Barbara Trapido

 4,1 Sterne bei 16 Bewertungen
Autor*in von Jonglieren, Der reisende Waldhornist und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Barbara Trapido wurde 1941 in Südafrika geboren und zog nach ihrem Studium nach London. Dort arbeitete sie zunächst als Lehrerin, widmete sich aber ab 1970 ganz dem Schreiben. Gleich ihr erster Roman Brother of the More Famous Jack gewann 1982 den Whitbread Prize, für den auch mehrere ihrer späteren Werke nominiert wurden. Barbara Trapido lebt in Oxford.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Barbara Trapido

Cover des Buches Jonglieren (ISBN: 9783942374606)

Jonglieren

(8)
Erschienen am 24.08.2014
Cover des Buches Der reisende Waldhornist (ISBN: 9783492500913)

Der reisende Waldhornist

(5)
Erschienen am 03.07.2017
Cover des Buches Tempel des Entzückens (ISBN: 9783492500951)

Tempel des Entzückens

(2)
Erschienen am 01.08.2017
Cover des Buches Fliegender Wechsel (ISBN: 9783038201731)

Fliegender Wechsel

(1)
Erschienen am 17.07.2025
Cover des Buches Fliegender Wechsel (ISBN: 9783492500999)

Fliegender Wechsel

(0)
Erschienen am 15.08.2017
Cover des Buches Juggling (ISBN: 9780747594703)

Juggling

(0)
Erschienen am 21.07.2009
Cover des Buches Temples of Delight (ISBN: 9780747594710)

Temples of Delight

(0)
Erschienen am 25.07.2009

Neue Rezensionen zu Barbara Trapido

Cover des Buches Fliegender Wechsel (ISBN: 9783038201731)
Johanna_Bes avatar

Rezension zu "Fliegender Wechsel" von Barbara Trapido

Johanna_Be
Coming of Age im London der 60er und 70er Jahre

London, in den 60er Jahren. Die Ich-Erzählerin, die 18-jährige Katherine, ist eine junge Frau aus wenig betuchtem Elternhaus. Sie bewirbt sich für ein Philosophiestudium an der Uni. Ihre verwitwete Mutter hatte sie auf eine „bessere“ Schule geschickt, damit sie sich den „falschen“ Akzent abtrainiert und im engen Korsett des englischen Klassensystems Chancen hat aufzusteigen.

Beim Auswahlgespräch trifft sie auf Professor Jacob Goldman, der sich von den ungeschriebenen Gesetzen der englischen Gesellschaft nicht verbiegen ließ. Jacob verleugnet seine linken Ansichten und seinen Cockney-Akzent nicht und führt mit seiner Familie ein Bohème-Leben auf dem Land. Ihren schnoddrigen, ein klein wenig überheblichen, aber intelligenten und literaturkundigen Antworten, verdankt sie ihre Aufnahme: „Zu meiner rückblickenden Beschämung muss ich gestehen, dass ich [Jacob], unter anderem, erklärte, dass man Wordsworth ‚ein gewisses Talent nicht absprechen könne‘ […] und dass mir der Sex bei D. H. Lawrence nicht gefiele.“

Ihre unbekümmerte Art gefällt ihm. Sie gerät in den Dunstkreis seiner Familie. Es ist eine Umgebung, in der Duncan Grant und Vanessa Bell einst malten und Virginia Woolf zuhause war. Sie befreundet sich mit Jane, der Frau ihres Universitätsprofessors, verbringt in der Familie mit sechs Kindern während ihres Studiums sehr viel Zeit, gewöhnt sich an die derbe Umgangssprache, auch in Bezug auf Sexualität. Es ist das Jahrzehnt der sexuellen Befreiung, im Nachhinein betrachtet allerdings vor allem des männlichen Geschlechts. Katherine verliebt sich unglücklich in den ältesten Sohn der Familie, der sie verlässt, nachdem seine Erziehungsbestrebungen keinen Erfolg gezeigt haben. Sein Missfallen hatte erregt, dass sie zu viel lachte. Außerdem las sie „Vogue, und […] strickte in aller Öffentlichkeit. Es waren diese Schandmale weiblicher Unterdrückung, die Roger zu beseitigen bestrebt war, damit ich mit erhobenem Kopf als seine wackere und gleichberechtigte Weggefährtin durch die Welt gehen könnte.“ Der Sex fühlt sich trotzdem an wie Turnübungen.

Sie wehrt sich nicht gegen den sexistischen Umgang und ist todunglücklich, als er sie verlässt. Möglichst viel Abstand soll das Heilmittel sein. Sie geht nach Rom, arbeitet als Sprachlehrerin, verbringt sechs Jahre unter der chauvinistischen Knute eines offenbar unwiderstehlichen, knapp vierzigjährigen Italo-Faschisten und kehrt nach einem Schicksalsschlag zurück nach England, heim ins vertraute, kuschelige Milieu der Professorsfamilie.  Dort findet sie dann auch den nächsten Partner fürs Leben – den zweitältesten Sohn. Der kanzelt sie nicht so ab wie sein älterer Bruder und scheint zumindest leicht feministisch angehaucht zu sein.  Es sind schließlich schon die 70er Jahre. Das Stricken hat sie beibehalten. Im alternativen Leben im irischen Cottage soll es zum Lebensunterhalt beitragen: „Wir hatten das vor, was Jacob ‚ein bisschen Bohemeleben mit Mittelstandsrückversicherung‘ nannte.“  Mit Heirat und Baby, sehr traditionell.

Eine warmherzige und flotte Coming-of-Age-Geschichte, der man die Entstehungszeit anmerkt. Barbara Trapidos Roman erschien in England 1982 unter dem Titel „Brother of  the More Famous Jack“ (womit W. B. Yeats gemeint ist). Er war ein großer Erfolg.

Für mich ein zwiespältiges Vergnügen. Ich mochte die Atmosphäre des Romans, die Szenerie in Sussex, London und Oxford, die witzigen Dialoge, die literarischen Bezüge und die freche Art der Protagonistin. Die sechs Jahre mit dem vollkommen empathielosen Italiener im Mittelteil des Romans habe ich der sensiblen Protagonistin (und der Autorin) nicht geglaubt. („Michele war ein Mann verminderter Zurechnungsfähigkeit. Das machte für mich einen Teil seines Reizes aus.“) Die teilweise recht zotige, selbstentlarvende  Sprache der männlichen Figuren mag der Zeit geschuldet sein. Ein bisschen verstörend ist sie dennoch.

Cover des Buches Jonglieren (ISBN: 9783442435678)
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Rezension zu "Jonglieren" von Barbara Trapido

lovely_ann
Rezension zu "Jonglieren" von Barbara Trapido

Barbara Trapido hat eine wunderschöne Art zu erzählen und die Geschichte des Buches passt perfekt dazu.
Skurille, liebenswerte Charaktere bevölkern das Buch. Das Buch ist eine Beziehungskomödie, ein Entwicklungsroman, eine Familientragödie, eine Verwechslungsgeschichte, mal todtraurig und mal brüllendkomisch. Da ist Christina mit ihrer Adoptivschwester Pam, da sind ihre Eltern, da sind zwei junge Männer, Peter und Jago und noch einige mehr, die sich in vielen Konstellationen mit vielen Irrungen und Wirrungen zueinander finden. Ein bißchen erinnert es an Shakespeares Sommernachtstraum. Chaotisch, voller Beziehungsfallstricke, aber nie unübersichtlich und es bleibt immer faszinierend.
Es kommt nicht von ungefähr, daß Shakespeare auch als Collegearbeit Einzug hält in den Roman. Denn der Vergleich drängt sich dem Leser immer mehr und mehr auf.
So schreibt die Romanfigur Christina ein College Essay über das Thema "Shakespeares Komödie - eine bessere Tragödie"
"Symmetrie ist das A und O. Und wenn das Ende des fünften Aktes gekommen ist und es sind noch lose Enden übrig - eine Frau ohne Mann; ein Herzotum in den falschen Händen - , ist das kein Anlaß zur Sorge, denn Shakepeare wird stets intervenieren und eine Lösung präsentieren. Er wird aus dem Fundus arbeitsloser Schauspieler hinter den Kulissen einen herausgreifen und auf die Bühne schieben, dessen zweifarbige, geschlitzte Pluderhosen farblich auf die Szene abgestimmt sind.(...) Die Komödien enden in einem Jonglierakt; sie halten eine Balance in der Luft, die unseren Unglauben herausfordert. "

Cover des Buches Jonglieren (ISBN: 9783442435678)
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Rezension zu "Jonglieren" von Barbara Trapido

Thaila
Rezension zu "Jonglieren" von Barbara Trapido

"Jonglieren" von Barbara Trapido erzählt die Geschichte von zwei Schwestern. Christina ist lebhaft und aufmüpfig, während die adoptierte Pam eher still und folgsam ist. Zeit ihres Lebens hat Christina das Gefühl von ihren Eltern weniger geliebt zu werden, als die umgänglichere Pam, die darüber hinaus noch muskisch begabt und in der Schule besonders gut ist. In der Schule lernen Pam und Christina den ebenfalls stillen, schüchternen Peter und den populären Jago kennen. Die Lebenswege der vier kreuzen sich nun immer wieder. Und auch die Lebensläufe ihrer Familien verschlingen sich zunehmend. Leider verliert die Autorin die übrigen Figuren im Verlauf der Handlung vollkommen aus den Augen, so dass der Roman letztendlich die Geschichte von Christina ist. Das fand ich persönlich schade, weil ich andere Charaktere eigentlich spannender fand.
"Jonglieren" ist ein merkwürdiges Buch. Ich habe mich immer wieder an eine Soap Opera erinnert gefüllt. Zum einen entstammen die Charaktere aus einer Hochglanzwelt, wo Geld keine Rolle spielt, weil es einfach immer da ist, wo man gut aussieht und kosmopolitisch ist. Die einzelnen Figuren sind in der Eindeutigkeit der ihnen zugeschriebenen Rollen manchmal arg holzschnitthaft. Zum anderen gibt es immer wieder merkwürdige Begebenheiten, Todesfälle und Zufälle, die doch sehr an die unrealistischen Handlungsläufe einer Seifenoper erinnern. Subtext für Trapido waren allerdings die Komödien von Shakespeare, die immer wieder anzitiert werden. So endet der Roman auch in einer Weise überspitzt in einem bunter Reigen von Bäumchen-wechsel-dich, dass ich mich damit doch wieder versöhnen konnte.
Keine große Literatur, aber ganz nette Unterhaltung!

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