Benedict Wells Spinner

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Inhaltsangabe zu „Spinner“ von Benedict Wells

»Ich habe keine Angst vor der Zukunft, verstehen Sie? Ich hab nur ein kleines bisschen Angst vor der Gegenwart.« Jesper Lier, 20, weiß nur noch eines: Er muss sein Leben ändern, und zwar radikal. Er erlebt eine turbulente Woche und eine wilde Odyssee durch Berlin. Ein tragikomischer Roman über Freundschaft, das Ringen um seine Träume und über die Angst, wirklich die richtigen Entscheidungen zu treffen.

belanglos - langatmig - deprimierend

— corryszeug

Ein schön chaotischer Roman, der mich vor allem mit seinem Ende überzeugen konnte.

— schokokaramell

Benedict Wells' bislang schwächste Geschichte. Unsympathischer Hauptcharakter, fahrige Handlung.

— 0s0pard0

Chaotische & emotionale Suche nach Orientierung im Prozess des Erwachsenwerdens.

— Niccitrallafitti

Mein erster Wells und definitiv nicht mein letzter. Ich liiiiebe seinen Schreibstil. Und ich vermisse Jesper jetzt schon. 4.5 Sterne. :)

— Ywikiwi

Ein tolles, kurzweiliges Buch. Benedict Wells hat mich wieder begeistert.

— Melli274

Kommt zwar nicht an das Meisterwerk "Vom Ende der Einsamkeit" heran, aber trotzdem echt gut. Hoffentlich schreibt Wells noch viele Bücher!

— TanyBee

Tolles Buch, sehr schön geschrieben! Habe mir mehrere Zitate rausgeschrieben.

— HannaBuecherwurm

So schwierig kann das Erwachsenwerden sein. Ein Buch für mehr Verständnis und Einfühlungsvermögen.

— hexhex

Viele tolle Zitate, zum Ende hin wird's aber etwas zäh.

— MrsAmy

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    Spinner

    ahukader

    13. June 2017 um 13:47

    Alle hatten Angst vor Lücken in ihrem Lebenslauf. Aber niemand schien Angst davor zu haben, seine Träume zu verraten.   Jesper Lier ist 20 Jahre alt und ist vor genau einem Jahr von München nach Berlin gezogen. Zu seinem kaum vorhandenen Freundeskreis gehört der schwule Gustav, der an einer Filmhochschule studieren möchte und sein Jugendfreund Frank, den er mit Hilfe von Gustav von seiner schrägen Familie entführt hat. Jesper absolviert ein Praktikum beim Berliner Merkur und ist offensichtlich mit nichts zufrieden. Gut gelaunte Menschen regen ihn auf. Er hasst alles, was es überhaupt gibt. Nebenbei versucht er sein Buch „Der Leidensgenosse“, welches über 1000 Seiten hat an einen Verlag abzugeben, der das Buch auch noch druckt.  Dieser Traum scheint hoffnungslos, da er das Buch im besoffenen Zustand und unter Drogen nachts zusammenschreibt. Der Tod seines Vaters hat ihn sichtlich mitgenommen. Er erwähnt immer wieder, dass sein Vater ihn in Stich gelassen hat. Das Buch „Spinner“ beginnt am Bahnhof in Berlin. Jesper hat seine Koffer gepackt um nach München zu fahren, da er seiner Mutter helfen möchte, die Wohnung zu räumen. Sie kann sie sich nach dem Tod seines Vaters nicht mehr leisten. Er schafft es nicht in diesen Zug einzusteigen und fährt wieder in seine Wohnung in Berlin, welches immer noch das Namensschild des Vormieters an der Klingel hat. Sogar das hat er nicht geändert. Seine Nummer hat kaum jemand. Die Mutter ruft er von einer Telefonzelle an und kann dann behaupten, dass das Geld ausgegangen ist und dass er auflegen muss. Wir begleiten Jesper durch eine komplette Woche in Berlin. Er ist depressiv. Hat immer wieder mal Abstürze. Isst kaum etwas und lügt sich selbst und alle in seiner Umgebung an. Somit erfindet er gegenüber seiner Mutter sogar eine fiktive Freundin Sandra, die er auf jeden Fall mal mit nach München bringen wird. Immer wieder tauchen seine Charaktere aus seinem Buch auf und bescheren ihm unglückliche Vorfälle. Er lebt zwischen Fiktion und Realem. An manchen Stellen im Buch ist der Übergang zu seinen Halluzinationen so gut dargestellt, dass man als Leser kurz überlegen muss, ob das nun zu Jespers Leben gehört, oder ob die Personen aus „Der Leidensgenosse“ wieder mal auferstanden sind. Gegen Ende des Buches hat Jesper einen Zusammenbruch, welches dazu führt, dass er in ein Krankenhaus kommt. Dieser Zusammenbruch führt dazu, dass er sich über seine Lebensweise Gedanken macht. Genauso wird er sich darüber klar, dass er in dem letzten Jahr in Berlin nichts erreicht hat. Wenn ich schlecht drauf war, tauchten auf einmal von irgendwoher so scheißfröhliche Menschen auf.   Fazit: Ein sehr interessantes Buch über die Angst vor dem Erwachsen werden. Jeder der sein Abitur gemacht hat, steht vor der gleichen Situation wie Jesper. Was studieren? Oder überhaupt studieren? Soll ich mich in eine von der Gesellschaft vorgekaute Kategorie hinein quetschen lassen, oder doch meinem Traum hinterherlaufen und am Ende eventuell eine Niederlage erleiden? Danke Diogenes für das schöne Buch.

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  • Spinner von Benedict Wells

    Spinner

    Minoo

    26. May 2017 um 20:38

    „Spinner“ war mein erster Roman des Autors Benedict Wells und dessen Debüt, das er im Alter von neunzehn Jahren schrieb. Protagonist ist der 20-jährige Jesper Lier, der nach dem Abitur von München nach Berlin zieht um seinen Roman, ein Meisterwerk wie er selbst immer wieder behauptet, zu beenden. Während des Schreibens verliert er sich selbst. Hatte er sich überhaupt je gefunden? Jespers Roman umfasst weit mehr als tausend Seiten. Verteilt ist dieser in der ganzen Wohnung, denn Jesper genießt den Eindruck, den sein Werk in seiner kleinen Wohnung vermittelt. Den Eindruck, dass hier ein Genie, ein kleiner Dostojewski, lebt. Umso weiter der Leser in den Roman abtaucht, umso mehr wird ihm bewusst wie verloren Jesper ist. Wir begleiten Jesper durch verschiedene Momente, in welchen er über sich und sein Leben nachdenkt, sich selbst beschimpft oder auch gegenüber seinen Freunden völlig ausrastet. Jesper hat jegliche Orientierung verloren. Durch Alkohol und Lügen hält er sich immerhin gerade so auf den Beinen. Er hat Träume. Vor nichts hat er mehr Angst, als davor zu scheitern und zu enden, wie alle anderen. „Ich wachte mit einem Gefühl von kalter Angst auf. Sah mich in einem Studienfach, das ich hasste, in einem Büro, das mich einengte, in einem Beruf, der mich auffraß und mir egal war. Sah, wie ich mir abends ein Fertiggericht zubereitete und mich und meine gescheiterte Existenz verurteilte.“ (S. 223) Der Schreibstil des Autors ist einfach zu lesen und sehr authentisch, wohl auch, weil Benedict Wells in Jespers Alter war, als er den Roman schreib. Das Buch ist sehr melancholisch und vermittelt die Gefühle, wie sie wohl viele junge Erwachsene in Jespers Alter kennen dürften: Orientierungslosigkeit, Druck der Gesellschaft (und der eigene Druck), das „mehr wollen“, Angst. Dadurch wirkt der Roman sehr authentisch und glaubwürdig und geht umso tiefer. Doch auch witzige Stellen gibt es in diesem Roman zu Genüge. Hierfür fällt es mir immer schwer Beispiele zu nennen, da Zitate, aus dem Zusammenhang gerissen, deutlich weniger komisch wirken. Dennoch eine kleine Kostprobe. Auf der langweiligen Geburtstagsparty seiner Tante, beobachtet Jesper, wie sein Freund Gustav es wieder einmal schafft alle Leute um sich herum zu unterhalten und für sich zu gewinnen. „Normalerweise hätte ich mich abgewendet und wäre gegangen, aber der Alkohol im Blut flüsterte mir zu, dass auch ich etwas Wichtiges sagen sollte. Die anderen unterhielten sich gerade über ein Kaninchen, das eine Tochter als Haustier bekommen hatte, als ich laut dazwischenredete: „Wir hatten auch mal ein Haustier, eine Katze namens Whiskey, aber die hat sich umgebracht!“, sagte ich.“ (S. 44) Doch hinter Jesper steckt viel mehr, als ein Lügner und selbst überschätzter Schriftsteller. Er leidet unter dem Tod seines Vaters und darunter, sich selbst viel zu schlecht einzuschätzen. Auch wenn er sich gerne als den großen Künstler darstellt, merkt man beim Lesen schnell, dass er von sich selbst viel weniger überzeugt ist, als er immer behauptet.Das Thema des Buches ist das jung sein. Wie geht es nach der Schule weiter? Wie fühlt man sich, wenn man das erste Mal selbst entscheiden muss und einem so unglaublich viele Wege offen stehen? Wie soll man sich bei solch wichtigen Entscheidungen überhaupt entscheiden? Und wie schafft man es, dennoch seine Träume zu verwirklichen? Zugleich wird der Druck, der auf jungen Menschen dieses Alters lastet thematisiert. Nicht alle schaffen es, sich im Alter von 18 Jahren (oder auch 20, 25, …) richtig zu entscheiden und einen geraden, perfekten Weg einzuschlagen.Lang ist es noch nicht her, dass ich selbst 20 Jahre alt war. Und in diesem Alter war ich Jesper gar nicht so unähnlich. Selbst heute, kann ich noch einige Parallelen erkennen und mich gut in den Protagonisten hineinversetzen. Dementsprechend berührt war ich von diesem Buch. Durch den lockeren Schreibstil und die spannende Handlung (die übrigens deutlich überraschender und abwechslungsreicher, als man zunächst vermuten mag) las ich „Spinner“ innerhalb eines Tages. Beim Zuschlagen eines Buches, kann man meist einschätzen, ob es sich dabei um ein Buch handelte, das im Gedächtnis bleibt oder das man recht schnell wieder vergisst. An „Spinner“ werde ich mich sicher noch lange zurück erinnern, insbesondere an die unten zitierten Textstellen (und noch ein paar mehr).Fazit: „Spinner“ ist ein Buch, das vor allem für junge Leute in Jespers Situation geschrieben ist, weshalb ich mir gut vorstellen kann, dass Leser außerhalb dieser Zielgruppe mit dem Buch nicht viel anfangen können. Mir jedoch hat es enorm gut gefallen, weshalb ich es sicherlich das ein oder andere Mal verschenken werde. „Gustav hatte natürlich Recht. Und mir war auch klar, dass die Leute jemanden wie mich für einen Spinner hielten, weil ich noch immer an meine Träume glaube.“ (S. 18)„Alle hatten Angst vor Lücken in ihrem Lebenslauf. Aber niemand schien Angst davor zu haben, seine Träume zu verraten.“ (S. 99)„Ich hätte mir so sehr gewünscht, dass es mir scheißegal wäre, aber insgeheim interessierte es mich sogar wahnsinnig, was andere von mir hielten.“ (S. 100)„Ich hatte den Tod ohnehin nicht verdient, ich konnte ihn doch gar nicht bezahlen, denn er kostete das Leben, und davon hatte ich noch viel zu wenig.“ (S. 128) „Es ist der Fluch der Jugend, dass man glaubt, ständig zu leiden. Doch wenn diese Zeit vorbei ist, stellt man verwundert fest, dass man sie geliebt hat. Und dass sie nie mehr zurückkommt.“ (S. 315)

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  • Leserunde zu "Spinner" von Benedict Wells

    Spinner

    Jule89

    31. March 2017 um 15:38

    Hallo lieber Leser und Lovlybooker, ACHTUNG: In dieser Leserunde gibt es KEINE Bücher zu gewinnen. Wer also teilnehmen möchte, braucht ein eigenes Buch, egal ob geliehen oder gekauft. Diese Leserunde findet im Rahmen des "Diogenes Buchclub" statt, den ich auf meinem Blog "Jules Leseecke" ins Leben gerufen habe. Der Austausch funktioniert hier jedoch unkomplizierter und schneller. Und ein Einstieg ist schneller und jederzeit möglich. Klappentext: »Ich habe keine Angst vor der Zukunft, verstehen Sie? Ich hab nur ein kleines bisschen Angst vor der Gegenwart.« Jesper Lier, 20, weiß nur noch eines: Er muss sein Leben ändern, und zwar radikal. Er erlebt eine turbulente Woche und eine wilde Odyssee durch Berlin. Ein tragikomischer Roman über Freundschaft, das Ringen um seine Träume und über die Angst, wirklich die richtigen Entscheidungen zu treffen. Alle weiteren Informationen zum Buch findet ihr hier auf der Seite des Diogenes Verlags. Alle Teilnehmer bitte ich Spoiler stets entsprechend zu kennenzeichnen. Funktioniert bei Lovelybooks ja zum Glück recht einfach. ;) Die Leserunde beginnt am 01.04. und endet am 30.04. Ein Einstieg ist jederzeit möglich.PS.: Jeder Mitleser ist herzlich willkommen!

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  • Chaotische & emotionale Suche nach Orientierung im Prozess des Erwachsenwerdens.

    Spinner

    Niccitrallafitti

    27. March 2017 um 23:03

    Ich mag die schlichte Gestaltung der Bücher aus dem Diogenes Verlag sehr gerne, sie besitzen definitiv einen Wiedererkennungswert. Und auch das Cover von Spinner gefiel mir auf Anhieb. Während des Lesens klappte ich gerne mal das Buch zu und ließ mich von dem dargestellten Mann inspirieren, der meiner Meinung nach sehr gut zum Protagonisten passt.Zu Beginn lernte ich den Protagonisten kennen, Jesper Lier, sowie einige Details über ihn und sein Leben, die man scheinbar wissen sollte. Beim Verfassen einer Rezension lese ich übrigens erneut die ersten sowie die letzten Seiten des jeweiligen Buches. Hier fiel mir erneut der literarisch gelungene Rahmen auf, der mich jetzt im Nachhinein zum Schmunzeln bringt.Der Schreibstil war angenehm locker, direkt und schonungslos ehrlich. Wells nimmt in seinem facettenreichen Roman kein Blatt vor den Mund, was ich hier sehr passend und wichtig fand. Es erleichterte mir die Identifikation mit Jesper, seinen Gedanken und seiner Lebenssituation. Interessant fand ich insbesondere seine persönliche Entwicklung, die durch äußere Faktoren beeinflusst und mit eigener Kraft seinerseits angetrieben wurde. Zunächst verzweifelt, unfassbar selbstkritisch und deprimiert wirkend, konnte Jesper sich nach und nach seinen Freunden, die ihn auf seinem Weg begleiteten, öffnen und dadurch ehrlich zu sich selbst sein. Im Verlauf der Geschichte stellte er sich seinen inneren Dämonen und traute sich zu, über selbst geschaffenen Grenzen zu springen.„Ich hatte den Tod ohnehin nicht verdient, ich konnte ihn doch gar nicht bezahlen, denn er kostete das Leben, und davon hatte ich noch viel zu wenig.“Ich begleitete Jesper gerne auf seiner chaotischen und ereignisreichen Reise, die geprägt war von Zukunftsängsten, Freundschaft, Liebe, Verzweiflung und Hoffnung. Zwischendurch musste ich schmunzeln, teilweise laut lachen, auch habe ich getrauert. Aber vor allem habe ich mir zahlreiche beeindruckende Zitate markiert. Auch stellte ich mir immer wieder die Frage nach den autobiografischen Anteilen in der Geschichte.Die Nebencharaktere mochte ich in ihrer Diversität sehr gerne. Besonders im Gedächtnis blieben mir sein immerzu ehrlicher und loyaler Freund Gustav und der weise Haller.Spinner ist kein gewöhnliches Buch. Es ist ein Buch, das tiefgehende Emotionen beinhaltete und ebenso auslöste. Es ist ein Buch, das von mir mit einem Seufzer zusammengeklappt wurde, nachdem ich es beendete, und eigentlich am liebsten direkt von vorne begonnen hätte. Ich weiß nicht, wie oft ich zustimmend nickte und dachte, dass es auch mir mal so ergangen ist, vermutlich ebenfalls zahlreichen anderen jungen Erwachsenen auf der Suche nach Orientierung und der eigenen Person, mit allen damit einhergehenden Aspekten. Benedict Wells bezeichnet seinen selbst Roman als „kleine Jugendsünde“, ich bezeichne ihn als kleine Hilfe zur Selbstfindung. Spätestens nach der Lesung zu Vom Ende der Einsamkeit am Messefreitag in Leipzig weiß ich, dass ich jedes Buch von ihm lesen werde. Meinerseits somit eine absolute Leseempfehlung! Vielen Dank an den Diogenes Verlag für das Rezensionsexemplar!

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  • Stil klar, Message anstrengend

    Spinner

    dominona

    19. March 2017 um 18:18

    Mal wieder hat der Autor mich mit seinem Stil gefesselt und das hat ausgereicht um den mir unsympathischen Protagonisten nicht im Stich zu lassen. Immerhin hat er Probleme, die nachvollziehbar sind. Wenn bei einem selbst im Leben nichts so richtig läuft, bei allen anderen aber schon, ist das frustrierend.Mich hat gestört, dass der Protagonist zwischendurch immer wieder den Leser direkt anspricht, was hier meiner Meinung nach nicht gepasst hat. Außerdem hatte ich lange auf eine Art Twist gewartet, der aber nicht kommt. Ich wusste also schon, worauf das ganze hinauslaufen würde. Deshalb fand ich dieses Buch nicht so gut wie seine späteren Sachen.

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  • Beeindruckendes und besonderes Debüt.

    Spinner

    buchmagie88

    08. March 2017 um 21:21

    Jesper Lier ist jung, wohnt in Berlin und schreibt momentan an seinem ersten Roman. Erst einmal ziemlich viele beeindruckende Bezeichnungen, doch in Wahrheit ist Jesper einsam, hat das Gefühl, dass die Stadt ihn erdrückt und taumelt irgendwo zwischen geringem Einkommen und viel zu vielen Selbstzweifeln. Jesper ist klar, dass er sein Leben radikal ändern muss, aber das ist nicht so einfach, wie es zunächst klingen mag. Er erlebt eine turbulente Woche und auf einer wilden Odyssee durch Berlin erkennt er den Wert von Freundschaften, was es bedeutet die richtigen Entscheidungen zu treffen und alte Angewohnheiten abzustreifen, um diesen Leben einen größeren Wert zuzuschreiben.Es ist eine altbekannte Liebe.Es ist, als ob man irgendwo jemanden zufällig anrempelt, ihn ansieht und dann merkt, dass dieser Mann dir schon einmal die Tränen in die Augen getrieben hat, dein Herz zum Rasen brachte, es gebrochen hat, es wieder geheilt hat, um dich dann mit einem verletzten und vollkommen verwirrten Herzen alleine zu lassen.Benedict Wells hat mich im letzten Jahr mit "Vom Ende der Einsamkeit" umgehauen. Es war eines dieser Bücher, die Stellen in deiner Seele berühren, von denen du noch nicht einmal wusstest, dass sie existieren.Und nun ging es weiter mit "Spinner". Benedict Wells erstem Roman. Die Geschichte, mit der alles begann. Und der Geschichte, mit der er sich nicht nur wieder in mein Herz schrieb, sondern mit der er nun zweifellos zu meinen Lieblingsschriftstellern gehört.Dabei ist "Spinner" düster, es ist traurig und melancholisch. Es ist eine Geschichte, von der ich zwischendurch sogar gedacht habe, dass ich sie noch nicht einmal jedem weiter empfehlen würde, obwohl ich sie auf jeder Seite gefeiert habe. Ich glaube sogar, dass sich nicht jeder mit Jesper, dem Protagonisten, sofort anfreunden würde. Er ist so jemand, den man heutzutage wohl als Misanthropen bezeichnen würde, mit einem ewig negativem Blick auf die Welt und einem unrealistischen und ständig wechselndem Selbstbild. Gerade im Hinblick auf sein erstes Buch, das er schreibt, wechselt die Meinung zwischen Versagen und exzellenter Selbstüberschätzung fast stündlich. Jesper hat große Probleme im Umgang mit sozialen Kontakten und bloß wenige Freunde. Und trotzdem war er mir von der ersten Seite an sympathisch, ich habe mich sooft in seinen Denkweisen wiedergefunden und vor allem seine schonungslose Ehrlichkeit bewundert. Auch wenn er nicht ehrlich zu sich selbst war, war er es doch im Umgang mit seinen Mitmenschen. Und so wurde "Spinner" zu einem Buch für mich, das ich verflucht habe. Ich habe es verflucht, weil es nur 315 Seiten hatte. Ich wollte jede Seite begierig aufsaugen, aus Angst irgendetwas zu verpassen. Ich wollte nicht, dass es vorbei war, dass die Geschichte endet und ich wieder zurückgelassen werde. Denn das ist es, was ich bei Benedict Wells Büchern noch nie so stark empfunden habe, das Gefühl zurückgelassen zu werden. Du hast das Glück kurz dabei sein zu dürfen, einen Blick über die Schulter der Protagonisten zu werfen, und dann ist es plötzlich, als würde jemand auf einer verlassenen Landstraße halten, um dich an einer Raststätte rauszuwerfen und dir zu sagen, dass du jetzt wieder alleine klar kommen musst.Aber warum habe ich zuerst gedacht, ich würde "Spinner" nicht jedem weiter empfehlen können? Weil ich dachte, es wäre ein Buch hauptsächlich für junge Menschen, die das Gefühl haben, als würde sie das Leben manchmal an eben jener Raststätte aussetzen. Die keinen bestimmten Plan im Leben folgen, die Träume haben und so naiv und hoffnungsvoll an ihnen festhalten, obwohl sie zerbrechlich sind. Obwohl das Leben zerbrechlich ist.Aber im Endeffekt ist "Spinner" für jeden da. Für die Träumer, für die, die den Sinn und die Ordnung im Leben suchen, für diejenigen, die sich gerne an Raststätten aufhalten, um herauszufinden, wer sie als nächstes mitnimmt und was das Leben ihnen sonst noch bieten kann. Aber auch für diejenigen, die vielleicht sogar mit einer gewissen Nostalgie auf Jesper blicken und sich daran erinnern, dass das Leben nicht immer einem strikten Plan folgt. Dass es macht, was es will.Ein unglaublich besonderes und tolles Buch und ein neues Jahreshighlight für mich. 

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  • Sehr anstrengender Protagonist, aber überzeugender Schreibstil

    Spinner

    Lit-Trip

    17. February 2017 um 10:14

    "Ich habe keine Angst vor der Zukunft, verstehen Sie? Ich hab nur ein kleines bisschen Angst vor der Gegenwart." Fast jeder kennt die Situation, an einem Punkt im Leben angelangt zu sein, an dem man nichts mehr zu wissen scheint - weder über sich, noch über das Leben.  Was soll ich tun? Was wird von mir erwartet? Wohin soll ich gehen? Wer bin ich und was möchte ich eigentlich? Diese Fragen bestimmen den Alltag, lassen den Kopf schwirren und den Körper wahllos durch das Leben irren. Jesper Lier, 20, geht es im Moment genauso. Nach seinem Abitur und einigen harten Rückschlägen in seiner Familie flüchtet er aus Sehnsucht nach Freiheit und Entfaltung von München nach Berlin. Er möchte mit seinem Buch "Der Leidensgenosse" die Menschheit bewegen und widmet sich voll und ganz dem Schreiben. Dabei verliert er den Boden unter den Füßen und zieht sich immer weiter in sich selbst zurück, verfällt in eine ewige Mir-ist-alles-egal-Stimmung.  Die Geschichte beginnt, eine Woche bevor Jesper zum ersten Mal seit seinem Abitur wieder nach München zurückkehren muss, um seiner Mutter beim Umzug zu helfen. Eine ganze Woche lang begleiten wir Jesper auf seiner Odyssee durch sein heruntergekommenes und wirres Leben. Der moderne, angenehme Schreibstil hat mich im Rausch von einer Seite auf die andere fliegen lassen. Wells hat nicht mit langen Ausschmückungen um den heißen Brei geredet, sodass ich nicht von unpassenden Längen in meinem Lesefluss gestört wurde. Er hat es verstanden, den Kern seiner Geschichte mit nur wenigen, aber dafür geschickt gesetzten Details zu vermitteln.  Aber so sehr mir auch der Schreibstil gefallen hat: der Protagonist konnte mich in keinster Weise überzeugen. Damit möchte ich nicht unbedingt sagen, dass Wells den Charakter schlecht oder gar unauthentisch gestaltet hat, denn solche Menschen wie Jesper soll's ja tatsächlich geben. Aber würde ich Jesper im echten Leben begegnen, wäre ich fast schon angewidert.  Er ist ein nototrischer Lügner, der seine sehr starken Stimmungsschwankungen oft und gerne an seinen Mitmenschen auslässt, dabei förmlich im Selbstmitleid zerfließt und zu allem Übel auch noch dem Reiz von Schlaftabletten verfallen ist. Stellt er in einer Sekunde fest, dass er sich selbst im Weg steht und dass etwas geändert werden muss,sucht er schon in der nächsten Sekunde die Schuld bei anderen. Seine Übellaunigkeit war für mich als Leser unerträglich. Umso nervenaufreibender war es, dass auf Seite 250 noch immer keine Entwicklung seiner Person zu erkennen war. Ganz im Gegenteil: Seine Handlungen wurden immer weniger nachvollziehbar und schwachsinnig - selbst für seine teilweise traurige Situation. Glücklicherweise konnten seine zwei einzigen Freunde mit ihrem Charakter überzeugen. Gustav ist ein Socializer und Partytier während Frank eher schüchtern ist, als Neuberliner aber langsam aus sich herauskommt und im Nachtleben der Großstadt aufblüht.  Das Ende konnte mich leider auch nicht überzeugen. Jesper hat sich meiner Meinung nach bis Seite 250 kaum bis gar nicht weiterentwickelt und alles was danach kam, wirkte auf mich zu abrupt und damit ziemlich unrealistisch.  Insgesamt war das Buch nicht das, was ich erwartet hatte. Ich wollte eine Geschichte über das Gefühl der neueren Generationen, nicht zu wissen wer man ist und was man machen soll. Über Zukunfts- und Verlustängste. Dann aber auch über den Selbstfindungsprozess und die Lösung zum Problem.  Tatsächlich bekam ich zwar eine gute Geschichte, aber auch einen Extremfall, der mit seinen depressiven und selbstsüchtigen Ego definitiv kein Spiegel der jüngeren Generationen ist - zumindest nicht meiner Erfahrung nach.

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  • Ein Buch, das einen versteht, mit einem Protagonisten, der verstanden werden will.

    Spinner

    eileen_richie

    30. January 2017 um 17:14

    Ich habe zu Weihnachten dieses Buch bekommen, das mich aufgrund des Themas sehr interessiert hat. Ich war mir aber nicht sicher, wie es mir gefallen würde. Was ich an dem Buch mochte und was nicht, erfahrt ihr im Folgenden. Spoiler sind enthalten. Schaut gern auch auf meinem Blog vorbei: eileensbuecherblog.wordpress.com Meine Meinung: Wie schon in der Einleitung erwähnt, hat mich das Thema wahnsinnig interessiert. Ich selbst habe letztes Jahr Abitur gemacht und kenne daher diese Phase, in der man keinen Plan hat, was man mit seinem Leben anfangen soll. Deshalb war ich auch so gespannt auf das Buch, ich hatte das Gefühl es könnte 'Leidensgenossen' helfen. Bevor ich aber auf Charaktere und Geschichte genauer eingehen werde, möchte ich an diese Stelle den tollen Schreibstil des Autors erwähnen! Die 315 Seiten lasen sich super flüssig und angenehm leicht. Durch die direkte Anrede des Lesers („Ich weiß nicht, ob mich jemand versteht.“), die hier und da eingestreut wurde, war man einfach in dem Buch drin und wurde zum Nachdenken und Mitdenken angeregt. Das hat mir sehr gut gefallen und hat viel zum Lesegefühl beigetragen. Die Charaktere, die Benedikt erschaffen hat, waren toll. Sie waren nicht die typischen Helden, die fehlerlos sind oder einem bestimmten Klischee entsprechen Sie waren echt. Echte Menschen, wie man sie auch in der echten Welt finden kann. Menschliche Charaktere mit all ihren Abgründen. Mit Jesper hatte ich oft Mitleid, manchmal aber auch nicht. Denn er war an seinem Schicksal auch selbst schuld. Und auch gegenüber seinen Freunden war er ziemlich unfair. Trotzdem mochte ich ihn. Ich konnte seine Unsicherheit nachvollziehen und seine hier und da eingestreuten witzigen Bemerkungen fand ich klasse. Herzlich gelacht habe ich bei dem Bericht, wie seine Katze Whiskey Suizid beging. Gustav war einfach ein guter Mensch, hier und da hatte er seine Fehler, aber ihr war so froh, dass Jesper ihn als Freund hat. Ohne ihn wäre es wohl schon vor Monaten mit ihm zu ende gegangen. Frank war natürlich ein ganz anderer Charakter zwischen dem Depressiven und dem Extremen. Das ewige schüchterne Muttersöhnchen, das sich versteckt. Doch ich mochte ihn umso mehr, als er endlich aus sich rauskam und glücklich wurde. Die Geschichte war auch interessant. Es gab keinen großen Spannungsbogen, aber diesen brauchte dieses Buch auch nicht. Viel kann ich also auch gar nicht dazu sagen. Gut fand ich den Werdegang des „Leidensgenossen“. Dieses Projekt loszulassen hatte eine große Bedeutung. Er ließ damit endlich dieses schreckliche Jahr hinter sich und begründete einen Neuanfang. Aber es brauchte diese Phase wohl einfach in seinem Leben, denn dieses Buch zu schreiben, war wohl die beste Therapie für ihn. Borns Tod tat mir sehr leid für Jesper. Aber ich bin auch froh, dass er diesmal wohl ganz gut mit dem Tod umgehen kann. Die Wahrheit über seinen Vater hat mich schockiert und ich hätte zu gern noch erfahren, was in seinem Abschiedsbrief stand. Was mich am Ende etwas enttäuschte war, dass viele Erlebnisse im Buch offenbar nur Halluzinationen waren. Irgendwie fühlte ich mich veräppelt. Aber eigentlich ist das auch ganz gut so, denn dies waren wirklich keine schönen und sehr beängstigenden Erlebnisse. Alles in allem bin ich von der Entwicklung des Protagonisten überzeugt, sie war wirklich glaubhaft und ich freue mich einfach für Jesper, auch wenn das natürlich erst der Anfang eines langen „Genesungsweges“ ist. Und ich hoffe für ihn, dass es mit Hannah klappt. Und natürlich, dass er zusammen mit Frank eine tolle WG in Gustavs Wohnung gründet. Ich denke das wird ihm gut tun und Berlin hat von ihm auf jeden Fall noch eine Chance verdient. Zitate: „Die Nacht ist keine Zeit. Die Nacht ist ein Ort!“ ~ Gustav, S. 33 „[I]ch konnte [den Tod] doch gar nicht bezahlen, denn er kostete das Leben, und davon hatte ich noch viel zu wenig.“ ~ S. 127/128 „Mir […] stand alles offen, doch ich nutzte es nicht.“ ~ S. 145 „Ich will keine Entscheidungen mehr treffen, ich hab das so satt.“ ~ Jesper, S. 167 „Es ist immer besser, etwas zu bereuen, was man getan hat, als etwas, was man nicht getan hat...“ ~ Born, S. 234 „Wichtig war nur, dass ich mich den Dingen wieder stellte, egal, was aus mir werden würde.“ ~ S. 316 Fazit: Ein interessantes Buch mit „echten“ Charakteren. Flüssig zu lesen und für alle zu empfehlen, die gerade in einer ähnlichen Lebenssituation sind wie der Protagonist. Danke fürs Lesen!!!

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  • In Selbstmitleid suhlend und notorisch lügend

    Spinner

    Janine2610

    23. December 2016 um 01:07

    Die Buchrückseite:»Ich habe keine Angst vor der Zukunft, verstehen Sie? Ich hab nur ein kleines bisschen Angst vor der Gegenwart.«Jesper Lier, 20, weiß nur noch eines: Er muss sein Leben ändern, und zwar radikal. Er erlebt eine turbulente Woche und eine wilde Odyssee durch Berlin.Ein tragikomischer Roman über die Angst, wirklich die richtigen Entscheidungen zu treffen.Meine Meinung:In vorliegendem Roman geht es um den 20-jährigen Jesper Lier, der seit ungefähr zwei Jahren in einer Berliner Kellerwohnung haust. Wir erleben hierin eine Woche seines Lebens mit, die allerdings ganz und gar keine gewöhnliche ist, sondern eine, die sich "gewaschen" hat. Denn es passieren Dinge, also Jesper gerät in Situationen, die entweder sehr beschämend oder unfassbar, richtig traurig, gefährlich, aber irgendwie auch lustig sind. Ja, es passiert in meinen Augen sogar so viel in diesen sieben Tagen, dass es von den aufwühlenden Gefühlen her bestimmt auch für ein ganzes Jahr gereicht hätte.Einer, der an seine Träume glaubtDen Protagonisten Jesper Lier zu beschreiben, fällt mir ziemlich leicht, da der Autor ihm recht eigene Charakterzüge zugeschrieben hat. Erstens fällt mit zunehmender Seitenzahl auf, dass Jesper gerne und viel lügt. Schnell erkennt man auch, dass er ein von Wehmut geplagter Typ mit Komplexen ist, der eine große Portion Unsicherheit (Frauen gegenüber) mit sich herumschleppt. Jesper ist Einzelgänger und beschreibt sich selbst als langweilig und traurig. Er verabscheut Menschen, die mutlos sind, ihre Träume aufgegeben haben und nur mehr dem Geld hinterherjagen; Traum- und Phantasielosigkeit kann und will er nicht akzeptieren.~ Alle hatten Angst vor Lücken in ihrem Lebenslauf. Aber niemand schien Angst davor zu haben, seine Träume zu verraten. ~(S. 99)Jespers Alltag und sein aktuelles Leben wirkten auf mich wirklich sehr deprimierend und negativ. Der Protagonist war auch recht gut darin, gewisse Dinge zu ignorieren und einfach wegzuschauen, wenn es um seine Gesundheit und seinen Körper ging, was ein deutliches Zeichen dafür ist, dass er sich selbst überhaupt nicht wichtig nimmt. Erhärtet wird das durch Situationen, in denen er deutlich sein Selbstmitleid und seinen Selbsthass ausspricht - nein, nicht nur ausspricht, sondern sogar ausschreit, so sehr, dass es sogar mir als Leserin weh getan hat.Und obwohl er den (für mich absolut nachvollziehbaren und wundervollen) Traum hegt, als Autor sein Geld zu verdienen, und mit Der Leidensgenosse, an dem er gut zwei Jahre gearbeitet hat und von dem er vollkommen überzeugt ist, bereits etwas vorzuweisen hat, habe ich für den jungen Mann trotzdem kaum Sympathie aufbringen können. Denn ich empfand Jesper einfach nur als bemitleidenswertes armes Würstchen. Nein, nicht mal liebenswert fand ich ihn, auch nicht zum Ende hin ...~ Wie so viele vor mir hatte ich versucht, in meinem Leben das zu tun, was ich mir am meisten wünschte, und wie so viele vor mir war ich damit gescheitert. ~(S. 268)Ich habe mich, besonders das erste Drittel, gefragt, was mir der Autor mit Jespers kläglichem Dasein eigentlich vermitteln will. Worum genau soll es in dieser Geschichte denn gehen? Worauf soll das Ganze hinauslaufen? Nun, Jespers Leben wird von Ängsten und Niederschlägen eingenommen und es kristallisiert sich nach und nach heraus, dass es um nachhaltige Lebensveränderungen gehen soll, die getroffen und angegangen werden müssen, denn ansonsten droht ihm der vollständige Bachhinuntergang seines Lebens ...Ob und wie Jesper sein Leben endlich in die Hand nimmt, will ich an dieser Stelle nicht vorweg nehmen, aber so viel sei gesagt: das, was in weiterer Folge passiert, hat mich auf alle Fälle wieder etwas versöhnlicher gestimmt, was die Hauptfigur betrifft.~ Doch es gibt Fehler, die notwendig sind. Manchmal muss man ein kleines bisschen sterben, um wieder ein wenig mehr zu leben. ~(S. 314)Jespers Person umgibt soviel Negativität und immer wieder, in den unterschiedlichsten Situationen, hatte ich ein ganz unheilvolles Gefühl, dass ganz bald etwas Schlimmes passieren wird ... Es hängt fast über der gesamten Geschichte dieses Nachdenkliche, ein wenig Depressive und das hat das Buch für mich nicht gerade zum Highlight gemacht. Nichtsdestotrotz kommt der eine oder andere komische Auflockerungs-Satz ebenfalls vor, sodass das Lesen zu einer ziemlich erträglichen Angelegenheit geworden ist.

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    • 2
  • Spinner

    Spinner

    Prinzesschn

    13. November 2016 um 14:54

    »Vor ein paar Jahren hatt eich noch das Gefühl gehab, durchs Leben zu gleiten oder zu schweben, aber das war vorbei. Alles, was mal einfach schien, war plötzlich fremd und schwierig. Als hätte ich das Schweben verlernt. Ich weiß nicht, ob mich jemand versteht.« Der Charakter des zwanzigjährigen Jesper Liers sieht sich der großen Frage konfrontiert, was aus seinem Leben nur werden soll. Was ist es im Moment? Hat alles überhaupt einen Sinn? Wo soll es hingehen? Und komme ich dort überhaupt an? Eine Achterbahn der Gefühle, ein ständiges auf und ab und die Erkenntnis, dass man manchmal erst am Boden gewesen sein muss, um richtig Leben zu können.Der Schreibstil des Buches ist so echt, so ehrlich, ich konnte es kaum aus der Hand legen. So viele schöne und traurige Worte, die mich nicht nur einmal zum Nachdenken brachten. Selbst nach dem Lesen muss ich immer wieder an einzelne Passagen denken, an wundervolle Zitate und natürlich an die Frage "was wird aus mir?"Definitiv nicht mein letztes Buch von Benedict Wells.

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    • 5
  • Selten hat mich ein Buch so berührt

    Spinner

    Das_Leseleben

    21. October 2016 um 17:58

    Und schon wieder ein Wells, ich bin echt süchtig nach seinen Bücher und nerve jeden mit absoluten Leseempfehlungen. Heute möchte ich euch ‚Spinner‘ vorstellen und auch empfehlen. Diesen Roman hat er parallel zu seinen Debütroman ‚Becks letzter Sommer‘ geschrieben. Im September 2016 veröffentliche der Diogenes Verlag eine, vom Autor neu überarbeitete, Ausgabe. Das Buch hat 320 Seiten und ist als Taschenbuch erschienen. Inhalt: Jesper Lier ist mit 20 Jahren nach Berlin gezogen. Gleich nach dem Abitur und dem Wunsch seinen großen Roman zu schreiben. Nach einiger Zeit in der Hauptstadt entwickelt er immer mehr den Wunsch sein Leben auf die Reihe zu bekommen. Im Chaos von Berlin erlebt Jesper eine entscheidende Woche. Wird er es schaffen? Meine Meinung: Ich habe für ‚Spinner‘ wirklich lange gebraucht. Aber nicht weil es so mies war, sondern im Gegenteil es war so gut, dass ich es einfach nicht beenden wollte. Selbst mit seinem Erstling schafft es der Autor einmal mehr mit Jesper Lier einen Protagonisten zu schaffen, der mir ab der ersten Zeile sehr nahe gegangen ist. Jesper, welcher vor seinem eigenen Leben fortläuft, könnte nicht besser in die große, graue, großstädtische Gleichgültigkeit Berlins passen. Dabei ist er nicht wirklich mittendrin, vielmehr ist eher ein Außenseiter, der aber sehr genau seine Umgebung und die Menschen um sich herum beobachtet. Der Außenseiterstandort spiegelt genau Jesper eigenes Leben wieder. Auch alle anderen Figuren spiegeln auf irgendeiner Art und Weise ein Stück Jesper Leben wieder, aber auch das prototypische Leben der Generation Y in der Hauptstadt wieder. Da gibt es Frank, der Kinderfreund von Jesper, der frisch nach Berlin kommt. Er ist ein typischer Berlinneuling, fasziniert von Allem und Jedem. Wie und warum er nach Berlin kommt, müsst ihr natürlich selber lesen. Der zweite Freund ist Gustav, Jesper bester Freund gegenwärtig in Berlin, er ist nicht auf Geld angewiesen. Aus diesem Grund kann er sein Leben einfach so leben wie er will, ob dies wirklich ein Segen ist erfahrt ihr im laufe der Handlung. Gustav symbolisiert alles das, was Jesper vielleicht gerne selber werden würde. Alle Figuren, egal ob direkte Figuren, wie Jesper, Frank oder Gustav, oder alles indirekten Figuren, Personen aus Jesper Vergangenheit, die der Leser nur durch Erinnerungen kennen lernt, sind sehr vielschichtig mit Wendungen und Entwicklungen gespickt. Wer Berlin kennt, der wird bestätigen können, das nichts aus der Luft gegriffen ist. Die Handlung entwickelt sich zu Beginn eher ruhig und nimmt nur sehr langsam an Fahrt auf, dies lässt genug Raum um in Jesper emotionale Gedankenwelt blicken zu dürfen. Unterstützt wird dies durch die Ich-Perspektive in der, der Roman verfasst wurde. Die Geschichte wird im Rahmen einer 7-Tage-Woche erzählt und der Schreibstil ist flüssig.Absolut faszinierend fand, wie angepasst die Sprache an die einzelnen Begebenheiten ist ohne dabei konstruiert zu wirken. Obwohl es sich bei diesem Buch um eine überarbeitete Ausgabe handelt, hat er das Feeling eines Erstlings nicht verloren, da gibt es noch den ein oder anderen Übergang, welcher etwas holprig ist. Dies ist mein einziger Kritikpunkt, der aber nicht weiter für mich ins Gewicht fällt. ‚Spinner‘ ist eine absolute Leseempfehlung, für ein Buch das ein Abbild schafft von einer Generation, die alle Möglichkeiten hat aber oft genug sehr Einsam ist. Selten hat mich ein Roman so emotional berührt.

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  • Angst in Berlin

    Spinner

    AngiF

    17. October 2016 um 12:36

    Der Roman „Spinner“ ist ursprünglich Benedict Wells Erstlingswerk, er schrieb ihn mit 19 Jahren, das jetzt noch einmal in einer neuen Edition vom Diogenes Verlag herausgebracht wurde. Der Autor erzählt darin die Geschichte von dem 20-jährigen Jesper Lier. Jesper hat große Probleme mit sich selbst und seiner Umwelt, er bezeichnet sich selbst gar als Spinner, kurz er hat seinen Weg durch diese Welt noch nicht gefunden und lebt mehr oder weniger von der Unterstützung seiner Familie und vom Schreiben, denn das ist Jespers Traum, er möchte ein Schriftsteller werden. Seine Lebensumstände und ebenso die Großstadt an sich beginnen ihn zu zerfressen, er entwickelt Ängste und lässt sich fallen. Wird er Unterstützung erfahren oder muss sich Jesper allein daran machen, erwachsen zu werden? Kann er den Kampf mit der Welt aufnehmen? Schon in diesem Buch ist Benedict Wells charakteristischer Schreibstil klar erkennbar, er schreibt in schöner, neuer Sprache, die ein wenig poetisch angehaucht ist. Der Autor verwendet ein gutes Tempo, er kann seinen Spannungsbogen das gesamte Buch über aufrecht erhalten. Dies alles trägt dazu bei, dass das Lesen flüssig möglich und angenehm ist. Die Charaktere Benedicts Wells sind tief, authentisch und kommen gut rüber. Die Entwicklung, die sein Protagonist durchlebt ist deutlich erkennbar und der Autor schafft es, dass wir mit Jesper Lier mitfiebern. Von Herzen gerne vergebe ich diesem brillanten Debütroman seine wohlverdienten fünf von fünf möglichen Sternen und empfehle es selbstverständlich weiter. Ich fühle mich bei der Lektüre des Buches wunderbar unterhalten und kann schöne Lesestunden mit ihm und der hervorragenden Geschichte verbringen. Fans des Autoren werden es sowieso lesen und lieben, aber auch Leser, die gerne ihre Nase in Coming of Age Romane stecken, kommen hier voll auf ihre Kosten. http://angisbuecherkiste.blogspot.se/2016/10/spinner-von-benedict-wells.html

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  • Toll!

    Spinner

    Daniel_Allertseder

    24. September 2016 um 13:55

    Meine Meinung   Benedict Wells hat mich mit seinem Buch „Vom Ende der Einsamkeit“ als Leser gewonnen. Sein Schreibstil ist einmalig, seine Geschichten faszinierend – nun habe ich die Neuauflage seines Debuts „Spinner“ gelesen – und war ebenso fasziniert wie überrascht.   Jesper ist ein Nichts. Er ist ein Chaot, kriegt nichts auf die Reihe und schlägt sich mehr oder weniger mit Spenden seiner Familie als mit richtiger Arbeit durchs Leben. Er haust in einem Keller, hat Alkoholprobleme und schwelgt im wabernden Sog seines Leidens. Er selbst bezeichnet sich als „Spinner“ – was er auch ist. Er versuchte mehrmals, zurück nach München zu fahren. Er selbst lebt seit einiger Zeit in Berlin und übt eine eher klägliche Tätigkeit als Möchtegernschriftsteller aus. Doch Berlin als Stadt setzt ihm immer mehr zu, er verliert die Kontrolle über sein Leben, lässt sich Treiben im Selbstmitleid- und Mitleid seiner Freunde und Familie. Benedict Wells nimmt uns mit in Jespers Leben, welches traurig und faszinierend zugleich ist!    Der Schreibstil dieses jungen Künstlers ist wunderbar poetisch, humorvoll und flüssig zu lesen. Durch die wenigen Synonyme und den vielen bildlichen Beschreibungen vereinfacht sich der Lesefluss immens, und der Spaß an der Geschichte geht nie verloren. Das Buch erzählt durchgehend von Jesper’s gegenwärtiger Situation – gepaart mit einigen Vergangenheitsgeschichten und Zukunftsplänen begleiten wir in einem einzigen Handlungsstrang den jungen Chaoten, welcher am Liebsten unter der Erde liegen würde. Beim Lesen selbst habe ich bemerkt, dass Wells ganz und gar nicht mit seinen Protagonisten sachte umgeht: Jesper durchläuft schlimme Phasen, die er alleine nur selten meistern kann. Die Skrupellosigkeit des Autors gegenüber seines Hauptcharakters aber gefiel mir, denn nur so kann eine wahre und spannende Geschichte entstehen: Wenn es immer nur ein Happy End gäbe, hätte die Geschichte nichts, und die Glaubhaftigkeit ginge verloren. Letztendlich aber hat das Buch ein leichtes und schönes Happy End – dennoch aber bleibt das Buch und Jesper’s weiteres Leben offen, was wiederum Raum für eigene Spekulationen übriglässt. Auf jeden Fall war das Debut von Benedict Wells zurecht ein Bestseller, denn eine so spannende, interessante und komplexe Story verlangt einen großen Wissensschatz und eine sorgfältige Herangehensweise am Schreibprozess.   Fazit   Ein Werk, welches zurecht den Titel „Spinner“ trägt. Benedict Wells hat ein atemberaubendes, leichtes und komplexes Werk geschaffen. Eine absolute Empfehlung meinerseits, da die Geschichte sehr gut konstruiert und letztendlich auch klasse umgesetzt wurde! Bitte einen Applaus an den Autor!

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    • 2
  • Eine chaotische Selbstsuche in Berlin

    Spinner

    gudrunheller

    13. September 2016 um 08:51

    Das eigentlich erste Buch von Benedict Wells, das er im Alter von 19 Jahren schrieb und das erst nach "Becks letzter Sommer" veröffentlicht wurde und nun als Neuauflage erschienen ist.Es geht um einen jungen Mann, der versucht, in Berlin nach seinem Abi als Schriftsteller Fuß zu fassen, daran aber scheitert. Er lebt in chaotischen Verhältnissen mit nur wenig Kontakt zur Außenwelt. Nur seine beiden Freunde Gustav und Frank geben ihm Halt. Gegenüber seiner Außenwelt, insbesondere seiner Familie, aber auch sich selbst, hat er eine Lügenwelt aufgebaut, die letztendlich in sich zusammenbricht. Er erkennt, dass seine Flucht in die Isolation und sein Schreiben nichts anderes als eine Flucht vor sich selbst war. Auch wenn dieses Buch noch ein ganzes Stück weit weg von der Klasse seines Werks "Vom Ende der Einsamkeit" entfernt ist, so ist doch auch hier schon sein späterer Stil zu erkennen: Tiefsinnig und hintergründig, hier sogar mit komischen Elementen gemischt. Es macht Spaß es zu lesen, auch und vielleicht gerade weil einem das Lachen manchmal im Hals stecken bleibt.

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  • Spinner

    Spinner

    Bibliomania

    22. May 2016 um 17:17

    In der Tat kann man in diesem Buch von einem großen Spinner reden. Aber auch von einem jungen Mann, auf den plötzlich das Leben eingestürzt ist und ihn damit überfordert.Jesper Lier ist Anfang zwanzig und wohnt in Berlin. Er mag die Stadt und die Einsamkeit. Seit Jahren schreibt er an seinem "großen" Roman "Der Leidensgenosse", der jegliche Geldsorgen, die Jesper nun mal hat, vertreiben soll.Eine Abwechslung von seinem tristen Alltag bietet sein einziger und bester Kumpel in Berlin Gustav von Wertheim. Dieser hält große Stücke auf ihn. Als Jesper jedoch von der ersten Frau erzählt, der er begegnet ist, sieht Gustav eine Katastrophe aufkommen und als auch noch Frank, Jespers eigentlicher bester Freund aus Brandenburg hinzukommt, passiert alles auf einmal...Ein weiterer, toller Benedict Wells, dessen Protagonist mir jedoch ab und an ein wenig auf den Nerv ging und am Ende unendlich Leid tat. Aber Wells Sprache ist einfach phantastisch. So jung und so begabt. Ein Glück, dass ich noch einen Wells zu Hause habe, den ich lesen kann.

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