Barbara Otto-Treutmann ist eine expat. Trotz ihrer eigenen Ausbildung und des guten Jobs, den sie in Deutschland hat, macht sie sich die Aufgabe der “begleitenden Ehefrau” zum Ziel und begleitet ihren Mann zunächst nach Südkorea und später in den Iran. Von letzterem erlebnisreichen Jahr berichtet sie. Von den Menschen, die sie kennenlernen durfte. Von den Regionen, Gebieten und Sehenswürdigkeiten, die sie mit Freunden und Familie besucht hat. Von dem Leben in Teheran und im Iran allgemein. Von der Gemeinde deutschsprachiger Frauen in der Metropole. Aber auch von der Geschichte des Landes und berühmter Persönlichkeiten.
Und wieder so ein Buch, das schon ewig im Schrank steht und das ich noch nicht einmal in der Hand hatte. Zum Glück gibt es den SuB-Abbau, denn auch hier war es wieder der Fall, dass ich das Buch für die Challenge gelesen habe.
Grundsätzlich ist das Buch in Ordnung, es hat meiner Meinung nur einige entscheidende Probleme, die mir mehr und mehr aufgefallen sind:
(1) Sie wiederholt sich so unsäglich oft, was wahrscheinlich deswegen passiert ist, dass sie keinen chronologischen “Reisebericht” geschrieben, sondern ihre Erlebnisse thematisch gegliedert vorgebracht hat. Jedes Mal, wenn sie von ihren Freundinnen erzählt hat man das Gefühl, dass sie von Neuem erklärt, wie sie diese und jene kennengelernt hat. Reisen in unterschiedliche Städte werden wiederholt aufgegriffen, Details ebenfalls. Und am Ende habe ich mir immer wieder gedacht: “ähm, hat sie das nicht vor ein paar Seiten erst geschrieben…?”. Es begegnen einem immer wieder die gleichen Geschichten. Oft genug hätte ich am liebsten einen Teil übersprungen oder nur überflogen, weil ich irgendwann die Erzählungen nicht mehr lesen konnte. Da wäre mir eine chronologische Abfolge wohl doch lieber gewesen, da hätte man so vieles einbauen können, ohne dass sich allzu viel wiederholt hätte.
(2) Was sie nicht wiederholt, sind solche Geschichten, die sich kein Mensch merken kann. Die Geschichte des Iran ist zwar unglaublich interessant, das glaube ich ihr, und auch die Lebensdaten berühmter Persönlichkeiten und Legenden, die sich um Orte und wichtige Sehenswürdigkeiten spinnen. Aber es kann sich einfach kein Mensch merken. Also da habe ich irgendwie nicht sehr viel daraus mitnehmen können.
(3) Ich fand sehr schade, dass in dem Buch so unglaublich viele orthographische Fehler vorhanden waren. Und nicht nur die, auch mit der Formatierung schien es immer mal wieder Probleme zu geben. Teilweise fehlten bei Wörtern Buchstaben, teilweise waren zu viele vorhanden. Es kam vor, dass man ganze Wörter nicht verstanden hat, weil es so kurios aussah. Grammatikalisch waren manche Sätze unglaublich seltsam aufgebaut, dass sich der Sinn erst nach mehrmaligem Lesen erschlossen hatte, wenn nicht gerade Wörter gefehlt haben oder der Satzaufbau einfach nur fehlerhaft war. Auch sehr beliebt waren Satzzeichen und Klammern, die mitten in Sätzen oder doppelt auftraten, aber auf jeden Fall teilweise einfach nicht an der Stelle waren, wo sie hingehört haben. Und dann waren in einem Kapitel diverse Unterüberschriften nicht gekennzeichnet, wie sie es in anderen Abschnitten waren oder Satzteile waren auf einmal kursiv geschrieben… Das hat mich schon sehr verwundert und oft total aus dem Konzept gebracht.
Also schon eine ganze Palette an Dingen, die nicht sehr besonders war. Schade fand ich dazu noch, dass eigentlich keinerlei Bilder zu sehen waren, das wäre glaube noch richtig toll gewesen und hätte einen besseren Einblick gegeben. So hat man irgendwie einen sehr distanzierten Blick auf etwas, das sie mit größter Begeisterung beschreibt. Irgendwo macht es neugierig, aber es ist eben auch traurig, vor allem, weil sie immer wieder gesagt hat, dass sie so viel fotografiert hätten. Da wären so ein paar Bilder glaube schon ganz schön gewesen. Aber das ist weniger dramatisch, zur Not muss man sich eben im Internet selbst ein bisschen durchstöbern.
Ganz abgesehen von diesen Mängeln, die ich feststellen musste, war das Buch eigentlich schon eine Bereicherung. Die Erfahrungen und Erlebnisse haben schon ein bisschen zum Nachdenken angeregt und vor allem die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ist so stark hervorgetreten, dass man irgendwie auch einen anderen Blick auf ein Land zu erhaschen, von dem man eigentlich nicht viel Gutes hört. Ich selbst habe mich immer zu den Leuten gezählt, die der felsenfesten Überzeugung waren, dass ich nie in ein Land gehen würde, wo man zum Tragen des Kopftuchs verpflichtet ist, aber nach ihren Bericht hat sich meine Meinung da schon ein bisschen geändert. Die Kultur hat mich neugierig gemacht, aber auch die Menschen. Ob man wirklich an jeder Ecke gefragt wird, von wo man ist und ob man helfen könne…? Eine witzige Vorstellung, zumal es das hier eben wirklich so nicht kenn – eigentlich schade!
Auch wenn ich wirklich viel an dem Buch zu bemängeln hatte und kaum ein gutes Haar lassen konnte, muss ich doch sagen, dass mich das Buch irgendwie fasziniert hat. Es hat einen kleinen Funken in mir entfacht für eine Kultur, eine Religion und eine Gruppe von Menschen, an die ich entweder kaum Gedanken verschwendet oder zumindest jeden Gedanken daran getilgt habe. Auch wenn der Bericht als solcher praktisch katastrophal umgesetzt war, konnte man daraus doch etwas lernen und für sich gewinnen, nämlich, dass es ein gutes Gefühl ist, wenn man Menschen um sich herum hat, die liebenswürdig, gutmütig und hiflsbereit sind. Die ihre Neugierde nicht im Zaum halten, sondern sich einfach in ein Gespräch verwickeln können. Dieser Hintergrund hat dem Buch praktisch den Hals gerettet, auch wenn ich mich mit der Bewertung unheimlich schwer tue.






