Barbara Pope Jakobsblut

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Inhaltsangabe zu „Jakobsblut“ von Barbara Pope

1894, auf dem Höhepunkt der Dreyfus-Affäre, muss Untersuchungsrichter Bernard Martin in Lothringen einen heiklen Fall lösen. Ein toter Säugling wurde grausam verstümmelt gefunden, die Eltern sprechen von einem jüdischen Ritualmord. Kurz darauf werden ehrbare jüdische Bürger umgebracht, eine antisemitische Hetzjagd scheint im Gange. Doch Martin ahnt, dass sich hinter den Ereignissen ganz andere Geheimnisse verbergen.

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  • Rezension zu "Jakobsblut" von Barbara Pope

    Jakobsblut

    anyways

    22. August 2011 um 19:42

    Im Jahre 1894 wird im französischen Teil Lothringens, in der Stadt Nancy die grausam zugerichtete Leiche eines männlichen Säuglings gefunden. Dessen Eltern behaupten, ein jüdischer Hausierer hätte das Kind gestohlen, umgebracht und ausgeweidet. Genügend politischer Zündstoff, befindet sich Frankreich doch mitten in der so genannten Dreyfus-Affäre in der ein jüdischer Offizier verdächtigt wird, für die Deutschen spioniert zu haben. Der Richter, dem der Fall des Säuglingsmordes übertragen wird ist ebenfalls Juden und schreckt zu Recht vor dieser Aufgabe zurück. Er bittet seinen Freund, Richter Martin, um Übernahme des Falles. Nach anfänglichen zögern willigt dieser ein, trotz der prekären Zwickmühle in der er sich privat befindet. Aber nicht nur die Schwangerschaft seiner Frau und der baldige Geburtstermin des Kindes, sondern auch die Blockaden seines Freundes, der wider erwarten möglichst wenig Hintergrundinformationen über seinen jüdischen Glauben preisgeben will, lassen Martin schier verzweifeln an seinem neuen Fall. Für seinen Freund steht hingegen nur fest, „Ein Jude bringt keinen Juden um“. Und dann werden doch zwei hoch angesehene und reiche Juden ermordet. Ein antesemitisches Pulverfass… Ein wirklich sehr explosiver (nimmt man das Beispiel der Deutsche Geschichte nur rund 40 Jahre später) aber auch sehr langatmiger Kriminalroman. Die Rolle des jüdischen Richters gefiel mir nicht ganz so, enthebt die Autorin in doch von jedem Verdacht, dass auch Juden zu Untaten fähig sind. Dabei sind Juden, wie wir alle, Menschen mit Schwächen und Fehlern und auch unter ihnen gibt es schwarze Schafe. Wie in jeder Religion, denn im Namen derer mussten schon viele Menschen ihr Leben über Jahrhunderte hinweg lassen. Die Szenen in der der Mob wahllos auf Juden (oder hier noch als Israeliten bezeichnet) vorgeht, ist erschreckend realistisch dargestellt. Geradezu beängstigend, wie sich die Massen durch gezielte Provokationen, gestreute Lügen und Unwahrheiten aufwiegeln lässt. Eine Sache, die mir an historischen Romanen immer schwer zu vermitteln ist, ist die Rolle der Frau. Auch in diesem Roman hat sich die Frau nur ums Heim, ums Kinder bekommen und Krankheiten zu lindern, zu kümmern. So etwas ist halt Sache der Frauen, damit sich die Männer fast gleichgültig was Familientragödien angeht, wieder in die Arbeit stürzen können. Wobei hier die Frau des Richters Martin fast schon eine Feministin ist, ist sie doch Lehrerin für die höheren Töchter. Geradezu fortschrittlich und deshalb von allen Nur- Ehefrauen fast geächtet. Eine klaustrophobisch wirkende Szene ist hierbei das geschäftliche Abendessen, das die Martins besuchen. Sehr gut beschreibt die Autorin wie die damaligen Frauen noch sehr von ihren Männern abhängig waren, und diese Abhängigkeit auch gar nicht störend empfanden. Ein sehr interessanter Kriminalroman, der bis auf ein paar zähe Stellen und der eher willkürlichen Fahndung nach dem Täter, in einem durchaus plausiblen Finale endet. Ein kleines Manko ist in meinen Augen die Illustration des Buches, sie sagt so gar nichts über dessen Inhalt aus.

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  • Rezension zu "Jakobsblut" von Barbara Pope

    Jakobsblut

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    02. January 2011 um 10:54

    Es ist das Jahr 1894 und die Dreyfus-Affäre ist in aller Munde. Als ein verstümmelter Säugling gefunden wird und die Eltern dazu vernommen werden, wird ganz schnell von jüdischem Ritualmord gesprochen, woraufhin die Situation noch mehr eskaliert, denn nun werden einige wichtige jüdische Bürger umgebracht. Untersuchungsrichter Bernard Martin will nicht glauben, dass des Rätsels Lösung so einfach ist und verfolgt seine ganz eigenen Annahmen. In diesem Buch liegt ein Genremix von Krimi und historischem Roman vor. Die Elemente der beiden Gattungen sind ganz klar zu erkennen. Der historische Hintergrund wird sehr detailliert und auf wahren Fakten basierend dargestellt, hierzu gibt es auch noch ein paar Ausführungen am Ende des Buches. Die Autorin schafft es, die Geschichte lebendig erscheinen zu lassen, so dass man nicht das Gefühl hat nur langweilige Theorie aneinander gereiht vorzufinden. Gleichzeitig sind immer wieder Spannungskurven eingebaut, die den kriminalistischen Hintergrund ausfüllen. Auch wenn diese nicht überwiegen, so sind sie doch ganz klar zu erkennen. Die Schreibweise der Autorin ist flüssig, so dass man dem Geschehen gut folgen kann. An manchen Stellen jedoch scheint die Handlung still zu stehen, so dass sich die Passagen in die Länge ziehen. Diese sind zwar nicht überwiegend zu finden, dennoch ist es schade, dass es zwischenzeitlich langweilig wirkt. Die Charaktere sind sehr gut herausgearbeitet, so dass man von Beginn an eine gewisse Verbindung zu ihnen spürt. Vor allem das Privatleben des Untersuchungsrichters wird ausführlich und sehr detailliert beschrieben, so dass man oft das Gefühl hat selber im Wohnzimmer dabei zu sitzen. Hin und wieder erscheinen auch diese Beschreibungen zu viel, aber im Nachhinein muss man sagen, dass sie doch allesamt hilfreich waren, um einen richtigen Gesamteindruck zu erlangen. Obwohl dies schon der zweite Band der Serie um den Untersuchungsrichter Martin ist, hat man nicht das Gefühl etwas verpasst zu haben oder etwas nicht zu wissen, denn es wird alles ausreichend erläutert und am Ende bleiben keine Fragen offen. Die Lektüre ist auf alle Fälle zu empfehlen, auch wenn das Ende doch recht vorhersehbar ist. Aber der historische Hintergrund ist so lebendig dargestellt, dass man sich fast in dieser Zeit verlieren kann, auch wenn sie nicht eine der besten war. Die Autorin schafft es aber dem heutigen Leser diese Fakten nahe zu bringen, so dass man sich auch im Nachhinein noch Gedanken darüber macht. Alles in allem auf alle Fälle ein schönes Buch, welches absolut lesenswert ist und nicht nur historischer Roman, sondern auch Krimi ist.

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  • Rezension zu "Jakobsblut" von Barbara Pope

    Jakobsblut

    Julz

    18. December 2010 um 13:53

    Als ein Säugling im Roman ,Jakobsblut' von Barbara Pope ermordet aufgefunden wird, werden sofort Stimmen laut, dass es mit Sicherheit ein Jude gewesen ist, der es aufgrund eines Rituals getan haben soll. In der Stadt ist nach einer Krise eine judenfeindliche Stimmung entstanden, die immer mehr Probleme bereitet. Martin beschäftigt sich mit dem Fall des toten Säuglings, den er von einem jüdischen Kollegen übernommen hat und macht sich auf die Suche nach der Wahrheit. Als ein Jude ermordert wird, wird vermutet, dass der Ritualmord am Säugling nicht von Juden hätte durchgeführt werden könnte. Eine spannende Krimigeschichte mit einem historischen Hintergrund, den Pope sehr realistisch darstellt und dem Leser es erleichtert, sich in die damalige Zeit hineinzuversetzen. Die Sprache ist leicht verständlich und angenehm zu lesen. Der Schreibstil der Autorin ist alles in allem eine tolle Mischung aus Beschreibungen, Gedanken und Handlungen. Ständig wechseln die Orte und es werden viele Personen vorgestellt, die dem Protagonisten Martin begegnen. Ein toller Roman, der einen wahren Kern hat und der sehr spannend ist.

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  • Rezension zu "Jakobsblut" von Barbara Pope

    Jakobsblut

    Buchina

    17. November 2010 um 18:11

    Frankreich Ende des 19. Jh. die Affäre Dreifus befindet sich auf ihren Höhepunkt. Für viele Franzosen der Beweis, dass der jüdischen Bevölkerung nicht zu trauen ist. In dieser aufgeladenen Zeit wird ein toter Säugling in der Stand Nancy gefunden. Die Verstümmelungen deuten auf einen Ritualmord hin. Die Eltern des Kindes beschuldigen einen herumreisenden Juden des Mordes. Untersuchungsrichter Bernard Martin muss den Fall übernehmen. Bei seinen Ermittlungen muss er sich einerseits gegen die Vorurteile gegenüber der jüdischen Bevölkerung und anderseits gegen die Verschlossenheit der Juden, oder besser Israeliten wehren. Komplizierter wird der Fall als einflussreiche jüdische Bürger der Stadt ermordet werden. Gibt es eine Verbindung zwischen diesen Fällen oder ist das zeitliche Zusammentreffen Zufall? Untersuchungsrichter Bernard Martin ist ein aufgeschlossener Mann, der durch diesen ungewöhnlichen Fall aber auch seine Grenzen erkennen muss. Dennoch versucht er das richtige zu tun und betont dabei immer seine republikanischen Ideale. Trotz seines privaten Unglücks verliert er fast nie die Fassung und bleibt sich treu. Barbara Pope hat mit ihrem Roman eine spannende Zeit aufgegriffen über die ich vorher kaum etwas wusste. Dabei erzeugt sie ein sehr lebendiges Bild über die jüdische Kultur und den bürgerlichen Alltag in dieser Zeit. Der Kriminalfall erzeugt einen gleichbleibenden Spannungsbogen, während die Beschreibungen des jüdischen Lebens und das Privatleben von Bernard Martin und seiner Frau der Geschichte die notwendige Authentizität gibt. Dabei fließen auch reale Personen ein, wie Hippolyte Bernheim. Das war mein erster Roman von Barbara Pope, aber sicher nicht mein letzter. Hier stimmt einfach alles: Spannung, Tragik, sympathische Protagonisten und eine ordentliche Portion authentische Geschichte.

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  • Rezension zu "Jakobsblut" von Barbara Pope

    Jakobsblut

    Solaris

    09. November 2010 um 02:33

    Nach dem Verlust umfangreicher Gebiete Elsaß-Lothringens hat der französische Nationalismus einen schwerwiegenden Schlag erlitten. Auch lange nach dem Deutsch-Französischen Krieg, im Jahr 1884, bestimmen Gedanken an eine mögliche Revanche und die Suche nach Sündenböcken die Gegenwart. Und als Sündenbock eignet sich Dreyfus hervorragend - ein hoher Offizier, der aus Deutschland stammt und außerdem jüdischer Herkunft ist, soll Geheimnisse des französischen Militärs verraten haben. Antisemitische Stimmungen verbreiten sich immer mehr. Und dann wird die schrecklich verstümmelte Leiche eines Säuglings gefunden - die Eltern behaupten, das sei die Tat eines heimatlosen Juden. Es folgen Morde an zwei angesehene Mitglieder des jüdischen Rates. Untersuchungsrichter Bernard Martin muss die Täter finden, bevor sie erneut zuschlagen - aber es ist nicht einmal ein Motiv ersichtlich. ... "Jakobsblut" ist für mich kein temporeicher Krimi vor der exotischen Kulisse einer vergangenen Zeit, sondern eher ein historischer Roman mit integrierter Kriminalgeschichte. Als Hintergrund dient ein realer, Jahrhunderte alter Vorurteil - die sogenannte Ritualmordlegende. Der gefestigte Aberglaube, dass religiöse und ethnische Minderheiten Kinder der Mehrheitsgruppe stehlen und in Blutritualen opfern, hat bereits seit der Antike dafür gesorgt, dass unaufgeklärte Morde oder Unfälle als Vorwand für Lynchmorde und Pogrome, vor allem an Juden, genutzt wurden. Im 19. Jahrhundert wurden auch die antisemitischen Pogrome in Osteuropa unter anderem mit dieser Legende begründet und genau aus diesen Gebieten stammen einige der Romanfiguren - von der Gewalt geflüchtet, werden sie in Frankreich schon wieder mit Antisemitismus konfrontiert. Die Autorin, Historikerin von Beruf, nutzt die Ermittlungen, um ein Bild der jüdischen Gemeinschaft im ausgehenden 19. Jahrhundert zu zeichnen. Während wir sogar heute noch dazu geneigt sind, uns diese als einheitliche Gruppe mit klaren Gesetzen und dadurch auch "den" Juden vorzustellen, vermittelt sie Individuen mit unterschiedlicher geografischer und sozialer Herkunft, die ihre unterschiedlichen Antworten auf die neuen Ansprüche der Zeit bereithalten, aber gleichzeitig wie alle anderen Mitglieder der französischen Gesellschaft sind. Alle Fragen, die die Religion und das alltägliche Leben betreffen, waren nicht das Produkt eines starren Glaubenssystems, sondern ständiger Diskussionen, behauptet die Autorin. ... Diese Darstellung ist vermutlich auch der Hauptzweck, der die Autorin mit dem Roman verfolgt hat, denn die eigentliche Kriminalgeschichte könnte definitiv gekonnter erzählt werden. Die Ermittlungen verlaufen zu einseitig, es werden eigentlich nur zwei Fährten verfolgt und die Auflösung ist zwar nicht die übliche, aber ab einem bestimmten Punkt so voraussagbar, dass sie dann fast schon wieder überraschend ist. Über lange Strecken wird auch so gut wie gar nicht ermittelt und die Autorin widmet sich statt dessen einem persönlichen Schicksalsschlag der Hauptfigur und seiner Frau Clarie, der Stellung der Frau im 19. Jahrhundert, was auch ein Schwerpunkt ihrer Arbeit als Historikerin ist, und der von mir als unnötig stereotypisch empfundene Gegenüberstellung der aufgeklärten Clarie (wunderschön, beliebt und beruflich erfolgreich) und ihrer konservativen und antisemitischen Freundin Madeleine (unansehnlich, einsam und ohne festen Arbeitsplatz). ... Für mich war das Buch ein informativer und ruhiger historischer Kriminalroman, für Zwischendurch sehr angenehm zu lesen.

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  • Rezension zu "Jakobsblut" von Barbara Pope

    Jakobsblut

    Engelsgesicht77

    02. October 2010 um 14:52

    Der Untersuchungsrichter Bernard Martin wird von seinem Freund und Arbeitskollege David Singer gebeten einen Fall zu übernehmen. Dieser soll einen Mord an einem Baby aufklären, wo die christlichen Eltern und die Amme behaupten, dass der Mörder ein Jude ist. David Singer ist selbst Jude und hat das Gefühl, dass das Gericht über ihn lustig machen will. Bernhard ist ein loyaler Mensch und verurteilt die Menschen nicht nach der Rasse, oder wie sagt man so schön, er schert nicht alle zu einem Haufen. Das Baby wurde auf brutalse Weise umgebracht. Es wurde erstickt, die Frage ist nur wie, nicht mit einem Kissen, weil die Nase noch intakt ist genauso scheidet strangulieren aus, weil es keine Quetschungen am Hals gibt. Aber was das Ganze noch schlimmer macht, ist, dass das Baby vom Hals bis zum Geschlechtteil aufgeschnitten, die inneren Organe wurden entnommen. Auch das Geschlechtteil vom Jungen (Baby) wurde abgeschnitten Gänsehaut. Plötzlich werden noch weitere ehrbare jüdische Bürger umgebracht! Der Roman spielt im Jahre 1894 der Dreyfus-Affäre. Zu dem Zeitpunkt war der Judenhass extrem und Bernard Martin macht sich auf die Suche nach dem Mörder? Hat dieser was gegen die Juden oder waren es die Juden selber. Bei den Ermittlungen erfährt Bernhard eine Menge über die Juden. Gleichzeitig wird von dem privaten Umfeld des Richters Martin erzählt. Seine Familie erleidet eine schweren Schicksalsschlag und dieser weiß gar nicht, was ihm wichtiger ist. Ehrlich gesagt, habe ich etwas mehr Spannung erwartet. Zuerst konnte ich kaum erwarten weiterzulesen, aber als es dann klar war, wer der Mörder ist, hatte ich gar keine Lust mehr weiterzulesen und musste mich regelrecht dazu zwingen, zu Ende zu lesen. Der Schreibstil der Autorin war gut und flüssig zu lesen, aber ich hätte mir gewünscht etwas mehr über die Dreyfus-Affäre zu erfahren.

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  • Rezension zu "Jakobsblut" von Barbara Pope

    Jakobsblut

    Mina - Das Irrlicht

    24. September 2010 um 16:01

    Inhalt: Ende des 19. Jahrhunderts spielt der historische Roman von Barbara Pope. Hintergrund ist die Dreyfus-Affäre. Als Dreyfus-Affäre wird der Landesverrat des jüdischen Hauptmann Alfred Dreyfus an der Französischen Republik (III.) bezeichnet. Er wurde letztendlich im Dezember 1894 aus dem Land verbannt (Teufelsinseln). Allerdings entfachte die Affäre immer wieder neue „inner“-politische Debatten um Schuld oder Unschuld Dreyfuses. Zur damaligen Zeit kippte die Stimmung in Lothringen immer mehr gegen die jüdische Bevölkerung. Diese Umstände wurden im Roman aufgegriffen. Bernard Martin, Untersuchungsrichter in Lothringen wird mit der Klärung eines politisch brisanten Falles beauftragt: jemand hat einen Ritualmord an einem Säugling begangen. Eigentlich sollte sein Kollege Singer den Fall übernehmen, doch dieser sieht sich nicht im Stande. Werden doch schnell Verdächtigungen gegen die Juden der Gegend laut. Und Singer selbst ist Jude. Martin spürt selbst ein gewisses Unbehagen, sich diesem Fall anzunehmen. Wohnt er doch mit der jüdischen Familie Stein in einem Haus und ist mit Singer fast befreundet. Doch ihm wird schnell deutlich, daß seine Vorgesetzten selbst Vorurteile haben und schnell mit dem Verdacht bei der Hand sind, daß es „die Juden“ gewesen sein könnten. Und so kommt es, daß Martin tief verstrickt wird, in die politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Dreyfus-Affäre. Selbst seine Ehe droht zu scheitern. „Jakobsblut“ ist der zweite Band Ihrer Krimi-Reihe um Untersuchungsrichter Martin. Autorin: Barbara Pope ist Historikerin und war Professorin für Geschichte und „Women’s Studies“ an der University of Oregon. Sie lebt in Seattle und reist gerne durch Europa. Meine Meinung: Mir hat das Buch von Anfang an gut gefallen. Es ist ein paar Tage her, daß ich es beendet habe und auch mit Abstand finde ich es nach wie vor sehr gelungen. Einzig der doch immer drohende Zeigefinger, den ich beim Lesen stets spürte, störte mich zunehmend. Ich bin nicht sicher, ob das von Pope so gewollt ist oder ein eigener persönlicher Touch der Schriftstellerin da zu spüren. Oder ab, ob es einfach so ist, daß bei einem Buch um Verfolgung und Verleugnung von Juden immer ein bitterer Beigeschmack dabei ist... Sehr gut gefielen mir die Charakteren. Selbst kleinere „Rollen“ sind lebendig und tiefgründig gestrickt. So blieb doch am meisten Vater Stein in Erinnerung. Martin fand ich manchmal allerdings etwas „zu glatt“. Weniger gefallen hat mir, daß es sich wieder einmal um eine Serie handelt. Als ich das Buch bekam, dachte ich, es sei mal was anderes. Ein gut recherchierter, historischer Krimi, der ein Anfang und ein Ende hat. Ich mag dieses aufblasen von Krimis nicht. Dieses Überschwemmen des Marktes mit Serien ist mir einfach suspekt.

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  • Rezension zu "Jakobsblut" von Barbara Pope

    Jakobsblut

    Gospelsinger

    06. September 2010 um 17:04

    Um mich zwischendurch vom Durcharbeiten des Buches von Sarrazin zu erholen, habe ich Jakobsblut angefangen – und mich dort sofort wieder mit dem gleichen Thema konfrontiert gesehen. Ausländerfeindlichkeit und Judenhass sind eben nicht nur aktuelle Themen, sondern ziehen sich durch die gesamte neuere Weltgeschichte. So auch im Frankreich des 19. Jahrhunderts, als die Dreyfus-Affäre die Gemüter erregte. Ein Säugling wird aufgefunden, ermordet und ausgeweidet. Wurde er für jüdische Rituale benutzt? Dann werden noch zwei erwachsene Juden ermordet aufgefunden, beide waren Stützen der jüdischen Gemeinde. Aber wer gehört eigentlich zu dieser Gemeinde? Wer sind die Juden überhaupt? Sind alle Juden gleich? Haben die Morde etwas mit der Dreyfus-Affäre zu tun? Der Untersuchungsrichter Bernard Martin taucht in die für ihn fremde Welt ein und erkennt, dass alles nicht so einfach ist, wie es scheint. Jude ist eben nicht gleich Jude, und in der jüdischen Gemeinde gibt es Differenzen und unterschiedliche Strömungen, wenn es um die richtige Strategie für in Frankreich lebende Juden geht: Assimilierung oder Bewahrung der Tradition? Schnell stellt sich die Frage, ob der Mörder ein Antisemit ist oder aus den eigenen Reihen der Juden kommt. Dabei kann Bernard Martin sich gar nicht richtig auf den Fall konzentrieren, denn eine private Tragödie bindet seine Kraft. Barbara Pope ist Historikerin, und das merkt man dem Buch an. Sie weiß, wovon sie spricht und integriert die geschichtliche Situation im Frankreich des 19. Jahrhunderts geschickt in das Romangeschehen, ohne dass es trocken oder langweilig wird. Neben der Situation der Juden wird auch die gerade erst beginnende Emanzipation der Frauen thematisiert. Die historischen Erläuterungen am Anfang und am Ende des Buches sind fundiert und hilfreich. Das Buch ist der zweite Band einer Serie, lässt sich aber auch ohne Kenntnis des ersten Bandes gut lesen. Die Charaktere waren mir sympathisch und das Ende lässt hoffen, dass es weitere Romane um Bernard Martin geben wird.

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  • Rezension zu "Jakobsblut" von Barbara Pope

    Jakobsblut

    Ani

    20. August 2010 um 22:34

    Frankreich, Nancy 1894 Aufgeregt betritt der Untersuchungsrichter David Singer das Büro seines Kollegen Bernard Martin. Singer ist Jude und verzweifelt über seinen neuen Fall. Er hat die Aufgabe zugeteilt bekommen, einen angeblichen Ritualmord, bei dem ein Jude einen christlichen Säugling verstümmelt und umgebracht haben soll, zu untersuchen. Da sich, aufgrund der Dreyfus-Affäre, der Antisemitismus in der Bevökerung ausbreitet, hat Singer Angst davor, dass dieser brisante Fall sein Verhängnis werden könnte. Deshalb bittet er seinen Kollegen Martin inständig darum, den Fall zu übernehmen. Martin übernimmt den Fall mit gemischten Gefühlen. Schon bald stellt sich heraus, dass sein Misstrauen nicht unbegründet war, denn kurz nacheinander werden zwei angesehene Mitglieder der jüdischen Gemeinde ermordet aufgefunden. Treibt etwa ein vom Judenhass zerfressener Mörder sein Unwesen? Bernard Martin weiß nicht, wo er mit seinen Ermittlungen ansetzen soll, doch in ihm erhärtet sich der Verdacht, dass sich viel mehr dahinter verbergen könnte... Meine Meinung Der Kriminalroman beginnt mit einer historischen Vorbemerkung, in der die Dreyfus-Affäre und ihre Bedeutung für den jüdischen Teil der Bevölkerung kurz erklärt wird. Damit wird der Grundstein zum besseren Verständnis der Handlung gelegt. "Jakobsblut" ist bereits der zweite Band einer Bücherserie, in deren Mittelpunkt der Untersuchungsrichter Bernard Martin steht. Beide Bände sind in sich abgeschlossen und können unabhängig voneinander gelesen werden. Ich habe den ersten Teil nicht gelesen und hatte trotzdem keine Schwierigkeiten mich mit dem Hauptprotagonisten und seinem beruflichen und privaten Umfeld vertraut zu machen. Dennoch wurde meine Neugier auf den ersten Fall, durch kurze Rückblicke auf das Schicksal seines verstorbenen Freundes, geweckt. Die Beschreibungen der Handlungsorte und der agierenden Personen im aktuellen Fall sind sehr detailliert, sodass man sich die jeweiligen Situationen gut vorstellen kann. Ausserdem gelingt es der Autorin, die antisemitische Stimmung in der Bevölkerung zu beschreiben und dem Leser die bedrohliche Atmosphäre zu vermitteln. Sie lässt jüdische Gebräuche und Gepflogenheiten in die Handlung einfliessen und liefert so eine gut recherchierte und lehrreiche Hintergrundkulisse. Aufgrund der zahlreichen Informationen sollte man das Buch konzentriert lesen. Kleine, aber wichtige Details könnten sonst leicht übersehen und nicht in die Handlung eingeordnet werden. Das Buch lässt sich dadurch nicht durchgehend flüssig lesen, aber dennoch bleibt die Erzählung interessant und schlüssig. Bei der Suche nach dem Mörder tappt man fast bis zum Schluss im Dunkeln, da Untersuchungsrichter Martin verschiedenen Spuren nachgehen muss und dabei mehrere Verdächtige in das Visier der Ermittlungsarbeiten geraten. Deshalb ist die Kriminalhandlung spannend und die Auflösung überraschend. Neben der Suche nach dem geheimnisvollen Mörder und der Aufdeckung der Hintergründe, verfügt das Buch ausserdem über interessante Nebenhandlungen. Denn Martins Frau Clarie wird von den Ehefrauen der anderen Untersuchungsrichter skeptisch betrachtet, da sie an einer Schule unterrichtet, die von Mädchen aus allen Bevölkerungsschichten besucht wird. Claries fortgeschrittene Schwangerschaft und die bevorstehende Geburt des ersten Kindes, lassen den angesehenen Richter menschlich wirken und hauchen seinem privaten Hintergrund Leben ein. "Jakobsblut" überzeugt durch eine spannende und gut recherchierte Handlung, die ohne romantische Verwicklungen und herzzerreißende Liebesszenen auskommt. Dennoch kommen die Gefühle nicht zu kurz, da das Ehepaar Martin ein einschneidendes Erlebnis verarbeiten muss und die bedrohliche Stimmung in der Bevölkerung beim Lesen spürbar ist. Anmerkungen zum historischen Hintergrund der Erzählung runden das Leseerlebnis ab.

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