Bedrich W. Loewenstein

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Kurt Sontheimers Republik

Kurt Sontheimers Republik

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Erschienen am 01.09.2012
Der Fortschrittsglaube

Der Fortschrittsglaube

 (1)
Erschienen am 15.03.2015

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Rezension zu "Der Fortschrittsglaube" von Bedrich W. Loewenstein

Das Buch ist eine anspruchsvolle Kost
WinfriedStanzickvor 3 Jahren




Dieses Buch des tschechischen 1929 geborenen Wissenschaftlers Bedrich Loewenstein über das „europäische Denken zwischen Utopie und Ideologie“ ist ursprünglich 2009 als dessen opus magnum bei Vandenhoeck & Ruprecht erschienen und wird nun bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft in einer zweiten erweiterten und überarbeiteten Auflage einen breiteren Publikum zugänglich gemacht. Es beinhaltet eine Summe seiner lebenslangen Arbeit und bietet eine völlig unkonventionelle Ideengeschichte.

Loewenstein schreibt hier die Geschichte der „europäischen Idee“ des „Fortschrittsglaubens“. Dass es einen realen „Fortschritt“ gibt, auch jenseits des rein Wissenschaftlich-Technischen, steht für Loewenstein nicht infrage. Er selbst schließt nicht aus, dass in seiner Vorstellungswelt „Überbleibsel marxistischer Denkweise“ nachwirken, doch weist er völlig zu Recht kurzschlüssige Verbindungen zwischen Biographie und Denken zurück. Im Zentrum des Buches steht die Deutung von Texten wichtiger Weichensteller in der Ideengeschichte. Diese Deutungen aber sind eingelassen in eine ebenso knappe wie kompetente Schilderung des gesellschafts- und kulturgeschichtlichen Kontextes. Dass Ideen sich nicht einfach „verwirklichen“, ist für Loewenstein selbstverständlich, er erfasst ihre Umformungen und immanenten Widersprüche, ihre institutionellen Stützen und Gegner, die Mit- und Gegendenker. Die Herausbildung des Humanismus etwa, die Durchsetzung der französischen Aufklärung oder die Entstehung des Ersten Weltkriegs sind in knappe, aber präzise Strukturanalysen der staatlich-gesellschaftlichen und kulturellen Zustände eingelassen.

Das Buch ist eine anspruchsvolle Kost, aber für an Ideen- und Philosophiegeschichte interessierte Leser auch ein richtiges intellektuelles Vergnügen. Am Ende fasst Loewenstein seine Absicht so zusammen:
„Es war uns nicht um melancholische Fluchten in heile Vergangenheiten zu tun, schon gar nicht um Schuldzuweisungen an eine fragwürdige Tradition, die im Namen der Zukunft und eines angemaßten ‚monotheistischen‘ Wahrheitsanspruchs (Assmann) die schöne Göttervielfalt der jeweiligen Gegenwart zerstörte.  Vielleicht gewinnt aber unser praktisches Problemlösen, die Suche nach produktiven Auswegen aus den Sackgassen der heutigen Welt durch die Aufarbeitung der europäischen Zeitzeichen der Wege und Irrwege des Fortschrittsglaubens, ein Stück Tiefenschärfe und Problembewusstsein.“

Ich finde, das ist Bedrich Loewenstein gelungen.

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