Benedikt Klein Luthers große Türkenschriften

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Inhaltsangabe zu „Luthers große Türkenschriften“ von Benedikt Klein

Und kenne ich recht meine lieben Deutschen, die vollen Säue, so sollen sie wohl ihrer Weise nach sich wiederum niedersetzen und mit gutem Mut in aller Sicherheit zechen und gut leben […] und denken: ha, der Türke ist nun weg und geflohen. Was wollen wir viel Sorgen und unnütze Kosten drauf wenden? (Martin Luther, Heerpredigt wider den Türken, 1529) In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts sehen sich große Teile des christlichen Europas von osmanischen Invasoren bedroht. Bereits im Jahr 1453 hat sich das islamische Großreich mit der Eroberung Konstantinopels einen mächtigen Vorposten an der Schwelle zum europäischen Festland gesichert. 1522 behaupten die Truppen Süleymans I. ihre Vormachstellung im östlichen Mittelmeerraum und zwingen den Johanniterorden zur Aufgabe von Rhodos. Vier Jahre später erobert das osmanische Heer große Teile Ungarns, 1529 wird schließlich Wien belagert. Die nun nicht mehr nur latente Bedrohung führt in Deutschland zur Massenhysterie und zum Heißlaufen der Druckerpressen. Im politischen Tagesgeschäft geben jetzt polemisch-propagandistische Flugblätter den Ton an. Auch Martin Luther macht sich das neue Medium für seine eigenen Zwecke zunutze. Gemeinsame Feinde bestärken bekanntlich den Zusammenhalt, sie sind wichtig für die kooperative Identität des evangelischen Unternehmens. Doch anstelle des Dialog-Gedankens, der in der interreligiösen Kommunikation der Gegenwart in den Vordergrund gestellt wird, geht es im 16. Jahrhundert um Differenzen, ihre Herausarbeitung und ihre theologischen wie politischen Konsequenzen. Der vorliegende Band vereint erstmals alle drei großen Türkenschriften des Reformators in einer benutzerfreundlich transkribierten Ausgabe der jeweiligen Erstdrucke. Vor allem in diesen Texten Luthers spiegeln sich die zeitgenössischen Differenz-Diskurse und protokollieren gut, wie eng bereits zu Beginn des Druckzeitalters politische wie religiöse Agitation miteinander verbunden sind. Sie zeigen weiterhin, dass Kriege immer auch rhetorisch geführt werden und letztlich ein Kampf über Deutungshoheiten und vermeintliche Wahrheiten sind, dass es Kämpfe um die Hegemonie der (Drucker-)Presse, d. h. medialen Vorherrschaft sind und dass auch die Konflikte der Gegenwart als historisch gewachsen verstanden werden müssen.

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