Barbara Wiedemann

Lebenslauf von Barbara Wiedemann

Barbara Wiedemann, Literaturwissenschaftlerin mit editionsphilologischem Schwerpunkt, ist Lehrbeauftragte an der Universität Tübingen, Herausgeberin von Werken und Briefen Paul Celans, Verfasserin quellenkritischer Studien zu Paul Celan im Kontext der zeitgenössischen Literatur (u. a. von Ingeborg Bachmann und Nelly Sachs).

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Barbara Wiedemann

Cover des Buches Die Gedichte (ISBN: 9783518471050)

Die Gedichte

 (36)
Erschienen am 20.07.2020
Cover des Buches »Todesfuge« und andere Gedichte (ISBN: 9783518188590)

»Todesfuge« und andere Gedichte

 (9)
Erschienen am 23.09.2009
Cover des Buches »Ich brauche Deine Briefe« (ISBN: 9783518420867)

»Ich brauche Deine Briefe«

 (2)
Erschienen am 11.10.2010
Cover des Buches Das Vorgebirge (ISBN: 9783518224311)

Das Vorgebirge

 (2)
Erschienen am 20.04.2008
Cover des Buches »Mikrolithen sinds, Steinchen« (ISBN: 9783518417065)

»Mikrolithen sinds, Steinchen«

 (1)
Erschienen am 15.08.2005
Cover des Buches Briefwechsel (ISBN: 9783518412725)

Briefwechsel

 (0)
Erschienen am 03.09.2001
Cover des Buches Die Gedichte aus dem Nachlaß (ISBN: 9783518408674)

Die Gedichte aus dem Nachlaß

 (0)
Erschienen am 04.05.1997
Cover des Buches »etwas ganz und gar Persönliches« (ISBN: 9783518428887)

»etwas ganz und gar Persönliches«

 (0)
Erschienen am 14.12.2019

Neue Rezensionen zu Barbara Wiedemann

Cover des Buches Die Gedichte (ISBN: 9783518456651)
leseflusss avatar

Rezension zu "Die Gedichte" von Paul Celan

Wörter, die die Sinne schärfen
leseflussvor 4 Jahren

Seine Gedichte werfen Bilder in die Augen. Seine neuen Wörter scheinen aus einer fremden Welt zu kommen, sind vielzählig und unverkennbar einprägsam. Schöpfungen wie "Lichtzwang", "Sehstein", "Herzschall-Fibeln", "Finsterzwille", "Abgrundvers", "Schlaffarbe", "Freiaugen", "wildernde Überzeugung", "abweltweiß", "durchvatert" oder "geursprungt" zeigen, dass er ein bildersüchtiger Lyriker war. "Die Schwüle sprachloser Lieder", "meiner Verzweiflung lautlose Geduld" - mittels Sprache schuf Paul Celan eine "entdinglichte Welt". Er war ein Philosoph und Mystiker, immer auf der Suche nach dem Absoluten, sah die Lyrik selbst als Mystik an und chiffrierte daher seine Gedichte. So blieben die meisten Worte rätselhafte Gedankenbilder, auch wenn er seinen Lesern empfahl: "Lesen Sie! Immerzu nur lesen, das Verständnis kommt von selbst".

 

Wiedemanns nüchterner, auf Deutung verzichtender Kommentar

Barbara Wiedemann hat sich an die Schwierigkeiten und grundlegenden Widersprüche des  lyrischen Werkes von Paul Celan gewagt und 2003 eine fundierte kommentierte Gesamtausgabe herausgegeben. Dazu wählte sie "eine bewusst nüchterne, auf Deutung im eigentlichen Sinne verzichtende Form", wie es im Vorwort heißt, denn "mit der Kenntnis bestimmter Hintergründe, Wortbedeutungen oder Quellen ist ein Gedicht keineswegs 'verstanden'". Was der Leser des umfangreichen Bandes findet ist keine festgelegte Interpretation des Celanschen Werkes, sondern sind ausführliche Informationen zu jedem einzelnen Gedicht. Widmungen und Namen werden erklärt, biografische Anspielungen erläutert und durch bisher nicht bekannte Entwürfe von Texten ergänzt. Erst durch die vielen Querverweise und hergestellten Verbindungen zwischen Celans Gedichten machte Barbara Wiedemann ein tieferes Textverständnis seiner Lyrik möglich.

 

Beachtliche Edition

Die Autorin hat eine beachtliche Edition zusammengestellt, die jedoch "dem Leser eine intensive Auseinandersetzung mit dem Gedichttext nicht abnehmen kann", wie sie im Vorwort bemerkt. Der Band besteht aus fünf Abschnitten. Die Gedichte teilen sich auf circa 500 Seiten in die Bereiche "I Von Paul Celan zu Lebzeiten publizierte Gedichte" und "II Aus dem Nachlaß publizierte Gedichte". Danach folgt der mehr als 400-seitige Kommentar Wiedemanns, dann ein Verzeichnis der Gedichte in alphabetischer Form und zuletzt ein vollständiges Inhaltsverzeichnis.

 

Paul Celan und der Leser

Mit Paul Celans Werk vollzog sich ein Neubeginn in der deutschen Nachkriegsliteratur. Niemand schrieb präziser und ausführlicher als er. Seine Sätze schärfen noch heute die Sinne. Celan lag viel am jüdischen seiner Gedichte, wie er immer betonte. Das jüdische Schicksal setzte er gleich mit dem Menschenschicksal überhaupt. Dadurch wird der Leser, egal welcher Religion er zugehört, direkt angesprochen. Es geht um ihn, den Leser.

 

Das "hellgeatmete Nein"

Beim und durch das Entschlüsseln seiner Worte wird deutlich, dass Celan ein Zweifler war, ein Skeptiker, der Angst hatte und der es "schwer und schwer und schwer" hatte. Er war ein Heimatloser, "heimgeschmerzt" von der Suche eines Ortes, den er sein zu Hause nennen konnte. Doch der, der durch Flucht dem Holocaust entkommen ist, blieb ein lebenslanger Flüchtling. Weder in Paris noch in Israel oder Deutschland fand er, was er herbeisehnte. Das "hellgeatmete Nein" muss wohl allgegenwärtig gewesen sein in seinen Gedanken an einen geografischen Lebensmittelpunkt.

 

Paul Celan wurde 1920 als Paul Antschel in Czernowitz -ehemals Rumänien, heute Ukraine- in einer deutschsprachigen, jüdischen Familie geboren. Er "zackerte", will heißen: Er arbeitete unentwegt und datierte seine Texte oft bis auf die Minuten genau. Er war ein engagierter Lyriker und Übersetzer und erhielt unter anderem den Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung im Jahr 1960. Mit noch nicht ganz 50 Jahren resignierte er jedoch, sagte "Nein" zum Leben und beging im April 1970 Selbstmord.

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Cover des Buches »Ich brauche Deine Briefe« (ISBN: 9783518420867)
Claris avatar

Rezension zu "»Ich brauche Deine Briefe«" von Jürgen Köchel

Rezension zu ""Ich brauche Deine Briefe"" von Paul Celan
Clarivor 12 Jahren

Schicksalsfreundschaft.

Erneut liegt jetzt ein Briefwechsel von Paul Celan vor, dieses Mal mit seinem Schulfreund Gustav Chomed.
In verdienstvoller Weise haben sich Barbara Wiedemann und Jürgen Köchel mit den Briefen befasst, die er mit seinem Freund Gustav Chomed über einen langen Zeitraum hinweg ausgetauscht hatte. Seine Briefe und Chomeds Antworten sind liebevoll zusammengetragen worden. Der kleine Band ist mit ausführlichen Anmerkungen versehen, weist Faksimiles und zahlreiche Fotos auf und richtet einmal mehr den Blick auf den sensiblen und hoch empfindlichen Dichter in seiner ganzen diffizilen Persönlichkeit.

Paul Celan hat mit Gustav Chomed, die beide 1920 geboren wurden, in Czernowitz die Schule besucht. Eine lange Freundschaft verbindet sie.

1938 datiert der erste Brief von Paul Celan an den Freund. Celan studierte zu der Zeit in Paris und quälte sich mit Geldsorgen. Ihre Freundschaft ist so eng, dass er sich nicht scheut, ausführlich darüber zu berichten.
Nach einer langen Pause, in der beide geheiratet und jeder Vater geworden ist, nehmen sie 1962 ihren Kontakt wieder auf. Mittlerweile gehen sie ihrer eigenen Wege. Chomed war während des Krieges in der Sowjetunion und lebte später wieder in Czernowitz. P.Celan wohnte in Paris und war im Zusammenhang mit der Gollaffäre mehrfach in psychiatrischer Behandlung. Man weiß, dass ihn seine Kränkung über die ungerechtfertigten Anschuldigungen der angeblichen Plagiierung von Golls Gedichten tief erschüttert und nach Klinikaufenthalten und Trennung von seiner Frau Gisèle Celan- Lestrange zuletzt in den Tod geführt hat.

Der hier vorliegende Briefband zeugt von einer sehr engen und treuen Freundschaft, nach der sich P. Celan sehnte. Die Töpfergasse in Czernowitz verkörperte für ihn in der Erinnerung Kindheit und liebevolle Vertrautheit mit dem Freund. Lebenslänglich blieb Celan später ein Fremder in der Welt, der seine Heimat verloren hatte. Seine Familie war im KZ umgekommen.
Chomed blieb mit seiner jüdischen Frau in Czernowitz, weil ihm eine Ausreise nach Israel von den Behörden lange Jahre verweigert wurde.

In den Briefen klingt gegenseitige Zuneigung und ein stetes Bedürfnis nach Nähe an. Der Briefwechsel blieb von Phasen des Schweigens unterbrochen, wenn es dem einen oder anderen schlecht ging. Bedrückend sind die Hinweise, dass das Leben derjenigen, die das KZ überlebt hatten, lebenslänglich als schwere Last nur zu bewältigen war. Zwischen den Zeilen spürt man die Sehnsucht nach Verlässlichkeit, die in den Briefen als ständige Aufforderung nach weiteren Nachrichten verschlüsselt zum Ausdruck gebracht werden. Man möchte die Briefe mehr als Lebenszeichen denn als einen intensiven Gedankenaustausch bezeichnen. Celans tragisches Leben zeigt sich einmal mehr von liebevollen und sehnsüchtigen Beziehungsmustern getragen.

Am Ende bleibt der letzte Brief Chomeds an Paul Celan unbeantwortet. Celan hatte sich am 20. April 1970 das Leben genommen.
Durch die zahlreich erhaltenen und erschienenen Briefwechsel von Paul Celan mit Freunden bleibt durchgängig die Erkenntnis, dass er schwer am Leben trug. Seine Freundschaften bildeten die Brücke zu Welt, die zuletzt jedoch brüchig wurde und ihn nicht halten konnte.

Die beiden Herausgeber Barbara Wiedemann und Jürgen Köchel fügen den vorhandenen Briefwechseln einen weiteren hinzu, der die Lebensspuren Celans transparent macht und wie ein weiterer Mosaikstein zu seiner Geschichte erscheint.

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