Barney Norris

 3.7 Sterne bei 18 Bewertungen

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Hier treffen sich fünf Flüsse

Hier treffen sich fünf Flüsse

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Erschienen am 16.04.2018
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Erschienen am 07.07.2014

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Rezension zu "Hier treffen sich fünf Flüsse" von Barney Norris

Wie die Flüsse, so die Menschen
Queenelyzavor einem Jahr

"Ich würde ihm raten, so zu lieben, als bekomme er womöglich nie wieder die Möglichkeit dazu. Denn es vergehe kein Tag, an dem es nicht möglich sei, dass die Person, die man am meisten liebt auf der Welt, stirbt." (S. 147)

Normalerweise beginnen meine Rezensionen nicht mit Buchzitaten, aber hier ging es einfach nicht anders. Dieses Buch beschreibt ganz normale Leben und hat vielleicht genau deswegen für jede Gelegenheit  und Stimmungslage das passende Zitat. Ach was, nicht nur eines. Hätte ich mir alles notiert, was mich an diesem Buch berührt hat, hätte ich die Hälfte davon abschreiben müssen. 

Dabei ist die Geschichte völlig unspektakulär. In Salisbury passiert ein Autounfall, bei dem fünf Personen anwesend sind. Zwei davon sind direkt darin verwickelt, die anderen sind Beobachter des Ereignisses. Und irgendwie sind sie - genau wie die Flüsse Wylye, Ebble, Nadder, Bourne und Avon, die ineinander fließen - durch den Unfall miteinander verbunden. Dabei ist dieses Buch anders als Bücher, die sonst anhand eines Ereignisses aufzeigen, wie Personen miteinander zusammenhängen. Es ist leise, behutsam, und es geht viel mehr um das Schicksal der einzelnen Personen, als um das große "Aha, so war das also" am Schluss.

Wir lesen von Rita, der einsamen Floristin, dies ich abends als Dealerin etwas dazu verdient. Wir begegnen einem Teenager, der zum ersten Mal verliebt ist - während sein Vater im Sterben liegt. George Street ist gerade zum Witwer geworden und weiß noch gar nicht, wie er je mit dem Verlust leben soll. Vierte im Bunde ist eine Frau, deren Mann auf Afghanistan im Einsatz ist und die so gar nicht mit ihrem Leben zurecht kommt. Und zum Schluss ein Nachtwächter, bei dessen Geschichte die Fäden dann zusammenlaufen. Er schließt sozusagen den Kreis von den fünf Personen zu den fünf Flüssen, von denen zu Beginn erzählt wird.

Das Buch ist Großbritannien pur, denn während jede Person von ihrem Schicksal und ihrem Leben erzählt, erleben wir, wie es in der Gesellschaft Großbritanniens aussieht, wenn man nicht reich und schön ist und dann auch noch aus diversen anderen Gründen nur eingeschränkte Chancen hat, sich zu verwirklichen. Dabei tut das Buch trotz seiner leisen, behutsamen Erzählweise - oder gerade deswegen? - oft weh. Denn die Gefühle und Erkenntnisse, die die Protagonisten erleben und erfahren, sind lebensnah und authentisch. Liebe, Verlust, Trauer,  - all das veranschaulicht durch wunderbare Zitate wie das, das ich für den Beginn dieser Rezension ausgewählt habe. Ich habe so manches Mal in einen Spiegel gesehen, über Dinge gelesen, über die ich selber oft eher nicht nachdenken mag und die nun doch in meinem Kopf rumschwirren.

Wer weiß, vielleicht geht es meinen Nachbarn, die ja auch irgendwie mit mir verbunden sind, ähnlich? Was weiß ich denn schon von den Menschen, mit denen ich Tür an Tür lebe? Von ihrem Sorgen, ihren Nöten, ihren Ängsten? Oft vergisst man doch im eigenen "Elend", dass auch andere Menschen mit ihren Problemen zurechtkommen müssen. Da rückt dieses Buch das Denken doch ganz gut wieder zurecht - mit mir hat es jedenfalls etwas gemacht. Mich zum Denken gebracht, zum Schmunzeln, ich hatte manchmal einen Kloß im Hals und manchmal war ich entsetzt - aber genau so muss gute Literatur für mich aussehen. Und man muss es erst einmal schaffen, unspektakuläre Geschichten so ergreifend zu erzählen wie Barney Norris. Ich ziehe meinen Hut.

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Rezension zu "Hier treffen sich fünf Flüsse" von Barney Norris

Barney Norris | HIER TREFFEN SICH FÜNF FLÜSSE
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

INHALT: Im beschaulichen Salisbury, einer Kleinstadt im Süden Englands, fließen fünf Flüsse ineinander, und es sind die Schicksale fünf unterschiedlicher Menschen, deren Wege sich eines Abends in Salisbury kreuzen. Rita, die alternde Blumenhändlerin, deren Leben in Scherben liegt; der junge Sam, der in einem Gefühlschaos lebt, weil er zum ersten Mal die Liebe entdeckt während sein Vater im Sterben liegt; George, der Bauer, der gerade seine Frau verloren hat; Alison, die als Theaterschauspielerin Erfolge feiert, während sie an ihrer Einsamkeit fast vergeht; und Liam, der Nachtwächter, der nach irgendeinem Sinn in seinem Leben sucht.

Diese fünf Menschen kennen sich – gemäß den Regeln der Kleinstadt – nur entfernt, werden aber, als George Rita bei einem Unfall überfährt und die anderen drei Zeugen werden, zu einer Gemeinschaft, bei der jeder an einem Punkt steht an dem sein Leben eine Wendung nehmen kann.

FORM: Barney Norris (*1987) hat einen klug komponierten Episodenroman vorgelegt, in dem er sich für jede Figur ein Kapitel Zeit nimmt. Alle Protagonisten sind Ich-Erzähler, die Erzählweisen jedoch wechseln – während Sam seine innersten Wünsche und Ängste in Märchen und Fabeln ausdrückt, springt George zwischen Lebensbeichte und Polizeiverhör hin und her; bei Alison sind es dagegen Tagebucheinträge, denen wir als Leser folgen. So weit, so gut – ich mag Romane mit verflochtenen Geschichten und tragfesten Fundamenten, aber…

So clever die Konstruktion hier auch sein mag, das schriftstellerische Können Norris‘ konnte mich nicht überzeugen. Der ganze Roman ist einfach zu gleichbleibend, es fehlen die unterschiedlichen Töne. Die fünf Charaktere kommen aus den unterschiedlichsten Schichten der Gesellschaft, aber der Teenie Sam spricht genauso blasiert und geschwollen wie Theaterdiva Alison oder Treckerfahrer George vom Land. Da bleibt die Authentizität leider etwas auf der Strecke. Die einzige, die aus der Reihe fällt, ist Rita gleich zu Beginn, die – wohl aufgrund ihrer Vergangenheit – einen etwas rauheren Ton an den Tag legt. Ansonsten sind die Sätze oft verkrampft lang und manchmal auffällig holprig, was vielleicht auch an der Übersetzung liegt. Hier eines von vielen Beispielen, die mir wirklich unangenehm aufgefallen sind:

Ich erinnere mich, dass, als ich Valerie das erste Mal mitnahm, um sie meinen Eltern vorzustellen, sie, als ich sie abholte, meinte, sie sei derart nervös, am liebsten wäre sie krank. (Seite 180)

Um mal bei den Flüssen zu bleiben: Das fließt einfach nicht.

Auch die ewig auf einem hohen Level gehaltene Melancholie wurde mir irgendwann zuviel. Alle klagen und jammern und quälen sich durch die über 300 Seiten, und obwohl ich mich auch gerne mal anrühren lasse, war mir das dann doch zu dauerhaft und vor allem zu gewollt tragisch.

FAZIT: Bis zu einem gewissen Punkt hat mich der Roman mitgenommen – ich war erfreut über die Idee und gespannt auf die Umsetzung. Der Genickbruch kam spätestens bei Alisons schwafeligem Tagebuch, ab da an war ich raus.

Gut konstruiert mit schmerzhaften Abzügen in der B-Note – Schade. Drei Sterne.

*** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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leserattebremens avatar

Rezension zu "Hier treffen sich fünf Flüsse" von Barney Norris

Sehr bewegend und nachdenklich
leserattebremenvor einem Jahr

Ein Verkehrsunfall in der kleinen Stadt Salisbury in England verbindet die Leben von fünf Menschen miteinander. Sie sind alle völlig verschieden und haben unterschiedliche Leben, Träume und Vorstellungen und obwohl sie sich dessen selbst gar nicht bewusst sind, sind sie verbunden durch diesen Moment, in dem der Autofahrer den Motoroller trifft und die Fahrerin schwer verletzt wird. Fünf Flüsse kreuzen sich in Salisbury wie die Leben dieser fünf Menschen, in einem zentralen Punkt, bevor sie wieder auseinanderdriften, ohne die anderen wirklich zu bemerken.
Barney Norris hat ein wunderbares und feinsinniges Buch geschrieben über die Zufälligkeiten des Lebens und unbewusste Verbindungen zwischen den Menschen, die man selber nicht wahrnimmt, mit denen man dennoch untrennbar verbunden ist. Ein winziger Moment, nur wenige Sekunden, verändern ihr Leben, mal mehr und mal weniger, doch auf jeden Fall haben sie Einfluss. Rund um diese Sekunden drehen sich die fünf Geschichten, die ansonsten völlig für sich alleine stehen und Ausschnitte aus dem Leben der Personen schildern, die sehr eingehend beschrieben sind und einem unweigerlich nahegehen. Norris erzählt mit einem großartigen Blick für Momente und Gefühle und die Geschichten sind kleine, einzelne Erzählungen die einen nicht wieder loslassen. Als Ganzes schafft er so ein großartiges Buch, das einen bewegt und gleichzeitig sehr nachdenklich stimmt.
Mich hat Barney Norris Roman „Hier treffen sich fünf Flüsse” begeistert, sowohl die Struktur als auch den durchdachten Einsatz von Sprache und Form fand ich großartig. Dieser Roman hebt sich positiv von vielen anderen Büchern ab und bleibt einfach in Erinnerung. Genauso wie die fünf Personen, die man dort kennen gelernt hat. 

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