Ben Fountain

 3.7 Sterne bei 13 Bewertungen

Lebenslauf von Ben Fountain

Ben Fountain wird 1958 in Chapel Hill, North Carolina geboren. Sein Studium an der University of North Carolina at Chapel Hill schließt er 1980 mit einem B.A. in Englischer Literatur ab, anschließend studiert er bis 1983 Jura an der Duke University. In den folgenden Jahren arbeitet er in einer großen Anwaltskanzlei in Dallas, kündigt jedoch 1988, um sich dem Schreiben zu widmen. Seine Werke sind mehrfach ausgezeichnet worden, seine Erzählsammlung „Kurze Begegnungen mit Che Guevara“ erhielt unter anderem den Hemingway Foundation PEN Award, und sein erster Roman „Die irre Heldentour des Billy Lynn“ wurde nicht zuletzt mit dem National Book Critics Circle Award ausgezeichnet. Die Geschichte um den Soldaten Billy Lynn wurde von den Oscar-Preisträgern Simon Beaufoy und Ang Lee verfilmt und 2017 auf die Kinoleinwände gebracht. Ben Fountain lebt heute mit seiner Familie in Dallas, Texas.

Alle Bücher von Ben Fountain

Die irre Heldentour des Billy Lynn

Die irre Heldentour des Billy Lynn

 (9)
Erschienen am 13.01.2017
Kurze Begegnungen mit Che Guevara

Kurze Begegnungen mit Che Guevara

 (3)
Erschienen am 01.05.2015
Billy Lynn's Long Halftime Walk

Billy Lynn's Long Halftime Walk

 (1)
Erschienen am 01.07.2012
Brief Encounters with Che Guevara

Brief Encounters with Che Guevara

 (0)
Erschienen am 16.05.2013

Neue Rezensionen zu Ben Fountain

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smayrhofers avatar

Rezension zu "Die irre Heldentour des Billy Lynn" von Ben Fountain

Eine Geschichte über Helden wider Willen oder: Der andere Krieg an der Heimatfront...
smayrhofervor einem Jahr

Bei einem gefährlichen Einsatz im Irak-Krieg wird das Team Bravo von einem eingebetteten Kamerateam begleitet. Das Video macht in der Heimat Furore und die beteiligten Soldaten zu Helden. Was liegt also näher, diese zu Propagandazwecken zu einer „Victory Tour“ durch die Heimat zu kutschieren? Am letzten Tag dieser Tour – kurz vor der unvermeidlichen Rückkehr in den Irak und den Krieg – sind die „Bravos“ am Thanksgiving Day Ehrengäste bei einem Footballspiel der Dallas Cowboys und erleben allerhand groteske Begegnungen, inklusive Romanze mit einer hübschen Cheerleaderin und Beteiligung an einer merkwürdigen Halbzeitshow…

„Die irre Heldentour des Billy Lynn“ handelt zwar indirekt vom Irak-Krieg, ist aber weder ein Kriegs- noch ein Antikriegs-Buch, er legt im vorliegenden Buch vielmehr den Finger in eine andere Wunde, nämlich der des Kampfes an der Heimatfront. Die Handlung des vorliegenden Buches beschränkt sich vorwiegend auf den letzten Tag der Victory Tour, andere Ereignisse wie die eigentlichen Kriegserlebnisse oder Billys Besuch bei seiner Familie werden in kurzen Rückblenden angeschnitten. Hier erleben die Bravos noch einmal in komprimierter Form die ganze Absurdität besagter Heimatfront. Es zeigt sich, dass die in den Krieg geschickten Soldaten trotz aller Beteuerungen oftmals alleine gelassen werden – von Politikern, die sich in der Vergangenheit selbst vor dem Krieg gedrückt haben; von Wirtschaftsleuten, die auch hier nur auf Profit aus sind; aber auch vom Durchschnittsamerikaner, der zwar „stolz“ auf seine Soldaten ist, aber zu mehr als ein paar Schulterklopfern nicht bereit ist. Auch die Begegnung mit den Profi-Footballern der Dallas Cowboys zeigt, dass letztere überhaupt keine Vorstellung davon haben, was im Krieg passiert oder welche Probleme und Gefühle die Soldaten umtreibt. Letztendlich sind die Bravos also nur willkommene Staffage in einem gut geölten Mechanismus und sind sozusagen zuständig für die Komponente „Menschlichkeit“, auch wenn sie selbst kaum welche erfahren. Und so schafft es der Autor, dass die Bravos dem Leser irgendwie ans Herz wachsen - trotz ihrer teilweise rüden Ausdrucksweise, ihres Benehmens und ihrer Taten.

Sprachlich beginnt die Geschichte etwas holprig, steigert sich aber im Verlauf des Buches zu einer bitterbösen Satire mit unverhohlener, deutlicher Kritik an der amerikanischen Gesellschaft. Der Roman ist aber trotz (oder wegen?) dieses kritischen Untertons äußerst kurzweilig, obwohl sich die Handlung – abgesehen von ein paar Rückblenden – hauptsächlich auf die Ereignisse im Stadion beschränkt. Das Ende ist dann in zwar wie ein „Anti-Klimax“, auf der anderen Seite aber auch logisch und folgerichtig. Mich hat das Buch mit seinem Spagat zwischen unterhaltsamen Gegenwartsroman und kritischer Satire berührt und fasziniert, deswegen gibt’s von mir die volle Punktzahl.

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ralluss avatar

Rezension zu "Die irre Heldentour des Billy Lynn" von Ben Fountain

Armes Amerika
rallusvor 3 Jahren

Billy Lynn ist ein Held. In Amerika reicht es zum Heldentum, ein paar Staatsfeinde platt zu machen. Staatsfeinde sind alle anti-amerikanischen Gesellen, aktuell, das Buch ist von 2012, sind es die Araber. Billy Lynn ist 19 und eigentlich nur zur Army gegangen, weil er das Auto des Freundes seines Schwester demoliert hat. Also entweder Army oder Knast.

In der Army hat er mit seinem Bravo-Team eine feindliche Elitetruppe erledigt. Billy hat davon gar nicht mehr so viel in Erinnerung, nur noch, wie sein Kumpel im Sand verreckte. Zufällig hat ein Fox-Team die Heldentat aufgezeichnet und so ist er jetzt quer durch Amerika mit seinem Team unterwegs.

Die Helden. Die die Amerika vor den bösen Terroristen beschützen. Doch was das für ein Volk ist, das Billy da beschützt, das bekommt er hautnah auf seiner Tour mit. Als erstes erfährt er, dass die heutigen Kriegstreiber sich selbst vor dem Krieg in den 60ern gerettet haben. Bush, Cheney oder Rove hatten nie gedient, nein, ihnen war ihr eigenes junges Leben wichtiger als der Krieg. Albert, der die Filmoptionen erworben hat und jetzt Produzenten für den Film sucht, der von dieser Heldentat gedreht werden soll, hat die richtigen Worte dazu:

"Ich finds nur'n Problem, dass die jetzt alle so auf toughe Haudegen machen, mit ihrem ganzen Das-ziehen-wir-durch-Gewichse, also ehrlich, Himmel noch mal, ein bisschen mehr Demut, Leute.Die sollen einfach mit eurem jungen Leben genauso vorsichtig umgehen wie damals mit ihrem eigenen."

Auf ihrer Tour sind sie in den letzten Tagen in Dallas angekommen und werden auf ein Heimspiel der Dallas Cowboys geschickt. Dort muss Billy den Leuten erzählen wie es zu seinen Heldentaten gekommen ist:

"Im Grunde geht das ganz leicht, er braucht einfach nur zu sagen, was sie hören wollen, dann sind sie glücklich, dann lieben sie ihn, und alle fühlen sich wohl. Manchmal muss er sich ins Gedächtnis rufen, dass daran nicht Unehrenhaftes ist. Er hat niemandem etwas vorgelogen, er übertreibt nicht, und trotzdem hat er oft nach solchen Gesprächen einen schäbigen, fauligen Lügengeschmack im Mund."

Billy lernt das wahre Amerika kennen, das Amerika was nicht mehr zu retten ist, ein Amerika was von fetten Burger-geschwängerten Personen besetzt ist und einer furchtbar langweiligen Gleichförmigkeit. Was hat ihm denn auf seiner Rundreise gefallen:

"Na ja, mit Sicherheit die ganzen Flughäfen. Und die ganzen Malls, könnte er fortfahren, und Stadthallen und Hotelzimmer und Aulen und Festsäle, die im ganzen Land gleich aussehen, so viel gestalterische Homogenität zermatscht einem das Gemüt, sie dient mehr der Wirtschaftlichkeit und Wartungsfreundlichkeit als etwas so Vielfältigem wie dem menschlichen Zartgefühl."

Aber meine Lieblingsstelle im Buch ist die Rede des Besitzers der Dallas Cowboys, der der Army ein Blankoschein ausstellt, warum sie in fremde Länder einfällt und wahllos die Zivilbevölkerung ermordet.

"All denjenigen, die behaupten der Krieg sei ein Fehler, möchte ich eines entgegenhalten. : Wir haben einen der rücksichtslosesten und kriegslüsternsten Tyrannen entmachtet. Einen Mann der kaltblütig Tausende seines eigenen Volkes ermordet hat. Der sich Paläste zum persönlichen Vergnügen hat bauen lassen, während gleichzeitig Schulen verfallen sind und das Gesundheitssystem in seinem Land zusammengebrochen ist. er sich eine der teuersten Armeen der Welt gehalten hat und dafür die Infrastruktur komplett hat verrotten lassen. Der seinen Kumpanen und politischen Verbündeten Reichtümer zugeschanzt und ihnen erlaubt hat für ihren eigenen Profit den Reichtum des Landes abzuschöpfen.......“

Wer ist dieser rücksichtslose Tyrann? Wer jetzt auf Bush tippt hat nicht ganz unrecht, aber es ist Saddam Hussein gemeint.

Ben Fountain hat nicht nur einen wahnwitzigen Roman über den einen Tag in der Heldentour des Billy Lynn geschrieben, leichtfüßig verpackt er auch noch viele Themen in seinem Roman. Dabei ist seine Sprache eine Achterbahn aus irrwitzigen Wortspielen, brachialen Beschreibungen und Dialogen und irre sind in diesem Roman so ziemlich alle - außer Billy.

Außer wenn dieser an eine Cheerleaderin der Dallas Cowboys gerät. Aber mit 19 kann man bei einem hübschen Mädchen auch irre werden.

Ein wahnwitziger und durchgedrehter Höllenritt den uns Ben Fountain hier vorlegt. Auf den Film freue ich mich.

 

 

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Bris avatar

Rezension zu "Kurze Begegnungen mit Che Guevara" von Ben Fountain

Begegnungen mit der Welt
Brivor 4 Jahren

Um dem eigenen Leben eine Richtung zu geben, gehen viele Menschen weit. Weit im Sinne von Entfernung und weit im Sinne von bis über ihre eigenen Grenzen hinaus. Da ist der ehemalige Golfpro, der sich in Myanmar plötzlich in der Rolle des Golflehrers für Militärgrößen wiederfindet oder der Soldat, der seiner Frau nach einem Einsatz in Haiti von Voodoo-Ritualen mit wunderschönen Göttinnen erzählt, denen er weiter huldigen muss. Oder die Amerikanerin, die in Sierra Leone versucht, die Welt ein bisschen besser zu machen. Die Liste, die Ben Fountain in seinen großartigen Erzählungen über Menschen, die sich dorthin begeben, wohin man normalerweise nicht freiwillig geht, erstellt ist natürlich noch länger, doch soll sie hier nicht komplett wiedergegeben werden.

Geschichten, die sich an Orten ereignen, die sich im Ausnahmezustand befinden und zwar so richtig. Korruption, Militärherrschafft, revolutionäre Zustände bilden den Rahmen für Fountains Hauptfiguren. Wie erhält man sich unter solchen Umständen den ungetrübten Blick, den klaren Verstand? Oder ist das gar nicht möglich? Kann man als neutraler Beobachter oder verantwortlicher Angestellter einer sogenannten Nichtregierungsorganisation tatsächlich objektiv bleiben? Offensichtlich nicht. Denn die Menschen, denen man helfen möchte, leiden unter den herrschenden miserablen Lebensumständen, die sie nicht zu verantworten haben.

Um nicht allzu tief in den Strudel zu geraten, gibt es Strategien der Vermeidung, wie zum Beispiel, nicht so genaues Hinterfragen der Ereignisse oder auch der eigenen Taten. Manchmal auch verrücktes Verhalten - im positiven Sinn.

Ben Fountain schöpft in seinen Erzählungen aus dem Vollem. Dadurch entstehen Geschichten, die in sich so vielschichtig sind wie Romane. Romane in Kurzform. Die Atmosphäre, die er dabei erschafft wird, im Klappentext vollkommen zurecht mit der Kunst eines Graham Greene verglichen. Während man von einer Geschichte in die andere gleitet, reist man ebenso leicht mit den Protagonisten durch die Welt. Und das im Gegensatz zu ihnen völlig gefahrlos - aber nicht, ohne belustigt, tief beeindruckt oder auch erschüttert zurück zu bleiben.

Bemerkenswert sind vor allem die Leichtigkeit und der Witz, die in einigen der Erzählungen aufblitzen. Sie mildern bittere Wahrheiten, die dennoch nicht verschwiegen werden ab. Und das ist wahrlich eine Kunst.

Die Titel gebende Erzählung Kurze Begegnungen mit Che Guevara wirkt äußerst authentisch, vielleicht sogar autobiographisch, und zeigt die Verbindung der einzelnen Erzählungen über die Reisen in krisengeschüttelte Gebiete. Immer haben die Geschichten auch mit Obrigkeiten zu tun. Wie man sich mit Ihnen arrangiert, sie (aus)nutzt oder außen vorlässt.

Die letzte Erzählung Fantasie für elf Finger allerdings bildet eine Ausnahme - wie sie zu den anderen Geschichten steht ist mir noch nicht so ganz klar. Eines jedoch ist mehr als glasklar: Was Fountain hier abgeliefert hat, ist nicht nur gut, es ist brillant, umwerfend, zieht einen in eine komplett andere Zeit und lässt so schnell nicht wieder los. Sicherlich auch wegen der durchweg sehr guten Übersetzungsleistung. Alleine diese Geschichte wäre es wert, das Buch zu erstehen, wären die anderen Erzählungen nicht fast ebenso grandios.

Eigentlich bleibt hier nur eines: Ab in die Buchhandlung und zusammen mit Ben Fountain auf Weltreise.

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Ben Fountain wurde am 01. Januar 1958 in Chapel Hill (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

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