Was bedeuten zwei Sterne für mich? Es gab mehr Dinge, die mir nicht gefallen haben, als Dinge die mir gefallen haben.
Disclaimer: Ich bin keine Gretchen. Jeder darf seine eigene Meinung darüber haben, ob bestimmte Thematiken gut oder schlecht umgesetzt wurden.
Imogen, Obviously ist ein Buch, dass viele wichtige Themen anspricht, aber in der Umsetzung in meinen Augen zu großen Teilen scheitert.
Das Handlungstempo war hier auf der eher schnelleren Seite und an sich bin ich gut durch das Buch gekommen. Mein größtes Problem beim Schreibstil waren die popkulturellen Referenzen. Teilweise hatte ich echt keinen Plan was gemeint war.
Eine wirkliche Handlung konnte ich nicht erkennen. Hier und da wurden zwar einige Handlungspunkte reingestreut, aber ein richtiger roter Faden fehlt hier in meinen Augen.
Die verschiedenen Nebenfiguren wurden sehr schnell aufeinanderfolgend in die Handlung eingebracht, wodurch ich viele immer wieder miteinander verwechselt habe. Auch wirkten die meisten Figuren auf mich sehr blass und ihr einziges Charaktermerkmal schien ihre Queerness zu sein, aber dazu sag ich gleich mehr.
Das Buch konzentrierte sich auf Imogens Selbstfindung und darauf wie sie erkennt, dass sie queer ist. Das ist in meinen Augen sehr gut gelungen. Imogen hat ihr ganzes Leben geglaubt sie sei nur ein heterosexueller Ally, also Unterstützer der queeren community. Doch gerade deswegen zweifelt sie an ihrer Queerness und stellt sich die Frage, ob dieses aufkeimende Gefühl wirklich echt ist oder ob es eine andere Erklärung gibt. Dieses Hinterfragen streckt sich sehr lange. Ich kann mir vorstellen, dass es für einige etwas nervig und repetetiv wirken kann, aber in meinen Augen hat das gut zur Situation gepasst.
Wo ich mich aber doch etwas schwer tue ist die Botschaft des Buches, welche ich eigentlich blind unterschreiben würde. Es gibt nicht die eine Art queer zu sein. Du musst keinem bestimmten Bild entsprechen oder irgendwelche Voraussetzungen abseits deiner Sexualität/Geschlechtsidentität erfüllen. Sprich du musst nicht bestimmte Kleidung tragen oder bestimmte Musik hören um dir deinen Teil in der LGBTQ+ Community zu verdienen. Das sagt das Buch auch...oder?
Jein. Auf der anderen Seite kommt das Buch wirklich zu dieser Konklusion. Auf der anderen Seite versucht das Buch in ALLES Queerness reinzuinterpretieren. Die Figuren und ihre Objekte werden in meinen Augen auf ihre Sexualität reduziert und entsprechen oftmals in irgendeiner Form einem queeren Stereotyp. Dadurch wird die Botschaft in meinen Augen komplett verwässert. Heißt das, dass Figuren, die queeren Stereotypen entsprechen keine Daseinsberechtigung haben? Natürlich nicht. Mir geht es darum, dass das Buch sich eigentlich gegen diese Stereotype stellen möchte, während es diese gleichzeitig immer wieder bestätigt. Natürlich darf man auch Witze über diese Stereotype machen z.B dass bisexuelle Menschen nicht vernünftig sitzen können (schuldig im Sinne der Anklage). Mein Problem ist nur die Häufigkeit, in der das geschieh, wodurch in meinen Augen ein Widerspruch entsteht.
Das ist aber in meinen Augen nicht das einzige wichtige Thema, dem das Buch nicht gerecht wird. Hierbei geht es um "Gatekeeping" innerhalb LGBTQ+ Community. Diese wird durch die Figur von Gretchen dargestellt. Ich mag Gretchen nicht. Für mich ist sie eine Figur, die zu viel Zeit im Internet verbringt und glaubt ihre Meinung, der ich auch nicht zustimme, sei unfehlbar. Aber das Thema wurde in meinen Augen nur sehr oberflächlich behandelt, obwohl es für das Buch doch sehr wichtig ist. Statt sich irgendwie mit der Sicht von Gretchen auseinanderzusetzen, das Problem zu erkennen und vor allem Lösungen zu finden sagt das Buch quasi nur: „Gretchen ist gemein und eingebildet. Sie möchte, dass alle nur nach ihrer Pfeife tanzen und das ist nicht in Ordnung." Obviously! (Wortwitz) Da hätte man deutlich mehr aus dem Thema (und Gretchen an sich) holen können.
Insgesamt habe ich mir einfach deutlich mehr von dem Buch erhofft.


























