Bei Ling

 4.1 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor von Der Freiheit geopfert, Ausgewiesen und weiteren Büchern.

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Der Freiheit geopfert

Der Freiheit geopfert

 (6)
Erschienen am 07.12.2010
Ausgewiesen

Ausgewiesen

 (1)
Erschienen am 12.03.2012
Ausgewiesen: Über China

Ausgewiesen: Über China

 (0)
Erschienen am 12.03.2012

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Rezension zu "Ausgewiesen" von Bei Ling

Der Kampf der Literaten in China
Duffyvor einem Jahr

Die Geschichte des im Westen hoch angesehenen Autors und  Verlegers ist untrennbar mit der Geschichte seiner schreibenden Exil-Kollegen verbunden. Bei Ling erzählt, wie er im Jahr 2000 von den chinesischen Sicherheitsbehörden verhaftet und ausgewiesen wurde, mit welchen Widrigkeiten er im Exil in den USA zu kämpfen hatte und wie er einen unabhängigen Zweig des chinesischen P.E.N.-Clubs gründete. In erster Linie ist das aber die Geschichte der unabhängigen Literaturschaffenden in China, die ständig Repressalien ausgesetzt sind und nicht selten das Schicksal Lings teilen müssen und ins Exil gehen.
Nun gibt es sicher Menschen, die für ihre Überzeugungen härtere und längere Gefängnis- oder Lageraufenthalte auf sich nehmen mussten, aber darum geht es nicht. Es geht um die Freiheit, um das Denken ohne Repressalien, die Unabhängigkeit des Wortes, einfach um die Grundwerte des Menschen, egal, in welchem Land oder unter welchem Regime  er lebt. Dass sich so ein großes Land wie China mit der Demokratie und den Grundrechten schwer tut, ist nicht ganz so überraschend. Machtpolitische Überlegungen gerade in großen Ländern führten schon immer zu rigorosen Regelungen, doch wenn ein Land seine Bürger mit dem MIttel der Erpressung gängelt, dann werden die Menschenrechte mit Füßen getreten. Genau das macht den Kampf von Menschen wie Ling aus, den sie bis zur Erschöpfung und moralischen Schmerzgrenzen führen.
Es ist ein Buch, das Bewunderung für den Autor und Aktivisten Ling hervorruft, denn man benötigt jede Menge Standfestigkeit und Glauben an "höhere" Werte, um den Kampf gegen ein Regime wie China aufzunehmen. Was dann emtional aus diesen Kämpfern wird, lässt sich hier sehr gut nachvollziehen.

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Rezension zu "Der Freiheit geopfert" von Bei Ling

Rezension zu "Der Freiheit geopfert" von Bei Ling
WinfriedStanzickvor 7 Jahren

Zehn Jahre schon lebt der Autor des vorliegenden Buches im Exil, meist in Taiwan. Bei Ling hat mit Lui Xiaobo, dem diesjährigen Träger des Friedensnobelpreises, den er nicht entgegennehmen durfte, weil er im Gefängnis sitzt, über zwanzig Jahre lang sehr eng zusammengearbeitet. Aus diesem Grund ist die Biographie, die er nun über ihn geschrieben hat, lange bevor Lui Xiaobo den Preis erhielt, von sehr intimer Kenntnis und großem Detailreichtum.

Bei Ling zeichnet den Dissidenten als einen radikalen, auch radikal selbstkritischen Intellektuellen. Wenn man in diesem Buch liest, versteht man, warum die chinesische Führung vor diesem aufrechten Mann eine solche Angst hat, dass sie selbst ihre internationalen Beziehungen aufs Spiel setzt, um ihn mundtot zu halten. Doch wie Lui Xiaobo selbst ist auch sein Biograph davon überzeugt, und das scheint auf jeder Seite dieser Biographie durch, dass sich seine Überzeugungen letzten Endes durchsetzen werden in China: „Für kurze Zeit haben sie den Kampf gewonnen, doch auf lange Sicht hat der Nobelpreis der Demokratiebewegung einen enormen Aufschub gegeben.“

Wenn nur die westlichen Ländern aus wirtschaftlichen Interessen nicht wieder klein beigeben.

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Rezension zu "Der Freiheit geopfert" von Bei Ling

Rezension zu "Der Freiheit geopfert" von Bei Ling
philinevor 8 Jahren

Ich wollte herausfinden, wer dieser chinesische Nobelpreisträger ist und suchte nach Texten von ihm. Da stieß ich auf die Biographie, geschrieben Freundes Bei Ling. Es ist auch das einzige deutsche Buch über ihn. Seine eigenen Texte gibt es bis jetzt nur sehr teuer im Internet, in Japan oder Taiwan.

China ist ein Land, in dem sehr viel schief läuft: Polizeigewalt, Hausarreste, Arbeitslager ohne gerichtlichen Beschluss, seit Jahrzehnten keine demokratischen Erfahrungen, Gewaltmonopol, Willkür, Korruption, Strafen für freie Meinungsäußerung (Verbote von kontrarevolutionären Publikationen (von Zeitungen bis Fernsehen, Verfolgung der Verantwortlichen), Überwachung, Militärgewalt gegen Aufständische, Folter, Erschießungen, Nichteinhaltung der eigenen Verfassung, fehlende Transparenz,… stehen teilweise an der Tagesordnung.

Das Buch ist recht chronologisch aufgebaut. Es beginnt mit Liu Xiaobo als Student, der also solcher die chinesische Literatur kritisiert, da sie politisch beeinflusst sei und sich nicht weiterentwickle. Viele Studenten hörten ihm zu oder beteiligten sich und so begann er, der Regierung ein Dorn im Auge zu sein.
Berühmt ist Xiaobo für seinen wesentlichen Beitrag zum friedlichen Abzug der Protestierenden vom Tian’anmen Platz 1989: Hunderttausende Studenten und Professoren belagerten den Platz des Himmlischen Friedens und führten gemeinsam einen Hungerstreik durch, mit der Forderung nach Menschenrechten und Demokratie in China.
Schließlich drohte die Regierung mit dem gewaltvollen Einsatz des Militärs, wenn das nicht sofort aufhören würde. Liu Xiaobo und weitere „Drahtzieher“ führten Gespräche mit den Regierungsbeauftragten, hielten Reden an die Streikenden und konnten sie von einem sofortigen Abzug überzeugen (der nach demokratischer Abstimmung beschlossen wurde!). Es ist in letzter Sekunde gelungen und somit wurde niemand verletzt oder getötet.

Liu Xiaobo kam schon mehrmals in Gefängnis. Dass er den Abzug vom Tian’anmen Platz organisiert hat, wurde ihm von der Regierung hoch angerechnet. Weil er ein Geständnis ablegte (was er aber im Nachhinein stark bereut), wurde er bevorzugt behandelt.
Schockierend ist, dass Xiaobos Frau nicht einmal seinen Aufenthaltsort während der Gefangennahme erfahren durfte.

Der Autor Bei Ling war lange im Ausland (in den USA), hat sich dort literarisch engagiert, Autoren auf China aufmerksam gemacht und blieb nah am Geschehen. Eine Rückreise nach China hätte (und hat) für ihn als Dissident Überwachung, Verfolgung und Gefangennahme bedeutet.
Er gründete schließlich mit der Unterstützung von Liu Xiaobo in China den PEN-Club für Schriftsteller, der international anerkannt wurde.

Im Jahr 2008 verfassten und unterschrieben Liu Xiaobo und 300 Intellektuelle Chinas die „Charta 08“ (in Anlehnung an die tschechische Charta 77). Sie sollte am 10. Dezember veröffentlicht werden – ein weiterer starker Schlag für die Regierung.
Wegen der ständigen Beobachtung durch die Staatssicherheit wurde Xiaobo jedoch in der Nacht von 8. auf 9. verhaftet. Daraufhin stellten andere die Charta 08 schnell ins Internet. Sie sammelten weitere 10000 Unterschriften aus vielen Ländern der Welt, auch aus Deutschland.

Auszüge aus der Charta 08:
1. Änderung der Verfassung
2. Gewaltenteilung
3. Verfassungsgemäße Verankerung der Demokratie
4. Unabhängigkeit der Justiz
6. Garantie der Menschenrechte
7. […] Wahlen
10. Versammlungsfreiheit
11. Freiheit der Meinungsäußerung
12. Recht auf Bildung

Ein Satz, der sehr viel aussagt (s. 137): „Wir haben lieber zehn verschiedene Engel, die einander kontrollieren, als einen allmächtigen Engel.“

2010 wurde Liu Xiaobo zu 11 Jahren Haft verurteilt und konnte somit den im verliehenen Friedensnobelpreis nicht entgegennehmen. Der Grund: „Volksverhetzung zum Umsturz der Staatsgewalt“. Auch seine Frau, die selber politisch nicht aktiv ist, durfte nicht nach Oslo fahren.
Liu Xiaobo hält sich fest an der Liebe zu seiner Frau Liu Xia.

Der Preis gilt nicht nur ihm, sondern allen, die sich friedlich für ein demokratisches China mit Menschenrechten eingesetzt haben und einsetzen, vor allem jenen, die 1989 am Tian’anmen Platz dabei waren und auch deren mitleidenden Familien.

Traurig ist, dass der politische Druck aus dem Ausland kontinuierlich nachlässt, weil sich die Länder Anteile an Chinas wirtschaftlichem Fortschritt versprechen.

Wenn man dieses Buch liest, bekommt man einen sehr tiefen Einblick in die politische Situation Chinas. Es wird klar, wie wichtig Menschenrechte sind und warum man sie jederzeit wertschätzen, umsetzten und verteidigen sollte. Und es zeigt auch, warum Menschen im Kommunismus unfrei sind und wie viel Demokratie überhaupt bedeutet. Etwas, das man leicht vergisst, wenn es einen so selbstverständlich umgibt…

Bei Ling hat anlässlich der Nobelpreis-Auszeichnung sehr schnell sehr gut recherchiert und ein übersichtliches, aufklärendes, interessantes sowie schockierendes Buch geschrieben, das ein Brücke für uns Leute bildet, die nicht dabei sind.

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