Barbara Vinken Angezogen

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Inhaltsangabe zu „Angezogen“ von Barbara Vinken

Ist der Wandel der Moden eine unvorhersehbare Laune der Kultur? Mitnichten, sagt Barbara Vinken, auch wenn wir, die diese Moden tragen, meist keine Ahnung davon haben, was wir tun, wenn wir uns anziehen. Modewandel hat System. Fragt sich nur, welches? Sobald eine Mode vergessen ist und damit nicht mehr altmodisch wirkt, kann sie zum letzten Schrei wachgeküsst werden. Man hat deswegen von der Tyrannei der Mode gesprochen, die aus dem Blauen heraus ihre Launen diktiert. Doch bei genauerer Betrachtung entpuppt sie sich als ein Spiel nach Regeln – und als ein differenziertes Zeichensystem im historischen Wandel. Im bürgerlichen Zeitalter ist Mode weiblich geworden, Männer kommen unscheinbar im Anzug daher. Doch das war nicht immer so. Heute ist der angeblich herrschende Trend der zum Unisex. Doch wenn sich Frauen wie Männer anziehen, ziehen sich dann beide gleich an?

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  • Mode als „Zeichensystem“ im historischen Wandel

    Angezogen
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    19. November 2013 um 14:16

      Wie wir uns kleiden und vor allem, warum wir uns zu Zeiten genauso kleiden, wie wir es tun, dass ist das Thema dieses Buches von Barbara Vinken.   Dass die Mode nicht wahllos ist, nicht „aus dem Blauen“ heraus als wankelmütige „Tyrannei der Mode“ quasi vom Himmel fällt, sondern durchaus erkennbaren Regeln und „Grundabsichten“ folgt, all das legt Vinken detailliert vor.   Wobei sie von Beginn an der sichtbaren Unterscheidung zwischen Männer- und Damenmode folgt. Zwar zeigen Männer zunehmend im letzten Jahrzehnt auch „Bein“ (durch möglichst schmal geschnittene Hosen), in der Regel aber ist die „männliche Silhouette“ seit fast 200 Jahren „zeitlos“. Während sich das äußere Erscheinungsbild der Frauen in periodischer Veränderung zeigt. Vinken benennt dies als „historisches Recycling“, denn diese Mode für Frauen bedient sich beständig historischer Zitate, „entrümpelt“ somit in stetem Wechsel den „Dachboden abgelegter Moden“. Und das nicht ohne Grund.   Denn  das, was da wahllos erscheint als Recycling ist mitnichten zufällig. Mode kann man „denken“, wie Vinken behauptet, wenn man die Gesetzmäßigkeiten erkennt. Die modische Entwicklung ist dabei nicht völlig vorhersehbar, vollzieht sich aber im Rahmen feststehender Muster. Modewandel hat allgemein „System“.   Um diesem System auf die Spur zu kommen, greift Vinken in allerdings oft stark assoziativer Weise auf die Entwicklungsgeschichte der Mode zurück und führt den Leser in die Kleidung des Empire und der Entwicklung nach der französischen Revolution hin.   Sehr interessant zu lesen ist der historische „Knackpunkt“ der Differenzierung in Männer- und Frauenmode, der „Erotisierung des Weiblichen“ durch die Kleidung, den Vinken einerseits an Marie-Antoinette (auf letzten Pomp folgten einfachere, „bürgerliche“ Stoffe und Schnitte, welche die Silhouette des Weiblichen in den Mittelpunkt setzen und nicht mehr die Repräsentation der „Oberen“ durch „funkelnde Kleidung“. Nicht mehr der „Stand“, sondern die „Weiblichkeit“ wird durch die Kleidung repräsentiert und unterstrichen) festmacht und andererseits am „Erfinder des Anzugs“, Philippe Egalite („dressing down“, Unterbindung von Kleidung als Mittelpunkt der Betrachtung und Konzentration allein auf das Gesicht) spiegelt.   „Gesichtsmode“ bei Männern und „Körpermode“ bei Frauen sind somit die grundlegenden Strukturelemente der Mode, die Vinken aus der Historie für die Gegenwart immer noch geltend ableitet und die sich in immer wieder sich wiederholenden „Zitaten“ Ausdruck verleiht, da eben immer „das gleiche“ in den Mittelpunkt gerückt werden soll. Hier ist das Kapitel über „Dandys. Antimode.“ aufschlussreich, in dem der Leser am Durchbrechen der „klassischen Männermode“ sowohl den Zweck der Handlung (Glänzen wie ein Pfau), als auch deren Unsinnigkeit (zu große Ablenkung vom eigentlich individuellen Kern) vor Augen geführt bekommt.   Seite für Seite schält sich mehr heraus, was der eigentliche Sinn von Mode ist, dass diese beim Mann durch „Nicht Ablenkung vom Eigentlichen“ gekennzeichnet ist und bei der Frau der Moderne eher von der individuellen Sexualmoral denn vom gesellschaftlichen oder beruflichen Stand bestimmt wird (Hinführung zum „Eigentlichen“, dem „erotisch Weiblichen“). Was allerdings keine weltbewegend neuen Erkenntnisse darstellen.   Insgesamt erläutert Vinken sehr differenziert und leider auf manches Mal sehr holprigen und sprunghaften  die Wege einzelner Moden, deren Entstehung und deren hintergründiger Botschaft und Sinn. Dabei verliert sich das Buch hier und da doch in unvermittelten Einzelbetrachtungen philosophischer Haltungen und modischer „Schnitte“ („wo der Orient winkt“), die es dem Leser dann schwer machen, dem roten Faden durchgehend zu folgen.   Dennoch, viel über Mode ist durchaus im Buch zu erfahren. Woher was kommt und warum was zu bestimmten Zeiten dann wiederkommt lässt sich in den grundlegenden Strömungen beantworten. Ebenso, wie der konkrete Sinn der Mode allgemein dargestellt wird.   Glamour steht in diesem Buch nicht im Mittelpunkt, ebenso wenig, wie eine individuelle Modeberatung für den Leser. Der Leser findet dafür hier eine Vielzahl von Hinweisen über die Geschichte der Mode und deren symbolischer Bedeutung.

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