Zwar lassen sich die Reaktionen auf und die Folgen der Arbeitslosigkeit durchaus auch in Linien und Kategorien aufzeigen. Nicht jeder Fall ist völlig unterschiedlich von jedem anderen Fall. Dennoch aber, so das Ergebnis dieser Studie von Bernard Rogge, stellt sich die Umgangsweise mit einer Arbeitslosigkeit und die Folgen derselben fĂŒr den Einzelnen Betroffenen in differenzierter Weise dar. Verallgemeinerungen in Form allzu grober Klassifizierungen treffen die RealitĂ€t nicht.
Dies ist das Ergebnis, dass Rogge im Buch im Ăbrigen nicht aus abstrakten Ăberlegungen heraus generiert, sondern handfest aus der Praxis heraus, dem konkreten Befinden und den konkreten biographischen Daten von knapp 60 Personen heraus entwickelt.
Diese Sichtung und Ergebnisse der Fallbeispiele liegen seiner Reflektion und seiner âTheorie der biographischen IdentitĂ€tsmodiâ zu Grunde.
Was genau kann bei einem âStatuswechselâ geschehen? Folgt ErnĂŒchterung und Resignation, Angst und Sorge oder werden konstruktive KrĂ€fte freigesetzt, dem eigenen Leben eine neue Richtung und neuen Sinn zu geben? Ist der Verlust einer konkreten Arbeitsstelle der Beginn fĂŒr einen Abstieg ins âBodenloseâ oder eine Befreiung aus lĂ€hmenden Strukturen?
Alles trifft zu, soweit das Ergebnis der Auswertung Fallbeispiele. Je nachdem, welche konkrete Persönlichkeit in welchen konkreten UmstÀnden ihre Arbeit erlebt und unter welchen konkreten Entwicklungen dieser verlustig ging.
In den KernstĂŒcken der Studie, âUmstellung des Selbstâ (Statuswechsel als episodische, aber vertraute BeeintrĂ€chtigung des Selbst), âVerfall des Selbstâ (Erleben als schicksalhafte Katastrophe), âTransformation des Selbstâ (Arbeitslosigkeit als Bestandteil eines guten Lebens), Kampf um das Selbstâ (Arbeitslosigkeit als Drama mit ungewissem Ausgang), âBefreiung des Selbstâ (Arbeitslosigkeit als vorĂŒbergehende, aber erwĂŒnschte Freistellung) und deren ĂberprĂŒfung im Blick auf soziale Ungleichheiten, Kontexte des IdentitĂ€tsprozesses und der zeitlichen Dynamik dieses Prozesses, findet Rogge zu einer wesentlich differenzierteren Unterteilung der Reaktion auf und der Folgen von Arbeitslosigkeit.
âIdentitĂ€tsmodiâ, die kontrĂ€re Reaktionen hervorrufen und sich wesentlich deutlicher in sich unterscheiden als die allgemeinen Vorurteile der Arbeitslosigkeit gegenĂŒber vermuten lieĂen. Neben âAngst, Sorge, Abstiegâ oder âEh keine Lust auf nichts mehrâ finden sich erkennbar mehr reale Reaktionsweisen des individuellen Umgangs mit einem âStatuswechselâ.
So ergibt sich in der Verbindung von Arbeitslosigkeit, dem IdentitĂ€tsprozess und der psychischen Gesundheit einer Person eine Situationsbeschreibung, die sich einerseits in Typologien fassen lĂ€sst und andererseits das Betrachtungsfeld deutlich weitet, dies ist die Essenz dieser Studie unter dem âSchlĂŒsselkonzept der qualitativen Datenauswertungâ als Kernmethode.
VerstÀndlich und klar entfaltet Rogge seine Ergebnisse und bietet so einen tatsÀchliche Erweiterung dieses Feldes sozialer Forschung.

