Die 19-jährige Fanny Breedenbek kam nach dem Tod ihrer Eltern aus England nach Hamburg, um hier bei ihrem Onkel aufzuwachsen. Nun ist auch dieser sterbenskrank und bittet seinen Freund Georg von Alvesloh der Vormund seiner Nichte zu werden. Ausgerechnet Alvesloh. Der Mann, dem sie bereits als 13-jährige ihre Liebe gestand und der sie mit seiner Abweisung zutiefst demütigte. Ein Mann um den sich auch noch Gerüchte ranken, dass er in einer Schlacht vor 10 Jahren seinen besten Freund umgebracht haben soll.
Ihr Leben scheint im Chaos zu versinken. Denn Hamburg ist im Jahre 1813 von den Franzosen besetzt. Das Leben in der Stadt gleicht dem in einem engen Käfig. Die Russen sollen den Hamburgern zu Hilfe kommen. Doch Oberst Tettenborn, der die Kosaken anführt, ist eher auf seinen eigenen Geldbeutel und sein Vergnügen bedacht als auf die Befreiung Hamburgs.
An Alvesloh und seinen verbündeten bleibt es letztlich hängen, Hamburgs Schicksal zum Guten zu wenden. Und ihm allein obliegt es, die emanzipierte, wilde und willensstarke Fanny zu zähmen. Denn Fanny setzt alles daran selbst ihren Beitrag zur Befreiung der Stadt zu leisten.
Und die Gefühle, die beide füreinander trotz ihres Altersunterschiedes und ihrer ungünstigen gesellschaftlichen Verbindung zueinander haben, lassen sich nicht in alle Ewigkeit leugnen . . .
Ein sehr gelungenger Roman zwischen Historie und FIktion.
Wobei mein Hauptkritikpunkt ist, dass es sehr hilfreich gewesen wäre am Ende des Buches eine kleine Übersicht zu finden, welche der genannten Personen historisch tatsächlich belegt sind. So musste man sich zur Abrundung der Geschichte selbst durch Google arbeiten.
Die Geschichte an sich hat mir aber, nach anfänglichen Schwierigkeiten hineinzufinden, sehr gut gefallen.
Die Ausgewogenheit zwischen den politischen und kriegerischen Geschehnissen Hamburgs und der persönlichen Schicksale verschiedenster Gesellschaftsschichten ist der Autorin gut gelungen. Die Liebe zwischen Fanny und Georg Alvesloh lässt durchaus lange auf sich warten. Angesichts der Zeit und den herrschenden gesellschaftlichen Zwängen ist dies aber wohl leider eine recht realistische Darstellung der Dinge. Die Leserin der Neuzeit hätte sich noch ein bisschen mehr Feuer für die Liebe, nicht nur für die Freiheit gewünscht. ;-) Die Ansätze waren da, aber Herr von Alvesloh hat sich zu sehr gezügelt.
Während Georg von Alvesloh schnell meine Sympathien hatte, bin ich mit Fannys penetrantem, kindlichen Dickschädel bis zum Schluss nicht so recht warm geworden.
Besonders gut gefallen haben mir dafür zwei der Nebencharaktere. Der kleine Jakob bringt ein bisschen erfrischende Dreistigkeit und Lockerheit in die steife Gesellschaft. Und Alveslohs gute Freundin aus Kindertagen, Polly, die ihren Lebensunterhalt als eine Art Edel-Prostituierte bestreitet, ist ein toller Charakter, der Stärke ausstrahlt, Menschenkenntnis beweist und für die ich trotz ihrer nur kurzen Auftritte eine große Zuneigung entwickelt habe.
Alles in allem ein interessantes Buch, das uns einen Blick in ein kurzes Zeitfenster der Hamburger Geschichte ermöglicht, für das ich mir aber noch einen Hauch mehr fiktive Leidenschaft gewünscht hätte. Deshalb 4 Sterne.






