Becky Manawatu

 4,4 Sterne bei 37 Bewertungen
Autor*in von Auē und Aue: Becky Manawatu.

Lebenslauf

Becky Manawatu wurde 1982 in Nelson, Neuseeland, geboren und wuchs in Waimangaroa an der Westküste der Südinsel auf. Mit 18 zog sie aus, um ihren Mann, den Profi-Rugby-Spieler und -Trainer Tim Manawatu, nach Italien und Frankfurt zu begleiten, wo das Grundgerüst zu Auē entstand. Das Paar kehrte 2016 nach Nelson zurück, inzwischen lebt die Familie wieder in Waimangaroa, wo Becky Manawatu als Reporterin bei den ›Westport News‹ arbeitet, der kleinsten unabhängigen Tageszeitung Neuseelands.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Becky Manawatu

Cover des Buches Auē (ISBN: 9783520630018)

Auē

(37)
Erschienen am 24.04.2025
Cover des Buches Aue: Becky Manawatu (ISBN: 9781914484674)

Aue: Becky Manawatu

(0)
Erschienen am 11.08.2022

Neue Rezensionen zu Becky Manawatu

Cover des Buches Auē (ISBN: 9783520630018)
F

Rezension zu "Auē" von Becky Manawatu

filipinesbuchclub
Ein Buch über das Aufwachsen in einer zerstörerischen Umgebung

Ein Buch über Verlust, Schuld und das Aufwachsen in einer zerstörerischen Umgebung – intensiv, schmerzhaft und sprachlich meisterhaft.

Taukiri verlässt nach dem Tod der Eltern seinen achtjährigen Bruder Ari und lässt ihn bei der Tante und deren gewalttätigem Mann zurück. Er fürchtet, einen schlechten Einfluss auf ihn auszuüben. Mit Gitarre und Surfbrett reist er auf die Nordinsel und gerät dort in einen Strudel von Ereignissen. Doch Taukiri hört im Meer das „Aue“ – ein Wort, das für Weinen, Stöhnen und Klagen steht – und es plagt ihn ein schlechtes Gewissen.

Ari arrangiert sich so gut es geht bei seiner Tante. Unterstützung findet er in Beth, dem gleichaltrigen Nachbarskind, und ihrem Hund.

In Rückblicken wird nach und nach die Geschichte der Familie erzählt.

Es hat etwas gedauert, bis ich in das Buch hineingefunden habe – zum einen wegen der vielen Māorinamen, zum anderen, weil die verschiedenen Zeitebenen nicht sofort klar waren. Ich war entsetzt über die Grausamkeiten, die hier geschildert werden, und über den exzessiven Drogenkonsum. Eigentlich wollte ich abbrechen, weil mir das zu viel wurde, doch dann nahm die Geschichte an Tiefe und Ruhe zu, sodass sie mich schließlich gefesselt hat. Ich wollte unbedingt wissen, wie sie endet.

Sprachlich ist das Buch brillant – auch dank der hervorragenden Übersetzung von Jana Grohnert. Der Aufbau ist, sobald man ihn durchschaut hat, sehr packend. Das Werk zählt zu den erfolgreichsten und preisgekrönten neuseeländischen Büchern überhaupt.

Der Film Django Unchained spielt darin eine große Rolle – sowohl inhaltlich als auch in der Darstellung der Gewaltszenen. Das muss man mögen.

Alles in allem ein starkes Buch. Allerdings sollte man sowohl häusliche als auch allgemeine Gewalt aushalten können – und bereit sein, eine von Drogenkonsum zerrüttete Gesellschaft literarisch zu ertragen.


Cover des Buches Auē (ISBN: 9783520630018)
Ron_Robert_Rosenbergs avatar

Rezension zu "Auē" von Becky Manawatu

Ron_Robert_Rosenberg
In die Wogen der Menschlichkeit

Eintauchen, abtauchen, tieftauchen. Wer Lust verspürt, in exotische Gefilde abzusteigen, eine fast vergessene Lebensart von Ureinwohnern kennenzulernen und mit dem Coming-of-Age zweier Brüder mit zu fiebern, der ist bei Aué von Becky Manawatu bestens aufgehoben. Der vielschichtige Roman, der im gegenwärtigen Neuseeland spielt, nimmt einen mit auf eine Reise voller Entdeckungen.

Erzählt wird die Geschichte aus Sicht der beiden Brüder und dem Pärchen Jade und Toko. Taukiri, der ältere der beiden Geschwister, folgt seinem eigenen Weg, nachdem die Eltern nicht mehr da sind. Beladen mit Schuld und einem Zipfel Zuversicht will er endlich frei sein. Keine Zwänge mehr, keine Verantwortungen mehr, die er sich nicht selbst aussucht. Sein kleiner, achtjähriger Bruder Ari leidet darunter. Zu gern hätte er gemeinsame Zeit mit Taukiri verbracht. Von nun an muss er sich selbst bei seiner Tante Kat und dem gewalttätigen Onkel Stu zurechtfinden. Zum Glück erfährt er Trost von seiner Freundin Beth und ihrem Vater Tom Aiken, die seine Nachbarn sind. Jeden anderen Schmerz und Kummer versorgt er mit Heftpflastern. In Einschüben wird auch die Geschichte aus der Vergangenheit ausgebreitet. Über Generationen werden menschliche Abgründe geschilderte, denen die Maori ausgesetzt sind. Elend, Verwahrlosung, Drogen, Prostitution, Gewalt und Grausamkeiten, die kaum zu ertragen sind. Inmitten dieser Exzesse: Jade, die versucht, dem Moloch zu entkommen und in Toko die große Liebe findet. Dies ist ein extremer Kontrast zu dem Surferparadies im Heute, welches einem auf vielen Seiten Sonne und Meer verspricht und einem das Gefühl gibt, dass alles irgendwie gut werden könnte. So liegt ein Schatten über diesem Erzählstrang, der nach und nach von dem Schrecken der Vergangenheit überlagert wird. Am Ende gipfelt alles in einem Showdown, der seinesgleichen sucht. Äußerst spannend und versöhnlich. Mehr wird nicht verraten.

Aué, maorisch für einen schmerzhaften Ausdruck, ist ein schillernder Roman, eine hervorragende Recherche über indigene Lebensgewohnheiten, ein intensiver Blick in die neuseeländische Seele und ein Appell an die Zuversicht. Das Buch kann ich jedem empfehlen, der eine warmherzige und grundehrliche Story sucht, der sich auf eine Woge der Menschlichkeit treiben lassen möchte. Eintauchen ausdrücklich erwünscht.

Cover des Buches Auē (ISBN: 9783520630018)
Nosimis avatar

Rezension zu "Auē" von Becky Manawatu

Nosimi
Schmerz, Verlust - und Liebe

"Aue“ ist ein tiefer Schmerz, der sich durch die Familiengeschichte der beiden Brüder Taukiri und Ari zieht, eine blutende Wunde und eine traumatisierte Seele, die geheilt werden will. Denn die Eltern der beiden neuseeländischen Jungen mit maorischen Wurzeln sind bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen, der beinahe auch Taukiri mit in den Tod gerissen hat. Doch nicht nur die Kinder müssen den Verlust verarbeiten, auch die Großeltern der Jungs sind von der Trauer erschlagen, mussten sie doch schonmal einen Sohn – Taukiris leiblichen Vater – beerdigen. Betäubt und verzweifelt können sie sich nicht um Ari kümmern, verfolgt von den eigenen Dämonen ertränkt der Großvater seinen Kummer im Alkohol, die Großmutter in Verbitterung und Kälte. Taukiri bringt seinen kleinen Bruder also zu seiner Tante Kat, deren Liebe und Wärme nicht ausreicht, aus dem kalten Farmhaus ein zu Hause zu machen. Beide Jungen sind auf der Suche nach einer Zukunft, ihrer inneren Stärke und einem Halt im Leben. Auch Taukiris Mutter suchte einst einen sicheren Hafen, nach einem Wechsel der Perspektive erfahren wir auch die Geschichte von Jade, Taukiris leiblicher Mutter, die in einem Ganghaus geboren wurde und dort mit Drogen, Gewalt, Abhängigkeit und Verbrechen aufwuchs und sich daraus zu befreien suchte. Durch die Augen der einzelnen Familienmitglieder – Taukiri, Ari, Jade und später noch Aroha, Aris Mutter – erleben wir die Suche nach Halt, Liebe und einem Zusammenhalt in der schwer traumatisierten Familie.
Während Taukiri mit Gitarre und Surfboard durch die Straßen der Stadt mäandert und von der Schuld, die er sich am Tod seiner Eltern gibt, verfolgt wird und nach seiner leiblichen Mutter Jade zu suchen scheint, kämpft Ari bei seiner Tante Kat mit dem Verlassen worden sein.
Der getriebene Taukiri findet kurzfristig Trost bei der Musik, bei Mädchen und Drogen, der sensible Ari bei seinen Nachbarn, dem Farmer Tom Aiken und seiner toughen Tochter Beth.
Taukiri muss erst fast alles verlieren, bevor er in sich die Kraft findet, seine Zukunft selbst in die Hand zu nehmen, den „Phantomsand“ abzuschütteln und Verantwortung für sich und Ari zu übernehmen.
Ari findet in Beth eine unerschrockene Gefährtin, die ihm seine eigene Stärke zeigt, die ihm dabei hilft, seine Ängste zu bezwingen und an dem schweren Trauma zu arbeiten. Bei einem Angelausflug mit Tom Aiken, Beth und Tante Kat findet er den Mut in sich, sich in eine tapferen Flusskrieger zu verwandeln und sich letztendlich auch dem gewalttätigen Onkel Stu in den Weg zu stellen.
Die Geschichte der Eltern Toko und Jade ist nicht weniger traurig und berührend. Toko, der Maorijunge und Musiker verliebt sich in Jade, das Mädchen aus dem Gang Haus, das nach dem grausamen Mord an ihrer Cousine durch den Anführer des Ganghauses ihre Vergangenheit hinter sich lassen will und mit Toko zusammenleben will. Und obwohl sie Coon nicht gehen lassen will, schaffen Toko und Jade es, sich loszusagen und ein Kind zu bekommen. Doch der kleinen Familie ist kein Glück beschert, Coon zettelt in einer Bar enen Streit an, den Toko nicht überleben wird. Die geschockte Jade lässt die kleinen Taukiri bei Aroha und ihrem Mann zurück und verschwindet.
Aue ist ein forderndes Buch, voller Schmerz, Leid und Gewalt. Die rassistische Ausgrenzung der Familie mit Maoriwurzeln, die eingestreuten Worte und Phrasen aus dem Te Reo Maori, die Perspektivwechsel der Erzählstimme, sind mitunter nicht ganz einfach zu lesen, sowohl sprachlich als auch inhaltlich.
Dafür belohnen die Autorin Becky Manawatu und Übersetzerin Jana Grohnert mit einer Klaviatur an sprachlicher Gestaltung, die sowohl kindliche Gedankenwelten, poetische ätherische Gefühle einer toten Mutter mit der Härte der Realität einer misshandelten, abhängigen Frau kombiniert und das ist unglaublich beeindruckend. Taukiris Verlorensein als Fast-Erwachsener in der Welt, in der er mit Verantwortung und seinem Schuldkomplex kämpft neben Aris Passagen, der als sensibles Kind jeden Schmerz mit einem Pflaster heilen möchte bis hin zur brutalen Gewalt und Totschlagszenen, die Jades Leben beherrschen, jeder Protagonist hat nicht nur seine eigene Perspektive und differenzierten Charakter, sondern auch seine eigene Tonalität. Becky Manawatu, selbst Maori, erzählt von dem Rassismus und der Anfeindung, denen sich Angehörige der Maori auch heute noch ausgesetzt sehen, von der Perspektivlosigkeit und dem Drogenmissbrauch, aber auch von ihrer Sprache, ihrer Spiritualität und der Naturverbundenheit, die sich durch den Roman zieht.
Der Roman ist komplex, vielschichtig und spannend, teils schmerzhaft brutal, dann wieder zart und poetisch. Eine Stück große Literatur über eine für mich unbekannte Kultur, weit entfernt von meinem Leben und doch in der Gegenwart und Realität verhaftet, im Guten wie im Schlechten. Wer sich der komplexen Struktur und den harten Themen stellen will, wird mit einer schimmernden Perle belohnt.

Gespräche aus der Community

Ganz ehrlich: Dieses Buch halte ich ganz persönlich für eines der besten, die ich je gelesen habe. Insofern liegt es mir, und uns, sehr am Herzen, und umso mehr möchten wir es unter die Leute bringen, aber sind auch unheimlich gespannt, was andere davon halten. Wir freuen uns also auf Eure Nachrichten!

266 BeiträgeVerlosung beendet
Gutrunds avatar
Letzter Beitrag von  Gutrund

Bisher fällt es mir schwer, klare Sympathien zu verteilen, was vermutlich genau so gewollt ist. Am meisten berührt mich Ari: seine kindliche Stärke, seine Fantasie und die Art, wie er trotz Vernachlässigung, Verlust und Gewalt nicht abstumpft, sondern sich kleine Inseln der Hoffnung bewahrt. Er wirkt verletzlich und gleichzeitig erstaunlich resilient

Bei Onkel Stu krieg ich ehrlich gesagt das Kotzen. Seine Präsenz, sein Verhalten und diese permanente Grenzüberschreitung sind kaum auszuhalten. Er steht für genau die Art von Machtmissbrauch und Gewalt, die sich wie ein dunkler Schatten durch das Buch zieht und jedes Mal, wenn er auftaucht, wird die Atmosphäre noch beklemmender.

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