Echo der Toten. Ein Fall für Friederike Matthée

von Beate Sauer 
4,5 Sterne bei70 Bewertungen
Echo der Toten. Ein Fall für Friederike Matthée
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Spannend und gut konstruiert gewährt das Buch einen atmosphärisch dichten Einblick in die schwere Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

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Neben der Kriminalgeschichte haben mir besonders die Beschreibungen der damaligen Lebensumstände gefallen.

Alle 70 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Echo der Toten. Ein Fall für Friederike Matthée"

Mord im Hungerwinter

Januar 1947: Über dem Land liegt eine Decke aus Schnee und Eis, zwischen Ruinen kämpfen die Menschen ums Überleben, als in der Eifel ein Mord geschieht. Richard Davies von der britischen Military Police soll das Verbrechen aufklären. Doch der einzige Zeuge ist ein sechsjähriger Junge, der sich weigert zu sprechen. Friederike Matthée von der Weiblichen Polizei in Köln wird Richard zur Seite gestellt. Sie kommt, wie der Junge, aus Ostpreußen und findet einen Zugang zu seiner verletzten Seele. Doch die Erinnerungen an die schrecklichen Erlebnisse während der Flucht sind noch so frisch, dass Friederike an ihrer Kraft zweifelt. Und Richard Davies muss mit Menschen zusammenarbeiten, die schwere Schuld auf sich geladen haben.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783548289571
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:384 Seiten
Verlag:Ullstein Taschenbuch Verlag
Erscheinungsdatum:12.01.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    Miamouvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Ein authentischer historischer Krimi mit einer sehr sympathischen und zutiefst menschlichen Hauptprotagonistin!
    Mord im Nachkriegsdeutschland...

    Historische Krimis haben für mich immer ein sehr besonderes Flair. Besonders, wenn sie während der Zeit eines Weltkriegs oder danach spielen. Eine Zeit, in der sich ja schon im Vorhinein die Frage stellt, wie viel ist ein Menschenleben in dieser Zeit wert. An der Front sterben unzählige Soldaten und wenn „zuhause“ ein Mord passiert, dann werden Kriminalbeamte darauf angesetzt, die den Täter finden sollen. So stellte sich mir die Frage auch schon, bevor ich mit „Echo der Toten“ begonnen habe.

    Die Handlung spielt in Köln und der Eifel im Jahre 1947. Der Krieg ist vorbei, die Folgen sind aber noch an allen Orten sichtbar. Köln ist von den Briten besetzt und in der britischen Zone wird ein Mord begangen. Lieutenent Richard Davies wird für die Ermittlungen in diesem Fall beauftragt. Schnell findet er heraus, dass ein kleiner Junge den Mord beobachtet hat. Dieser spricht seit jenem Ereignis jedoch nicht mehr. Die junge Polizistin Friederike Matthée von der deutschen Weiblichen Polizei wird ihm zur Seite gestellt. Sie soll den jungen zum Reden bringen, da auch sie, wie der Junge aus Ostpreußen kommt und man die Hoffnung hegt, dass sich durch diese Gemeinsamkeit das Geheimnis entlocken lässt. Tatsächlich gelingt es der jungen Polizistin, dass der Junge sich ihr anvertraut. Gleichzeitig wird damit ein Strudel geöffnet, der nicht nur den Mord aufklären wird, sondern auch die Geheimnisse von Richard Davies und Friederike Matthée an die Oberfläche drängt.

    Der Roman konnte mich von der ersten Seite weg packen und da ich in der sommerlichen Hitze kaum nächtlichen Schlaf finde, hätte ich mir keine bessere Ablenkung wünschen können. Die Hauptfigur Friederike ist ein so sympathischer Charakter, dass man sich gerne mit ihr auf Spurensuche begibt. Dabei ist bei ihr alles andere als Eitelwonne. Sie musste gemeinsam mit ihrer Mutter aus Ostpreußen fliehen, nachdem die Alliierten einmarschiert sind und alle Deutschen von dort vertrieben haben. Den Job bei der Weiblichen Polizei führt sie zunächst eigentlich nur deswegen aus, weil die das Geld und die Wohnung braucht, welche ihr zur Verfügung gestellt wird. Dabei trägt sie noch ein schieres Geheimnis mit sich, das mich besonders als weibliche Leserin betroffen gemacht hat. Ich konnte daher fast so etwas wie Bewunderung für sie aufbringen. Sie hat zwar, wie Millionen andere nach dem Krieg, versucht ihr Leben weiterzuleben – wenn dies aber auf ein einzelnes Schicksal herunter gebrochen so passiert, dann hat man als Leser einen anderen Zugang. Als sie nun den Auftrag bekommt mit Richard Davies zusammen zu arbeiten, birgt das eine ganz neue Facette in sich. Er ist Brite und vollkommen Anti – Deutsch eingestellt. Er prangert alles an auf dem „deutsch“ steht und hat zunächst auch dementsprechende Vorurteile mit einer deutschen Polizistin zusammen zu arbeiten. Friederike schafft es jedoch mit ihrer behutsamen Art ihn schnell von ihr begeistert zu machen und sie findet dann auch heraus, was es mit seiner Unnahbarkeit auf sich hat. Auch wenn die Lösung seines Verhaltens ab einem gewissen Punkt vorhersehbar ist, so passt sie so schlüssig in die Handlung, dass man sich vor der Autorin verbeugen muss.

    Was die Krimihandlung selbst angeht, so überrascht sie mit gekonnten Twists und überraschenden Cliffhangern. Die Autorin legt viele Fäden aus, von denen manche logischerweise auch ins Nichts laufen, die es aber braucht um die Spannung aufrecht zu erhalten. Zudem erzählt sie auch aus Sichtweisen, die auf dem erstem Moment scheinbar gar nichts mit der Haupthandlung zu tun haben…aber weit gefehlt, am Schluss gibt es natürlich ein großes Ganzes.

    Sehr beeindruckend war die Tatsache, wie Beate Sauer die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg eingefangen hat. Sie spart mit den gängigen Themen nicht aus und gibt jedem davon seine eigene Figur. Neben den beiden Hauptpersonen (deren Themen ich natürlich an dieser Stelle nicht verrate) bringt sie auch noch den Schwarzmarkthandel, Hunger, die Entnazifizierung, das gegenseitige Misstrauen zwischen der ansässigen Bevölkerung und den Alliierten, Zwangsarbeit und Flucht, sowie die Frage nach dem Vergessen auf das Tablett. Das macht den Roman sehr authentisch und zeigt auf, welch tiefe Wunden Hitler und seine Politik der ganzen Welt zugefügt hat.

    Ich habe gesehen, dass im Jänner des kommenden Jahres der zweite Band dieser Reihe erscheinen wird, was mich über alles freut. Gerne lese ich mehr von den beiden Ermittlern, deren Zukunft am Ende dieses Teils doch eher offen blieb.

    Kommentare: 3
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    Nadezhdavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Sehr gut recherchierter Krimi rund um die Nöte und Traumata von Krieg, Flucht und Nachkriegszeit
    Sehr gut recherchierter Krimi rund um die Nöte und Traumata von Krieg, Flucht und Nachkriegszeit

    Auch mir hat der Krimi um Friederike Matthée sehr gut gefallen, wobei ich gestehen muss, dass ich das Buch gar nicht so sehr um der Krimihandlung willen verschlungen habe, sondern wegen seines spannenden und ergreifenden Settings in den Wirren und Nöten der Nachkriegsjahre. Ich selbst weiß viel zu wenig über diese Epoche. Dieser gut recherchierte Krimi stellt sehr eindrücklich die wirtschaftliche und soziale Situation im Deutschland kurz nach Ende der Nazizeit und des 2. Weltkrieges dar und hat mir geholfen, mich noch einmal neu und vertieft in die Lebenslage meiner Großeltern im Zusammenhang von Krieg, Flucht und Nachkriegszeit mit den diversen begleitenden Traumata hineinzuversetzen. Dafür bin ich der Autorin sehr dankbar.


    Aber auch das Figurenensemble um Friederike Matthhée und Richard Davies hat mir gefallen und ich würde gern mehr von ihnen lesen, würde mich also über eine Fortsetzung sehr freuen!


    Von mir ebenfalls eine klare Leseempfehlung.

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    MikkaGvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Spannend und gut konstruiert gewährt das Buch einen atmosphärisch dichten Einblick in die schwere Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.
    Spannend und gut konstruiert

    Dieses Buch haben wir mit unserem kleinen Krimi-Lesekreis gelesen, weil uns die vielversprechende Verbindung reizte: einerseits Krimi, andererseits realistische Geschichte aus einer hochdramatischen Epoche unserer Historie. Und das mit Protagonisten, die im Krieg noch auf verschiedenen Seiten standen, nun aber notgedrungen zusammenarbeiten müssen… Das klingt nicht nur nach Spannung, sondern auch nach einem gewissen Tiefgang.

    Und tatsächlich fühlten wir uns mitnichten enttäuscht, das Buch konnte unsere Erwartungen voll erfüllen.
    Der Kriminalfall an sich hat schon alles, was ein guter Krimi in meinen Augen braucht: er ist gut durchdacht, sauber recherchiert und nahtlos konstruiert. Es gibt natürlich unerwartete Wendungen, sowie Irrungen und Wirrungen seitens der Ermittler – tatsächlich sprach eine Teilnehmerin unseres Lesekreises an, dass es ausgesprochen viele Handlungsstränge gibt, die erst spät zusammenlaufen, und dass sie das manchmal etwas verwirrend fand.

    Gerade das hat mir aber gut gefallen, weil man dadurch bis zum Schluss nie sicher sein kann, was wirklich passiert ist, wer dahintersteckt und warum. Ich hatte jedoch nie das Gefühl, dass Fakten nicht zusammenpassten oder dass etwas im Endeffekt nicht ausreichend aufgeklärt wird.

    Einig waren wir uns, dass das Buch auf jeden Fall sehr spannend und unterhaltsam ist.
    Die Vielzahl von Handlungssträngen (und die damit einhergehende Vielzahl von involvierten Personen) spiegelt meines Erachtens wider, dass wir uns in dieser Geschichte immerhin in einer Zeit befinden, in der schon der ganz normale Alltag unglaublich schwierig war – und geprägt vom gegenseitigen Misstrauen. Nicht nur zwischen Deutschen und Besatzern, sondern auch zwischen Deutschen und Zwangsarbeitern (beschönigt ‘Fremdarbeiter’ genannt), sogar zwischen Deutschen und Deutschen…

    Beate Sauer erzählt die Geschichte mit einem packenden und zugleich intelligent geschriebenen Stil.
    Man sieht die zerbombten Städte quasi vor sich, spürt die beißende Kälte und den quälenden Hunger, und dabei wirkt die Darstellung der Zeit immer glaubwürdig und stimmig. Sie schildert diese Zeit so lebendig und mit solch dichter Atmosphäre, dass der Kriminalfall für mich manchmal regelrecht zum Nebendarsteller wurde, was der Spannung jedoch keinen Abbruch tat.

    Die Charaktere waren für mich ein weiterer großer Pluspunkt des Buches.
    Friederike Matthée von der Weiblichen Polizei entspricht zunächst nicht unbedingt dem modernen Bild einer Polizistin: Sie ist unsicher, besitzt wenig Selbstbewusstsein und hat den Beruf nicht etwa aus Neigung gewählt, sondern um für sich und ihre Mutter wenigstens eine einigermaßen sichere Wohnung zu bekommen. Im Laufe der Handlung erfährt man aber, was sie im Krieg alles durchgemacht hat – was vieles erklärt! –, und sie zeigt auch eine deutliche Weiterentwicklung.

    Sie war mir zutiefst sympathisch, ich habe mit ihr mitgefühlt und mitgefiebert… Und gerade wegen ihrer Schwächen fand ich sie sehr authentisch und glaubhaft.

    Obwohl sie am Ende immer noch weit von einer perfekten Polizistin entfernt ist, zeigt sie großes Potential, und das macht Lust auf den nächsten Band!
    Richard Davies von der britischen Military Police hingegen ist erstmal ein zwiespältiger Charakter. Wie sicher viele der Besatzer tut er sich schwer damit, mit den Deutschen zusammenzuarbeiten oder mit den halb verhungerten Menschen Mitleid zu empfinden – obwohl der Leser immer wieder erahnen kann, dass er vom Naturell her eigentlich kein grausamer Mensch ist. Man kann seine Gefühle auch durchaus nachvollziehen, die Gräuel des Holocaust sind ja gerade erst passiert.

    Über Davies Vergangenheit erfährt man im Laufe des Buches ebenfalls vieles, was seine Haltung erklärt.
    Nicht nur die beiden Protagonisten, sondern auch die anderen Charaktere fand ich überzeugend geschrieben, vielschichtig und interessant.

    FAZIT
    Januar 1947: nach einem Mordfall wird Friederike Matthée von der Weiblichen Polizei in Köln angewiesen, dem Ermittler Richard Davies von der britischen Military Police zu assistieren. Die Zusammenarbeit zwischen der jungen Deutschen und dem Engländer gestaltet sich nicht gänzlich ohne Konflikte – dennoch geben sie ein gutes Team in diesem komplexen Fall ab.

    Die Geschichte ist nicht nur spannend und gut konstruiert, sondern gewährt auch einen atmosphärisch dichten Einblick in die schwere Zeit direkt nach dem Zweiten Weltkrieg.

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    Svanvithevor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Klare, ehrliche Schilderungen des Nachkriegsdeutschlands und mit Feingefühl herausgearbeitete Figuren - eine Geschichte mit Nachhall...
    Echo der Toten

    So klirrend frostig wie der Januar des Jahres 1947 sind auch die Herzen der Menschen, sowohl der Sieger als auch der Besiegten. Die Demokratie wollen die Briten den Deutschen beibringen, die allerdings haben damit zu tun, nicht an Hunger zu sterben. Der Schwarzhandel blüht, und wer illegal ein Schwein schlachtet, läuft Gefahr, dafür bestraft zu werden.

    In dieser Zeit wird Jupp Küppers, ein Alteisen- und zugleich Schwarzmarkthändler, ermordet. Peter Assmuß, der mit seiner Mutter aus Ostpreußen geflüchtet ist, hat die Tat mit angesehen. Seitdem spricht der Sechsjährige nicht mehr. Der mit der Aufklärung des Verbrechens beauftragte Richard Davies von der Military Police ist auf Hilfe angewiesen. So wird Friederike Matthée von der Weiblichen Polizei in Köln, die mit Kindern umzugehen versteht, hinzugezogen. Tatsächlich gelingt es der jungen Frau, eine Verbindung zu Peter aufzubauen. Wie der Junge stammt Friederike aus Ostpreußen, und auch sie verfolgen die Erinnerungen an die vergangenen Jahre, vor allem die abscheulichen Erlebnisse während ihrer Flucht.

    Nach und nach kristallisiert sich heraus, dass Richard Davies ebenfalls eine Last trägt und es ihm nicht leicht fällt, mit Menschen zusammenarbeiten, die Schuld auf sich geladen haben.

    Jupp Küppers bleibt nicht der einzige Tote. Die Situation spitzt sich zu, und auch Friederike und Richard, die sich langsam annähern, geraten in Gefahr.


    Beate Sauer, die bislang historische Romane geschrieben hat, führt mit „Echo der Toten“ in die nähere Vergangenheit, in das Nachkriegsdeutschland des Jahres 1947. Sie porträtiert ein Volk, das sich seine Wunden „leckt“ und dem die Verarbeitung der eigenen Schuld schwerfällt. Denn während der Wiederaufbau der zerstörten Städte überall voranschreitet und damit die Trümmer im Land langsam beseitigt werden, weicht das Gift, das die Nationalsozialisten in den Köpfen der Menschen verbreitet haben, nicht so leicht. Es gibt diejenigen, die der verachtenswerten Diktatur nachtrauern und immer noch der mörderischen Ideologie anhängen und menschliche Werte negieren. Die meisten jedoch wollen einfach nur vergessen und alles hinter sich lassen. Aber das Echo der Toten ist noch lange nicht verstummt.

    Die Geschichte ist atmosphärisch dicht, anschaulich, glaubwürdig und unsentimental erzählt. Beate Sauer redet nichts schön, nennt die Dinge beim Namen und beeindruckt mit ehrlichen klaren Aussagen. Sie weiß gleichzeitig zu erschüttern und zu berühren. Der Kriminalfall ist zurückhaltend in die Handlung integriert, wird allerdings mit angemessenem Maß an Spannung vorangetrieben.

    Besonders überzeugt die Autorin indes mit der Schilderung des Alltags und der Situation der Menschen – Flüchtlinge, Vertriebene, Fremdarbeiter, Überlebende – vereint als Opfer, Täter und Zeugen eines alles veränderndes Krieges und voller Schuld, Scham, Wut, Schmerz, Angst.

    Bei der Gestaltung ihrer Figuren hat die Autorin viel Feingefühl bewiesen. So wird es im Verlauf des Geschehens deutlich, warum Friederike viel Verständnis für Peter aufbringt. Schließlich kann sie sich gut vorstellen, was er während der Flucht gesehen haben muss, welche Dämonen ihn bedrängen. Sie verspürt oft genug genauso den Wunsch, sich an einem sicheren Ort zu verkriechen und alles Böse auszublenden, fühlt sich ohnmächtig und dem Leben ausgeliefert.

    Friederike sorgt für sich und ihre Mutter, beide haben nicht nur ihre Familie und Heimat verloren. Nur deshalb ist sie zur Weiblichen Polizei gegangen. Wirklich glücklich ist sie mit dieser Berufswahl anfangs nicht und führt ihren Dienst widerstrebend aus. Zudem fügt sie sich schwer in die Hierarchie ein, ignoriert Vorschriften und handelt mehr als einmal eigenmächtig, wodurch sie in Konflikt mit ihrer Vorgesetzten Gesine Langen gerät. Nur der Fürsprache von Richard ist es zu verdanken, dass sie nicht entlassen wird, denn er bemerkt, dass Friederike über Eigenschaften wie eine beispielsweise eine gute Intuition verfügt, die sie zu einer fähigen Polizistin werden lassen.

    Richard Davies zeigt sich als zwiespältiger Charakter. Von Anfang ist ersichtlich, dass ihn ein Geheimnis umgibt. Seine Distanziertheit und Abneigung werden schnell augenscheinlich. Er reagiert einerseits hart, fast brutal und zornig, andererseits müde und abgestumpft, dann wieder freundlich, verständnisvoll, aufmerksam und aufrichtig. Erst mit Fortschreiten des Geschehens offenbaren sich sein leidvolles Schicksal und die Hintergründe seines Handelns.

    Auch Friederike und Richard hören das Echo ihrer Toten und setzen sich mit der Vergangenheit auseinander. Am Ende der Geschichte sind sie einander zugewandter und haben die Not des jeweils anderen kennengelernt. Und sie haben Hoffnung für eine versöhnliche Zukunft geschöpft.

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    Gisevor 5 Monaten
    Authentischer Histokrimi

    Im Januar 1947 haben die Menschen in Deutschland mit eisiger Kälte und den Nachkriegswirren um das Überleben zu kämpfen. Als ein Mord geschieht, soll Richard Davies von der britischen Royal Military Police diesen aufklären, und er fordert zur Mithilfe Friederike Matthée von der Weiblichen Polizei an. In einer Welt, die in Trümmern liegt, ist die Suche nach Gerechtigkeit nicht einfach, vor allem, wenn die Vergangenheit immer wieder ins Geschehen hineinspielt. Ein kleiner Junge hat den Mord beobachtet, nun ist er in größter Gefahr.

    Athmosphärisch dicht schildert die Autorin Beate Sauer den harten Winter 1947, als die Menschen verzweifelt versuchten zu überleben, mit all den Gräueln ihrer Vergangenheit und nun vielfach geprägt von Hunger, Flucht, Obdachlosigkeit und Arbeitslosigkeit. Ein Menschenleben erscheint hier wenig bedeutend, und doch bleiben die beiden Ermittler dran am Geschehen. Auch sie tragen ihre eigene Geschichte mit sich herum, dennoch schaffen sie es, ihre scheinbar so unterschiedlichen Welten einander zu nähern, ihre jeweiligen Motivationen kommen sehr glaubhaft herüber. Die zarte Liebesgeschichte deutet sich schon bald an, auch sie bekommt ihren Anteil an der Erzählung. Die Auflösung des Krimis hat mich überrascht, mit diesem Täter hätte ich nicht gerechnet – im Nachhinein stellt sich jedoch zu Recht die Frage, warum nicht?

    Wer dieses Buch liest, erhält einen authentischen Histokrimi, der seiner Geschichte und seinen Protagonisten den nötigen Platz lässt, aber auch ein realistisches Eintauchen in die geschilderten Zeit ermöglicht – dafür möchte ich diesem Buch alle 5 Sterne sowie eine unbedingte Lessempfehlung geben. Ich warte gespannt auf eine Fortsetzung des Buches.

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    echidnavor 6 Monaten
    Atmosphäre gut eingefangen

    Deutschland im Winter der Nachkriegszeit. Friederike Matthée ist bei der Weiblichen Polizei und soll den Leutnant Richard Davies bei einem Mordfall unterstützen. Ein Schwarzhändler wurde umgebracht und der einzige Zeuge ist ein kleiner Junge. 

    Ich fand die Charaktere interessant. Beide haben ihre Vergangenheit und ein Geheimnis, das sie hüten. Richard Davies, geboren in Deutschland, der nun auf der Seite der Briten kämpft. Und Friederike Matthée, die aus Ostpreußen geflohen ist und auf ihrer Flucht viel Schreckliches erlebt hat.

    Die düstere Atmosphäre, die Armut, Hunger und bittere Kälte des Nachkriegsdeutschlands zeigt, zieht sich durch das ganze Buch und wirkt erschreckend realistisch. Man sieht sehr deutlich, mit welchen ursprünglichen Problemen die Menschen zu kämpfen hatten und dass es trotz Ende des Krieges jeden Tag aufs Neue um das Überleben geht.

    Betrachtet man nur die Charakter und Atmosphäre, hätte der Krimi 5 Sterne verdient. Leider zieht sich das Buch in der Mitte ein wenig. Die Spannung vom Anfang kann nicht aufrecht erhalten werden und phasenweise scheint die Handlung ein wenig vor sich hin zu plätschern, ohne dass wirklich etwas passiert.

    Daher würde ich den Krimi zwar weiterempfehlen, da die Geschichte im Grunde gut und die Atmosphäre gut rübergebracht wird, doch nur an Leser, die auch geschichtlich interessiert sind, da hier der Schwerpunkt des Buches liegt und der eigentliche Kriminalfall öfter in den Hintergrund rückt.

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    wampys avatar
    wampyvor 6 Monaten
    Packend, aber etwas überladen

    Buchmeinung zu Beate Sauer – Echo der Toten

    „Echo der Toten“ ist ein Kriminalroman von Beate Sauer, der 2018 bei Ullstein Taschenbuch erschienen ist.

    Zum Autor:
    Beate Sauer hat als Autorin historischer Romane bereits eine große Fangemeinde. Unter dem Pseudonym Bea Rauenthal hat sie bei Ullstein eine Trilogie von Zeitreise-Krimis veröffentlicht.

    Klappentext:
    Januar 1947: Über dem Land liegt eine Decke aus Schnee und Eis, zwischen Ruinen kämpfen die Menschen ums Überleben, als in der Eifel ein Mord geschieht. Richard Davies von der britischen Military Police soll das Verbrechen aufklären. Doch der einzige Zeuge ist ein sechsjähriger Junge, der sich weigert zu sprechen. Friederike Matthée von der Weiblichen Polizei in Köln wird Richard zur Seite gestellt. Sie kommt, wie der Junge, aus Ostpreußen und findet einen Zugang zu seiner verletzten Seele. Doch die Erinnerungen an die schrecklichen Erlebnisse während der Flucht sind noch so frisch, dass Friederike an ihrer Kraft zweifelt. Und Richard Davies muss mit Menschen zusammenarbeiten, die schwere Schuld auf sich geladen haben.

    Meine Meinung:
    Dieses Buch überzeugt durch die düstere Atmosphäre, die in diesem kalten Winter über Köln und der Eifel liegt. Die Menschen sind noch durch den Krieg gezeichnet und die Versorgungslage ist ziemlich schlecht. So blüht der Schwarzmarkt, auf dem es fast alles zu kaufen gibt. Die beiden Hauptfiguren sind durch ihre Vergangenheit gezeichnet und haben Ecken und Kanten. Richard Davies ist gebürtiger Deutscher, der auf Seiten der Engländer gekämpft hat. Er muß feststellen, dass auch ehemalige Nazis einen Weg in die neue Verwaltung gefunden haben, aber auch, dass Militärangehörige auf dem Schwarzmarkt Geld machen wollen. Friederike Matthee ist ein Flüchtling aus Ostpreußen, die fast alles bei der Flucht verloren hat. Zudem gibt es massive Probleme bei der Eingliederung der Flüchtlinge. Dies betrifft auch den Jungen, der Augenzeuge eines Mordes in der Eifel geworden ist. Eindrucksvoll wird die schwierige Lage der Flüchtlinge gezeichnet, die meist am Rande der Gesellschaft einen Platz zu finden versuchen. Frau Matthee ist aus der Not heraus Hilfspolizistin geworden und kämpft verzweifelt um ihren Arbeitsplatz, der ihr auch eine Wohnung und einen schmalen Verdienst bringt. Herr Davies und Frau Matthee müssen notgedrungen bei einem Mordfall zusammen arbeiten. Am Anfang ist ihre Beziehung von Mißtrauen und Vorsicht geprägt, verbessert sich aber im Laufe der Geschichte. Die Beschreibung der vorsichtigen Annäherung der beiden Hauptfiguren ist eine Stärke des Buches. Es liegen dunkle Schatten der Vergangenheit über den Figuren und jeder versucht so gut es geht damit zu Recht zu kommen. Frau Matthee und Herr Davies sind keine uneingeschränkten Sympathieträger, aber sie sind Kämpfer, die versuchen, ihre Stärken auszuspielen. Sie sind durch ihre Vergangenheit gezeichnet und im Laufe der Geschichte erfährt der Leser Details dazu.

    Manchmal rückt der Kriminalfall in den Hintergrund und der Fokus liegt deutlich auf der Entwicklung der Figuren. Die Autorin hat viele Themen in den Roman gepackt und aus meiner Sicht dabei etwas überzogen. Vieles wird angerissen und angedeutet und dann fallen gelassen. Hier wäre weniger mehr gewesen. Hingegen ist die atmosphärische Zeichnung der Nachkriegszeit sehr gelungen und der Leser hat den Eindruck, direkt vor Ort zu sein.

    Fazit:
    Ein historischer Kriminalroman mit mehr Stärken als Schwächen. Es werden zu viele Themen angerissen, die dann nicht ausdiskutiert werden können. Sehr überzeugend ist die dichte Atmosphäre und die Entwicklung der beiden Hauptfiguren. So vergebe ich vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.

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    Ekcnewvor 6 Monaten
    Friederike Matthée ermittelt in ihrem ersten Fall

    Zunächst einmal möchte ich erwähnen, dass mir dir Größe des Buches sowie auch die Schriftgröße sehr gut gefällt, beides hat das Lesen für mich sehr angenehm gemacht. 

    In diesem ersten Fall von Friederike Matthée geht es um einen sechsjährigen Jungen, den Friederike versucht, zum Reden zu bewegen. Der Junge ist der einzige Zeuge an dem Tod von Jupp Küppers - einem Schwarzmarkthändler. Bislang war ihm kein Wort zu entlocken. Friederike gelingt es, dank ihres Einfühlungsvermögens, das Vertrauen des Jungen zu gewinnen. 

    Friedrike arbeitet bei der weiblichen Polizei als Polizeiassistentenanwärterin. Zu ihrer Vorgesetzten hat sie kein gutes Verhältnis. Dennoch hat sie die Möglichkeit, dem britischen Militärpolizisten Richard Davies bei den Ermittlungsarbeiten zu unterstützen. 

    Zu Beginn des Buches ist es mir nicht ganz leicht gefallen, in die Geschichte reinzukommen. Dieser Kriminalfall spielt im Januar 1947. Im bitterkalten Nachkriegswinter, wo noch so viele Menschen mit den verheerenden Auswirkungen des Krieges zu kämpfen hatten, wo jeder sehr traurige Verluste und Elend erleben musste, betrachtet jeder eine fremde Person zunächst mit großem Misstrauen. So erging es mir zunächst auch. Ich musste quasi erst einmal mit den Personen warm werden. Aber dann hat sich dieses Buch zu einem großartigen historischen Kriminalfall entwickelt. 

    Der Autorin ist es hervorragend gelungen, die Stimmungen in dieser so schweren Zeit wider zu geben. Der Leser kann quasi direkt mitfühlen, wie schwer es für die Menschen in dieser Zeit war. 

    Um so gelungener finde ich es, dass in diese Zeit ein Kriminalfall eingebettet ist. 

    Ich hoffe, dass ich schon bald einen weiteren Kriminalfalll mit der mir sehr sympathisch gewordenen Friederike Matthée lesen darf. 


    Ein sehr lesenswerter Kriminalroman - klare Leseempfehlung.

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    buchernarrvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Mord in der Nachkriegszeit
    Mord in der Nachkriegszeit

    Wir schreiben das Jahr 1947, kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Die Atmosphäre in Deutschland ist bedrückt, die Städte verweist und die Polizei versucht ihr Werk weiterhin zu tun, indem die Übeltäter aller Art jagt. So geschieht es, dass ein Mann ermordet wird und der Brite Richard Davies die Ermittlungen übernimmt. Ihm zur Seite stellt man Friederike Matthée, die nicht den besten Ruf als ehrgeizige Polizistin geniesst. Doch die beiden tun sich zusammen und versuchen den Fall zu lösen. Friederike soll als Frau mit einer emotionaleren Art den jungen Zeugen abfragen um eine Spur zu finden. 
    Parallel dazu werden wir mit der Kulisse der Nachkriegszeit bekannt gemacht. Hunger, Elend und Armut sind an der Tagesordnung, die kriminellen Machenschaften blühen, um an das Notwendige heranzukommen. Jeder hat seine Leichen im Keller, so auch die Protagonisten. Je mehr sie in den Fall recherchieren desto aussichtslos scheint er. Doch dank ihrer Scharfssinnigkeit und Zusammenarbeit werden sie es schaffen den Fall zu lösen. Mehr möchte ich allerdings hierzu nicht verraten. 
    Ein lesenswerter Krimi für alle die historische Krimis mögen.

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    Mira20s avatar
    Mira20vor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Unbedingt lesen!
    Gut recherchierter historischer Krimi!

    Dieser überraschend spannend und atmosphärische Krimi ist hervorragend recherchiert. Die Kälte des Hungerwinters 1947 lässt die Autorin nicht nur in ihren Beschreibungen aufleben, sie schafft es auch, dass die Kälte förmlich aus dem Buch kriecht und den Leser erschaudern lässt.
     
    Als ein Schwarzmarkthändler in einer Scheune erschlagen wird, sieht alles nach einer Abrechnung unter Kriminellen aus. Allerdings reichen die Hintergründe der Tat viel weiter zurück und niemand spricht gerne über die eigene Rolle im nationalsozialistischen Reich während dem Krieg. 

    Friederike Matthée als junge unerfahrene weibliche, deutsche Polizistin hat die Autorin sehr authentisch beschrieben. Sie wächst in ihre Rolle hinein, bekommt Grenzen der Gesellschaft gesetzt und scheitert manchmal auch an ihrer eigenen Vergangenheit. Sie reflektiert die Ermittlung und muss akzeptieren, dass der Nationalsozialismus viel schlimmer war, als sie es sich je eingestanden hat. An ihrer Seite der junge Brite Richard Davies. Auch er bringt eine Vergangenheit mit und muss sich mit dieser auseinandersetzen.

    Es gelingt der Autorin viel historisches Hintergrundwissen in die Ermittlung einfliessen zu lassen. Es braucht nur wenige Erklärungen, denn die Protagonisten und all die Handlungsschauplätze sprechen für sich und ihre Zeit. Die zerrissene Gesellschaft ist hervorragend beschrieben.

    Das Buch liest sich sehr lebendig und abwechslungsreich. Der historische Hintergrund gibt dem Krimi eine Tiefe. Trotzdem empfand ich das Buch weder als schwermütig noch als belehrend.
    Von mir erhält der Krimi eine absolute Leseempfehlung!

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