Barbara Vine Kindes Kind

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Inhaltsangabe zu „Kindes Kind“ von Barbara Vine

Schluss mit der Wohnungsnot: Als Grace und ihr Bruder Andrew das Haus ihrer Großmutter erben, ziehen sie zusammen. Doch was, wenn ein Dritter ins Spiel kommt? Grace flieht in die Welt der Bücher – um darin ein ähnlich ungewöhnliches Geschwisterpaar wiederzufinden. ›Kindes Kind‹ handelt von vertuschten Familiengeheimnissen gestern und heute. Ein Leseabenteuer auf den Seitenpfaden des Begehrens.

An Ende bleiben viele offene Fragen und eine gewisse Ratlosigkeit...

— bookexperiences
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  • Konflikte zwischen Geschwistern, die leider zu schnell abgehandelt wurden.

    Kindes Kind
    bookexperiences

    bookexperiences

    11. June 2016 um 11:10

    Grace und ihren Bruder Andrew verbindet ein inniges Verhältnis. Als die Großmutter stirbt und ihnen überraschend ein Haus vererbt beschließen sie daher relativ zeitnah dort zusammen einzuziehen. Anfangs verläuft alles gut und problemlos. Sie kommen gut miteinander zurecht, können sich aufeinander verlassen und Vertrauen sich gegenseitig. Allerdings bekommt diese Vertrauensbasis eines Tages erste Risse. Grund hierfür ist der neue Freund von Andrew, der von nun an viel Zeit bei ihnen Zuhause verbringt und sich Grace gegenüber merkwürdig verhält. Währenddessen versucht sie sich, bedingt durch ihr Studium, literarisch mit zwei schwierigen Themen auseinanderzusetzen. Auf der einen Seite ist das die Stellung von alleinerziehenden Frauen in der Gesellschaft. Auf der anderen Seite sind es aber auch Schwierigkeiten, die früher häufig mit Homosexualität verbunden waren.  Im Zuge ihrer Recherche stößt sie in einem Werk, das den Titel Kindes Kind trägt, auf ein Geschwisterpaar, das mit eben diesen gesellschaftlich kritischen Themen zu kämpfen hat.Die Beschreibungen der damaligen Umstände waren für mein Empfinden eher nüchtern gehalten. Trotz teilweise fehlender Emotionen war es dennoch erschreckend zu lesen wie ein Leben, das von bekannten Normen abweicht, sofort verurteilt wurde. Das ist auch heute noch viel zu oft der Fall. Damals war es aber beispielsweise nahezu undenkbar als unverheiratete Frau ein Kind zu erwarten. Von Nachbarn und anderen Dorfbewohnern wurde das nicht gerade selten mit Missachtung und Ausgrenzung gestraft. Gleiches gilt für menschenunwürdige Beschimpfungen oder gar schlimmere Erniedrigungen in Sachen Homosexualität.Bevor ich jedoch zu sehr auf die Handlung selbst eingehe, möchte ich erklären wie das Buch auf nicht gewirkt hat bzw. wie ich den Schreibstil der Autorin wahrgenommen habe. Die Geschichte beginnt wie oben erwähnt in der Gegenwart. Ab einem gewissen Punkt kommt ein Cut und es wechselt zur Handlung von Kindes Kind, welches von Grace gelesen wird. Aus irgendeinem Grund bin ich zuvor davon ausgegangen, dass es zugunsten der Spannung einen regelmäßigen Wechsel gibt. Dementsprechend war ich sehr überrascht, dass erst kurz vor Schluss wieder zur Anfangshandlung zurückgesprungen wurde. Das fand ich ganz schön ungewöhnlich und sogar ein wenig störend.Erschwerend kommt hinzu, dass die Geschichte für mein Verständnis relativ früh den Faden zu verlieren scheint. Mir ist bis jetzt noch nicht klar, worauf das Ganze hinauslaufen sollte oder ob die Autorin dem Leser überhaupt eine konkrete Botschaft übermitteln wollte. Folglich steht hier wahrscheinlich hauptsächlich die Konfrontation mit kontroversen Konstellationen und Lebenssituationen im Mittelpunkt. Der sich anbahnende Konflikt zwischen Bruder und Schwester, sprich Grace und Andrew, kam mir hingegen viel zu kurz, sodass ich ein bisschen das Gefühl hatte, dass Barbara Vine selbst nicht wirklich wusste wie sie es beenden oder besser lösen soll.

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  • Gesellschaft im Wandel? Barbara Vines letzter Roman

    Kindes Kind
    serendipity3012

    serendipity3012

    15. November 2015 um 16:49

    Gesellschaft im Wandel? Barbara Vines letzter Roman Die junge Grace schreibt im Jahr 2011 an ihrer Dissertation über Probleme alleinerziehender bzw. lediger Mütter in der Literatur und stößt dabei auf einen Roman mit dem Titel „Kindes Kind“. Ein Roman aus dem Nachlass eines Schriftstellers, nie veröffentlicht, da er nicht nur von einem 15-jähriges Mädchen, das ungewollt schwanger wird, erzählt, sondern auch von ihrem homosexuellen Bruder. Im frühen 20. Jahrhundert war es in England nicht möglich, seine Homosexualität frei auszuleben. Ebenso war es eine Schande, als Frau unverheiratet schwanger zu werden. Konnte man der Situation nicht durch eine schnelle Heirat Abhilfe schaffen, war das Schicksal der Frau besiegelt, nicht selten musste sie sich allein mit dem Kind durchschlagen, konnte nicht auf die Hilfe ihrer Familie hoffen und wurde von Nachbarn und Dorfbewohnern geächtet. So jedenfalls die Situation in „Kindes Kind“, dem Roman, den Grace von einem Bekannten erhält, um ihn zu lesen und zu prüfen, ob er zur Veröffentlichung geeignet ist. „Kindes Kind“ heißt auch der letzte Roman der englischen Autorin Barbara Vine (alias Ruth Rendell), die im Mai 2015 verstarb. Zunächst einmal stehen in Vines Roman Grace und ihr Bruder Andrew im Fokus, auch er homosexuell. Im 21. Jahrhundert muss er sich nicht mehr verstecken – aber ist er wirklich gesellschaftlich voll akzeptiert? Grace und Andrew erben das Haus ihrer Großmutter und ziehen gemeinsam dort ein, was gut funktioniert, bis Andrew sich verliebt. Bald kommt es zu Problemen zwischen den Geschwistern, als Andrews Freund ebenfalls einzieht. Formal gliedert sich Vines Roman in eine Rahmenhandlung, die die Geschichte von Grace, Andrew und James erzählt und in eine „Binnenhandlung“, den Roman im Roman (in dem aber niemand aus der Rahmenhandlung auftritt): „Kindes Kind“. Beide Geschichten haben mich gut unterhalten: Vines Stil ist einfach gehalten, aber nicht simpel oder platt, der Roman liest sich schnell und birgt – zumindest in der Rahmenhandlung – Identifikationspotential. Die Themen sind hier wie dort eine Geschwisterbeziehung, Homosexualität und die Frage, in wieweit sie respektiert wird, sowie die Frage des Status von Alleinerziehenden. Ich habe den Roman in kürzester Zeit gelesen, weil Vine es versteht, mein Interesse aufrecht zu erhalten, weil sie ihre Themen von verschiedenen Seiten beleuchtet, durchaus auch Spannung aufbaut, was den weiteren Verlauf der Geschichte angeht, weil sie vor allem in der Rahmenhandlung authentische Charaktere schafft. Der Roman im Roman fällt dagegen etwas schwächer aus, und es wäre interessant zu wissen, wie die Frage, die sich Grace stellt, im wahren Leben beantwortet worden wäre: Würde man die Geschichte, wieder entdeckt vom Sohn eines Schriftstellers, der diesen zu Lebzeiten aufgrund des brisanten Themas nicht veröffentlicht hatte, nun herausbringen? Womöglich nicht. Dabei ist auch diese Geschichte unterhaltsam und sie zeigt sicherlich nicht unrealistisch auf, wie es einer jungen ledigen Mutter in den 1930er Jahren ergeht, wie ihr Bruder mit der Tatsache seiner Homosexualität umgeht und damit, dass er kaum eine andere Wahl hat, als sie zu verstecken. Die Figurenzeichnung ist hier allerdings weniger gekonnt als in der Rahmenhandlung. Dass die Figuren keine Sympathieträger sind, sagt nichts über die Qualität eines Romans aus, kann seine Qualität nicht schmälern. Wenn sie aber wie hier die junge Maud kaum Facetten besitzen, dann sieht die Sache anders aus. Beide Teile stehen abgesehen von der offensichtlich sehr ähnlichen Thematik in keinem zwingenden Zusammenhang. Wir lesen das, was Grace liest, wir vergleichen ihre Situation mit der in „Kindes Kind“ aber darüber hinaus berühren die Geschichten sich nicht. Der Roman im Roman ist eine Fiktion. Die Rahmenhandlung wird dann auf wenigen Seiten seltsam eilig zu Ende gebracht. Diese Kritik schmälert nicht die Tatsache, dass ich den letzten Roman Barbara Vines gern gelesen habe. Ich kenne einige ihrer Romane (nur die, die unter dem Pseudonym Barbara Vine erschienen sind, nicht aber die Krimis als Ruth Rendell) und immer jene unterschwellige Spannung gespürt, diese Ahnung, dass etwas passieren wird, sich etwas zusammen braut, ohne eine Idee, was das sein könnte. Hier war das anders. „Kindes Kind“ liest sich eher wie eine Sozialstudie, über Beziehungen zu Geschwistern, zu Geliebten, auch zur restlichen Familie. Über die Gesellschaft damals wie heute. Schade, dass keine weiteren Romane der Autorin folgen werden.

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