Ich muss zugeben, dass ich dieses Buch anhand des Covers ausgewählt habe und schnell überrascht war, welches Thema es beinhaltet. Nun arbeite ich selbst in der Jugendhilfe und habe deshalb immer großes Interesse an den Geschichten von Kindern in Fremdunterbringungen und Pflegefamilien. Auch diese Geschichte hier konnte mich gut abholen. Zwei Kinder werden im 2. Weltkrieg evakuiert und leben von nun an in der Schweiz bei fremden Eltern. Sie suchen nach einem Platz im Leben und nach ihren eigenen Rollen in der Gesellschaft. Ein sehr ruhiger Roman, der dennoch eine schwere mitbringt, die mich nachhaltig beeindruckt hat (auch wenn ich historische Romane nicht gern lese). Ich mochte den Schreibstil und die Geschichte sehr.
Barbara Lutz
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
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Schon nach den ersten Seiten wird deutlich, dass Angelikas Geschichte keine leichte ist. Gemeinsam mit ihrem Bruder wird sie nach dem Krieg aus der Schweiz abgeschoben und kommt zu Pflegeeltern nach Vorarlberg. Dort wächst sie auf einem Hof mit kleinem Laden auf. Der Alltag ist streng geregelt, die Mutter fordernd, der Vater schweigsam. Im Laden begegnen sich täglich die Frauen aus dem Dorf, um ihre Sorgen loszuwerden, während draußen der Geruch von Stall und Tieren die Kleidung prägt.
Trotz der Fürsorge der Pflegeeltern fühlt sich Angelika nie ganz zuhause. Sie kennt ihre Herkunft nicht, und diese Leerstelle begleitet sie bis ins Erwachsenenalter. Besonders deutlich wird, wie sie als junge Frau in den 1950er und 1960er Jahren zwischen den Erwartungen der Gesellschaft und ihrem Wunsch nach Eigenständigkeit hin- und hergerissen ist. Dieses Ringen hat beim Lesen einen nachdenklichen Eindruck hinterlassen.
Der Schreibstil ist klar und ohne überflüssige Ausschmückungen. Gerade dadurch wirkt die Handlung authentisch. Vieles bleibt unausgesprochen, zwischen den Zeilen spürt man die Gefühle und Spannungen, und genau das bleibt im Gedächtnis.
Manchmal hätten einzelne Figuren noch etwas mehr Tiefe vertragen, aber die Geschichte bleibt insgesamt bewegend. Sie zeigt, wie Herkunft, Schweigen und Pflicht ein Leben prägen können und wie groß die Sehnsucht nach Zugehörigkeit ist.
Ein ruhiger, intensiver Roman, der im Gedächtnis bleibt. Von mir bekommt er vier Sterne und eine Leseempfehlung.
1860 -1861 Drama in einem abgelegenen Bauernhof im Emmental. Nach einer wahren Begebenheit verfasst. Ein wortkarger eigenbrötlerischer Landwirt nimmt einen verarmten, entfernten Verwandten und Tagelöhner mit seiner Familie in sein Gut auf. Die beiden Parteien halten sich nicht an die geschlossenen Vereinbarungen. Es wird immer düsterer, beklemmender,hilfloser. Die gegenseitige Sprachlosigkeit und Verachtung seitens des Gutsherrn für die "Hungerleider" beschwört eine Katastrophe herauf. Teilweise etwas langatmig, Dialogarm, die wachsende Tragödie ist jedoch faszinierend beschrieben.
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