Barbara Stollberg-Rilinger

 4,2 Sterne bei 19 Bewertungen

Lebenslauf von Barbara Stollberg-Rilinger

Barbara Stollberg-Rilinger, Studium der Geschichte, Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie, 1985 Promotion in Köln; 1994 Habilitation; seit 1997 Universitätsprofessorin für Neuere Geschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Herausgeberin der „Zeitschrift für Historische Forschung“. Bis 2011 Sprecherin des Sonderforschungsbereichs 496 „Symbolische Kommunikation und gesellschaftliche Wertesysteme vom Mittelalter bis zur Französischen Revolution“; Koordinatorin und seit 2010 Sprecherin des Exzellenzclusters „Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und der Moderne“. Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis 2007; Ehrendoktorwürde der Ecole normale supérieure Lyon; Ordentliches Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, korrespondierendes Mitglied der Bayerischen und der Göttingischen Akademie der Wissenschaften. Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Politische Kultur des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, Kultur- und Sozialgeschichte der ständischen Gesellschaft, Politisch-soziale Rituale und Verfahren in der Frühen Neuzeit und Politische Ideengeschichte der Frühen Neuzeit; zahlreiche Buchpublikationen.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Barbara Stollberg-Rilinger

Cover des Buches Maria Theresia (ISBN: 9783406697487)

Maria Theresia

 (7)
Erschienen am 05.02.2018
Cover des Buches Die Aufklärung (ISBN: 9783150188828)

Die Aufklärung

 (4)
Erschienen am 01.08.2011
Cover des Buches Maria Theresia: Die Kaiserin in ihrer Zeit (ISBN: 9783406697494)

Maria Theresia: Die Kaiserin in ihrer Zeit

 (1)
Erschienen am 23.03.2017
Cover des Buches Maria Theresia (ISBN: 9783406741135)

Maria Theresia

 (0)
Erschienen am 19.09.2019
Cover des Buches Rituale (ISBN: 9783593399560)

Rituale

 (0)
Erschienen am 01.10.2013
Cover des Buches Des Kaisers alte Kleider (ISBN: 9783406570742)

Des Kaisers alte Kleider

 (0)
Erschienen am 14.11.2013

Neue Rezensionen zu Barbara Stollberg-Rilinger

Cover des Buches Maria Theresia (ISBN: 9783406697487)K

Rezension zu "Maria Theresia" von Barbara Stollberg-Rilinger

Machtmensch und pragmatische Politikerin
kurti66vor 7 Monaten

Stollberg-Rilinger präsentiert uns in ihrer wuchtigen und voluminösen Biographie  eine Frau, die zeit Ihres Lebens für ihre Macht, ihre Familie, ihr Haus und ihr persönliches Glück kämpfen musste. Von sich und ihrer Bestimmung überzeugt, aber mit dem 'Makel' des weiblichen Geschlechts belastet,  wirkt ihr ständiger  Kampf fast schon prae-feministisch; doch bleibt sie auch ein Leben lang im engen Korsett einer strengen  katholischen Erziehung und absolutistischen Gesinnung gefangen und damit ein Kind ihrer Zeit. Der Geist der Aufklärung war ihr stets suspekt. Auch waren ihr die Nöte des einfachen Volkes  mehr oder weniger gleichgültig.  Trost  und Erlösung fand sie nur im Glauben, den Beistand Gottes suchte sie  im strengen Gebet und überkommenen Ritualen.  

Die Biographie ist durch ihre Detailverliebtheit mitunter langatmig und liest sich - besonders bei den Bemühungen der Kaiserin um das Wohl ihrer Familie - wie ein Auszug aus der 'Bunten' bzw. anderer Gossip-Magazine.

Schwach ist Stollber-Rilinger bei der Schilderung der zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen des Hauses Habsburg mit Preußen. So nimmt der 7-jährige Krieg gerade mal 50 Seiten in ihrem Werk ein. Man merkt auf fast jeder dieser Seiten das Unbehagen der Autorin, den Krieg als legitime Form der Konfliktlösung der damaligen Zeit zu akzeptieren und entsprechend zu beschreiben. Der Krieg wird als quasi  Unwetter geschildert, das man hinnehmen muss und am Ende ist man froh, wenn es vorbei ist. Diese Haltung disqualifiziert sie aber als  bedeutende Historikerin.         

 

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Cover des Buches Maria Theresia (ISBN: 9783406697487)Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Maria Theresia" von Barbara Stollberg-Rilinger

"Magna Mater Austriae"
Bellis-Perennisvor 4 Jahren

Autorin und Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger macht ihren Lesern zum 300. Geburtstag von Maria Theresia ein besonderes Geschenk: Eine knapp 1.000 Seiten starke Biographie, die penibel recherchiert und umfassend dokumentiert ist. Es bleiben kaum Fragen offen. Die Autorin nimmt sich in 15 Kapiteln der vielschichtigen Persönlichkeit der Herrscherin detailliert an. Das hochwertig gebundene und mit Lesebändchen versehene Buch enthält zahlreiche farbige Abbildungen, eine Landkarte der Habsburgischen Länder zur Zeit Maria Theresiens, eine Ahnentafel sowie viele Anmerkungen, weiterführende Literatur und Quellen. Auch ein Personenregister sowie ein Glossar helfen dem Leser sich in diesem opulenten Werk zurechtzufinden.

Obwohl diese Biografie nicht die einzige ist, kann sie als wohltuend und umfassend bezeichnet werden. Ohne zu werten, wird das historische Umfeld, in das Maria Theresia hineingeboren wird, dargestellt.

Obwohl die anderen Monarchien der als „Pragmatische Sanktion“ bekannten Vereinbarung über eine weibliche Thronfolge nach Karl VI. zustimmen, fallen diese Länder (vor allem Preußen unter Friedrich II.) nach dem Tod Kaiser Karls, wie die Aasgeier über die Habsburgischen Erbländer her. Man glaubt mit der jungen Herrscherin leichtes Spiel zu haben.
Trotz der nicht allzu guten Ausbildung schafft es die junge Regentin, ihre Macht auszuspielen. „Die 23jährige zeigte sich vom ersten Tag ihrer Regierung an als die geborene Herrscherin“. (Prolog S.XX)

Die einzelnen Kapitel umreißen verschiedene Episoden aus dem langen Leben Maria Theresias. In ihrem tief katholischen Religionsverständnis verschreibt sie sich dem Kampf gegen den „protestantischen Irrglauben“. Sie siedelt Bewohner aus „infizierten Gegenden“ weit weg vom Wiener Hof an. Daher gibt es in einigen Ländern der ehemaligen Donaumonarchie auch heute noch protestantische Enklaven (z.B. Siebenbürgen)

Wir erhalten Einblick in das recht komplizierte Hofleben. Gemäß der Auffassung dieser Zeit ist „der fürstliche Körper im Alten Europa ein politischer Gegenstand ersten Ranges“.
In Wien geht man zwar nicht so weit, wie im absolutistischen Frankreich, wo man dem König bei seinem Stuhlgang beobachten konnte. Ein wenig Privatleben behält sich Maria Theresia vor.

Interessant ist jedenfalls ihr Verständnis zu ihren Titeln und Ländereien. So lässt sie sich zum König (und nicht zur Königin) von Ungarn bzw. Böhmen krönen, weil dort keine weibliche Thronfolge vorgesehen ist.
Sie ist eine unermüdliche Arbeiterin mit einem überaus vollen Stundenplan. Die hohen Ansprüche, die sie an sich selbst stellt, verlangt sie auch von den anderen.
Ihre (Liebes)Heirat mit Franz Stephan von Lothringen stellt in der damaligen Zeit, in der Ehen ausschließlich nach dynastischen Überlegungen geschlossen wurden, eine einsame Ausnahme dar. Ihre Kinder verheiratet sie nach nützlichen und Gewinn bringenden Aspekten, ohne Rücksicht auf deren Gefühle zu nehmen (Kap. IX „Kapital der Dynastie)).

Maria Theresia gilt als große Reformerin. Mit der Einführung der Schulpflicht für alle Kinder macht sie sich nicht überall beliebt, denn die Kinder sind als Arbeitskräfte oft unentbehrlich. Die langen Sommerferien (9 Wochen), die es in Österreich nach wie vor gibt, sind ein Erbe dieser Verordnung.

Die verschiedenen Verwaltungsreformen, die Maria Theresia einführt, bestehen in einigen Grundzügen im österreichischen Staat heute noch: z.B. die Kameralistik und/oder die „Maria Theresianische Kanzleiordnung“. Mit diesen Verwaltungsreformen gelingt es ihr aus dem „heruntergekommenen Riesenreich“ einen modernen Staat zu machen. Zwar bleiben die Reformen hinter jenen Friedrich II. von Preußen zurück, doch dessen Reich ist um einiges kleiner und beheimatet weniger unterschiedliche Völker.
Maria Theresia reformiert das Hofleben. So erhalten die Beamten erstmals eine echte Besoldung und sind nicht auf „persönliche Gunst“ und „Gnadengaben“ nach Gutdünken bzw. auf ihre eigenen Güter angewiesen. (Kap. XIII „Die Unterthanen“)
Auch die später „josephinisch“ genannte Landesaufnahem geht auf ihre Initiative zurück. Die Herrscherin musste einfach wissen, wie viele wehrfähige Männer ihr zur Verfügung stehen. Erstmals werden in der ganzen Monarchie die Häuser erfasst. Jedes Gebäude erhält eine „Konskriptionsnummer“. Ihr Hofmathematiker Johann Jakob Marinoni wird großen Anteil an der Vermessung haben. Wenn Österreich im Jahre 2017 das 200-jährige Bestehen des Katasters feiert, so ist auch dieser in seiner ursprünglichen Form auf Maria Theresia zurückzuführen.

Nach dem Tod Franz Stephans wird Joseph II. Mitregent, was naturgemäß für ein hohes Konfliktpotential sorgt (Kapitel X).

Ein großes Augenmerk wird auf Maria Theresia als Mutter gelegt. Sie wird ihre Kinder bis zu ihrem Tod 1780 mit guten Ratschlägen und oft harscher Kritik nerven. Sie ist ein echtes Kontrollfreak.

Die zahlreichen Darstellungen Maria Theresiens im Kreise ihrer Familie sind gutgemeinte Illusionen, denn weder ist die Zeit, noch die Herrscherin selbst „gemütlich“.

In ihren letzten Lebensjahren kam Maria Theresia sich selbst vor wie ein Relikt aus einem anderen Jahrhundert. Was ihr keine Freude, sondern Widerwillen bereitete. (Kap. XIV „Der Herbst der Matriarchin“).

Im kurzen Epilog wird das lange Leben und Wirken Maria Theresias an Hand von wichtigen Eckdaten nochmals zusammengefasst.

»Außergewöhnlich war im 18. Jahrhundert weniger, dass eine Frau Herrschaft ausübte, außergewöhnlich war vielmehr, dass ein Monarch, ob Mann oder Frau, das Geschäft des Regierens als persönliche Aufgabe derart ernst nahm.«

Meine Meinung:

Diese Biographie ist ausgezeichnet geschrieben und räumt mit so manchem Mythos oder Unwahrheit auf. Wir können in ein langes, ereignisreiches Leben Einblick nehmen, ohne voyeuristisch zu sein.
Als Österreicherin und Beamtin sind mir die meisten Themen bekannt. Doch auch ich durfte ein paar Neuigkeiten oder Vertiefungen kennen lernen.

Die Autorin hat die komplexen Zusammenhänge anschaulich und umfassend dargestellt, sodass kaum eine Frage offen bleibt. Dabei lässt ihr angenehmer Schreibstil diese gewichtige Biographie gut lesen. Aufgelockert ist das Werk durch eine großartige Auswahl an Zitaten. In dem einen oder anderen habe ich den Eindruck, dass sich Maria Theresia über sich selbst lustig macht.
Einige Themen wie „die Vereinbarkeit des Berufs und der Familie“ und die Rolle der Frau in der Politik sind aktueller denn je.


Fazit:

Eine sehr gute Biographie von Maria Theresia, die man unbedingt lesen muss. 

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Cover des Buches Maria Theresia: Die Kaiserin in ihrer Zeit (ISBN: 9783406697494)Aliknechts avatar

Rezension zu "Maria Theresia: Die Kaiserin in ihrer Zeit" von Barbara Stollberg-Rilinger

Ikone der Frauenbewegung?
Aliknechtvor 4 Jahren

Warum ist Maria Theresia eigentlich keine Ikone der Frauenbewegung? Sie war eine starke Frau, die als regierende Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn und weiteren Ländern nicht nur über viele Jahrzehnte hinweg die Regierungsgeschäfte einer europäischen Grossmacht führte, dabei sechzehn Kinder gebar und aufzog und gleichzeitig ihren Eheman Franz I. Stephan von Lothringen, den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, dem sie sehr zugetan war, stets fest im Griff hatte. Sie musste durch schwierige Zeiten und hatte nach Übernahme der Regierung den Österreichischen Erbfolgekrieg und später den Siebenjährigen Krieg zu bestehen. Ihr lebenslanger Hauptwidersacher war der Alte Fritz, der als einer der größten Militärstrategen aller Zeiten gewiss kein einfacher Gegner war, und dem sie sich doch einigermaßen gewachsen zeigte. Maria Theresia erkannte vor allem im Verlauf der militärischen Auseinandersetzungen die strukturellen Schwächen der Erblande und sie modernisierte die staatliche Verwaltung, das Militärwesen, wirtschaftliche Regeln und das Bildungssystem. Sie stützte sich auf unterschiedliche fähige Berater, später vor allem auf Kaunitz. Nach dem Tod ihres Mannes wurde ihr ältester Sohn Joseph Mitregent und deutscher Kaiser. Die beiden unterhielten ein schwieriges Verhältnis, wahrscheinlich auch deshalb, weil sie die Macht bis zu ihrem Tode nicht aus den Händen gab. Barbara Stollberg-Rilinger hat eine gut geschriebene Darstellung einer bedeutenden Herrscherin im Spätbarock geliefert. Es werden auf etwa tausend Seiten nicht nur die wichtigsten Zeitgenossen sondern auch die Zeitumstände ausführlich und unterhaltsam geschildert. 

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