Barbara Gowdy Der weiße Knochen

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Inhaltsangabe zu „Der weiße Knochen“ von Barbara Gowdy

In diesem Roman, der vollkommen aus der Perspektive afrikanischer Elefanten erzählt ist, schafft Barbara Gowdy eine ganz eigene Welt, ein Universum der Elefanten, zu der ihre Familienstammbäume genauso gehören wie ihre Gesänge und ihre spirituellen Vorstellungen. Und doch spiegelt sich in ihrer Welt unsere auf seltsame Weise. (Quelle:'E-Buch Text/15.08.2014')

Die Gefühle von Elefanten in einem Roman - kann das gehen? JA! Und ein Buch, in dem eine Protagonistin "Dattelbett" heißt, muss schön sein!

— MirjamMuentefering
MirjamMuentefering

Eine mystische Familiengeschichte einer Elefantenherde auf der Suche nach Wasser und Hoffnung. Sprachlich etwas gewöhnungsbedürftig.

— BluevanMeer
BluevanMeer

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  • Familientragödie auf Elefantenart

    Der weiße Knochen
    BluevanMeer

    BluevanMeer

    03. September 2014 um 19:02

    Die Elefantenkuh Matsch macht sich mit ihrer Herde auf um einen weißen Knochen zu suchen. Laut Elefantensage soll der weiße Knochen die einzige Möglichkeit sein, die lang anhaltende Dürreperiode unter der die Elefantenherden leiden, aufzuhalten. Außerdem soll er auch Schutz vor Wilderern bieten, die auf das Elfenbein der Elefanten aus sind und den Weg zu einem sicheren Ort weisen, an dem alle „Siejenigen“ (so nennen sich die Elefanten selbst) friedlich miteinander leben können.  Was hier scheinbar als leichte Geschichte, vielleicht sogar für Kinder, daherkommt (immerhin wirbt dieser niedliche kleine Elefant auf dem Cover für absolute Harmlosigkeit), entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als knallharte Familientragödie, die in einer mystisch aufgeladenen Welt angesiedelt ist, die nach ganz eigenen Regeln und Gesetzen funktioniert und in der der Tod allgegenwärtig ist. Ganze Herden wurden schon von den Wilderern getötet. Die Elefantin Matsch wurde von ihrer Ursprungsherde zurückgelassen und muss sich einer anderen Herde anschließen. Die kleinen Elefanten haben alle noch ihre „Kälbernamen“, wie Matsch oder Dattelbett. Erst erwachsene Elefantenkühe erhalten einen Namen, der auf ihre Ursprungsherde verweist. Matsch macht sich viele Gedanken um diese ungerechte Namensänderung, immerhin sind Elefantenbullen - wie ihr Verehrer Langschatten - nicht von dieser Regelung betroffen.  „Ein Bulle kann hundert Kühe besteigen und darf dennoch für immer seinen Geburtsnamen behalten. ,Das liegt daran, dass Bullen ihr Leben lang Kälber bleiben’, sagte Sie-Schnaubt in ihrer typischen trockenen Art, als Matsch zum ersten mal den Brauch der Umbenennung von Kühen hinterfragte.“ (S.18)  Es gibt mehrere Familien, mit denen Matsch zu tun hat: die Sie-Ds, die Sie-Ms, die Sie-Schs, die Sie-Bs und Bs und die Wir-Fs (allerdings sind letztgenannte sehr besondere Elefanten, sie sind kleiner als die anderen und alle Visionärinnen, das heißt, sie haben grüne Augen). Matsch ist ebenfalls Visionärin der Elefantenherde, das bedeutet, dass sie zwei Arten von Visionen haben kann: entweder Dann-Visionen, die die Zukunft beschreiben oder auch Dort-Visionen, die zeitgleich ablaufende, aber räumlich getrennte Ereignisse zeigen. Einzig ihren eigenen Tod kann eine Visionärin nicht voraussehen. Ihre Freundin Dattelbett hingegen ist eine Gedankenrednerin, das heißt, dass sie die Gedanken anderer Artgenossen hören kann und nach einigem Üben auch die Gedanken aller Lebewesen. Insekten, Schlangen und Menschen sind allerdings von dieser Kunst ausgenommen. Menschen sind schließlich die absolute Gefahr, da sie die Herden und damit ganze Familien reihenweise abschlachten, doch es gibt auch Ausnahmen. Manche wollen sie nur beobachten. Die Elefantenkühe haben sich ihre ganz eigenen Theorien zurecht gelegt, warum sich manche Menschen so merkwürdig verhalten:  „Nun, [...] die Erinnerung an die Zeit vor dem Niedergang sei zu ihnen zurückgekehrt und ihnen sei wieder eingefallen, dass sie früher selbst Siejenige gewesen sind. Und jetzt geistert in ihren haarigen kleinen Köpfen die Vorstellung herum, die würden wieder zu dem werden, was sie einst waren, wenn sie uns nur lang genug anstarrten.“ (S.79) Während Matsch mit ihrer Herde unterwegs ist und allerlei Gefahren bestehen muss, hat sich der Bulle Langschatten ebenfalls auf die Suche nach dem weißen Knochen begeben, außerdem sehnt er sich nach Matsch, obwohl er weiß, dass das ein sehr untypisches Gefühl für einen Elefantenbullen ist ... Mir hat die Welt, die Gowdy sehr eindrücklich und mit besonderen Neologismen beschreibt, trotz anfänglicher Skepsis sehr gefallen. Die Besonderheit des Romans liegt meiner Meinung nach darin, dass die Elefanten eben nicht vermenschlicht werden - stattdessen wird alles dafür getan, den Effekt der Entfremdung so gut es geht, aufrecht zu erhalten. Nicht nur, dass die Elefanten besondere Hymnen im Chor anstimmen, die schon kleine Kunstwerke für sich sind und die besondere Spiritualität der Elefanten zeigen:  „Hab Dank für einen Glauben der nicht schwankt und Schutz vor Furcht mir gibt. Der mich befreit von Todesangst und doch das Leben liebt. Der alle Zweifel, alle Mühe mitnimmt und in der Not nicht fällt, der steht zur Sie, der Kuh der Kühe, zum Rüssel, der uns hält.“  Auch die ganze Verpaarungszeremonie ist schon gewöhnungsbedürftig, die Elefanten sind eben keine Menschen, sondern sind weiterhin die wilden Tiere, die wir nicht ganz verstehen können, die aber auf ihre eigene Art spirituelle und philosophierende Wesen sind. Gowdy ist ein sehr schöner Roman gelungen, in den man sich allerdings erst ein wenig einfinden muss. Zum Glück war zumindest bei meiner Ausgabe vorne eine Landkarte abgebildet, so dass ich etwas besser die Wanderung der Elefanten nachvollziehen konnte. Und es gibt einen Stammbaum der unterschiedlichen Familien, so dass auf jeden Fall klar ist, wer wessen Tochter ist. Und ein ganzes Wörterbuch der Elefantensprache (so ist zum Beispiel ein „Zahnstamm“ ein Krokodil und die Bezeichnung „Rüssel“ generell eine Bezeichnung für Tiefsinnigkeit). Viel Rüssel, allen die diesen rührenden Roman lesen.

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  • Ein tolles Buch, aus Sicht der Elefanten erzählt!

    Der weiße Knochen
    PMelittaM

    PMelittaM

    20. April 2014 um 15:55

    Das Leben der Elefantin Matsch, ihrer Familie und all der anderen Elefanten wird nicht nur bedroht von einer anhaltenden Dürre sondern auch von den Hinterbeinern, wie die Elefanten die Menschen nennen, die Jagd auf sie machen, um an ihre Stoßzähne und Füße zu kommen. Doch da gibt es noch die Legende vom weißen Knochen, der den Weg an einen sicheren Ort weisen kann. Die Autorin erzählt den Roman ganz aus Sicht der Elefanten, was der Geschichte eine große Eindringlichkeit gibt. Besonders drei Elefanten hat Barbara Gowdy ausgewählt: Matsch, die gerade ihre erste Brunft hinter sich hat und nun eigentlich Sie-Schmollt heißt, diesen Namen aber ablehnt. Dattelbeck ist noch ein Kalb, sie ist Telepathin und kann daher auch mit anderen Spezies kommunizieren. Langschatten, ein Bulle, der besondere Gefühle für Matsch hegt und im Laufe seiner Wanderung auf Waldelefanten trifft. Dadurch, dass die Autorin drei Elefanten herauspickt, die die meiste Zeit nicht zusammen sind, sind Perspektivewechsel möglich, die nicht nur die Spannung erhöhen sondern auch die Möglichkeit bieten, dem Leser einiges mehr deutlich zu machen. Der Roman ist nicht nur eine Charakterstudie dreier Elefanten, die zeigt, dass Elefanten Individuen sind mit ganz eigenen Gefühlen und Gedanken, er lässt den Leser teilhaben am Leben der Elefanten allgemein, das schon für sich viele Gefahren in sich birgt: Dürre, Krankheiten, Raubtiere, er zeigt zudem auf, wie furchtbar der Mensch in dieses Leben eingreift, für die Elefanten oft unbegreiflich und sehr zerstörerisch. Die Autorin hat den Elefanten eine eigene Mystik und Religion gegeben, um das noch zusätzlich zu verdeutlichen. Für manch einen mag letzteres zu viel Fiktion sein, aber die Autorin hat gut recherchiert (im Anhang findet sich eine Auflistung der von ihr benutzten Bücher) und wer sich ein bisschen mit Elefanten beschäftigt hat, hat, wie ich, vielleicht schon das Gefühl, dass es genau so sein könnte. Schön finde ich, dass bei aller Tragik des Themas der Humor nicht zu kurz kommt, immer wieder muss man schmunzeln, sei es über schwierige Familienmitglieder oder über die Art wie manche Spezies sich selbst und/oder ihre Umwelt sehen. Es ist eben nicht nur ein trauriges Leben, das da erzählt wird sondern ein Leben mit Hochs und Tiefs. Und, das sei vorweggenommen, am Ende blitzt ein Stück Hoffnung auf. Gefallen hat mir auch, dass neben einer Karte auch Stammbäume der wichtigsten Elefantenfamilien und ein Wörterbuch Elefantisch-Mensch enthalten ist, vieles wird zusätzlich noch durch Fußnoten erläutert. Ein tolles, wichtiges Buch, das durchaus noch aktuell ist, auch heute noch viele Leser haben sollte und das ich absolut empfehlen kann! Mich hat es zum Weinen, zum Lachen und zum Nachdenken gebracht!

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  • Erschütternd

    Der weiße Knochen
    cvcoconut

    cvcoconut

    10. May 2013 um 08:49

    Das Buch war mal von einem anderen Schlag. Biographien hat man ja schon etliche gelesen, aber noch nie von Elefanten. Ich fand es teilweise sehr erschütternd und manchmal auch amüsant. Es ist erstaunlich, wie die grauen Riesen unsere Welt sehen und bestimmte Dinge wahrnehmen. Genauso erschreckend ist es, wie sie dann mit der langen Dürre kämpfen und natürlich mit dem Mensch. Die Jagd nach dem Elfenbein hört leider auch nie wirklich auf und es ist schockierend, mit welcher Skrupellosigkeit und Brutalität die Jäger ans Werk gehen. Das Buch ist eigentlich voll aus dem Leben der Elefanten gegriffen, mit all seinen schönen, traurigen und brutalen Seiten.

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  • Rezension zu "Der weiße Knochen" von Barbara Gowdy

    Der weiße Knochen
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    28. July 2008 um 12:01

    Ein wunderbares Buch. Zunächst ist es etwas schwierig, sich in der Gesellschaft der Elefanten zurecht zu finden, aber wenn man sich darauf einlässt und in den ersten Kapiteln nicht aufgibt, eröffnet sich einem eine wunderbare, herzergreifende Geschichte! Sie hat mich wirklich bewegt und ist nicht nur für Elefantenfans etwas!

  • Rezension zu "Der weisse Knochen" von Barbara Gowdy

    Der weiße Knochen
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    26. May 2007 um 17:46

    Wunderschöne Geschichte über eine Elephantenfamilie auf der Suche nach fruchtbaren Gebieten und Waser. Von einer Elephantenfrau aus der Ich-Erzähler-Perspektive erzählt.