Beate Thieswald-Schechter Ostdeutsche Geschichten

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Inhaltsangabe zu „Ostdeutsche Geschichten“ von Beate Thieswald-Schechter

Sie stehen vor einer Veränderung und müssen sich entscheiden. In drei Erzählungen ist es der Mut der Protagonisten, etwas Ungewöhnliches zu tun, etwas, von dem sie nicht wissen, wie es aus geht und mit dem sie etwas riskieren.§Die Geschichten, die sich zu Beginn, in der Mitte und zum Ende der DDR-Zeit ereignen, beruhen auf authentischen Erlebnissen und stammen aus der Familiengeschichte der Autorin.§§Zur Freude der Kinder bekommt Anna 1949 vom Hilfswerk eine Mutter-Kind-Kur an der Ostsee. Doch nach wenigen Tagen träumt sie von ihrem Mann, der seit sechs Jahren in sibirischer Kriegsgefangenschaft ist. Der Traum scheint ihr eine Entscheidung abzuverlangen, die sich gegen jede Vernunft richtet.§§Zur Musterung muss Hans im Sommer 1964. Er beschließt, den Wehrdienst total zu verweigern. Doch auch noch jemand anderes geht ein politisches Risiko ein. Ein Lebensthema wird für Hans deutlicher. Es wird ihn nicht mehr verlassen.§§Robert und Gabriele sind eines der vielen jungen Paare, die sich im Sommer 1989 entschließen, Über Ungarn weg zu gehen. Sie wissen nicht genau, was sie erwartet. Sie wissen nur, was sie verlieren: Heimat, Familie und, wer weiß, vielleicht sogar das Leben. Trotzdem packen sie ihre Sachen, getrieben von Resignation in Bezug auf das eine und von Hoffnung in Bezug auf das andere Deutschland.

Spannende Lektüre. Kurze Abschnitte gönnen einem zwischendurch die Atempause, die man benötigt, um das Gelesene auf sich wirken zu lassen.

— Kerstin_Lingemann

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    Ostdeutsche Geschichten

    Kerstin_Lingemann

    17. June 2015 um 12:47

    Vor einiger Zeit habe ich eine Literatur-Lesung besucht. Die Autorin Beate Thieswald-Schechter hat aus ihrem Erzählbuch „Ostdeutsche Geschichten“ vorgelesen. Da ich selbst wie die Autorin aus Thüringen stamme und die Lesungsankündigung mich neugierig gemacht hat, habe ich die Veranstaltung besucht. Meine Tochter hat mich begleitet, auch für sie war ein Buch der Autorin dabei (Raupi). Wir sind also beide mit je einem signierten Buch wieder nach Hause gegangen.   Bereits nach der Lesung begann ich, in dem Buch zu blättern. Hier die Daten:  Ostdeutsche Geschichten Beate Thieswald-Schechter Taschenbuch: 168 Seiten Verlag: Tredition (12. Dezember 2014) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3732312208 ISBN-13: 978-3732312207 Größe: 12,7 x 1,1 x 20,3 cm   €9,80  Auch als Gebundene Ausgabe und als E-Book erhältlich.  Aufmachung und Cover  Das Buch hat ein typisches Romanformat, es ist nur etwas dünner. Der Einband fühlt sich glatt und hochwertig an. Auf dem Cover ist ein Fluss zu erkennen, es könnte aber auch das weite Ufer eines Sees sein. Mitten im Wasser stehen Bäume, der Himmel ist weiß. Nur im Wasser spiegeln sich einige Quellwolken. Das Bild hat etwas romantisches, ruft aber auch eine leicht nachdenkliche Stimmung hervor. Ganz so, wie man sich das Leben in der ehemaligen DDR vorstellt. Das Buch lädt sofort zum Blättern und Schmökern ein.  Die Seiten sitzen fest im Einband, so dass man sie beim Lesen etwas knicken muss. Dadurch hebt sich der Buchdeckel nach der Lektüre leicht von den Seiten ab. Trotzdem klafft das Buch nicht auseinander, es ist gut verarbeitet. Die Seiten sind rau und das Blättern geht leicht von der Hand.  Inhalt  In drei Erzählungen geht es um den Mut der Hauptfiguren, etwas Außergewöhnliches zu tun, etwas mit ungewissem Ausgang. Die Geschichten spielen sich zu Beginn, der Mitte und zum Ende der DDR-Zeit ab. Alle enthalten autobiografische Elemente der Autorin.  Der Traum Die erste Geschichte handelt von Anna, die in der Nachkriegszeit (1949) eine Mutter-Kind-Kur bekommt. Obwohl sie die Kur gut gebrauchen kann, um zur Ruhe zu kommen, beschäftigt die Mutter ein wiederkehrender Traum, der sie zwingt, die Kur zu unterbrechen. Diese Entscheidung kann niemand in ihrem Umfeld verstehen. Aber es wird deutlich, dass sie sich so entscheiden musste.  Musterung Geschichte Nummer zwei spielt im Sommer 1964. Hans beschließt, den Wehrdienst in der DDR zu verweigern. Im Lauf der Geschichte erfährt man, warum und ob es sich lohnt, dieses Risiko einzugehen.  Über Ungarn weg Die dritte Geschichte handelt von Flucht. Niemand weiß, was DDR-Flüchtlinge erwartet, und dennoch: in Ungarn auf dem Zeltplatz spricht jeder davon. Robert und Gabriele sind nach langem Hadern fest entschlossen, und versuchen „Über Ungarn weg“ zu gehen.    Meine Meinung  Jede der Geschichten ist spannend geschrieben. Der Stil der Autorin lädt zum langsamen Lesen ein. Die Beschreibungen der Orte und Personen sind genau, um sich ein Bild zu machen, lassen aber genug Spielraum, sich die Figuren in der Fantasie vorzustellen. Sie beschreibt nicht nur, sondern zeigt, wie sie sich verhalten und lässt vor allem Emotionen deutlich werden. Besonders in der ersten Geschichte, deren Ausgang bangen und hoffen lässt, spürt man sich in die Gefühle dieser Mutter ein, die nichts vom Verbleib ihres Mannes weiß und dennoch fühlt, dass er noch am Leben und ganz nah ist. Sehr beeindruckt war ich von der Darstellung der Gefühle als Mutter. Obwohl sie ihren Kindern mit der Abreise keinen Gefallen tut, spürt man die Liebe der Protagonistin zu ihren Kindern so deutlich, dass einem das Herz warm wird.  Bei der zweiten Geschichte hätte ich mir auch mehr von dieser Emotion gewünscht. Hier werden das Motiv und die Handlungen nicht ganz so deutlich dargestellt wie in „Der Traum“. Das Thema, die Wehrdienstverweigerung, wird zwar hervorgehoben, aber eher sachlich behandelt. Ich konnte die Folgen, die möglicherweise zu erwarten sind, nicht so nachfühlen. Dennoch gelingt der Autorin eine authentische Geschichte, die zum Weiterlesen animiert.  Die dritte Geschichte wirkt zunächst etwas unscheinbar. Robert und Gabriele fahren nach Ungarn in den Urlaub. Von einer Flucht ist zunächst nicht die Rede. Aber im Laufe des Urlaubs entwickelt sich der Wunsch, abzuhauen, bis schließlich sogar eine Sehnsucht daraus wird und die beiden es wagen. Sie müssen alles hinter sich lassen, es bleibt ihnen nur wenig Geld und Gepäck. Selbst die Taschen bleiben am Ende auf der Strecke. Und dann ist da die Angst, die Angst vor Schüssen, die Angst vor der Strafe, falls es nicht klappt und die Angst vor den Reaktionen der Lieben. Doch da ist auch der Drang nach Freiheit. Er ist es, der dieser Geschichte ihre besondere Spannung verleiht.  Die Geschichten stammen aus der Lebensgeschichte der Autorin. Das spürt man beim Lesen. Immer wieder stelle ich mir diese abenteuerliche Flucht vor. Da gehört eine ordentliche Portion Mut dazu. Doch man fühlt sich auch gut in die Familienverhältnisse ein. Hinter Gabriele stehen ihre Eltern, von der das Paar glaubt, sie können die Entscheidung verstehen. Nicht das Verlassen-Werden steht im Vordergrund, sondern die tiefe Verbundenheit mit den Eltern.   Zur Autorin  Beate Thieswald-Schechter, Jahrgang 1969, hat Sozialwesen und Familientherapie studiert. Die Autorin ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Frankfurt am Main.  Die Lesung in der Buchhandlung im Riedbergzentrum war wohl eine Premiere für die Mittvierzigerin. Das hat man ihr überhaupt nicht angemerkt. Ihr Auftritt war souverän und persönlich. Ihr Vorlesen kam locker und echt rüber. Man hat gespürt, dass es IHR Buch ist, aus dem sie da liest. Man konnte die Gefühle zwischen den Zeilen spüren.   Auf der Lesung hatte ich auch kurz die Gelegenheit zu einem Gespräch. Ich behalte Lesung, Buch und Autorin in guter Erinnerung.   Fazit  Ein spannendes Lektüre-Erlebnis. Die kurzen Abschnitte gönnen einem zwischendurch die Atempause, die man benötigt, um das Gelesene auf sich wirken zu lassen. Das Buch hat in mir so manche Erinnerung wach gerufen, zum Beispiel die Darstellung, wie Gabriele über Zott-Sahnejogurt schwärmt oder auch die Farben der dicken Über-Gardinen an den Fenstern. Ich werde das Buch sicher nochmal zur Hand nehmen.

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