Haus für eine Person

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Inhaltsangabe zu „Haus für eine Person“ von Barbara Kenneweg

„Große Dinge geschehen, während ich in der Sonne sitze und eine Tasse Fair-Trade-Kaffee trinke.“ Rosa will ein neues, ein anderes Leben. Sie ist gerade dreißig und hat doch schon viel verloren: beide Eltern, die Liebe – und sich selbst. Radikal kehrt sie ihrem schnellen Großstadtleben den Rücken und zieht in ein vergessenes Viertel, in dem viele Vögel singen und lauter alte Leute wohnen. Hier sucht sie das „echte“ Leben und verzettelt sich zunehmend zwischen Zweifeln, innerer Revolte und Einsamkeit. Als sie feststellt, dass sie schwanger ist, erwägt sie einen Abbruch. Dann aber konfrontiert ihre hochbetagte Nachbarin Frau Paul sie mit Geschichten des Überlebens, mit der Möglichkeit von unerklärlichem Glück und niemals endgültigem Unglück. Rosa beginnt zu begreifen, dass ein hartnäckiges Verstehenwollen der Welt am Leben vorbeiführt: "Mein Kopf erschafft keinen Grashalm." Ein Roman, der auf sehr eigene und poetische Weise von einer jungen Frau erzählt, in deren Kosmos plötzlich die großen Fragen des Lebens drängen. Eine neue Stimme in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur – so prägnant wie gefühlvoll, so lebensnah wie poetisch.

Barbara Kenneweg erzählt von einer Frau, die ihre kleinen Erkenntnisse für Offenbarungen hält.

— jamal_tuschick
jamal_tuschick

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  • Auf der Suche nach dem gestrigen Tag

    Haus für eine Person
    jamal_tuschick

    jamal_tuschick

    10. March 2017 um 07:26

    Am Ende wird Rosa “wie eine Kuh” schreien und endlich glücklich sein. Am Anfang ist sie gerade umgezogen. Wie weggestellt und vergessen findet sie die Gegend ihrer neuen Anschrift. Vor allem Rentner leben da. Mitten in Ostberlin halten sie sich wie an einem nicht allein topografischen Rand auf. Der Rand könnte Stadtteilzentrum werden, nach einer Verdrängung der Eingesessenen. “Kleiner als jede Remise” ist Rosas Haus. Es hütet viel Vorbesitzerkram, darunter die siebzehn rotblonden Perücken einer Frau, die sicher gehen wollte, ihr Selbstbild bis zum Schluss reproduzieren zu können. Sie starb vor ihrem Mann, der es nicht fertig brachte, den planwirtschaftlich produzierten Putz wie Plunder zu behandeln. Alte verlassen ihre Räume selten freiwillig. Man muss sie evakuieren wie in Tschornobyl 1986. Lässt man sie, kehren sie unwillkürlich zurück und vereinsamen radioaktiv zwischen kontaminiertem Spalierobst und eingelegtem Gemüse in Geisterstädten. Hisham Matar sagt: Wer die Verbindung zu seinem Ursprung kappt, wird zu einem toten Baum, hart und leer. So weit ist Rosa noch lange nicht. Sie nagt am Vorrecht der Jugend, sich für unsterblich zu halten. Zu den Sterblichen zählt Herr Scholl, der eisern vergreist. Rosa provoziert der hagestolze Nachbar zu dem Vergleich mit “einem Ritter in voller Rüstung, der zum Laufen auf eine Gehhilfe angewiesen ist”. Auf dem Weg zum “Zenter”, einer Shopping Mall im DDR-Stil, will sie unbemerkt an dem Rüstigen vorbei. Seine Wachsamkeit lässt das nicht zu. Scholl erzwingt den Plausch am Zaun. Einer alltäglichen Verrichtung gewinnt er die ”Suche nach dem gestrigen Tag” ab. Rosa rezensiert ihre Umgebung. Sie kritisiert Reklame. Überall sieht sie “Schmutzränder und desolate Rückstände”. Die “Wahrheit liegt auf der Straße als schäbiges altes Ding”. “Das Zenter” erlebt sie als “dreistöckigen Müllkorb ... der den Überschuss der Weltwegwerfwirtschaft zu Wegwerfpreisen wohlgeordnet ... auskippt”. Historisch ist der Versorgungstrakt eine Adresse des gehobenen Konsums am Anton Saefkow-Platz. Vor Neunundachtzig zogen die Leute gern aus den maroden Altbauten im Bezirk Prenzlauer Berg in die Lichtenberger Plattenbau-Ensembles mit ihren Müllschächten und Einkaufszentren. Ich bin auch gern in dieser Ecke, der Stimmungsbogen zwischen Vorstadt und Kiez bräuchte zu seiner Darstellung eine Kollwitz. Rosa sieht die Welt mit anderen Augen. Ihre Abneigung gegen die Anton Saefkow-Schwimmhalle streift das Phobische an einer Tangente des Pingeligen. In der Aversion verwandeln sich Schwimmer in Pilze. Rosa sieht “weggeworfene Menschen”. Sie tröstet sich mit Erdbeereis. Sie lehnt den Kopf gegen eine Laterne und “stöhnt”. Ihrer Sehnsucht die Gestalt eines Mannes zu geben, hilft nicht. Glaubt Rosa, dass sie anderen anders erscheint: als ihr die Trinker_innen erscheinen, die vor dem Markt leger geworden sind? In der Konsequenz einer übertriebenen Begegnung mit Makler Klaus wurde Rosa schwanger. Jetzt merkt sie das. Sie schrullt zur Beratungsstelle, hadernd wie immer mit den Folgen der Berliner Veränderungsgeschwindigkeit. Hallo, in Brandenburg gibt es Käffer, da baut nur noch der Storch. Oder entschleunige dich doch auf dem BER. Das Schwangerschaftsgück kupiert die Spitzen des Räsonnements. Im Textuntergrund lassen sich Celan und Camus vernehmen mit Margaretes goldenem Haar und einer Anspielung auf den berühmtesten ersten Satz der Belletristik. In Rosas Leben zählt er seit einer Weile zur Wirklichkeit: Heute ist Mama gestorben.

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