Beate Lakotta

 4,7 Sterne bei 13 Bewertungen

Lebenslauf

Beate Lakotta, geboren 1965, ist Redakteurin im Wissenschaftsressort des SPIEGEL. Für die 2003 im SPIEGEL veröffentlichte Reportage "Noch mal leben vor dem Tod" wurde sie - gemeinsam mit Walter Schels - mit dem Hansel-Mieth-Preis ausgezeichnet.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Beate Lakotta

Cover des Buches Noch mal leben vor dem Tod (ISBN: 9783421058379)

Noch mal leben vor dem Tod

 (10)
Erschienen am 06.09.2004
Cover des Buches Hände (ISBN: 9783100025470)

Hände

 (0)
Erschienen am 27.10.2016
Cover des Buches Noch mal Leben vor dem Tod (ISBN: 9783936186987)

Noch mal Leben vor dem Tod

 (0)
Erschienen am 13.10.2005

Neue Rezensionen zu Beate Lakotta

Cover des Buches Noch mal leben vor dem Tod (ISBN: 9783421058379)
HansDurrers avatar

Rezension zu "Noch mal leben vor dem Tod" von Beate Lakotta

Was wir nicht verstehen können
HansDurrervor 4 Monaten

Zwei Zitate leiten diesen aussergewöhnlich feinfühligen Band ein und sie seien hier genannt, weil sie (für einmal) wirklich eine Hinführung sind auf das, was man auf den folgenden Seiten antreffen wird:

Auf alle Menschen wartet gleicher Tod

Und keinen gibt es, der an diesem Tag

Schon weiss, ob er den nächsten noch erlebt.

Euripides

Das Leben ging und nahm die Enttäuschungen des Daseins

gleichfalls mit sich fort. Ein Lächeln schien auf den Lippen meiner

Grossmutter zu liegen. Auf dies letzte Lager hatte der Tod sie wie

ein Bildhauer des Mittelalters mit den Zügen eines jungen Mädchens

hingestreckt, das sie einst gewesen war.

Marcel Proust, „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

Als der Vater der Journalistin Beate Lakotta im Alter von 58 Jahren an Krebs starb, sassen sie und ihre Mutter eine Woche lang an seinem Krankenbett. Als die beiden von den Krankenschwestern nach Hause geschickt wurden, damit sie etwas Schlaf bekamen, starb er. „Ich habe mir meinen Vater nicht mehr angeschaut … Ich kann nicht einmal sagen, dass ich Angst vor diesem Anblick gehabt hätte … Heute fehlt mir dieses letzte Bild“, schreibt Lakotta. Walter Schels, der Fotograf, geboren 1936, ist ein Kriegskind und mit dem Tod schon früh vertraut „ … kraxelte er durch eingestürzte Behausungen, identifizierte eine tote Nachbarin am Muster ihrer Schürze und barg einen herumliegenden Arm. Geblieben ist ihm eine lebenslange, tiefsitzende Angst vor Leichen, Skeletten und Beerdingen.“

Lakotta und Schels machen sich auf in zwei Hospize, eines in Berlin, das andere in Hamburg, und tun, was gute Dokumentaristen tun: sie gucken genau hin, nach aussen und nach innen, und beschreiben beziehungsweise bebildern, was ihnen fassbar wird. Was das Buch unter anderem auszeichnet, ist, dass es den Leser an einem Erfahrungs- und Lernprozess teilhaben lässt. Zwei Beispiele:

„Gleich der erste Gast, den wir kennenlernten, Herr Müller, hatte uns mit dem Erzählen von Witzen verwirrt. Später tobten Hunde über den Flur, Enkel standen mit ihren Blockflöten an Grosmutters Bett –sogar von einer Hochzeit im Hospiz wurde uns berichtet. Allmählich dämmerte uns, dass wir uns – bei aller Trauer – an einem Ort befanden, wo so intensiv gelebt wird wie sonst kaum irgendwo.“

„Immer wieder haben wir im Laufe des Jahres, in dem wir an diesem Buch arbeiteten, erfahren, dass jemand, der von seinem bevorstehenden Tod weiss, noch lange nicht daran glaubt, es werde wirklich geschehen. So oft ist uns dieser Zwiespalt begegnet, dass wir uns mittlerweile gut vorstellen können, ihm selbst eines Tages zu erliegen.“

„It's easier to really look at someone in a photograph than in real life - no discomfort at meeting the other person's eye, no fear of being caught staring“ liest man bei A.M. Homes in ihrer Erzählung "The Mistress's Daughter". In der Tat. Hinzu kommt, dass die Aufnahmen von Walter Schels in hohem Masse zum Verweilen einladen. Guckt man länger hin, lässt man sich auf sie ein, vermeint man zu spüren, dass diese Bilder respektvoll entstanden sind und deshalb Leben und Tod als ganz einfach verschiedene Daseinsweisen zeigen.

Von jeder der abgebildeten Personen erfährt man – neben der Geschichte zum Bild beziehungsweise zur Person – neben dem Alter auch wann und wo das erste Porträt aufgenommen wurde. Viele hatten nach dieser ersten Aufnahme nur noch ein paar Tage zu leben. Wer dies weiss, schaut diese Porträts noch einmal anders, ja eindringlicher, an als man dies normalerweise tut – schliesslich beeinflusst, was wir wissen, unsere Sehweise.

Eine der bewegendsten Aufnahmen zeigt ein 17 Monate altes Mädchen, das an einem Tumor gestorben ist. Wer sich die Zeit nimmt (und man soll sich Zeit nehmen für dieses Buch), diese Geschichte – die Bilder und der Text dazu sind gleichermassen eindrücklich – auf sich wirken, sie an sich heran zu lassen, der (oder die) wird für ein paar Augenblicke verstehen, dass wir nicht nur den Tod, sondern auch das Leben nicht begreifen können.

Cover des Buches Noch mal leben vor dem Tod (ISBN: 9783421058379)
K

Rezension zu "Noch mal leben vor dem Tod" von Beate Lakotta

tief beeindruckend und berührend
katze102vor 2 Jahren

Die Reakteurin Beate Lakotta und der Fotograf Walter Schels haben mehrere Hospize in Hamburg und Berlin über einen längeren Zeitraum besucht, dort Kontakt zu Sterbenden gesucht.

Sowohl die Gespräche, die geführt wurden als auch die ausgesprochen ästethischen Schwarz-Weiß-Fotos der Sterbenden, die bei Kontaktaufnahme und kurz nach dem Tod aufgenommen wurden, berühren und geben die Möglichkeit, ein Tabuthema von einer anderen Seite kennenzulernen. Man liest über den Gesprächspartnern wichtige Gedanken, Geschehnisse, was sie in ihrer letzten Lebenszeit bewegt und wie sie Frieden mit sich, ihrem Leben und auch ihrem Tod machen, wobei jedes Portrait stets sehr empathisch und pietätvoll beschrieben wird. Die begleitende Zeit betrug meistens einen Monat, manchmal auch fast ein Vierteljahr. 

Gerade in der Hospizarbeit wird sehr auf Gespräche, Begleitung und Betreuung und die Akzeptanz des Todes gelegt; mir haben die hier gegebenen Einblicke zu einem anderen Gesamtbild zu diesem Thema verholfen, dass in der Regel im Familienkreis doch eher ausgeschwiegen wird. Nicht nur um einen anderen Umgang mit Kranken und Sterbenden leben zu können, sondern auch um für sich selber finde ich die Auseinandersezung mit dem Tod und dem Leben davor sehr wichtig und dieses respektvolle und einfühlsame Buch ausgesprochen hilfreich.

Cover des Buches Noch mal leben vor dem Tod (ISBN: 9783421058379)
Miss-Tarantulas-Netzwerks avatar

Rezension zu "Noch mal leben vor dem Tod" von Beate Lakotta

Die bereits verstorbenen Menschen haben mich immer noch positiv beeinflusst.
Miss-Tarantulas-Netzwerkvor 3 Jahren

🕷 Cover 🕷
Ein besagtes Portrait, von dem auch schon im Klappentext die Rede ist und welches ebenfalls im Buch zu finden ist, ziert die Vorderseite des Buches. In Verbindung mit dem Titel des Buch erfährt man schnell was genau wir sehen. Es strahlt Ruhe aus und ist gleichzeitig aufwühlend. Selbstverständlich passt das Bild zum Inhalt des Buches und gibt diesem außerdem eine intensive Ausstrahlung.

- - - - - - - - - - 🕷🕸🕷 - - - - - - - - - -

🕷 Aufbau & Schreibstil 🕷
~ Wechsel zwischen Erzähler und Ich-Erzähler Perspektive (kursiv) ~

Kapitel
Das Buch ist in 24 Kapitel unterteilt (+ Vorwort, Dank, ausgewählte Literatur).
Dabei werden diese nicht, wie sonst üblich, mit Zahlen eröffnet, sondern mit den entsprechenden Namen der verstorbenen. Außerdem sind weitere Daten, wie Geburtsdatum, Alter, Aufnahme des ersten und letzten Portraits und Ort des Hospiz. Je nach dem, welche Menschen die Autoren begleiten durften oder wenn ein Mensch mitteilungsbedürftiger war, kann das Kapitel mal länger, mal kürzer ausfallen.

Atmosphäre
Die Atmosphäre, beim Lesen des Buch, ist dem Thema entsprechend angepasst. Manchmal löst es Trauer aus oder auch Bedauern und dann geben die Zeilen wieder Hoffnung und Frieden.

Schreibstil
Der Schreibstil ist sachlich.
Oftmals werden die Worte von den Sterbenden direkt wiedergegeben und der Schreibstil ist dementsprechend individuell.

- - - - - - - - - - 🕷🕸🕷 - - - - - - - - - -


🕷 Mein Fazit & Bewertung 🕷
Lange betrachtete ich die Portraits und dachte nach. Frieden? Erlösung? Vielleicht sogar ein Lächeln auf den Lippen? Wie sieht der Tod aus? Alles um mich herum wurde still. Kein Geräusch drang mehr an mein Ohr. Keine anderen Gedanken in meinem Kopf. All dies schien nicht mehr länger von Bedeutung zu sein. Im den Augen der portraitieren ist so viel zu lesen und später ist alles fort. Die Muskeln sind erschlaff, das Leben ist aus dem Körper gewichen. Ich versuche auf den Bildern den genauen Unterschied zu erkennen und bilden mir ein, dass auch dem vorigen Bild deutlich die Seele des Menschen zu erkennen ist. Dann ist sie fort. Für immer?

Wir begleiten die Sterbenden und erfahren ihre Lebensgeschichten. Was haben sie bereut, was hätten sie anders gemacht? Was haben sie  genossen? 

Viele sterbende Menschen beschäftigte eine Frage: warum ich? Eine Frage, die mich wiederum erwachen ließ. Es gibt keine genaue Ankündigung, keine genaue Zeitspanne, keine Antwort auf diese Frage. Es kann jederzeit einfach so zu Ende gehen. Bewusster, ließ mich das Buch zurück. Bewusst jeden Tag erleben, um am Sterbebett nichts zu bereuen. Bewusst für mich selbst zu leben und nicht für andere. All dies wurde bei mir mithilfe des Buches ausgelöst.

Sterben gehört zum Leben dazu, wie das Atmen. Nur weil man es verdrängt, wird man nicht unsterblich. Wenn es dann soweit ist, so zeigt das Buch auf aus, ist es zu spät. Dieses Buch bricht endlich das Thema sterben und enttabuisiert es. Sterben ist, auch wenn es ein Ende benötigt, vielleicht nicht das eine Ende. Vielleicht gibt es mehr? 

Als ich in dem Buch las, kamen viele Gefühle in mir hoch. Es ist wundervoll, was dieses Buch in einem auslöst und vor allem, was für eine andere Änderung es mit sich bringt. Denn auch wenn die genannten Menschen nun verstorben sind, so haben sie doch noch Einfluss auf mein Leben genommen. 

Dieses Buch ist eines meiner Jahreshighlights. Es nimmt Ängste, gibt Hoffnung und regt zum Nachdenken, nein sogar zum Handeln an. Deshalb ganz klar 5 von 5 Spinnen. 

Gespräche aus der Community

Bisher gibt es noch keine Gespräche aus der Community zum Buch. Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 24 Bibliotheken

auf 5 Merkzettel

von 1 Leser*innen aktuell gelesen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks