Barbara Honigmann

 3,8 Sterne bei 39 Bewertungen
Autor*in von Chronik meiner Straße, Soharas Reise und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Barbara Honigmann, 1949 in Ost-Berlin geboren, arbeitete als Dramaturgin und Regisseurin. 1984 emigrierte sie mit ihrer Familie nach Straßburg, wo sie noch heute lebt. Honigmanns Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. dem Heinrich-Kleist-Preis, dem Max-Frisch-Preis der Stadt Zürich, dem Jakob-Wassermann-Preis, dem Bremer Literaturpreis, dem Jean-Paul-Preis, dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung, dem Goethepreis der Stadt Frankfurt a. M. und zuletzt dem Friedrich-Schiller-Preis.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Barbara Honigmann

Cover des Buches Chronik meiner Straße (ISBN: 9783423145428)

Chronik meiner Straße

(5)
Erschienen am 09.12.2016
Cover des Buches Soharas Reise (ISBN: 9783423138437)

Soharas Reise

(5)
Erschienen am 01.01.2010
Cover des Buches Bilder von A. (ISBN: 9783423142403)

Bilder von A.

(4)
Erschienen am 01.08.2013
Cover des Buches Ein Kapitel aus meinem Leben (ISBN: 9783446242388)

Ein Kapitel aus meinem Leben

(4)
Erschienen am 01.11.2012
Cover des Buches Alles, alles Liebe! (ISBN: 9783423131353)

Alles, alles Liebe!

(4)
Erschienen am 01.09.2003
Cover des Buches Damals, dann und danach (ISBN: 9783446281516)

Damals, dann und danach

(3)
Erschienen am 31.01.2024
Cover des Buches Georg (ISBN: 9783446260085)

Georg

(2)
Erschienen am 28.01.2019
Cover des Buches Roman von einem Kinde (ISBN: 9783423128933)

Roman von einem Kinde

(3)
Erschienen am 01.06.2001

Neue Rezensionen zu Barbara Honigmann

Cover des Buches Mischka (ISBN: 9783446282254)
lielo99s avatar

Rezension zu "Mischka" von Barbara Honigmann

lielo99
Kein Buch für zwischendurch

So viele Jahre musste „Mischka“ in der Verbannung leben. Und trotzdem brachte sie nach ihrer Freilassung so viele Menschen zusammen. Die Autorin Barbara Honigmann sagt, dass sie unter anderem durch den Krieg in der Ukraine erkannte, dass die Vergangenheit eine neue Aktualität erhielt. Sie dachte zurück an die Zeit in Moskau als dort der Zusammenbruch des riesigen Sowjetreichs spürbar war. Sie erinnert an ihre Freunde, die sich gegen das Regime wehrten und sogar den Verlust ihrer Freiheit in Kauf nahmen.


Es waren Freunde ihrer Eltern, die Frau Honigmann in diesem Buch porträtiert. Obwohl sie sowohl Verluste als auch Verfolgung erduldeten, ihren Humor behielten sie. Nein, nicht alle. Und das macht dieses Buch so einzigartig. Es berichtet auch von Menschen, die mit den geerbten Traumata nicht leben konnten. Auf welche Weise leiden Kriegskinder und -enkel bis heute unter den Verletzungen ihrer Vorfahren? Es ist unglaublich und doch so realistisch, wenn man das Buch aufmerksam liest.


Nein, es ist keine Lektüre für Zwischendurch. Dieses Werk verdient Aufmerksamkeit. Vielleicht muss es auch ein zweites oder drittes Mal gelesen werden, um seinen Wert zu erkennen. Von mir gibt es eine Leseempfehlung für alle, die auch vor tiefgreifender Lektüre nicht haltmachen.

Cover des Buches Mischka (ISBN: 9783446282254)
Judithas avatar

Rezension zu "Mischka" von Barbara Honigmann

Juditha
Ein familiärer Kreis, Kosmos, Universum, und ein Labyrinth

Mein Interesse an „Mischka“ wurde schon mit dem Namen der Autorin geweckt. Ihre Bücher sind in meiner Erinnerung, ganz besonders „Georg“ hatte es mir angetan. Dass sie wie ich auch, der sogenannten zweiten Generation angehört, wie ich in Ostberlin aufwuchs, das verbindet mich auch gedanklich mit ihr. Nun wieder etwas Neues von Barbara Honigmannzu lesen, darauf freute ich mich. Drei Porträts sind angekündigt im Untertitel und auf dem Umschlag gibt es schon Vorschusslorbeeren von der FAZ. Jetzt ist es Anfang März 2026, es wurden seit Erscheinen im Januar bereits unzählige Rezensionen veröffentlicht. Ich habe sie nicht gelesen, werde das erst tun, wenn meine eigene Rezension beendet ist.
Die Genrebezeichnung Porträt hat bei mir jedenfalls andere Erwartungen aufkommen lassen. Auch das noch ein zweites Mal gelesene Porträt der „Wilhelmine Hermannova Slawusdkaja [so] hieß sie [Mischka] nämlich in aller Länge, geborene Magidson“ hat meine Erwartungen nur teilweise erfüllt. Die Autorin erinnert sich an Mischka, verwebt eigene Eindrücke, Erinnerungen und Erlebnisse mit den Kenntnissen von Mischka und verliert sich im Labyrinth der sowjetischen Dissidenten und der Intelligenzia. Man braucht eine gehörige Portion Geschichtswissen und Geduld, um das Porträt der Mischka daraus hervortreten zu lassen. Personen, Namen, Gedanken und Ereignisse umgeben die Porträtierte wie ein flirrendes Licht. Ich habe mich selbst jahrelang bei Recherchen zur Biografie meines Vaters mit den 1950er bis 1970er Jahren beschäftigt; DDR, Staatssicherheit, KGB, Gulag, Tauwetter, Westemigranten, DPs, Abschottung, Kalter Krieg, Noel Field, Achmatowa usw. tauchen auch in Mischkas Porträt auf, hinzu kommen unzählige Namen wie Sacharow, Solschenizyn, Kopelew, Meyerhold, andere aus der Theater-, viele auch aus der Kunst- und Kulturszene der damaligen Sowjetunion.
Es gibt Insiderwitze und Insiderwissen, hier habe ich es mit einem Insiderbuch zu tun. „Drei Porträts“. Ein Roman ist es leider nicht geworden, ein Essay würde ich es auch nicht nennen. Was dann? Für wen? Wen interessieren all die Namen und Gegebenheiten, die ein halbes Jahrhundert zurückliegen, ihren Ursprung vor weit über 100 Jahren haben. Mich lässt das beinahe ratlos zurück, all die Namen verhallen noch beim Lesen. Bis ich auf einen Bekannten treffe, Richard Pietraß, mit dem ich Mitte der 1970er Jahre im Verlag Neues Leben zusammenarbeitete. Er wurde gegangen, ich ging freiwillig.
Erst beim zweiten Lesen über Mischka, ich habe dabei bewusst nur noch das sie Betreffende für mein Gehirn herausgefiltert, finde ich die Frau, die über hundert Jahre alt wurde und ein wahnsinnig interessantes, aber auch entbehrungsreiches Leben lebte. Sie wurde in Riga geboren, war in großbürgerlichen Verhältnissen zu Hause und wendete sich in sehr jungen Jahren dem Kommunismus zu. „Mischka war aus Moskau von der Partei nach Berlin delegiert worden.“ Dort wurde Inprekorr, die Zeitschrift der Komintern, herausgegeben, und das ganz im Sinne der sowjetischen Ideologie und Führung aus Moskau. Mischka wird später wieder nach Moskau zurückbeordert und gerät in das Getriebe aus Verrat und Denunziation, wird noch vor der „Großen Säuberung“ verhaftet und nach dem Schreckensparagraphen 58, in dem alles steckt, was ein Richter benötigt, zu acht Jahren Lagerhaft verurteilt. Aber sie wird nicht entlassen im Jahr 1944, als feindliche Ausländerin bleibt sie bis 1946 in Gefangenschaft, es folgen unmenschliche zehn Jahre Verbannung. Ihren ersten Mann, den deutschen Kommunisten Kutschi (Kurt Müller) wähnt sie schon lange tot, sie heiratet Naum, einen Mithäftling, und beide überstehen die eisigen Jahre der Verbannung. Ich kann es mir auch bei wiederholtem Lesen einfach nicht vorstellen, was diese tapfere Frau, was Millionen anderer Menschen im Namen des Kommunismus und Stalinismus geschah. Es ist die Hölle auf Erden. Honigmann, die all das in der kleinen Küche von Mischka in Moskau erfährt, schreibt „All das hörte ich und davon las ich, und all das hörte dann endlich auch die ganze Welt, und wer will jetzt sagen, was schlimmer war, Auschwitz oder Workuta, das Butyrka-Gefängnis oder das Zuchthaus Brandenburg?“ Es steht mir so wenig wie anderen zu, diese Grauen miteinander zu vergleichen, mein Großvater wurde in Auschwitz ermordet, mein Vater war jahrelang im Zuchthaus Brandenburg, dass es Orte von menschengemachtem Unrecht, von Mord und Knechtschaft waren, ist aber Tatsache. Wichtig ist, dass es nie vergessen wird, dazu trägt auch dieses Buch bei.
Mischka wird die Moskauer Mama für Barbara Honigmann und diese herzliche, zutiefst menschliche und intellektuelle Verbindung gibt beiden einen großen Halt. Bis zu Mischkas Tod werden sie eng befreundet und verbunden bleiben. Das Ziehkind setzt der Mama ein ehrwürdiges Denkmal.
Das zweite Porträt widmen sich dem Ehepaar Max und Yvette, die die Autorin erst in Straßburg, ihrer Wahlheimat, kennenlernt. Hier wird vor allem vom Überlebenskampf während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg berichtet, von all denen, die lang erwartet nie mehr aus dem Osten zurückkamen und von denen, die nach dem Krieg in Straßburg ein neues jüdisches Leben aufbauten, das bis heute fortbesteht. Auch hier sind es die Erfahrungen und Erinnerungen der Autorin, die den Text zusammenhalten, das jüdische Leben beschreiben, Gemeinsamkeiten und Trennendes in der zusammengewürfelten Gemeinde kurz und klar benennen. Außenstehende befassen sich eher selten mit den Unterschieden zwischen aschkenasischen und sephardischen Juden, so ist das auch ein sehr lehrreiches Porträt geworden.
Dann folgt das Kapitel „Peter Thomas Klaus Wolfgang“, kein Porträt einer einzelnen Person, sondern einer Gruppe, der Gruppe der zweiten Generation, ihrer Schicksalsgemeinschaft, die bis heute nicht aufgelöst ist und sich teilweise in der dritten Generation (Enkelgeneration) wiederfindet. „…das Gemeinsame ist nur unser Herkommen, aber zumeist ohne eine Tradition, ohne Überlieferung, ohne Religion sowieso…“ Die Elterngeneration bemüht sich um Assimilation, die Namen der Kinder sind nicht auffällig, wie man in der Kapitelüberschrift sieht. Ich war wohl mit dem Vornamen Judith eher eine Ausnahme von dieser Regel. Th. hat sein Schicksal selbst in die Hand genommen, sah im Suizid den Ausweg. Barbara Honigmann schreibt über ihn und die anderen mit Wehmut, keines der Nachkommen kann die Zeit zurückdrehen, die Eltern bleiben schicksalbeladen, manche haben sich vom Stalinismus verabschiedet, manche haben ihn fürs Leben verinnerlicht. In diesem Konglomerat aus Erfahrung und Bürde seinen Weg zu finden, ist zumindest Barbara Honigmann mit ihren Büchern gelungen.
Kritisch anmerken will ich, dass ich ein Personenverzeichnis – insbesondere für Mischkas Porträt – als hilfreich angesehen hätte. Einen Anhang über diese Personen, der einige biografische Details aus dem Inhalt wiederholt und Zusätzliches genannt hätte, würde aus dem kleinen Buch der drei Porträts ein zeit- und kulturhistorisches Nachschlagewerk machen. Vielleicht war das nicht der Ansatz, den die Autorin verfolgt hat, aber mir hätte es gut gefallen.
Wenn man, wie ich, etwas mehr wissen will über einzelne Personen, ist das Internet dann die erste Wahl, interessant die Seite www.gulag.memorial.de, auf der man Kurzbiografien z. B. von Mischka und ihrem ersten Ehemann Kurt Müller findet, aber auch von Naum Slavutzki, Jewgenija Ginsburg oder Alexander Solschenizyn.

Fazit: Interessante Menschen hat Barbara Honigmann für ihr Buch ausgewählt, die Fülle an Namen und Informationen im Porträt „Mischka“ hat mir die Annäherung an die Porträtierte etwas erschwert. Das Porträt „Max und Yvette“ hat mir einen neuen Blick auf die jüdische Gemeinschaft nicht nur in Straßburg gewährt, das Porträt der sog. „Zweiten Generation“ wäre aber intensiver ausgefallen, wenn der Fokus nur auf eine Person aus diesem Kreis gerichtet worden wäre. So verschwindet am Ende diese Gruppe aus meinem Gedächtnis wieder, ohne einen tiefen Eindruck zu hinterlassen.

Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.


Cover des Buches Georg (ISBN: 9783423147736)

Rezension zu "Georg" von Barbara Honigmann

Ein LovelyBooks-Nutzer
Eine Hommage an den Vater

Barbara Honigmann erzählt in „Georg“ das Leben ihres Vaters. Er war so vieles – Bohemien, Kommunist, Spion, exzessiver Theatergänger –, hat so viele Stationen gemacht – aufgewachsen als Sohn eines jüdischen Arztes in Wiesbaden und bei seiner Großmutter in "Dammschtadd", Odenwaldschule, Frankfurt, Düsseldorf, Exil in London, Internierungslager in Kanada, sowjetische Besatzungszone in Berlin – und so viele Partnerinnen – stets junge – gehabt. Und doch bleibt er selbst trotz dieser Fülle an Informationen, die Honigmann uns aus seinem sehr ereignisreichen Leben gibt, ungreifbar, ja als Mensch/als ein Ich ziemlich vage. Und dieses Unbestimmte ist genau das, dem Honigmann in ihrem Roman nachspürt, auch um gleichzeitig mehr Klarheit über sich selbst – über die persönliche "Erbschaft", die ihr ihre Eltern für ihr Leben mitgegeben haben – zu finden. Warum war ihr Vater kaum bindungsfähig und wechselte ständig seine Partnerinnen – und mit ihnen gleichzeitig die Freundeskreise und seine Überzeugungen? Das einzig Beständige in seinem Leben scheint die Beziehung zu seinen beiden Töchtern gewesen zu sein. Rührend und erschreckend zugleich, wie er seine Tochter ganz selbstverständlich in Beschlag nimmt ("[...] ich sollte Anteil nehmen, weil ich ja ein Teil von ihm war, wie sein Arm oder sein Bein, so schleppte er mich durch sein Leben."), sie – beinahe wie einen Freundesersatz – mit "wir Männer" anspricht. Und trotz aller Eigentümlichkeiten und Leerstellen im Leben von Georg, die Honigmann zeitlebens vor Rätsel gestellt haben, spürt man diese besondere Nähe zwischen Vater und Tochter sehr stark.
Ich mochte sehr, wie sie ihren Vater beschreibt – sehr anschaulich und oft mit einer humorvollen Note. Seine Lebensgeschichte ist an sich schon sehr spannend, aber was mich insbesondere fasziniert hat, ist, wie Honigmann das Zerrissen-sein ihres Vaters, sein ewiges Zwischen-den-Stühlen-Sitzen, schildert und (sich selbst) mögliche Erklärungen dafür liefert. Er ist stets auf der Suche, kann aber leider nie seinen eigenen Platz finden.
"Vielleicht erhoffte er ja, [...] eine Gemeinschaft zu finden, in der man sich weder für seine prominent nose noch für das doppelte "n" in seinem Namen interessierte, in der er weder Jude noch Deutscher und noch weniger beides zusammen war, sondern einfach ein Mensch."
Ein sehr lesenswertes Buch!

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