Bartholomäus Grill

 4.2 Sterne bei 23 Bewertungen
Autor von Ach, Afrika, Laduuuuuma! und weiteren Büchern.

Neue Bücher

Wir Herrenmenschen

Erscheint am 04.03.2019 als Hardcover bei Siedler.

Alle Bücher von Bartholomäus Grill

Ach, Afrika

Ach, Afrika

 (15)
Erschienen am 09.05.2005
Laduuuuuma!

Laduuuuuma!

 (3)
Erschienen am 12.11.2009
Um uns die Toten

Um uns die Toten

 (2)
Erschienen am 21.04.2014
Gott Aids Afrika

Gott Aids Afrika

 (2)
Erschienen am 01.04.2009
Wir Herrenmenschen

Wir Herrenmenschen

 (0)
Erschienen am 04.03.2019
Laduuuuuma!

Laduuuuuma!

 (1)
Erschienen am 12.11.2009

Neue Rezensionen zu Bartholomäus Grill

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Rezension zu "Um uns die Toten" von Bartholomäus Grill

Begegnungen mit Sterben und Tot
michael_lehmann-papevor 5 Jahren

Begegnungen mit Sterben und Tot

Der Tod, das Sterben, rücken in den letzten Jahren mehr und mehr wieder in den Blick, in das Bewusstsein. Nachdem über Jahrzehnte hinweg dieses Geschehen immer mehr „am Rand“ angelangt war. In einer Gesellschaft, die auf Jugendlichkeit, Dynamik, Schlank sein ausgerichtet war (und ist). Da hatte der Verfall zumindest keinen Platz „in der Mitte des Lebens“.

Vielfach und vielfältig nun allerdings ist der Tod wieder „im Gespräch“, wie an den ebenso vielfältigen Veröffentlichungen der letzten Jahre (zu Recht) abzulesen ist.

Bartholomäus Grill hat da einen durchaus eigenen, besonderen, man könnte sagen, „kompetenten“ Zugang zum Thema. Als Journalist, als wortgewandter Autor ebenso, wie einfach als Mensch. Schon 2006 hat seine Reportage über den Tod seines Bruders hierfür ein Zeichen gesetzt. Einer, der bewusst hinschaut und das, was er sieht, auch und gerade über das Geschehen von Sterben und Tod, zurückhaltend und dennoch intensiv in Worte zu fassen versteht.

„Der Tod hat tausend Gesichter und ich habe in viele geschaut“.
Dieser Satz des Klappentextes kündet von der persönlichen Nähe Grills zum Thema und gibt zugleich dem Buch seine Inhaltsbeschreibung.

In 14 Kapiteln wendet sich Grill im Buch ganz verschiedenen Todesfällen und ganz verschiedenen Aspekten des Todes zu.
Eine Auswahl an Themen, die eine große Bandbreite zum Vorschein bringen. Von ganz persönlichen Momenten., die den Leser nicht unberührt lassen werden (wie der Tod des Vaters, der Tod der Mutter („Der Tod ist ein Mörder“) über Todesereignissen, an denen sich ganze Traditionen und rituell geprägte Weisen der Umgangs mit dem Tod ablesen lassen („Die Todeskultur auf dem Bergbauernhof“), bis hin zum „ganz großen“ Sterben, erschütternde Berichte vom „Völkermord in Ruanda“ und Erlebnisse als Kriegsberichterstatter mit dem Tode quasi „Auge in Auge“.

Dass der Tod auch als Fest gefeiert werden kann, wie eng Tod und Leben verknüpft sind (und wie das zum Ausdruck kommt), davon erzählt Grill in seinen „Streifzügen im afrikanischen Ahnenreich“ genauso interessant und persönlich, wie er die Ereignisse ums einen Bruder noch einmal prägnant zu Gehör bringt („Endstation Zürich“). Mit einem dann eigenen Kapitel über den daran laut gewordenen Diskurs über die Sterbehilfe.

Dies alles in einer sehr treffenden, ruhigen und bildkräftigen Sprache. Wer je die eigenen Eltern im Sterben miterlebt hat, der wird sich umgehend an Krankenhauszimmer, wachsbleiche Gesichter, sparsame Bewegungen erinnern, wie Grill selbst sie erlebt hat und im Buch noch einmal und wieder wachruft.

„Die Verbindung zur Bodenstation ist abgerissen. Das Raumschiff saust durchs All, wird kleiner und kleiner, verschwebt in der Finsternis“. Während die Kinder schichtweise am Krankenbett wachen, begleiten und das Sterben in Gemeinschaft, vor allem mit der Mutter selbst, erleben. Die letzen Sekunden, intensiv beschrieben mit Bildern, die lange beim Leser nachhallen werden.

„Das mütterliche Kraftwerk erkaltet“.

Eine Intensität, die sicher nicht bei allen Beschreibungen im Buch vorliegt und auch nicht an allen Orten nötig ist, manche Themen gar behindern würde, die aber den emotionalen Faden durch die Seiten hindurch gibt und beibehält und durchweg aus persönlicher Erfahrung sprechen.

„Der Tod wohnt mitten unter uns. Er ist unser Untermieter. Lebenslang“.

Ein sehr verschieden zugehendes, sehr breit sich dem Thema widmenden, ein hervorragendes und emotional berührendes Buch.

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Rezension zu "Ach, Afrika" von Bartholomäus Grill

Rezension zu "Ach, Afrika" von Bartholomäus Grill
WinfriedStanzickvor 6 Jahren

Seit fast zwanzig Jahren berichtet der 1954 geborene Bartholomäus Grill für verschiedene Tageszeigungen in Deutschland aus Afrika. Hauptsächlich den Lesern der ZEIT ist er mit fast wöchentlichen Berichten, Kommentaren und Einschätzungen seit langem ein Begriff.

Seine Artikel und Aufsätze zeigen den Kontinent Afrika, seine Geschichte, seine Kulturen und seine aktuellen, oft historisch geprägten Konflikte von einer anderen Seite. Sein Blickwinkel ist der jenseits des Vorurteils und Ressentiments, die mit Einschätzungen über Afrika als „verlorenen Kontinent“ schnell bei der Hand sind.

Afrika ist ein großer Kontinent voller Widersprüche. Ein Erdteil, der Menschen, die ihn kennen und lieben, so wie Grill, in ein Wechselbad der Gefühle stürzt, immer wieder. Es ist ein Erdteil, der fasziniert und abstößt. Ein Erdteil, der Hoffnung weckt und einen in Verzweiflung stürzt. Und der, glaubt man ihn verstanden zu haben, einem kurz danach wieder neue Rätsel aufgibt.

Seit seinem ersten Erscheinen 1993 haben die Artikel dieses Buches von B. Grill vielen Menschen Afrika näher gebracht. Grill hat einer ganzen Generation von interessierten Zeitgenossen Afrika erschlossen in seiner ganzen Widersprüchlichkeit und Schönheit, seiner Gewalt und seinen Tabus.

Es ist in vielen Auflagen zum Standardwerk über Afrika geworden. Hier nun hat er für Pantheon sein Buch aktualisiert und um ein neues Kapitel erweitert, in dem er die Entwicklungen der vergangenen Jahre beschreibt. „Wohin geht die Reise Afrikas?“

Bartholomäus Grill zeigt sich, wie in vielen seiner ZEIT-Artikel, als ein unverbesserlicher Optimist und Skeptiker zugleich:
„Andauernd sind wir diesem Pendelschlag der Empfindungen ausgesetzt, Abscheulich und traumschön. Gewalttätig und friedfertig. Bösartig und gutmütig. Lebensprall und selbstzerstörerisch. Geheimnisvoll und banal. Offenherzig und heimtückisch. Man wird einwenden, dass uns derartige Gegensätze auf jedem Kontinent begegnen. Aber auf keinem sind sie so scharf ausgeprägt wie in Afrika. Nirgendwo werden die Wunden so tief geschlagen, nirgendwo verheilen sie so schnell, lehrt der Volksmund. Die Kraft des Vergebens und der Mut zur Versöhnung – das sind vielleicht die wichtigsten Lektionen, die wir von Afrika lernen können.

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sabatayn76s avatar

Rezension zu "Ach, Afrika" von Bartholomäus Grill

Rezension zu "Ach, Afrika" von Bartholomäus Grill
sabatayn76vor 8 Jahren

Das Schlusslicht der Weltwirtschaft und sein 'kurzes Gedächtnis des Hasses'

Inhalt:
Bartholomäus Grill, langjähriger Afrika-Korrespondent der 'Zeit', berichtet von den unterschiedlichen Facetten des 'schwarzen Kontinents': vom verfluchten und verlorenen Afrika des Elends, der Grausamkeit, der Kriege, der Slums und des Hungers, von den Folgen des Sklavenhandels und der Kolonisierung, vom Kampf um Unabhängigkeit, von Dekadenz und Reichtum, von HIV und AIDS, von großen Niederlagen und von der Schönheit des Kontinents, von der unbändigen Lebenslust, vom ewigen Kampf ums Überleben, von Heiterkeit, Hoffnung und Zuversicht.

Mein Eindruck:
Grill zeichnet ein komplexes Bild des noch komplexeren Kontinents und lässt den Leser in die schönen und in die weniger schönen Aspekte Afrikas eintauchen. Oft haben mir seine Beschreibungen, Gleichnisse und Wortwahl gefallen ('Afrika ist ein Kontinent, der nicht zur Ruhe kommt und zugleich in ewiger Starre gefangen scheint, der sich irgendwo auf dem Weg zwischen Tradition und Moderne befindet und am Rande dieses Weges verwirrte Menschen zurücklässt.'), doch bisweilen sind seine Formulierungen eher platt und enttäuschend ('Riesenpimmel'). Auch inhaltlich/formal gibt es innerhalb des Buches große Schwankungen. Einige Kapitel empfand ich als sehr chaotisch, beinahe zerfahren, ohne erkennbaren roten Faden und somit schlecht lesbar. Andere Kapitel waren großartig, lehrreich, spannend, gut gegliedert. Besonders gut haben mir die Kapitel über Afrikas große Männer, über AIDS, über Ruanda und über Südafrika gefallen.

Mein Resümee:
Das Buch beginnt sehr gut und lässt dann meiner Meinung nach wieder deutlich nach. Wer jedoch diese Hürde schafft und dennoch weiter liest, wird belohnt, denn gerade die letzten sieben Kapitel sind dem Autor hervorragend gelungen.

Weiterlesen:
Gefallen haben mir auch folgende Bücher über verschiedene Aspekte Afrikas: 'Worüber keiner spricht' von Stratton, 'Hundert Tage' von Bärfuss, 'Blood river' von Butcher und '28 Stories über Aids in Afrika'.

Eines der schlimmsten Zitate:
'Ein Genozid ist in Afrika nicht so schlimm wie anderswo.' (F. Mitterrand)

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