Beate Schaefer Schwarze Taube / Black Pigeon

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Inhaltsangabe zu „Schwarze Taube / Black Pigeon“ von Beate Schaefer

Das Leben in der Stadt wird von Spannungen zwischen Christen und Heiden bestimmt. Römische Tempel brennen, fanatische Christen stören die in ihren Augen gottlosen Theatervorstellungen. In dieser unruhigen Zeit trifft die schöne Schauspielerin Marcia auf den Feind der Schauspielerei, Bischof Britto. Zugleich fasziniert und abgestoßen voneinander, beginnen sie einen Kampf: Sie kämpft um seine Liebe, er um ihr Seelenheil. Doch ist der, der am Ende gewinnt, auch der Sieger? Die Autorin studierte Germanistik und Kunstgeschichte in Frankfurt am Main und arbeitete danach in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, unter anderem für die Umweltstiftung WWF-Deutschland. Als Schriftstellerin trat sie zunächst mit Kurzgeschichten und zwei Libretti für Musiktheater hervor. Im Jahr 2000 folgte ihr Roman Das Orakel von Cumae, sodann 2002 der Roman Bacchantische Nacht. Im Frühjahr 2007 wurde ihr erstes Theaterstück Blinde Hoffnung am Stadttheater Pforzheim uraufgeführt und auch bei den Baden-Württembergischen Theatertagen in Konstanz gezeigt. Beate Schaefer lebt als freie Autorin und Übersetzerin in Karlsruhe.

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  • Rezension zu "Schwarze Taube / Black Pigeon" von Beate Schaefer

    Schwarze Taube / Black Pigeon

    sabisteb

    13. August 2010 um 12:32

    Tier im Jahre 382 nach Christus. Marcia ist die gefeierte Diva des Trierer Theaters. Die Männerwelt liegt ihr zu Füßen, sie hat alles, was ihr Herz begehrt. Einen reichen Gönner der ihr Haus und Sklaven stellt, Geld, einen Beruf den sie liebt und den Applaus des Publikums. Nur eines fehlt Marcia, die Liebe, die wahre Liebe, die sie noch nie kennengelernt hat und daher eigentlich auch nicht vermisst. Als Marcia eines Tages in der Menschenmenge einen bestimmten Mann sieht ist es um sie geschehen. Es ist Liebe auf den ersten Blick und sie muss unbedingt herausfinden wer er ist. Dieser Mann, der ihr Herz berührte ist Britto, der Bischof von Trier, der seinem Gott die ewige Treue und Keuschheit geschworen hat. Marcia jedoch, eine Altgläubige, setzt alles daran das Herz dieses Mannes zu gewinnen. Britto ist hin und her gerissen zwischen seiner Liebe zu Marcia und seinem Gott und entscheidet sich zunächst für seinen Gott und meidet Marcia so gut es ihm möglich ist, denn diese beginnt seine Gottesdienste zu besuchen, und ihn sogar in seinem Palast aufzusuchen. In seiner seelischen Not flüchtet er sich zu einem Einsiedler und sucht bei diesem Rat. Marcia bleibt vorerst nichts anderes übrig, als ihr altes Leben weiterzuführen, welches ihr immer schaler und leerer erscheint. Ihr Liebhaber reizt sie nicht mehr, sie erkennt, dass sie älter wird und sie beginnt sich einsam und allein zu fühlen. Als ihr Gönner stirbt und sie ihr Haus aufgeben muss, ist das der Anfang vom Ende. Ihr Stern beginnt zu sinken. Zum ersten Mal muss sie die Rolle der Mutter und nicht mehr der verführerischen jungen Frau spielen. Das Geld wird immer knapper und dann stirbt sie auch noch fast durch eine tückische Krankheit. Während alle alten Freunde sie in dieser Zeit fliehen halten nur wenige zu ihr: Britto und die Christen. In ihrer schwersten Stunde muss sie sich entscheiden zwischen ihrem alten Leben oder ihrem Seelenheil und der Liebe zu Britto. Beate Schaefer erzählt die Lebensgeschichte einer alternden Diva in einer Zeit, in welcher der alte Glaube und das Christentum noch Seite an Seite existieren. Durch ihren Beruf hat Marcia keine Wahl, sie darf nicht Christin werden, denn dann müsste sie ihrem Beruf aufgeben, denn zur damaligen Zeit dürfen Christen keine Schauspieler sein, ganz im Gegenteil, Schauspielern war es später sogar verboten Christen zu werden. Die Autorin schreibt aus der Sicht der Altgläubigen, die dem Christentum misstrauisch und ablehnend gegenüberstehen. Besonders beliebt sind damals Theaterstücke, die das Christentum durch den Kakao ziehen mit Dialogen wie "Friede sei mit euch!...Du uns auch!"(S. 8 ) und in denen die Priester als eher dümmliche Lustmolche dargestellt werden. Andererseits werden die Christen als eher freudlose Vereinigung dargestellt, die der Meinung ist, dass das Lachen vom Teufel komme (S. 56), die nicht ins Theater dürfen und nur auf den Weltuntergang warten. Dies jedoch wird durch ihre Nächstenliebe wieder ausgeglichen, so schickt auch Marcia eine gefallene Kollegin zu den Christen, damit diese sich ihrer annehmen, und ihn ihrer schwersten Stunde steht ihr eine Christin bei. Jedoch nutzen die Christen diese schwerste Stunde auch aus, indem sie Marcia, als sie im Sterben liegt, taufen um ihre Seele zu retten. Durch die Gnade Gottes wieder genesen ist sie danach jedoch ihres Erwerbs und ihrer Lebensgrundlage beraubt. Aber auch die Scheinheiligkeit und der Wunderglaube werden auf ironische Weise von Beate Schaefer beleuchtet: "Vor zwei Nächten ist das Haus, das du kaufen wolltest, bis auf die Grundmauern niedergebrannt", berichtete der Sekretär triumphierend. "Es ist kein As mehr wert. Der Eigentümer hat sich aufgrund des wunderbaren Geschehens zum Christentum bekehrt und will nun selbst dem Heiligen Laurentius eine Portikus an der Stelle bauen, an der sein Haus stand." "Ehre sei Gott in der Höhe"; rief Bischof Britto. "Oh, Herr, dein Wirken ist voller Gnade für uns arme Sünder." "Amen", ergänzte der Sekretär. "So hat der Heilige, der auf dem Eisenrost verbrannte, durch Feuer kundgetan, dass er Anspruch auf jenen Grund und Boden erhebt." "So ist es", bestätigte der Bischof und wandte sich ab [...] "Ich will nicht verschweigen, dass der Nachbar, dessen angrenzendes Haus bei dem Brand Schaden erlitten hat, dreist behauptet, es seien nachte mehrere dunkle Gestalten um das Gebäude geschlichen, und kurz darauf, seinen Flammen aus dem Fenster geschlagen. [...] Befragt konnte er nichts beweisen." (S. 126) Ebenfalls geht die Autorin auf Gemeinsamkeiten zwischen dem Mithraskult und dem frühen Christentum ein. So lernen die Mithrasschüler "So ist Gott; wir sind Teil Gottes, seine Engel." (S. 178 ) Die Grundlage für diesen fesselnden Roman lieferte erstaunlicherweise eine Heiligengeschichte. Und zwar die Sage um die Heilige Pelagia, eine Schauspielerin aus Antiochia, die sich in den dortigen Bischof verliebt und Mönch wird. Die Autorin spielt mit der Frage, ob das Christentum, welches für Gleichheit und Brüderlichkeit eintrat, für eine bürgerrechtslose Schauspielerin, die nicht heiraten durfte, die ihren Beruf nicht wechseln durfte und die nicht mehr war war als eine billige Hure eine wirkliche Alternative gewesen wäre. Mit Marcia hat sie Beate Schaefer eine faszinierende und schillernde Persönlichkeit geschaffen. Unvergleichlich schön und tragisch romantisch schließt das Buch mit einem für mich unvergesslichen Schlusssatz "Für ihn, nur für ihn trat sie noch einmal auf, er war ihr Publikum, die Lichtung im Wald ihre letzte Bühne, die Vögel der Venus ihr schönstes Kleid." Auch dieses Buch ist wieder ausgestattet mit einem ausfühlichen Glossar, einem passenden Lesezeichen und natürlich auch mit einer Teilnahmekarte für das Zabern Gewinnspiel, das in allen historischen Romanen bisher enthalten war und bei dem man ein Wochenende in Berlin für 2 Personen oder Bücher aus dem Zabern Verlag gewinnen kann.

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