Darum geht es:
Bernadette steckt fest. Beruflich weit entfernt von ihren ursprünglichen Träumen, privat allein für alles verantwortlich, begleitet sie das Gefühl von Stillstand jeden Tag. Plötzlich ergibt sich die Chance, für einen Monat nach Madrid zu reisen und sie entscheidet sich spontan dafür. Ohne Spanischkenntnisse, aber offen für neue Begegnungen, taucht sie in eine fremde Umgebung ein. Die Stadt, die Menschen und die Distanz zum Alltag setzen etwas in Bewegung, das sie selbst nicht vorhersehen konnte.
Mein Leseeindruck:
Ich habe Bernadette unheimlich gerne auf ihrer Reise begleitet, aber gerade zu Beginn hätte ich sie am liebsten geschüttelt wie eine liebe Freundin, um ihr zu zeigen, dass sie mehr Stärke in sich trägt. Sie ist so lieb, gutmütig und fürsorglich, dass ich mich oft gefragt habe, ob sie merkt, wie sehr sie sich selbst zurücknimmt.
Madrid wird in diesem Buch so atmosphärisch beschrieben, dass ich mich fast selbst neben Bernadette durch die Straßen schlendern sah. Die Eindrücke der Stadt und der Menschen setzen etwas in ihr in Bewegung, das ich intensiv miterleben konnte. Ich konnte mich sehr gut in die Gefühlswelt von Bernadette und Tom einfinden und ihre Gedanken und Emotionen nachfühlen. An manchen Stellen wirkt die Geschichte leicht skurril, was ihr Charme und Originalität verleiht.
Der flüssige Schreibstil der Autorin macht das Lesen angenehm und leicht. Für mich ist es ein feinfühliger Roman über Wendepunkte im Leben, über Mut, Veränderung und die kleinen Momente, die alles in Bewegung bringen.
Fazit:
4/5 ⭐️ Ein Buch, das mich berührt und inspiriert hat.
Barbara Handke
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Barbara Handke
Wo ist Norden: Roman
Bernadette ändert ihr Leben
Sommergäste
Ludwig XIV
Wo ist Norden
Neue Rezensionen zu Barbara Handke
Ein schönes Buch gegen die Verbitterung, die so gerne in den mittleren Jahren aufkommt, wenn aus der schieren Fülle der Lebensereignisse und -entscheidungen, die man hinter sich gebracht hat, der Eindruck entsteht, alles sei irgendwie schiefgegangen; alles, inklusive der eigenen Person, habe sich gegen einen verschworen. Da wird dann Pech zu Schuld und der Zufall zum Schicksal. Aber das ändert sich, wenn man diese Erzählungen, die das eigene Leben in einen trübseligen Sinnzusammenhang bannen, hinter sich lässt – zum Beispiel durch eine Reise nach Madrid –, sie zerstreut und, wie es am Ende des Buchs heißt, lernt, ‚seinem Schicksal zu verzeihen‘. Es ist ein Buch darüber, was passiert, wenn man sich von den Vorstellungen, all den Ängsten und Wünschen, den Vergleichen und der Resignation, die im Laufe der Jahre die Realität vertreten, verabschiedet und die Dinge so nimmt, wie sie sich zeigen; es ist ein Willkommensbuch der Wirklichkeit.
Ich hatte etwas für eine längere Bahnreise gesucht und fand Madrid immer interessant. Die Geschichte nimmt einen totel mit, sowohl in die Stadt als auch in das Leben der Figuren. Es ist einfach so gut geschrieben! Ich habe lange kein so gutes Buch mehr bei Dussmann spontan gekauft. Einmal kurz reingelesen konnte ich es einfach nicht mehr weglegen. Das komische ist, ich war eigentlich nur nach Stuttgart zu einem langweiligen Termin gefahren. In der Erinnerung mischt sich das jetzt aber so toll, daß ich das Gefühl habe, ich war WIRKLICH LIVE UND IN FARBE IN MADRID, ich war mit Bernadette unterwegs und wir haben so erstaunliche Sachen erlebt. Von "unserer" Reise hab ich jetzt die schöne Angewohnheit, in jeder Buchhandlung mindestens einmal heimlich Bibliomantie anzuwenden. Möchte fast sagen: Ich vermisse unsere Zeit in Madrid, liebe Bernadette! Und liebe Barbara Handke - gibt es bald einen Teil 2? Ich möchte so gern wissen wie es weitergeht. Absolute Empfehlung, wenn man im trüben deutschen Herbst grad nicht nach Madrid fahren kann, aber Wärme, Menschen und Geschichten vermisst.
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