Maria Theresia

von Barbara Stollberg-Rilinger 
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Maria Theresia
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Ein fundiertes, detailreiches Werk über Maria Theresia, das unbedingt gelesen werden sollte.

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Umfassender Blick auf das Leben einer außergewöhnlichen Frau. An ein Sachbuch kann man keine weiteren Wünsche stellen.

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Inhaltsangabe zu "Maria Theresia"

Eine "Weiberherrschaft" war im 18. Jahrhundert an sich nicht ungewöhnlich - ungewöhnlich aber war, dass Kaiserin Maria Theresia das Geschäft des Regierens als ihre persönliche Aufgabe derart ernst nahm und mit äußerster Akribie betrieb. Damit unterschied sie sich von vielen europäischen Monarchen, die lieber ihren Neigungen nachgingen und die Amtsgeschäfte gern anderen überließen. Dass Maria Theresia nicht nur in dieser Hinsicht eine außergewöhnliche Frau war, zeigt diese eindrucksvolle Biographie.
Barbara Stollberg-Rilinger lässt in ihrer meisterhaften Darstellung die Verhältnisse am Habsburger Hof, in der Stadt Wien, im Heiligen Römischen Reich und in den vielen Ländern lebendig werden, aus denen sich die Monarchie zusammensetzte. Ihre Haupt- und Staatsaktionen wie der Erbfolgekrieg (1740 - 1748) oder der Siebenjährige Krieg (1756 - 1763) gegen ihren Erzfeind Friedrich den Großen von Preußen werden ebenso anschaulich beschrieben wie das Verhältnis zu Ehe, Sexualität und Schwangerschaft, die Erziehung ihrer vielen Kinder, die Divertissements bei Hofe, die erbitterten Konflikte mit dem Sohn und Mitregenten Joseph II. und nicht zuletzt die unbarmherzige Religionspolitik der kompromisslos katholischen Kaiserin, die am Ende wie aus der Zeit gefallen schien. Gestützt auf zahllose, mitunter kaum bekannte Quellen, entsteht ein ganz einzigartiges Portrait Maria Theresias. Es ist frei von hagiographischen Zügen und zeigt eine Matriarchin von äußerstem Pflichtbewusstsein, die sich selbst ebenso wie ihre Familie und ihre Untertanen einem strengen Regiment unterwarf.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783406697487
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:992 Seiten
Verlag:C.H.Beck
Erscheinungsdatum:05.02.2018

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    Bellis-Perenniss avatar
    Bellis-Perennisvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Ein fundiertes, detailreiches Werk über Maria Theresia, das unbedingt gelesen werden sollte.
    "Magna Mater Austriae"

    Autorin und Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger macht ihren Lesern zum 300. Geburtstag von Maria Theresia ein besonderes Geschenk: Eine knapp 1.000 Seiten starke Biographie, die penibel recherchiert und umfassend dokumentiert ist. Es bleiben kaum Fragen offen. Die Autorin nimmt sich in 15 Kapiteln der vielschichtigen Persönlichkeit der Herrscherin detailliert an. Das hochwertig gebundene und mit Lesebändchen versehene Buch enthält zahlreiche farbige Abbildungen, eine Landkarte der Habsburgischen Länder zur Zeit Maria Theresiens, eine Ahnentafel sowie viele Anmerkungen, weiterführende Literatur und Quellen. Auch ein Personenregister sowie ein Glossar helfen dem Leser sich in diesem opulenten Werk zurechtzufinden.

    Obwohl diese Biografie nicht die einzige ist, kann sie als wohltuend und umfassend bezeichnet werden. Ohne zu werten, wird das historische Umfeld, in das Maria Theresia hineingeboren wird, dargestellt.

    Obwohl die anderen Monarchien der als „Pragmatische Sanktion“ bekannten Vereinbarung über eine weibliche Thronfolge nach Karl VI. zustimmen, fallen diese Länder (vor allem Preußen unter Friedrich II.) nach dem Tod Kaiser Karls, wie die Aasgeier über die Habsburgischen Erbländer her. Man glaubt mit der jungen Herrscherin leichtes Spiel zu haben.
    Trotz der nicht allzu guten Ausbildung schafft es die junge Regentin, ihre Macht auszuspielen. „Die 23jährige zeigte sich vom ersten Tag ihrer Regierung an als die geborene Herrscherin“. (Prolog S.XX)

    Die einzelnen Kapitel umreißen verschiedene Episoden aus dem langen Leben Maria Theresias. In ihrem tief katholischen Religionsverständnis verschreibt sie sich dem Kampf gegen den „protestantischen Irrglauben“. Sie siedelt Bewohner aus „infizierten Gegenden“ weit weg vom Wiener Hof an. Daher gibt es in einigen Ländern der ehemaligen Donaumonarchie auch heute noch protestantische Enklaven (z.B. Siebenbürgen)

    Wir erhalten Einblick in das recht komplizierte Hofleben. Gemäß der Auffassung dieser Zeit ist „der fürstliche Körper im Alten Europa ein politischer Gegenstand ersten Ranges“.
    In Wien geht man zwar nicht so weit, wie im absolutistischen Frankreich, wo man dem König bei seinem Stuhlgang beobachten konnte. Ein wenig Privatleben behält sich Maria Theresia vor.

    Interessant ist jedenfalls ihr Verständnis zu ihren Titeln und Ländereien. So lässt sie sich zum König (und nicht zur Königin) von Ungarn bzw. Böhmen krönen, weil dort keine weibliche Thronfolge vorgesehen ist.
    Sie ist eine unermüdliche Arbeiterin mit einem überaus vollen Stundenplan. Die hohen Ansprüche, die sie an sich selbst stellt, verlangt sie auch von den anderen.
    Ihre (Liebes)Heirat mit Franz Stephan von Lothringen stellt in der damaligen Zeit, in der Ehen ausschließlich nach dynastischen Überlegungen geschlossen wurden, eine einsame Ausnahme dar. Ihre Kinder verheiratet sie nach nützlichen und Gewinn bringenden Aspekten, ohne Rücksicht auf deren Gefühle zu nehmen (Kap. IX „Kapital der Dynastie)).

    Maria Theresia gilt als große Reformerin. Mit der Einführung der Schulpflicht für alle Kinder macht sie sich nicht überall beliebt, denn die Kinder sind als Arbeitskräfte oft unentbehrlich. Die langen Sommerferien (9 Wochen), die es in Österreich nach wie vor gibt, sind ein Erbe dieser Verordnung.

    Die verschiedenen Verwaltungsreformen, die Maria Theresia einführt, bestehen in einigen Grundzügen im österreichischen Staat heute noch: z.B. die Kameralistik und/oder die „Maria Theresianische Kanzleiordnung“. Mit diesen Verwaltungsreformen gelingt es ihr aus dem „heruntergekommenen Riesenreich“ einen modernen Staat zu machen. Zwar bleiben die Reformen hinter jenen Friedrich II. von Preußen zurück, doch dessen Reich ist um einiges kleiner und beheimatet weniger unterschiedliche Völker.
    Maria Theresia reformiert das Hofleben. So erhalten die Beamten erstmals eine echte Besoldung und sind nicht auf „persönliche Gunst“ und „Gnadengaben“ nach Gutdünken bzw. auf ihre eigenen Güter angewiesen. (Kap. XIII „Die Unterthanen“)
    Auch die später „josephinisch“ genannte Landesaufnahem geht auf ihre Initiative zurück. Die Herrscherin musste einfach wissen, wie viele wehrfähige Männer ihr zur Verfügung stehen. Erstmals werden in der ganzen Monarchie die Häuser erfasst. Jedes Gebäude erhält eine „Konskriptionsnummer“. Ihr Hofmathematiker Johann Jakob Marinoni wird großen Anteil an der Vermessung haben. Wenn Österreich im Jahre 2017 das 200-jährige Bestehen des Katasters feiert, so ist auch dieser in seiner ursprünglichen Form auf Maria Theresia zurückzuführen.

    Nach dem Tod Franz Stephans wird Joseph II. Mitregent, was naturgemäß für ein hohes Konfliktpotential sorgt (Kapitel X).

    Ein großes Augenmerk wird auf Maria Theresia als Mutter gelegt. Sie wird ihre Kinder bis zu ihrem Tod 1780 mit guten Ratschlägen und oft harscher Kritik nerven. Sie ist ein echtes Kontrollfreak.

    Die zahlreichen Darstellungen Maria Theresiens im Kreise ihrer Familie sind gutgemeinte Illusionen, denn weder ist die Zeit, noch die Herrscherin selbst „gemütlich“.

    In ihren letzten Lebensjahren kam Maria Theresia sich selbst vor wie ein Relikt aus einem anderen Jahrhundert. Was ihr keine Freude, sondern Widerwillen bereitete. (Kap. XIV „Der Herbst der Matriarchin“).

    Im kurzen Epilog wird das lange Leben und Wirken Maria Theresias an Hand von wichtigen Eckdaten nochmals zusammengefasst.

    »Außergewöhnlich war im 18. Jahrhundert weniger, dass eine Frau Herrschaft ausübte, außergewöhnlich war vielmehr, dass ein Monarch, ob Mann oder Frau, das Geschäft des Regierens als persönliche Aufgabe derart ernst nahm.«

    Meine Meinung:

    Diese Biographie ist ausgezeichnet geschrieben und räumt mit so manchem Mythos oder Unwahrheit auf. Wir können in ein langes, ereignisreiches Leben Einblick nehmen, ohne voyeuristisch zu sein.
    Als Österreicherin und Beamtin sind mir die meisten Themen bekannt. Doch auch ich durfte ein paar Neuigkeiten oder Vertiefungen kennen lernen.

    Die Autorin hat die komplexen Zusammenhänge anschaulich und umfassend dargestellt, sodass kaum eine Frage offen bleibt. Dabei lässt ihr angenehmer Schreibstil diese gewichtige Biographie gut lesen. Aufgelockert ist das Werk durch eine großartige Auswahl an Zitaten. In dem einen oder anderen habe ich den Eindruck, dass sich Maria Theresia über sich selbst lustig macht.
    Einige Themen wie „die Vereinbarkeit des Berufs und der Familie“ und die Rolle der Frau in der Politik sind aktueller denn je.


    Fazit:

    Eine sehr gute Biographie von Maria Theresia, die man unbedingt lesen muss. 

    Kommentare: 1
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    Igelmanu66s avatar
    Igelmanu66vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Umfassender Blick auf das Leben einer außergewöhnlichen Frau. An ein Sachbuch kann man keine weiteren Wünsche stellen.
    Umfassender Blick auf das Leben einer außergewöhnlichen Frau

    »Das vor allem machte die Faszinationskraft Maria Theresias aus: die erstaunliche Verbindung von männlichem Heldentum und weiblicher Tugend, ihre „mütterliche Majestät“. Sie war bekanntlich nicht nur eine Herrscherin, sondern auch eine treue Gattin und sechzehnfache Mutter. Sensationelle Fruchtbarkeit, verbunden mit tatkräftiger Herrschaft, also gleichsam weibliche und männliche Vollkommenheit in einer Person, das ließ Maria Theresia als Ausnahmefigur erscheinen.«

     

    Was wusste ich bislang über Maria Theresia? Nicht viel, offen gestanden. Das hat sich nach der Lektüre dieses Buchs zum Glück geändert. Die Autorin lehrt als Professorin Geschichte der Frühen Neuzeit, wurde für ihre wissenschaftlichen Verdienste vielfach ausgezeichnet und bringt in dieses Werk reichlich Akribie und Fachwissen ein.

    Auf über 1.000 Seiten finden sich enorm viele Infos, alle wirken großartig recherchiert und gründlich belegt. Dafür sprechen zum Beispiel sehr viele in den Text eingeflochtene Zitate. Dazu gibt es diverse Abbildungen und Farbtafeln und einen sehr umfangreichen Anhang mit Anmerkungen, Quellen und Angaben zu weiterführender Literatur, mit einem Glossar, genealogischen Tabellen und Karten.

     

    Im Einzelnen erfährt der Leser neben praktisch allem, was die Person Maria Theresias betrifft, enorm viel über das zeitgeschichtliche Umfeld. Wenn ich noch mal so durch das Inhaltsverzeichnis schaue, fehlt eigentlich kein Themenbereich. Da werden Kriege geführt, da werden Ehen arrangiert, Pockenepidemien durchlitten, es gibt Aufstände, Reformen, moralische Höhen und Tiefen werden ausgelebt.

    Der Leser erhält einen sehr umfassenden Blick nicht nur auf die politische Lage dieser Zeit, sondern auch auf ihr Moral- und Religionsverständnis. Besonders interessant fand ich hier Maria Theresias Kampf gegen den „protestantischen Irrglauben“. Da wurde von „infizierten Gegenden“ gesprochen und von „gefährlichen Büchern“. Da gab es eine gesetzlich verordnete Denunziationspflicht, bei der belohnt wurde, wer Familienmitglieder oder Nachbarn verriet – und bei der man schwere Strafe riskierte, wenn man dies eben unterließ.

    Wie lebte es sich bei Hofe, was gehörte zu den Privilegien der Herrschaften und welche Pflichten standen diesen gegenüber? Themen wie Bildung, Gleichberechtigung, Körperpflege und -gesundheit werden erörtert. Hier habe ich mit großem Interesse von den ersten Pockenimpfungen gelesen und verfolgt, wie das körperliche Befinden im zentralen Interesse der Allgemeinheit stand.
    »Der fürstliche Körper war im Alten Europa ein politischer Gegenstand ersten Ranges.«

     

    Der Blick auf Maria Theresia war faszinierend, gefühlsmäßig war ich aber ständig hin- und hergerissen. War sie mir an ein paar Stellen sympathisch, so überwog doch meistens ein Gefühl der Ablehnung. Wenn ich ihr auch zugutehalten muss, dass sie mit ihrem Verhalten und ihrer Einstellung im Wesentlichen dem Zeitgeist entsprach.

    Interessant war auf jeden Fall ihr weiblich-männlicher Status, wie sie ihre Rolle übernahm und selbstbewusst ausfüllte. Ihre Aufgabe empfand sie gleichsam als Berufung und heilige Pflicht. Um den Akt ihrer Krönung zum König von Ungarn (nicht Königin!) angemessen vollziehen zu können, lernte sie eigens reiten. Höchst engagiert und diszipliniert lebte sie nach einem täglichen Stundenplan, der ihr vorgab, wann sie wem Audienzen zu geben hatte, wann sie die Post bewältigte, wann sie Hofbeamte und Minister empfing, um immer einen Überblick über die laufenden Geschäfte zu haben. Auch Zeiten für Gebet und Gottesdienst und für die Familie waren nach der Uhr zu erfüllen. Sie stellte ausgesprochen hohe Ansprüche an sich – und ebenso an ihr Umfeld.

    Meist erschien sie als strenge Moralverfechterin, häufig blockierte sie Reformen. Gelegentlich überraschte sie mich aber auch, zum Beispiel mit für die Zeit sehr fortschrittlichen Maßnahmen zum Schutz Neugeborener.

    Ihr Verhältnis zu ihrem Ehemann war im Zeitalter arrangierter Ehen sicher ein Besonderes. In hohem Maße negativ empfand ich ihr Verhalten gegenüber ihren Kindern, das von Dominanz und einem ausgeprägten Kontrollwahn bestimmt wurde. Auch ihre erwachsenen Kinder versuchte sie stetig zu manipulieren und in ihrem Interesse handeln zu lassen, sparte nie mit scharfer Kritik. Nachdem ihr Sohn Joseph Kaiser geworden war, gab es reichlich Punkte, bei denen er und seine Mutter gegensätzliche Auffassungen vertraten. Das Buch zeigt diverse Probleme auf, die durch diese Doppelregentschaft entstanden. Ein Beispiel war der Umgang mit den „irrgläubigen“ Protestanten. Ich stelle mir vor, dass diese Zeit auch für die Bevölkerung eine ungeheuer komplizierte und unsichere gewesen sein muss.

     

    Fazit: Umfassender Blick auf das Leben einer außergewöhnlichen Frau. An ein Sachbuch kann man keine weiteren Wünsche stellen. Dank hochwertiger Aufmachung auch perfekt als Geschenk.

     

    »Außergewöhnlich war im 18. Jahrhundert weniger, dass eine Frau Herrschaft ausübte, außergewöhnlich war vielmehr, dass ein Monarch, ob Mann oder Frau, das Geschäft des Regierens als persönliche Aufgabe derart ernst nahm.«

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    M
    michael_lehmann-papevor einem Jahr
    Umfassende Biographie, die keine Fragen unbeantwortet lässt

    Umfassende Biographie, die keine Fragen unbeantwortet lässt

    Zum 300. Mal jährt sich 2017 der Geburtstag der schillernden österreichischen Kaiserin. Ein Ereignis, dass Stollberg-Rilinger zum Anlass einer überaus umfangreichen und akribischen Biographie nimmt, in der die gesamte Atmosphäre der Zeit im Wechselspiel mit der Person Maria Theresias zum Klingen kommt.

    Wozu eben nicht nur die machtpolitischen Stärken der Kaiserin gehörten. Diese aber auch, natürlich, eine entscheidende Rolle bei all den Kriegen und Kämpfen spielte, die Maria Theresia siegreich bestand und damit aus einem „heruntergekommenen Riesenreich“ einen modernen Staat zu gestalten. Eine Geschichte, auf deren Weg herbe Verluste (wie gegen Preußen“ doch zu inneren Siegen wurden.

    „Die 23jährige zeigte sich vom ersten Tag ihrer Regierung an als die geborene Herrscherin“.

    Und die dennoch zu Zeiten fast vergessen war im eigenen Land. Und dann doch mit Monumenten (auch in literarischer Form, führt man, wie Stollberg-Rilinger, die 10bändige Biographe durch Ritter von Arneth mit an). Überlebensgroß erinnert wurde. Und so auch und nicht zuletzt im kulturellen Leben Österreichs mehr und mehr eine überragende Rolle begann, einzunehmen. Theater, Literatur, später Film, zahlreich und vielfach sind die Verknüpfungen in die Gesellschaft über die Jahrhunderte hinein.

    Je geringer die Strahlkraft des Habsburger Reiches im Lauf der Zeiten wurde, desto heller leuchtete der Stern der Kaiserin im Gedächtnis.

    Wie nun für Zeitgenossen damals schon das Schema „männlich-weiblich“ in die damalige Wertordnung einpasst wurde, wie Werke über die Kaiserin rezipiert wurden, wie eine Biographie zugleich auch ein kulturelles Konstrukt sein kann, all dies lässt die Autorin bei dieser umfangreichen Betrachtung mitschwingen.

    Eine fast „Religion der Herrschaft“, eine „Matriarchin“ mit Schwächen, eine „echte Kaiserin“, die eben nicht nur der Zerstreuung und dem „Wohlleben“ zu frönen gedachte. Eine Mutter, die nicht immer einfach zu tragen und zu ertragen war, die ihre Kinder forderte.

    Und, was Stollberg-Rilinger vor allem hervorragend herausarbeitet ist das „monolithische“ Denken und Selbstverständnis Maria Theresias, die ihre eigene Stärke in den Mittelpunkt stellte und mit neuen, geistigen, kulturellen Errungenschaften der Zeit einen eher sperrigen Umgang pflegte.

    „Gemütlich“, das war Maria Theresia auf keinen Fall, weder für Freund noch für Feind noch für ihre 16 Kinder.

    „In ihren letzten Lebensjahren kam Maria Theresia sich selbst vor wie ein Relikt aus einem anderen Jahrhundert. Was ihr keine Freude, sondern Widerwillen bereitete.

    Dass sich „jeder Mensch seines eigenen Verstandes bedienen solle“, das war nicht ihre Vorstellung von der Ordnung der Dinge und der zu bewahrenden Hierarchie auf Erden.

    So sah sich Maria Theresia am Ende ihrer Lebzeiten noch dem Verfall monarchischer Selbstverständlichkeiten gegenüber, die durchaus mit persönlicher Bitterkeit einhergingen.

    Statt „persönlicher Gunst“ objektive Gesetze, Gehalt statt „Gnadengaben“ nach Gutdünken für Staatsbedienstete und vieles mehr, was für Maria Tehresia eine Welt vor den Augen entstehen ließ, die wenig mit der gemein hatte, in die sie einmal hineingeboren worden war.

    Und in der sie nicht nur eine einseitige Persönlichkeit, sondern vielfache Rollen einnahm und diesen gerecht wurde. Bis fast zum Ende hin.

    Beide, die alte und die neue Welt und darin die Reaktionen und die vielfachen persönlichen Wechselwirkungen in und um die Kaiserin herum, legt Stollberg-Rilinger gut zu lesen und umfassend informiert (der Anhang macht gut ein Viertel des Werkes aus) bestens vor die Augen des Lesers, der am Ende der Lektüre ein hoch differenziertes Bild der geschichtlichen Entwicklung jener Zeit und dieser konkreten, teils alle überragenden Figur, erhält.

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    Wedmas avatar
    Wedmavor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Sehr lesenswerte Bio: klug, scharfsinnig, unterhaltsam. Las sich z.T. wie ein toller historischer Roman. Macht Spaß! Perfekt als Geschenk!
    Eine solide, toll geschriebene Biographie von Maria Theresia zu ihrem 300sten.

    Die Biographie von Maria Theresia aus der Feder von Barbara Stollberg-Rilinger habe ich sehr gerne gelesen und empfehle sie auch gerne weiter. Der Inhalt hält, was der Klappentext verspricht, und liefert noch viel mehr, als man eigentlich erwartet. Es gibt spannende Einsichten, was damalige Zeit, diese Art zu regieren, unzählige Intrigen, nicht nur beim Wiener Hof, politisches Kalkül, uvm. anbelangt. Und natürlich erfährt man viel über Maria Theresia, ihre Familie, ihre Verbündete und Feinde.

    Rund 883 Seiten reinen Textes, Prolog und Epilog inkl., sind auf 15 Kapitel verteilt. Im Buch gibt es 82 Abbildungen, 30 in Farbe in 4 Blöcken i. d. Mitte, eine Karte d. habsburgischen Länder 1740-1780, 3 Stammtafeln, sowie Anmerkungen auf 133 S., Quellen und Literatur 56 S., Personenregister 14 S. und Glossar 3 S. am Ende dieses opulenten Werkes. Inhaltsverzeichnis sowie kurze Leseprobe findet man auf der Internetseite des Verlages.

    Auch wer bereits Biographien (Bios) über Maria Theresia (M.T.) gelesen hat, findet bestimmt noch viele lesenswerte Dinge, die er/sie nicht kennt und/oder ganz anders präsentiert bekommen hat. Denn gerade in dieser Bio kommt es stark auf den Blickwinkel, auf die gewählte Perspektive und auch auf das Wie des Erzählens an. Gleich im Prolog gibt es Überblick und die Abgrenzung zu den vorher herrschenden Darstellungen und Stereotypen von M.T. Schön scharfsinnig.

    Zu Anfang wurde geschildert, in welche Verhältnisse M.T. eingeboren wurde: die politische Lage, unter welchen Umständen sie als Nachfolgeherrscherin infrage käme, etc. Auch was ihren zukünftigen Gatten anbetraf, heiratspolitisch und anderswie, wurde kurz und griffig vermittelt. Man sah später, dass diese Dinge für weitere Entwicklungen, politisch wie familiär, bestimmend waren.

    Die Auswahl an Themen ist sehr gut getroffen, untereinander sind sie auch gut ausgewogen. Es gibt einige Kapitel, die sich schwerpunktmäßig mit der Innenpolitik, sowie mit Krieg und Frieden befassen. Aufschlussreiche Analysen der damaligen politischen Verhältnisse und daraus folgender Schritte in der Außenpolitik nehmen den Leser gefangen. Hier kommt der ewige Feind aus Preußen Friedrich II nicht zu kurz. Es gibt aber auch Kapitel, die M.T.s Verständnis von Körperlichkeit, Sexualität und ihre Geburten beschreiben. Alles in allem erlaubt diese Themenwahl dem Leser ein detailliertes, wesentliche Lebensbereiche umfassendes Bild von M.T., ihrer Familie und ihrer Zeit zu bekommen.

    Es gibt einige Szenen, z.B. M.T.s pompöser Verlobung, ihrer Hochzeit, oder auch ihrer Rede vorm ungarischen Landtag 1741 etc., in denen das Geschehen einem lebendig vor Augen abläuft. Auch viele Zitate aus M.T.s Korrespondenz lassen sie oft zu Wort kommen und ihre Art zu denken, ihr Wesen offenbaren. Sehr angetan war ich von der Tatsache, dass jedes Mal, wenn auch nur ein leisester Wunsch nach Quellenangaben spürbar wurde, waren sie auch da.

    Diese Biographie liefert ein differenziertes Bild von M.T. Die Herrscherin wurde weder hochgejubelt, ihr Verhalten schöngeredet noch wurde eine andere Extreme bedient. Man erhält eine solide, mit Quellen belegte Schilderung Maria Theresias, sowie der damaligen Ereignisse, ihrer Haltung und ihrer Rolle im politischen und familiären Geschehen. Oft genug musste sie das eine gut und richtig finden und das Gegenteil davon tun, wie z.B. bei der Teilung Polens 1772. Auch dem problematischen Verhältnis zu ihrem Sohn Joseph, dem Co-Kaiser, ist ein extra Kapitel gewidmet (Kap. X). Die Probleme der beiden und wie sie auf die Politik abstrahlten, wurden dem Leser klar vor Augen geführt. Einzelne Unterkapitel im Kap. XIV schildern mit Kurzportraits andere Kinder. Es gibt spannende Analysen sowohl bei den Söhnen als auch bei den Töchtern, insb. die Vergleiche fand ich treffend und aufschlussreich.

    Ein kurzer Epilog fasst das Wesentliche zusammen, nennt die Eckpunkte M.T.s Regierung und ihre Besonderheiten, weist auch auf die Veralterung der Maßstäbe und Machtwerkzeuge hin, deren sich M.T. bediente.  Zum Schluss merkte auch M.T. selbst, dass sich die Welt stark verändert hatte und sie nicht Willens/Könnens war, sich ihr anzupassen.

    Diese Bio ist gekonnt geschrieben und weist eine bemerkenswerte Kombination aus hohem Niveau und Zugänglichkeit auf. Sie las sich so gut, manchmal wie ein guter historischer Roman mit all den Adels- und Königsdynastien, ihren Verflechtungen und Intrigen, selbst innerhalb eigener Familie gab es genug davon, dass ich gleich in die Geschehnisse abtauchen konnte und keine einzige Seite darin vermissen wollte. Mit manchem Mythos wurde aufgeräumt, manches Unwahres, was im Umlauf ist, klargestellt. Mehrmals habe ich darüber die Zeit vergessen.

    Es hat einfach Spaß gemacht, diese Bio zu lesen, nicht nur auf informativer Ebene. Es ist die Sicht der Dinge, diese Art über die Geschehnisse zu reden, sie zu bewerten und sie dem Leser zu präsentieren, die diese Bio u.a. so lesenswert machen. Solche hohe Qualität entsteht zweifelsohne als Resultat des enormen Wissens und der lang geübten Fertigkeit, auch komplexe Zusammenhänge klar und verständlich, in einer aussagestarken Sprache darzulegen.

    Fazit: Eine sehr gute, solide Biographie von Maria Theresia zu ihrem 300sten. Toll geschrieben, unterhält sie und regt zum Nachdenken an, z.B. über die Rolle der Frau in der Politik  und in der Familie, die Vereinbarkeit des Berufs und der Familie und noch viele andere Dinge, die auch heute sehr aktuell sind. Absolut lesenswert.

    Das Buch ist sehr schön gestaltet: Fester Einband, Umschlagblatt, Lesebändchen, hochwertiges Papier. Perfekt als Geschenk.

    Kommentare: 7
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    TS_Elins avatar
    TS_Elinvor einem Jahr

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