Barbara Wentzel

 3.3 Sterne bei 4 Bewertungen
Autor von Käsekuchen mit Sauerkraut, Käsekuchen mit Sauerkraut und weiteren Büchern.

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Barbara WentzelKäsekuchen mit Sauerkraut
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Käsekuchen mit Sauerkraut
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 (3)
Erschienen am 02.10.2017
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Erschienen am 04.06.2019
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Käsekuchen mit Sauerkraut
 (1)
Erschienen am 02.10.2017

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Rezension zu "Käsekuchen mit Sauerkraut" von Barbara Wentzel

Wenn das Schicksal übel mitspielt, aber die Familie perfekt zusammenhält
Antekvor einem Jahr

Da ich viele Jahre gemeinsam mit meiner Mutter meinen Vater Zuhause gepflegt habe und es auch in meinem Bekanntenkreis einen ähnlichen Schlaganfall, wie ihn Hendrik erlitten hat, gibt, war ich super gespannt auf diese Geschichte.

Alles eitel Sonnenschein, Barbara und Hendrik verdienen beide gut, haben drei tolle Kinder und jede Menge richtig gute Freunde. Aber es darf einem im Leben einfach nicht zu gut gehen. Kurz vor seinem 56. Geburtstag erleidet Hendrik unter der Dusche einen Schlaganfall. Trotz sofortiger medizinischer Versorgung, eigentlich ja das Wichtigste in dem Moment, scheint Hendrik kein Glück zu haben. Zahlreiche Komplikationen und das Anschwellen des Gehirns machen das Öffnen der Schädeldecke und damit zahlreiche OPs erforderlich. „Ischämie im MCA-Gebiet“ lautet die Diagnose und Hendrik ist nicht nur halbseitig gelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen, sondern hat auch die Kontrolle über seine Gefühle verloren. Empathie und Realitätssinn sind seitdem mehr als dehnbare Begriffe und stellen die Menschen in seiner Umgebung auf eine harte Belastungsprobe.

Als Leser erfährt man zunächst gemeinsam mit Barbara zahlreiche medizinische Details, die interessant sind, wegen mir aber nicht ganz so ausführlich sein hätten müssen. Man hofft mit ihr bei jeder OP, regelt mit ihr die Betreuung im Krankenhaus, die Hendrik psychischen Halt bietet, bereitet die Pflege Zuhause vor, muss sich mit ihr durch die Untiefen des deutschen Pflegesystems kämpfen und über polnischen Betreuungspersonen ärgern und wundern, darf aber auch an ihren froh sein. Man leidet mit ihr, wenn Hendrik ihr Kosewörter wie Miststück an den Kopf wirft, teilt mit ihr die Sorgen um ihre Kinder, die ebenfalls unter der Situation leiden, muss die Finanzen im Überblick haben, weil nicht nur die Pflegeversicherung nur einen Bruchteil der Kosten übernimmt, sondern auch Hendrik ungeahnte Investitionen tätigen will. Tragikomische Momente, Hoffen, Bangen, sich Ärgern, ans Ende der Kräfte gelangen, aber auch neue schöpfen, gehören hier dazu.

Ich ziehe meinen Hut vor Barbara, die, trotzdem sie aus finanziellen Gründen weiterhin einem Full Time Job nachgehen muss, die Pflege ihres Ehemanns Hendrik so wuppt, zudem da die Ehe schon vor dem Schlaganfall nicht mehr ganz so gut gelaufen ist. Ein richtiges Glück haben Barbara und Hendrik sicher, weil sie so viele Freunde haben, die den Titel nicht nur leichtfertig, sondern auch verdient tragen. Im Krankenhaus anfangs eine fast Rundum die Uhr Bespaßung für Hendrik, auf die kann nicht jeder bauen, meist dünnen die Freunde recht schnell aus, wenn jemand krank ist. Aber trotz diesen und zahlreichen Pflegekräften, die sie unterstützen, liegt die Hauptbürde auf ihren Schultern. Respekt, dass sie Hendrik so einen möglichst lebenswerten Alltag, fern ab vom Pflegeheim ermöglicht

Ich weiß, wie sehr die Pflege eines geliebten Menschen einen aufreiben kann und das wird hier wirklich äußerst authentisch zum Ausdruck gebracht. Nächte ohne Schlaf, bitterböse Worte, die verletzen, auch wenn der Verstand eigentlich wissen muss, dass der Kranke ja gar nichts dafür kann, es gar nicht so meint, dann dazu noch die ganzen Barrieren, die einem die Bürokratie und das Pflegesystem vor die Füße wirft, das macht mürbe. Ich habe richtig mitgefühlt und mich für Barbara gefreut, als sie endlich beginnt, auch für sich Auszeiten zu nehmen und mehr nach sich zu schauen.  

Ein solches Schicksal ist furchtbar, ganz klar, da gibt es nichts zu diskutieren, und ich konnte hier sehr gut nachfühlen. Aber die Geschichte deprimiert nicht nur und macht betroffen, sondern es gab auch zahlreiche Szenen, bei denen ich herzhaft schmunzeln musste. Das konnte ich mir einfach auch nicht verkneifen, wie z.B. bei Hendriks Begeisterung über die Hündin Lotte, die er gerne bereitwillig und am liebsten sogar vertraglich gegen seine Frau, das elende Miststück, eintauscht oder er sich bei der Weihnachtsmesse über die trockenen Hostien beschwert und wenigstens gerne Philadelphia Frischkäse vom Pfarrer dazu haben wollen würde.

Richtig gut hat mir auch gefallen, dass die Geschichte, die Barbara erzählt, immer wieder durch Originaläußerungen von Hendrik in Form von Monologen, manchmal wütend, manchmal nachdenklich, dass man betroffen innehält, manchmal auch so fern ab der Realität, dass man schmunzeln muss, ergänzt wird.

Hätte Barbara Wentzel ihre Geschichte selbst erzählt, ich denke es hätte kaum einfühlsamer und emotionaler geschehen können, wie es bei Elke Schützhold hier geschieht. Die Sprecherin scheint geradezu in der Protagonistin zu stecken und ihr Schicksal zu teilen. Höhen, Tiefen, Wut und alle anderen Emotionen kommen wirklich äußerst gelungen zum Ausdruck. Ihre für mich angenehme Stimme trug zudem dazu bei, dass ich mir „Käsekuchen mit Sauerkraut“ sehr gerne angehört habe.

Alles in allem ein schockierend, rührend und ehrlicher Bericht einer unglaublich starken Frau. Da hier eine wahre Geschichte erzählt wird, wünsche ich der Familie weiterhin einen solch tollen Zusammenhalt und ganz viel Kraft.

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