Haus für eine Person

von Barbara Kenneweg 
3,6 Sterne bei5 Bewertungen
Haus für eine Person
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Positiv (2):
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Gegen den Kapitalismus und für mehr Freiheit, mehr Selbstbestimmung und Selbstbewusstsein – subtil und wunderschön geschrieben platziert Ken

Kritisch (1):
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Flache Geschichte, anstrengender Schreibstil

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Inhaltsangabe zu "Haus für eine Person"

„Große Dinge geschehen, während ich in der Sonne sitze und eine Tasse Fair-Trade-Kaffee trinke.“

Rosa will ein neues, ein anderes Leben. Sie ist gerade dreißig und hat doch schon viel verloren: beide Eltern, die Liebe – und sich selbst. Radikal kehrt sie ihrem schnellen Großstadtleben den Rücken und zieht in ein vergessenes Viertel, in dem viele Vögel singen und lauter alte Leute wohnen. Hier sucht sie das „echte“ Leben und verzettelt sich zunehmend zwischen Zweifeln, innerer Revolte und Einsamkeit. Als sie feststellt, dass sie schwanger ist, erwägt sie einen Abbruch. Dann aber konfrontiert ihre hochbetagte Nachbarin Frau Paul sie mit Geschichten des Überlebens, mit der Möglichkeit von unerklärlichem Glück und niemals endgültigem Unglück. Rosa beginnt zu begreifen, dass ein hartnäckiges Verstehenwollen der Welt am Leben vorbeiführt: "Mein Kopf erschafft keinen Grashalm." Ein Roman, der auf sehr eigene und poetische Weise von einer jungen Frau erzählt, in deren Kosmos plötzlich die großen Fragen des Lebens drängen.

Eine neue Stimme in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur – so prägnant wie gefühlvoll, so lebensnah wie poetisch.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783550081774
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:224 Seiten
Verlag:Ullstein Buchverlage
Erscheinungsdatum:10.03.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    StMoonlights avatar
    StMoonlightvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Flache Geschichte, anstrengender Schreibstil
    Ab auf's Land

    Rosa hat bereits viel hinter sich und möchte nun endlich nichts weiter, als endlich ihr Leben zu genießen. Dazu entschließt sie sich, aufs Land zu „flüchten“, weg aus der hektischen Großstadt. Endlich in dieser Ruhe angekommen muss sie jedoch feststellen, dass sie gar nicht so einfach ist: In ihrem Bauch wächst ein Kind heran. Rosa zieht einen Abbruch in Erwägung, doch dann beginnt ihre neue Nachbarin zu erzählen …

    Die Protagonistin erzählt und erzählt und erzählt … Es gibt von allem wenig: Wenig Dialoge, wenig Handlung. Für mich war das Lesen daher leider sehr anstrengend. Immer wieder habe ich mir gewünscht, dass es voranschreitet und wurde immer wieder aufs Neue enttäuscht. Es ist zwar durchaus interessant zu sehen, mit welchen Gefühlen und Zwiespälten Rosa kämpft, aber all das war oft voraussehbar und damit auch nicht mehr spannend.

    „Haus für eine Person“ ist vielmehr eine Erzählung, als ein Roman im klassischen Sinn. Leider mit einem anstrengenden Schreibstil und einer oberflächlich erzählten Geschichte. Ich habe mich förmlich durch die Seiten gekämpft, daher gibt es hier von mir keine Empfehlung.

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    killmonotonys avatar
    killmonotonyvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Gegen den Kapitalismus und für mehr Freiheit, mehr Selbstbestimmung und Selbstbewusstsein – subtil und wunderschön geschrieben platziert Ken
    Rezension: Haus für eine Person

    Als ich auf „Haus für eine Person“ gestoßen bin, hat mich zunächst der Klappentext angesprochen. Die innere Zerissenheit der Rosa Lux hat mich direkt fasziniert. In Barbara Kennewegs Roman passiert Story-technisch nicht sehr viel: Frau will sich dem Datenchaos und der permanenten Erreichbarkeit der heutigen Zeit entziehen, Frau trennt sich von ihrem Freund und zieht in ein abgelegenes, ruhiges Viertel der lauten Großstadt. So weit, so gut. Klingt ja eigentlich nicht sehr spannend, ist aber eine große Geschichte: über die innere Zerwürfnis, die stetigen Zweifel und das Erwachsenwerden heutzutage. Was, wenn die Angst dich lähmt und du dich in ihr verlierst? Was, wenn du auf dich allein gestellt bist und versuchst, es selbst mit der ganzen Welt aufzunehmen? Was, wenn dich das alltägliche Leben überfordert?

    Barbara Kenneweg hat mit „Haus für eine Person“ ein kleines Meisterwerk geschaffen. Bereits auf den ersten Seiten war ich komplett vom grandiosen Schreibstil begeistert, und die sympathische Protagonistin hat ihr weiteres getan. Rosa ist Anfang dreißig und hat das Leben, wie wir es kennen, satt: Ständige Erreichbarkeit, die Tiefen des Internets, der Lärm der Großstadt – von alldem hat sie die Nase voll und kauft sich von ihrem Erbe ein kleines Häuschen in einem abgelegenen Stadtteil. Es ist unklar, ob der Tod ihrer Mutter vor nicht allzu langer Zeit der Auslöser für diesen Schritt ist, die beendete Beziehung zu ihrem Freund Olaf, oder eine allgemeine Unzufriedenheit. Jedenfalls stellt Rosa ihr gesamtes Leben auf Ruhe und Abgeschiedenheit um, ihr Job als Fotografin erschien ihr sowieso mehr und mehr sinnlos, und nun versucht sie sich in all der Stille mit sich selbst zu befassen und sich einig zu werden, was sie im Leben will – und vor allem, wie sie zunächst einmal den Alltag bewältigen will. Denn Rosa hat den Kapitalismus, die ständige Beschallung und Bewerbung, die künstlich hervorgerufenen Wünsche, satt, sie hat sich allerdings so in ihrem Gedankenchaos verloren, dass es ihr schwer fällt, noch zu leben, oder zumindest zu „funktionieren“.

    Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

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    LillianMcCarthys avatar
    LillianMcCarthyvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein anfangs sehr vielversprechendes Buch, das mich dann doch nicht so überzeugt hat, wie es sollte.
    Kann man lesen, muss man nicht

    Meine Meinung: Haus für eine Person habe ich bei netgalley entdeckt und nachdem mich das Cover sehr anzog, konnte mich auch der Klappentext sehr überzeugen. Eine junge Frau flieht nicht vom Land in die Stadt, wie man es so oft liest, sondern sie zieht in eine eher ländliche Gegend, da sie sich etwas anderes vom Leben verspricht. Noch dazu hatte ich Lust auf Gegenwartsliteratur und so durfte dieses Buch bei mir einziehen.

    Anfangs hatte ich Schwierigkeiten in dagoogs Buch einzusteigen. Es besteht vorrangig auf Erzählungen der Protagonistin und es gibt wenig Handlung und wenig Dialog. Nach einiger Zeit gewöhnt man sich jedoch daran. Anschließend hatte ich aber auch einige Probleme mit dem Buch. Die Flucht auf das Land und das Leben auf dem Dorf oder in der Kleinstadt wird leider nicht näher beschrieben und die Protagonistin kommt leider auch erst sehr spät auf die Vorzüge des Lebens dort zu sprechen. Das passiert leider nur sehr oberflächlich und auch der Kontakt mit den älteren Leuten bleibt beinahe komplett aus.

    Stattdessen bezieht sich die Protagonistin sehr auf sich, auf ihre Ideale und ihre Lebensweise und steht allen anderen fast schon feindlich gegenüber. Niemand kann es ihr Recht machen und mehr als einmal ertappte ich mich bei dem Gedanken: Na, merkst du, warum dir dein Freund weggelaufen ist?! Gerade auch Rosas Ansichten werden im Buch sehr ideologisch rübergebracht und verbot es mir teilweise, mein eigenes Bild zu machen. Wenn das passierte, dann in völliger Abneigung zur Protagonistin.


    Dennoch hat Haus für eine Person durchaus auch seine guten Seiten. Zum einen zeigt es eine Frau, die sich alleine durch eine Schwangerschaft schlagen muss und ich kann mir vorstellen, dass Rosa damit vielen Leserinnen - egal ob schwanger oder nicht - eine Menge Mut mitgibt. Darüber hinaus gibt es außerdem die seltenen Szenen, die wirklich was bewirkt haben, die mich zum Nachdenken gebracht haben und mich länger beschäftigen könnten. Leider blieben sie im Buch aber eine Rarität, weshalb Rosas Geschichte für mich letztendlich nur mittelmäßig blieb.

    Fazit: Obwohl ich mich sehr auf Haus für eine Person und die Thematik, die der Klappentext versprach, freute, würde ich etwas enttäuscht. Meine Erwartungen wurden leider nicht erfüllt und Rosas Charakter war schlichtweg nicht mein Fall. Dennoch hatte der Roman einig Szenen, die tief gingen und mich wirklich zum Nachdenken brachten.

    Vielen lieben Dank an den Ullstein Verlag für die Bereitstellung des *Rezensionsexemplars.

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    J
    jamal_tuschickvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Barbara Kenneweg erzählt von einer Frau, die ihre kleinen Erkenntnisse für Offenbarungen hält.
    Auf der Suche nach dem gestrigen Tag

    Am Ende wird Rosa “wie eine Kuh” schreien und endlich glücklich sein. Am Anfang ist sie gerade umgezogen. Wie weggestellt und vergessen findet sie die Gegend ihrer neuen Anschrift. Vor allem Rentner leben da. Mitten in Ostberlin halten sie sich wie an einem nicht allein topografischen Rand auf. Der Rand könnte Stadtteilzentrum werden, nach einer Verdrängung der Eingesessenen.
    “Kleiner als jede Remise” ist Rosas Haus. Es hütet viel Vorbesitzerkram, darunter die siebzehn rotblonden Perücken einer Frau, die sicher gehen wollte, ihr Selbstbild bis zum Schluss reproduzieren zu können. Sie starb vor ihrem Mann, der es nicht fertig brachte, den planwirtschaftlich produzierten Putz wie Plunder zu behandeln.

    Alte verlassen ihre Räume selten freiwillig. Man muss sie evakuieren wie in Tschornobyl 1986. Lässt man sie, kehren sie unwillkürlich zurück und vereinsamen radioaktiv zwischen kontaminiertem Spalierobst und eingelegtem Gemüse in Geisterstädten. Hisham Matar sagt: Wer die Verbindung zu seinem Ursprung kappt, wird zu einem toten Baum, hart und leer. So weit ist Rosa noch lange nicht. Sie nagt am Vorrecht der Jugend, sich für unsterblich zu halten. Zu den Sterblichen zählt Herr Scholl, der eisern vergreist. Rosa provoziert der hagestolze Nachbar zu dem Vergleich mit “einem Ritter in voller Rüstung, der zum Laufen auf eine Gehhilfe angewiesen ist”. Auf dem Weg zum “Zenter”, einer Shopping Mall im DDR-Stil, will sie unbemerkt an dem Rüstigen vorbei. Seine Wachsamkeit lässt das nicht zu. Scholl erzwingt den Plausch am Zaun. Einer alltäglichen Verrichtung gewinnt er die ”Suche nach dem gestrigen Tag” ab.
    Rosa rezensiert ihre Umgebung. Sie kritisiert Reklame. Überall sieht sie “Schmutzränder und desolate Rückstände”. Die “Wahrheit liegt auf der Straße als schäbiges altes Ding”. “Das Zenter” erlebt sie als “dreistöckigen Müllkorb ... der den Überschuss der Weltwegwerfwirtschaft zu Wegwerfpreisen wohlgeordnet ... auskippt”. Historisch ist der Versorgungstrakt eine Adresse des gehobenen Konsums am Anton Saefkow-Platz. Vor Neunundachtzig zogen die Leute gern aus den maroden Altbauten im Bezirk Prenzlauer Berg in die Lichtenberger Plattenbau-Ensembles mit ihren Müllschächten und Einkaufszentren. Ich bin auch gern in dieser Ecke, der Stimmungsbogen zwischen Vorstadt und Kiez bräuchte zu seiner Darstellung eine Kollwitz. Rosa sieht die Welt mit anderen Augen. Ihre Abneigung gegen die Anton Saefkow-Schwimmhalle streift das Phobische an einer Tangente des Pingeligen. In der Aversion verwandeln sich Schwimmer in Pilze. Rosa sieht “weggeworfene Menschen”. Sie tröstet sich mit Erdbeereis. Sie lehnt den Kopf gegen eine Laterne und “stöhnt”. Ihrer Sehnsucht die Gestalt eines Mannes zu geben, hilft nicht. Glaubt Rosa, dass sie anderen anders erscheint: als ihr die Trinker_innen erscheinen, die vor dem Markt leger geworden sind?
    In der Konsequenz einer übertriebenen Begegnung mit Makler Klaus wurde Rosa schwanger. Jetzt merkt sie das. Sie schrullt zur Beratungsstelle, hadernd wie immer mit den Folgen der Berliner Veränderungsgeschwindigkeit. Hallo, in Brandenburg gibt es Käffer, da baut nur noch der Storch. Oder entschleunige dich doch auf dem BER. Das Schwangerschaftsgück kupiert die Spitzen des Räsonnements. Im Textuntergrund lassen sich Celan und Camus vernehmen mit Margaretes goldenem Haar und einer Anspielung auf den berühmtesten ersten Satz der Belletristik. In Rosas Leben zählt er seit einer Weile zur Wirklichkeit: Heute ist Mama gestorben.

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    hannipalannis avatar
    hannipalannivor 10 Monaten

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