Beck Weathers

 3.7 Sterne bei 11 Bewertungen

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Left for Dead

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Erschienen am 01.11.2001

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Rezension zu "Für tot erklärt" von Beck Weathers

Erwacht aus dem Kältetod
rokatvor 10 Monaten

Am 10. Mai 1996 sterben neun Bergsteiger beim Versuch, den Mount Everest zu besteigen. Dies war bislang der tödlichste Tag am höchsten Berg der Welt. Beck Weathers gehört einer Expedition des Neuseeländers Rob Hall an, und auch Beck wurde zuerst für tot erklärt. Dann jedoch erwachte er aus seinem Kältetod und löst eine unglaubliche Rettungsaktion aus.


Dies ist eine wahre Begebenheit, und was damals am Berg geschah fasziniert mich seit langem. Auch der Journalist Jon Krakauer war in derselben Expedition wie Beck dabei, und berichtet davon in seinem Buch „In eisige Höhen“, welches ich verschlungen habe. Noch weitere Bücher berichten davon. Auch Hollywood wurde darauf aufmerksam, und hat vor einigen Jahren den Spielfilm „Everest“ daraus gemacht, der unter anderem auf den Büchern von Jon Krakauer und Beck Weathers basiert. Dementsprechend war ich auf dieses Buch gespannt, welches ich original auf Englisch gelesen habe.


Der erste Teil behandelt sehr intensiv und ohne irgendwelche Beschönigungen und Ausschweifungen die Ereignisse am Berg, und hat mich sehr in den Bann gezogen. Wie es Beck schafft, wieder ins Leben zurückzukommen, es ist unfassbar. Dabei berichtet Beck strikte aus seiner Sicht und lässt insbesondere am Anfang keine weiteren Personen zu Wort kommen, wodurch einige Zeit fehlt (welche auch aus Becks Gedächtnis verschwunden ist), und auch der Leser nicht weiss, was sonst noch passiert ist. Hier kam mir zugute, dass ich vieles schon vorher anderweitig gelesen habe. Die Rettungsaktion hingegen war mir relativ neu, und fantastisch zu lesen.
Der zweite Teil des Buchs berichtet dann relativ ausführlich wie Beck aufgewachsen ist, hier kommen auch seine Geschwister zu Wort. Dieses Kapitel habe ich teilweise einfach überblättert, da es zu ausschweifend, zu detailliert ist, und nicht relevant für die Geschichte. Schade!


Im dritten Teil erzählt Beck über seine Motivation, mit dem Bergsteigen zu beginnen. Sein Egoismus dabei lässt sich kaum beschreiben, und was er erzählt, lässt den Leser den Kopf schütteln und fasziniert gleichzeitig. Unglaublich, welche Zustände bei solchen Expeditionen teilweise herrschen, und unfassbar, dass nicht mehr passiert! Hier hat mich das Buch wieder viel mehr interessiert.


Im vierten Teil erfährt der Leser mehr über die Vorbereitung auf den Everest, wie es zu der Entscheidung kam, der Beginn der Besteigung der Seven Summits, und was das für Auswirkungen auf sein Privatleben hatte. Hier kommt Becks Frau Peach häufig zu Wort, teilweise entwickelt sich fast ein Dialog zwischen den beiden. Diese Art des Buches fand ich nicht allzu toll zum Lesen. Es verwirrt, und hätte anders besser gelöst werden können. Der Inhalt über das Bergsteigen bleibt interessant.


Der letzte Teil befasst sich mit der Zeit nach dem Everest. Die Operationen der Erfrierungen, die psychische Wandlung von Beck ist sehr interessant.


Ich habe teilweise etwas ganz anderes vom Buch erwartet, und war überrascht, wie wenig über den Mount Everest selber berichtet wurde. Doch schlussendlich fand ich einzig und allein Teil 2 sehr enttäuschend, der Rest jedoch zumindest für Bergsteiger- und Outdoor-Fans sehr spannend. Ich vergebe daher 4 Sterne.

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KruemelGizmos avatar

Rezension zu "Für tot erklärt - Meine Rückkehr vom Mount Everest" von Beck Weathers

Rezension zu Für tot erklärt - Meine Rückkehr vom Mount Everest
KruemelGizmovor 3 Jahren

Am 10.5.96 starben 8 Bergsteiger in einem mörderischen Sturm am Mount Everest. Auch Beck Weathers wurde als tot befunden und zurückgelassen. Aber er wachte wieder aus dem Kältekoma und schleppte sich trotz schwerer Erfrierungen ins nächste Lager. 
Beck Weathers hatte das Bergsteigen mit Mitte 30 für sich entdeckt. Er wollte damit seine Depressionen bekämpfen mit dem Preis einer zunehmenden Entfremdung von seiner Frau und seinen Kindern. Seine Frau setzt alle Hebel in Bewegung um ihn nach Hause zu holen. Nach einer langen Genesungszeit beginnt die Auseinandersetzung und Versöhnung mit seiner Familie.

Wer hier erwartet einen ausführlichen Bericht der Ereignisse am 10.5.96 am Mount Everest zu erhalten und seine Rückkehr ins Leben wird sicherlich wie ich enttäuscht werden. Dieser Teil nimmt nur ca. 1/3 des Buches ein, der Rest beschäftigt sich mit Beck Weathers Leben vor allem vor den Ereignissen. Es wird ausführlich erläutert wie das Bergsteigen begann und wie es sich zu einer Obsession entwickelt, neben der so gut wie nichts anderes mehr wirklich Platz hatte. Was ich hier aber als wirklich befremdlich empfand, war das für alle Entscheidungen und Charakterschwächen Becks Depression erhalten musste. So wird eine wirkliche Auseinandersetzung sofort unterbunden, vor allem was die Charakterzüge des Herrn Weathers angeht. Dies war mir einfach zu einseitig und zu einfach gestrickt. 

Durch Einlassungen von seiner Frau, Kindern,  Freunde und der restlichen Familie erfährt man wie alle anderen diese über Jahre hinziehende Obsession empfanden und wie sehr sie doch darunter litten, ohne aber Konsequenzen, Gespräche oder Lösungen zu finden. Eine wirkliche Aufarbeitung war für mich zu keiner Zeit in diesem Buch  zu spüren.

Mein Fazit:
Das Buch konnte mich nicht begeistern,  es fing ganz interessant an ließ aber dann stark nach und erzählte etwas ganz anderes als der Klappentext versprach. 

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Devonas avatar

Rezension zu "Für tot erklärt - Meine Rückkehr vom Mount Everest" von Beck Weathers

Viel Autobiografie - wenig Everest
Devonavor 3 Jahren

Ich geb`s ja zu, ich hab so eine Macke. Alle halben Jahre packt er mich, der Everest. Nein, ich will da nicht hoch, ganz im Gegenteil (bin froh, wenn ich es ins Fitness-Studio schaffe und den Gedanken verdränge ich jetzt ganz schnell, weil es da derzeit echt mies aussieht). Aber irgendein Zeitungsartikel bringt mich in Abständen dazu, über den Everest zu lesen, zu grübeln und wieder mal endlich begreifen zu wollen, WARUM wer UNBEDINGT den Gipfel dieses Berges besteigen muss. Höchster Punkt der Welt, ja schon. Nur glaube ich, dass es auf dieser Welt andere Superlative gibt, an denen man sich abarbeiten kann, als in einer Umgebung, in der man gut und gerne sein Leben lassen kann. Nicht umsonst heißt die Zone über 8000 Meter Todeszone. Die Spezies Mensch kann dort nicht wirklich (über)leben. Während in früheren Jahren der bergsteigerische, sportliche Aspekt im Vordergrund stand (z.B. Messner, Habeler), ist der Everest heute mehr denn je Ziel kommerzieller Expeditionen, ein Tourismus-Spektakel für Jedermann in einer mit Müll und steif gefrorenen Leichen gepflasterten Eiswelt, in der nicht einmal mehr der Naturgenuss möglich ist. Menschen hangeln sich mittlerweile auf festen Routen an Seilen wie Lemminge auf den Gipfel, an Engpässen entstehen sogar Staus und nach wie vor kommt nur ein Teil lebend zurück. Dem Facebook-Foto am höchsten Punkt der Welt folgt keine zwei Stunden später der Tod durch Höhenkrankheit nach gerade mal 500 m Abstieg. Und in diesem ewigen Eis bleibt man dann Jahrzehnte liegen, während sich die nächsten Lemminge nach oben hangeln. Einige der Toten wurden so sogar zu Wegmarken, green boots zum Beispiel.

Beck Weathers war Teilnehmer der Katastrophen-Besteigung mehrerer Everest-Expeditionen vom Mai 1996. Erfahrene Bergführer wie Rob Hall und Scott Fischer, sowie viele ihrer Kunden ließen  unter teils dramatischen Umständen ihr Leben. Er gehörte zu einer Gruppe von vier Leuten, die im Schneesturm orientierungslos ausharrte und auf Rettung hoffte. Nur zwei der vier Bergsteiger konnten von anderen Teilnehmern unter Einsatz des eigenen Lebens gerettet werden, Beck Weathers und eine japanische Kletterin mussten zurück gelassen werden. Beide waren noch nicht tot, aber katatonisch. Warum Beck Weathers Stunden später nicht wie die Japanerin erfror, sondern aus seiner Starre erwachte und sich mit letzter Kraft ins Lager zurück schleppte, weiß Niemand, am Wenigsten er selbst. Er verlor “nur” Nase und beide Hände und behielt sein Leben. Er selbst bezeichnet diesen Tag als seine zweite Geburt.

Im Buch geht es weniger um die Erlebnisse am Everest, die nur als Eingangssequenz eher kurz abgehandelt werden, hierzu gibt es umfangreichere Literatur anderer Expeditions-Teilnehmer, u.a. von Jon KrakauerIn eisige Höhen. Das Drama am Mount Everest.“) oder Anatoli Nikolajewitsch Bukrejew (“Der Gipfel. Tragödie am Mount Everest“). Weathers hat sich -anders als die anderen Autoren- Zeit gelassen mit dem Schreiben des Buches, er brauchte Abstand. Es ging nicht mehr um den Berg, sondern vielmehr um die persönliche Aufarbeitung seines bisherigen Lebens, seines ERSTEN Lebens, in dem er sich mehr und mehr von seiner Familie -Frau und zwei Kindern- entfernte, um sich immer exzessiver dem Bergsteigen hinzugeben, welches schlussendlich zu einer Sucht für ihn wurde.

Beck Weathers beschönigt nichts, er bzw. sein Co-Autor lässt im Buch fast sein ganzes soziales Umfeld zu Wort kommen, um zu beschreiben, wie sein Leben unaufhaltsam dem entscheidenden Punkt am Everest zu driftete. Frau, Kinder, Freunde, Verwandte, Nachbarn, Kollegen schildern die Ehe und das Familienleben der Weathers aus ihrer jeweiligen Sicht. Alle, inklusive Beck selbst, sind der Ansicht, dass er ein rastlos Getriebener war, der durch seine exzessiven Hobbys ( das Bergsteigen war nicht das Erste, voran gingen Motorradfahren, Segeln und Amateurfunk) nach Anerkennung durch seine Mitmenschen schrie. Beck hatte seine erste Depression mit nicht einmal 20 Jahren, auf therapeutische Begleitung und Ursachenforschung verzichtete er: mit Mitte 30 stellte er fest, dass nur das Bergsteigen seine Depressionen in Grenzen halten konnte.

Beck Weathers beschreibt, wie er sich nach dem Unglück aktiv veränderte: ein Jahr Frist hatte seine Frau Peach ihm gegeben, die vor seinem Aufbruch zum Everest  entschlossen gewesen war, bei seiner Rückkehr die Scheidung einzureichen. Dieser Weg zu sich selbst war interessant zu lesen, auch Weathers Umgang mit sich selbst bezüglich der tiefgreifenden Folgen (Verlust von Gliedmaßen) des Everest-Trips nötigt Respekt ab, dieser Einschnitt in sein (auch berufliches)Leben erscheint ihm angesichts des Kampfes um den Erhalt seiner Familie von untergeordneter Bedeutung zu sein.

Fazit: Meine Frage, was genau nun Otto Normalverbraucher auf diesen Berg treibt, hat das Buch nicht beantwortet, denn zum einen hat Weathers (trotz der kommerziellen Expedition, der er sich angeschlossen hatte) schon eher einen sportlichen background als Bergsteiger und auch zahlreiche, einschlägige Erfahrungen, zum anderen sind Depressionen als Ursache für dieses Phänomen auch nicht besonders repräsentativ, denke ich. Trotzdem dürfte das Buch interessant sein für Leser, die gerne Biografien nicht ganz alltäglicher Leute lesen oder gerne tiefgreifende menschliche und sehr persönliche Entwicklungen verfolgen.

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