Die junge Elise arbeitet als talentierte Schneiderin. Dennoch kommen sie und ihre Geschwister mit der Mutter gerade so über die Runden. Als sie den sympathischen jungen Architekten Johann kennenlernt, verlieben sich die beiden rasch ineinander. Gemeinsam träumen sie von einer besseren Wohnsituation für sie meisten der Berliner Bürger. Die Idee von einem genossenschaftlichen Haus entsteht. Doch sie ahnen nicht, dass sich hinter der netten wohlhabenden Baronin von Rienäcker ihre schlimmste Widersacherin verbirgt.
Der Gedanke vom genossenschaftlichen Bauen
Beate Sauer ist im Bereich des historischen Genre keine Unbekannte. Auch hier beweist sie, dass ihrem historischen Roman eine gründliche Recherche vorausging. Eindrücklich beschreibt sie, die teils unglaublichen Wohnverhältnisse, die 1890 in Berlin herrschten. Die meisten der Berliner Bevölkerung hausen sehr beengt auf kleinstem Wohnraum. Betten werden teilweise noch untervermietet, um über die Runden zu kommen. Diese Wohnsituation begünstigt zudem schlimme Krankheiten, die epidemieartig ausbrechen.
Den Immobilienspekulanten, die skrupellos vorgehen und sich mit dem Bau großer Mietskasernen eine goldene Nase verdienen, passt der Gedanke vom genossenschaftlichen Bauen, die bessere Wohnverhältnisse vorsehen, natürlich gar nicht und es wird mit harten Bandagen und unlauteren Mitteln gekämpft
Zustände in Berlin glaubwürdig geschildert
Mit ihrem angenehmen und lebhaften Schreibstil gelingt es der Autorin ein sehr reales Bild der damaligen Situation in Berlin zu vermitteln. Eindrücklich stellt sie dar, wie groß die Willkür der Vermieter und deren Habgier war. Dabei spielen auch Korruption. Gewalt und illegale Methoden eine große Rolle. Auch das Dreiklassenwahlrecht und die fehlenden Rechte der Frau spielen kommen zur Sprache.
Tolle Charaktere
Die fiktive Geschichte von Beate Sauer ist mit interessanten Charakteren ausgestattet. Die beiden Hauptprotagonisten sind dabei sehr sympathisch, genauso wie Elises Familie oder Professor D`Arnaud von der Charité.
Auch die Figur der Baronin von Rienäcker ist sehr interessant, hier insbesondere die zwei Seiten, nämlich einerseits die wohlhabende Wohltäterin und andererseits die skrupellose eiskalte Persönlichkeit.
Fazit:
Ein lesenswerter Roman mit interessanten Protagonisten, der die damalige Wohnsituation in Berlin zum Thema hat. Die Geschichte liest sich flüssig und weiß zu unterhalten.

























