Richterin Barbara Salesch, 4 DVDs. Staffel.1

von Barbara Salesch 
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Richterin Barbara Salesch, 4 DVDs. Staffel.1
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Inhaltsangabe zu "Richterin Barbara Salesch, 4 DVDs. Staffel.1"

Seit Oktober 2000 verhandelt Richterin Barbara Salesch Strafrecht-Delikte, wie sie in deutschen Gerichtssälen tatsächlich verhandelt werden: Diebstahl, unterlassene Hilfeleistung, Betrug und Nötigung - Alltagsfälle. Weil im echten Strafgericht Kameras nicht zugelassen sind, übernehmen Darsteller den Part von Angeklagten und Zeugen, während echte Juristen als Staatsanwälte und Verteidiger agieren.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:4260093773496
Sprache:
Ausgabe:DVD Video
Umfang:0 Seiten
Verlag:CMS Constructive Media Service
Erscheinungsdatum:29.09.2011

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    Peter_Waldbauers avatar
    Peter_Waldbauervor einem Jahr
    Ruppelstilzchen in schwarzer Robe

    Die rote Pumuckl-Frisur über der schwarzen Richterrobe lässt Barbara Salesch wie eine Karikatur erscheinen. Ein Rumpelstilzchen, das sich eingeschlichen hat auf die Bühne eines Volkstheaters und dort den Richter spielen darf, von allen akzeptiert. Wie die Märchenfigur der Brüder Grimm führt sich auch Frau Salesch bisweilen auf und steht damit kaum jenen Angeklagten nach, die eine Casting-Agentur dem Unterschichtenfernsehen vermittelt hat. In einer „Gerichtsshow“, in der Richter, Staatsanwälte und Verteidiger sich als Choleriker aufführen, bildet Frau Salesch den grotesken Höhepunkt.

    Man muss es ganz klar sagen: Nein, so geht es nicht zu in deutschen Gerichtssälen, in Strafprozessen schon gar nicht. Ein Richter oder eine Richterin gebärdet sich nicht dermaßen emotional wie Frau Salesch dies tut. Ein Vorsitzender, der chronisch aus der Haut fährt, würde nicht nur schnell seine Autorität, sondern noch mehr seine Glaubwürdigkeit verlieren. Es gehört gerade zur Funktion des Richteramtes, besonders in Strafprozessen, relative Gelassenheit an den Tag zu legen und emotional distanziert zu sein. Zumindest nach außen hin, mag es unter der Robe manchmal auch anders aussehen.

    Erst eine souveräne Neutralität, erlaubt es einem Richter einen Strafprozess erfolgreich zu führen. Erfolgreich in dem Sinn, dass keine Revisionsgründe geliefert werden dem Verteidiger und dem Staatsanwalt.

    Ein solcher Fall läge zum Beispiel vor, könnte man dem vorsitzenden Richter Voreingenommenheit nachweisen. Mit ein Grund, weshalb sich viele Richter gegenüber dem Angeklagten recht freundlich verhalten, auch gegenüber solchen, die schwere Straftaten begannen haben. Dass mancher Straftäter sich dabei von den salbungsvollen Worten eines Richters einlullen und so leichter überführen lässt, ist ein schöner Nebeneffekt.

    TV-Richterin Salesch dagegen scheint jeden Fall und jede Äußerung eines Angeklagten persönlich zu nehmen und kann den Timbre ihrer Stimme kaum kontrollieren. Dazu schwankt sie auf ihrem Richterstuhl vor und zurück, wippt zur Seite, wirft den Kopf herum, reisst ihre Brille herunter und spielt der Reihe nach sämtliche Gesichtsausdrücke durch, wie wir es von untalentierten Laiendarstellern erwarten dürfen.

    Mit der Kraft ihrer Persönlichkeit versucht sie aus ihren Opfern die Wahrheit herauszuholen. Ihr Vernehmungsstil wirkt so übertrieben, wie ihre Anbiederung bei den sensationslüsternen Fernsehzuschauern peinlich ist.

    Dabei weiß Barbara Salesch es eigentlich besser. Sie arbeitete zunächst als Staatsanwältin, dann als Richterin in Hamburg, sogar als Vorsitzende Richterin am Landgericht. Dort geht es noch gemäßigter und formeller zu, als an irgendeinem Amtsgericht in der Provinz, wo die Richter sich herumschlagen müssen mit juristisch eher banalen Fällen, wie Beleidigung, Körperverletzung oder Hausfriedensbruch. Kleinkriminalität, die die Staatsdiener in die Rolle von Sozialarbeitern drängt.

    Zurück zur Gerichtshow. Auch Staatsanwälte schreien keine Angeklagten oder Zeugen an, schon gar nicht kurz nach Verhandlungsbeginn. Sie liefern sich keinen Privatdisput mit dem Verteidiger, versuchen nicht verzweifelt witzig zu sein oder rufen einfach in die Verhandlung hinein, sondern warten, bis ihnen der Vorsitzende das Wort erteilt.

    Ein Richter oder eine Richterin schauen nicht wortlos zu, wenn die Angeklagte verbal auf die Zeugin losgeht oder die Zeugen selbst nach Lust und Laune herumkrakeelen. Erst recht nicht, wenn sich jemand, der nicht Partei ist, von der Zuschauerbank wortlaut in die Verhandlung einmischt. Wer sich in realen Gerichtssälen so verhält, dem droht schnell ein Ordnungsgeld oder sogar eine Ordnungshaft wegen ungebührlichen Verhaltens.

    Irgendwann mahnt auch Frau Salesch dieses Verhalten an, doch bis dahin haben sich die Prozessteilnehmer schon eine ganze Weile unglaubwürdig aufspielen dürfen. Teilnehmer übrigens, die in der Mehrzahl nuttige Kleidung tragen, ärmelose Hemden und kurze Hosen. Ihre grell geschminkten Fratzen, kaugummikauenden Münder und Tattoos dürfen sie im Gerichtssaal um die Wette präsentieren. Jenen Paragraph der Strafprozessordung, der kurze Hosen vor Gericht verbietet, scheinen die Macher der Gerichtsshow gerade nicht greifbar zu haben.

    Dass der Staatsanwalt wie von der Tarantel gestochen von seinem Sitz aufspringt, laut brüllend auf den Angeklagten zurennt und ihm vemeintliche Beweisfotos vor die Nase hält, um ein Geständnis zu erzwingen, mag sich gut in Hollywoodschinken machen und dort die Spannung steigern. Nichts zu suchen hat dies in Gerichtsshows, die vorgeben, die Realität wenigstens einigermaßen widerzuspiegeln und das Bild prägen von deutschen Gerichten in der Öffentlichkeit.

    Auch wenn andere Fernseh-Formate in die gleiche Kerbe schlagen (das Jugendgericht, das Strafgericht, das Familiengericht oder Richter Alexander Hold), bei Frau Salesch spielt sich alles noch zwei Nummern größer ab.

    Gerichtsprozesse entscheiden sich in der Praxis nicht dadurch, dass ein unerwartet auftauchender Zeuge in letzter Sekunde dramatisch in den Gerichtssaal stürmt und unglaubliche Aussagen macht, die dem Fall eine völlig überraschende Wendung geben.

    Auch nicht durch Rechtsanwaltsgehilfen, die in Privatdetektiv-Manier auf eigene Faust ermitteln. Sie entscheiden sich in der Regel ganz nüchtern nach Aktenlage, weil erfahrene Anwälte ohnehin wissen, wo es Sinn hat, etwas abzustreiten oder zuzugeben, ob sie also „hart“ oder eher „weich“ verteidigen und deshalb meist schon vorher Deals aushandeln mit den Justizbehörden.

    Zum Beispiel: Wenn der nicht vorbestrafte Angeklagte aussagt und voll geständig ist, kommt er mit einer Bewährungsstrafe davon.

    Oder umgekehrt: ist die Beweislage dünn und eine Verurteilung eher unwahrscheinlich, stellt der Staatsanwalt das Verfahren gegen eine Geldbuße ein. So wird im juristischen Alltag in vielen Fällen (Mord natürlich ausgenommen) verfahren und nicht, indem alle Beteiligten im Gerichtssaal die Sau herauslassen und wer am Lautesten brüllt, bekommt Recht.

    In einer Talkshow zu ihrer Rolle als Fernsehrichterin befragt, räumte Salesch ein: „Fernsehen ist etwas anderes...das hat mit Justiz und Alltag, wie ich es vorher hatte, nichts zu tun.“ Warum Barbara Salesch, die erste deutsche Fernsehrichterin, sich dann für dieses Schmierentheater hergibt, kann nur sie selbst beantworten. Nach eigenem Bekunden ergriff sie die Chance zur Fernsehkarriere, um ein neues Richterbild zu prägen. Vielleicht weiß die Antwort auch ihre damalige Präsidentin des Hamburger Landgerichts, die ihr beim „Bierabend" riet: „Das wäre was für Sie.“

    1999 fing Salesch als Zivilrichterin beim Fernsehen an und wurde schnell bekannt, weil Ex-Metzger Stefan Raab einen Rechtstreit ihrer Show zu seinem Hit Maschendrahtzaun verwurstelte.

    Aber Salesch erkannte bald: „Zivilrecht ist uninteressant in den Medien, wir haben in den Medien generell Strafrecht, es muß bluten... und schon guckt man zu.“

    Auf das Thema Medien ist Salesch sehr focusiert, nach 1.500 Sendungen identifiziert sie sich völlig damit. Warf Sie mit der neuen Rolle auch ihre Ideale über Bord?

    Jedenfalls scheint sie auf ihre Fernsehkarriere sehr stolz zu sein und bedauert, dass ihre Eltern diese nicht mehr mitbekommen haben. (Ihr Vater starb zwei Jahre vor Beginn ihrer TV-Tätigkeit, ihre Mutter erkrankte an Alzheimer.) Konsequenterweise zieht es Salesch nach ihrer Fernsehkarriere nicht mehr zurück in den realen Gerichtssaal. Mit leuchtenden Augen erzählt sie, dass sie die 2.000 Sendung anstrebe. Hoffen wir nur, dass sie sich bis dahin nicht wie Rumpelstilzchen vor Wut selbst zerreisst.

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