er wirklich eine Witzfigur ist. Aber man darf nicht vergessen, dass dort Millionen von Menschen unter seiner Willkür leiden!

Bewertung: 4,5 von 5 Punkten

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