Bea Dieker Vaterhaus

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Inhaltsangabe zu „Vaterhaus“ von Bea Dieker

Die Tapetenmuster, der Handlauf im Treppenhaus, die Maserung der Fußböden: Kein Ort auf der Welt ist uns vertrauter als das Haus unserer Kindheit – und keiner kann uns so fremd werden. Das Haus in diesem Buch ist nicht irgendeines, es ist besonders, und doch ist es wie jedes andere. Es erzählt von einem Kind und seinem Heranwachsen, von der Heimat, die es darin findet und wieder verliert, von der Geschäftigkeit des Vaters, seinem Wüten, von der Rastlosigkeit der Mutter, von Eskalationen und vom Schweigen, von der Werkstatt des Großvaters und wie er mit der Schleifmaschine die Zeichenstifte anspitzt, vom Birnbaum vor dem Haus, der irgendwann einem Parkplatz weicht, von einer Zeit – den Sechziger- und Siebzigerjahren – und den Versprechungen eines immer noch besseren Lebens. Bis ins kleinste Detail macht sich die Frau, die dieses Kind war, das Haus gegenwärtig, rekonstruiert es aus der Erinnerung mit präziser Sorgfalt und distanziertem Blick, um ihm und ihrer Geschichte näher zu kommen. Und sie erkennt, dass es den Ort, den sie sucht, gar nicht gibt, so nie gegeben hat, dass das Vaterhaus in ständiger Verwandlung begriffen war und ist.

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    Vaterhaus
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    30. November 2015 um 12:04

    In ihrem ersten,  wohl stark autobiographisch geprägten Roman geht die in Frankfurt lebende Künstlerin Bea Dieker ihren Erinnerungen an ihre Kindheit nach. Sie tut das auf eine derart ehrliche und authentische Weise, dass jedenfalls beim Rezensenten immer wieder Bilder, Worte und Szenen aus seiner eigenen Lebensgeschichte vor das innere Auge traten. In einem wahren Kraftakt, dessen Sprache man die Anstrengung des ganzen literarischen Unternehmens abspuert, lässt sie das Haus, in dem sie aufwuchs und dem sie schlussendlich in ihre persönliche Freiheit entfloh, wieder auferstehen. Jede detaillierte Beschreibung unzähliger Einzelheiten wie etwa Farben, Gerüche und Einrichtungsgegenstände ist mit konkreten Erinnerungen verbunden. Sie nennt es nicht ohne Grund das "Vaterhaus", weil dieser Mann so wie ihr ebenfalls im Haus lebender Großvater die ihre Kindheit prägende Figur war. Schildert sie den Großvater in seiner Werkstatt eher mit liebevollen und warmen Toenen, kommt der Vater selbst weniger gut weg. An einer Stelle, die Bea Diekers Sprachkunst deutlich macht, schildert sie atemlos, wie sie vor dem die Mutter schlagenden und misshandelten Vater flieht: "Nicht umkommen wollen durch ihn. Es selbst tun. Er noch jenseits des Geländers. Drehe mich, wende mich ihm frontal entgegen. Erhobene Hand. Drohe. Einschrittnaeherundichspringe (....) Später, viel später, ungesehene Flucht auf mein Zimmer. Abgeschlossen. Das Bett, die Eisenstange umklammert. Wissen, wenn er käme, töten zu können. Den Vater töten können. ...." Es ist das Leben der Sechziger- und Siebzigerjahre, das sie beschreibt, eine Zeit, in der die Menschen wie der Vater der Ich-Erzählerin nicht selten betrunken waren von den Versprechungen eines immer noch besseren Lebens. Mit großer Sorgfalt und einem durch den zeitlichen Abstand distanzierten Blick versucht sie sich ihrer Vergangenheit zu nähern um mit sich und ihrer Lebensgeschichte so etwas wie eine Versöhnung herzustellen. Es bleibt offen, ob ihr das wirklich gelingt. Als sie viele Jahre später gegen Ende des schmalen Romans für einige Tage als ihr Vater im Sterben liegt für mehrere Nächte dort ist, da ist alles fremd. "Im Unbehagen einquartiert" nennt sie das und ruft damit auf der letzten Seite des Buches bei mir nochmals Erinnerungen wach, die zwischen Schrecken und großer Trauer um etwas endgültig Verlorenes wechseln.  Das Bild der Autorin auf der hinteren Umschlagseite trägt genau diesen Ausdruck. Er lässt mich ihr in diesem Augenblick ganz nahe sein.

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