Benjamin Stein Replay

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Inhaltsangabe zu „Replay“ von Benjamin Stein

Als Ed Rosen in der Morgendämmerung erwacht und mit den Zehen wackelt, steht eines fest: Der Huf, der am Fußende aus seinem Bett ragt, ist auf keinen Fall seiner. Wie soll er sich das erklären? Rosen, ein Software-Experte, war Mitentwickler und erster Träger des UniCom, eines Kommunikationsmittels, das als Implantat weit mehr kann als ein Smartphone. Es protokolliert die Sinneswahrnehmungen seines Besitzers und macht das, was wir Realität nennen, in "Replays" unendlich wiederhol- und veränderbar: bei Ed Rosen vor allem eine erotische Verlockung. Und es macht den Träger völlig kontrollierbar.

Beklemmend! Die Idee ist großartig, 1984 aber etwas zu ähnlich. Vielleicht lag es an der Kürze des Buches, fesseln konnte mich Stein nicht.

— Gegen_den_Strom_lesen

Für mich ist "Replay" ein schriftstellerisches und sprachliches Meisterwerk das immer wieder gelesen gehört.

— Nespavanje

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  • Wenn der Traum zum Alptraum wird

    Replay

    dominona

    10. April 2016 um 12:52

    Nichts mehr vergessen, dank der Technik alles Erlebte beliebig oft wieder abspielen können, dafür kann man schonmal seine persönliche Freiheit aufgeben, oder? Dieses Buch ist eine mögliche Zukunftsvision. Wir werden immer durchsichtiger und bekommen dafür Dinge, die wir angeblich so sehr brauchen, Dinge, die unser Leben einfacher machen, aber das stimmt so nicht.Wir riskieren uns selbst in einer endlosen Wiederholung von Erinnerungen zu verlieren und die Realität zu verklären. Das Buch hat mystische und verwirrende Elemente, ist aber ansonsten interessant und nicht schwer zu verstehen.

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  • pansche Verwirrungen

    Replay

    Nespavanje

    15. April 2015 um 17:13

    Als Ed Rosen morgens wach wird, bemerkt er an sich einen Huf. Eigentlich müsste dort ein Fuß sein. Gehört dieser Huf, so wie der Hirtengott Pan welche hat, tatsächlich zu ihm? Irgendwo zwischen Wachen  und Schlafen sinniert er drüber, was dieser Umstand bedeuten könnte. Er schweift ab, denkt an eine erotische Frau, denkt an die Arbeit und denkt wieder an den Huf. Irgendetwas hat er zu Bedeuten. Allerdings ist ihm (noch) nicht bewusst was. Benjamin Stein entblößt mit Replay, die Weite und Tiefe des Inneren seines Protagonisten Ed Rosen. Er lässt den Leser an seinen intimsten Gedanken teilhaben, und dieser Reigen an Einblicken, Erotik, Dominanz, Technologien und gläsernen Menschen, hallte einige Zeit noch in mir nach. Vielleicht auch deswegen, weil sich nach und nach eine dystopische Welt entblättert, die ganz nah an der Gegenwart und eng an technologischen Entwicklungen langführt die wohl oder übel keine Zukunftsmusik mehr sind. Nur häppchenweise erfährt man mehr über diese Welt, die gar nicht so weit entfernt wirkt. Beinahe wäre dieses Werk an mir vorübergegangen und ich bin froh es entdeckt zu haben. Inhaltlich erinnert mich diese Erzählung schon sehr an Dave Eggers "Der Circle", wobei Benjamin Stein mit viel mehr Raffinesse an die Erzählung selbst herangeht. Er belässt den Hauptprotagonisten, während des ganzen Romanes, im Bett. Erzählt werden ausschließlich die abschweifenden Gedanken und dadurch entspinnt sich ein Wirrwarr aus Lügen, Halbwahrheiten und Fantasien. Hier fordert er die gänzliche Aufmerksamkeit des Lesers, um den sprichwörtlichen roten Faden nicht zu verlieren, und das obwohl die Geschichte auffällig ruhig und ohne plötzliche Wendungen und Ereignisse auskommt. Für mich ist "Replay" ein schriftstellerisches und sprachliches Meisterwerk das immer wieder gelesen gehört.

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  • Ein realistischer Blick in die nahe Zukunft - der gläserne Mensch in der Endlosschleife

    Replay

    Tom_Zai

    08. March 2014 um 20:45

    Pan ist ein Thema. Pan, der immer geile Halbmensch mit der unteren Hälfte eines Ziegenbocks. Wie traurig war er und wie wütend als ihn Syrinx nicht haben wollte. Er verwandelte sie in Schilfrohr, nur um danach in seinem Schmerz über ihren Verlust eben das Schilfrohr in Stücke zu schneiden, zu einer Flöte band und eine traurige Weise darauf spielte. Damit war die Panföte erfunden; doch darum geht es nicht hauptsächlich in Benjamin Steins Buch „Replay“. Pan spielt eine Rolle, sowie die Lust und die totale Hingabe zu den Nymphen. Doch das ist „nur“ ein Aspekt. Dahinter steht die spannende Frage „Welchen Preis sind wir bereit zu bezahlen für die totale Vernetzung mit der „Gemeinschaft“, der „Community“? Die Antwort: Wir bezahlen keinen – zumindest keinen, den wir als solchen erkennen. Wir gewinnen doch nur, wir profitieren auf der ganzen Linie. Aber vergessen wir nicht „There ain't no such thing as a free lunch“. Benjamin Steins Vision lässt sämtliche Facebook-Fotoalben, alle Fotobücher, die gesamte Famliensammlung digitaler Filme zu einem vernachlässigbaren Nichts schrumpfen. Er skizziert eine Welt, in der Erinnerungen nicht nur zweidimensional gespeichert werden. Er beschreibt eine Welt der totalen Erinnerung, der totalen Vernetzung. Natürlich erinnert das an „Total Recall“, den Film mit Arnold Schwarzenegger. Es erinnert auch an „1984“ (Benjamin Stein zitiert dieses Buch gelegentlich in seinem Roman). Seine Version erscheint mir allerdings subtiler als alle anderen dystopischen Zukunftsvisionen. Sein Buch erinnert an Kafka, an Hans Bemmanns „Stein und Flöte, und das ist noch nicht alles“ und viele mehr. Es ist ein märchenhaftes Buch, voller Poesie und Erotik über eine sehr wahrscheinliche Zukunft unter dem Diktat der „Social Media“. Die Zeitkritik in „Replay“ wirkt umso glaubwürdiger, weil der Bezug zur digitalen Welt unserer Zeit hergestellt wird. Benjamin Stein veröffentlichte kürzlich auf seinem Blog „Turmsegler“ einen Bericht über das „Project Glass“ von Google. Sein Kommentar: „Das ging wirklich schnell ...“ „Replay“ kann ich nur empfehlen. Ich möchte in meinem Blog keine Punkte oder Sterne verteilen. Ich schreibe hier ohnehin nur über Dinge, die mir wichtig sind. Ich möchte die Leser und Leserinnen meines Blogs ermuntern, sich selber eine Meinung zu bilden. Ausserdem werde ich wohl in naher Zukunft zu den „Anonymen“ gehören, die nicht dauernd mit der Mehrheit der immer und überall identifizierbaren Menge der „Implantierten“ in Kontakt steht. Insofern ist mir nicht zu trauen! Dies beweist vor allem auch, dass ich im Cover bis zuletzt einen Laubfrosch erkannte. Ich muss gestehen, als Video-Quelle taugte ich nichts.

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  • Schöne neue Welt?

    Replay

    HeikeM

    22. April 2013 um 10:31

    Ed Rosen, von Geburt an gehandicapt, sein rechtes Auge kann er nicht bewegen und damit nicht räumlich sehen, ist Wissenschaftler mit Leib und Seele. So verwundert es auch nicht, dass er sich als erster Mensch bereit erklärt, sich anstelle seines kranken Auges ein Implantat (Unicom) einsetzen zu lassen und das ständig um neue Features zu erweitern. Es fiel mir etwas schwer mich in dieses Buch einzulesen. Es wirkte zunächst befremdlich auf mich. Aber je weiter ich las, desto mehr gewöhnte ich mich an Sprache und Stil und meine Neugier wurde geweckt. Der Roman ist in vier Abschnitte untergliedert, zu Beginn eines jeden wacht Ed Rosen auf, um sich sofort wieder in der Vergangenheit zu verlieren. Die Handlung des Buches lebt förmlich von diesen Rückblenden. Nach und nach setzen sich die Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammen und als Leser bekommt man eine Vorstellung von einer Gesellschaft, in der Transparenz mehr als nur Programm ist, sie wird gelebt in voller Bandbreite, der gläserne Mensch ist Realität und der Überwachung kann man auch in intimsten Momenten sicher sein. Bezugnahmen auf die gegenwärtig bekannten social Networks und aktuelle Geschehnisse erhöhen die Authentizität und Eindringlichkeit Buches. Durch den gesamten Roman ziehen sich Anlehnungen an Philosophie und Mythologie. "Replay" ist sehr sachlich geschrieben, Empathie wird dem Leser überlassen. Ich habe interessiert über das Dasein, die Entwicklung und das Umfeld des Ed Rosen gelesen, konnte mit ihm aber nicht unbedingt warm werden. Ungeachtet dessen, fand ich den Roman unterhaltsam. Er regt zum Nachdenken und zum Nachlesen der angeschnitten Themen an. Ob man wirklich alles möchte, was technisch umsetzbar wäre und die Nutzung dessen wirklich ein größeres Glücksgefühl zu Folge hat, muss jeder einzelne für sich entscheiden. Für mich ist dieser Roman keine Utopie, zu vieles von dem, was der Autor thematisiert, wird in absehbarer Zukunft möglich sein bzw. ist es schon jetzt. Auf dieses Buch muss man sich einlassen können. Ich werde mich im Nachhinein noch etwas mit dem von Benjamin Stein in den Roman gebrachten Konstruktivismus befassen, vielleicht genehmige ich mir danach noch einen re-read von "Replay" und muss meine aktuelle Bewertung von 3,5 Sternen noch einmal korrigieren.

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  • Rezension zu "Replay" von Benjamin Stein

    Replay

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    04. July 2012 um 21:27

    Benjamin Stein verfasst mit seinem 178 Seiten Werk eine wirklich utopisch schwere Kost. Der Einstieg ins Buch ist nicht der Leichteste, weiß der Leser doch erst mal gar nicht worum es überhaupt geht. Informieren, treiben und auf sich wirken lassen sind hier die Schlagworte die einem dazu einfallen. Oft sind die kleinen wenig beseiteten Bücher die „gefährlichen“, so oft mal erlebt in der französischen Literatur. Kurz, knapp , prägnant mit hoher Informationsdichte so kann man auch den Stil des Autors beschreiben. Kurze Sätze gehalten im Briefing Stil aufgefrischt mit ein paar Satzsequenzen durchaus längerer Natur. Nur wenige Autoren können dies in der Perfektion wie der Autor, wird doch aufpoliert, gebauscht und drum herum erzählt was die Seiten und damit die Dicke des Buches hergeben. Komisch kommt er schon daher der Roman, mit den bedeutungsschwangeren Wörtern aus der Welt der Wissenschaft, den Schachpartien und auch sonst reichlich intellektuellen Worten und Bedeutungen. Zunächst hat man als Leser wenig Ahnung wohin die Reise gehen soll, bis der Roman an Fahrt aufnimmt und Seite um Seite spannender und unterhaltsamer wird. Man lernt ihn kennen die Hauptfigur, seine Vorlieben, seine Schwächen aber insbesondere auch seine Gedenkweise. Dabei sticht er sich eben wie der Roman an sich aus der Masse der Hauptfiguren ab. Kann man ihn als Leser nicht in eine der vorfertigten – bei jedem Buch parat habenden – Schubladen einsortieren. Das kann Unsicherheit wecken, bei mir war es Neugier. Neugier auf das was dieser Mensch macht und wie es in Beziehung zum Roman, der Geschichte gesetzt wird. Wie verändert das futuristische „Etwas“ das Leben der Hauptfigur, wie verändert Technik und Fortschritt, Vernetzung und Globalisierung überhaupt unser eigenes Leben das waren nur einige Fragen die mir beim Lesen durch den Kopf gingen. Ich finde der Autor hat genau den richtigen Weg gewählt zwischen Information und Kritik. Er unterhält mit dem Roman, er ist zuweilen richtig spannend aber unterschwellig kritisiert er auch was ich angesichts der Thematik auch für notwendig halte. FAZIT: Ein gut durchdachter futuristischer Roman mit einem Körnchen Wahrheit. Der Roman zeigt zudem das die guten Geschichten nicht immer die sind, die in besonders dicken Büchern stecken. Ich finde den Roman wirklich lesenswert und gebe 4 Sterne. 1 Stern Abzug für den hohen Preis als gebundene Ausgabe.

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  • Rezension zu "Replay" von Benjamin Stein

    Replay

    rumble-bee

    03. May 2012 um 21:49

    Es scheint mir unter den Rezensenten eine Tendenz vorzuherrschen, dieses Buch fast allein aufgrund seines Themas zu bejubeln. Doch das greift mir persönlich zu kurz. Sicher, es ist interessant und auch wichtig, sich zu fragen, wie sich die digitale Vernetzung der Menschheit weiterentwickeln könnte und sollte. Mutig war der Autor Benjamin Stein also auf jeden Fall, und auch in sprachlicher Hinsicht recht treffsicher. Dennoch - als Buch "an sich" ist es für mich nicht wirklich ausgereift. Ob es am Autor oder am Lektorat gelegen hat, kann ich nicht beurteilen, aber mir kommt es so vor, als sei die Geschichte auf halbem Weg ihrer Entwicklung, irgendwo zwischen Novelle und Roman, einfach "in den Druck geschickt worden" - obwohl sie noch gar nicht "ausgewachsen" war. Denn ein Roman ist es eigentlich nicht. Es gibt vier Erzählabschnitte, und jeder davon beginnt eigentlich in der Gegenwart, mit dem Aufwachen des Programmierers und Entwicklers Ed Rosen. Doch schon nach drei bis vier Sätzen verliert sich der Ich-Erzähler in Erinnerungen, kommt vom berühmten Hölzchen aufs Stöckchen, beschreibt in immer neu angestoßenen Schnipseln seinen Werdegang - und auch den Werdegang des von ihm erfundenen Produktes, des UniCom. Wie es scheint, findet er nur mit größter Mühe gegen Ende des Buches in die Gegenwart zurück, in den eigentlichen Erzählmoment. Und das Ende kam dann für mich relativ "schwebend" und sinnfrei rüber - das Buch endet irgendwie nicht wirklich, es verliert sich eher. Und genau das hat mich gewurmt. Mag sein, dass genau dieser Eindruck vom Autor beabsichtigt war, um zu zeigen, wie sehr eine Rundum-Vernetzung dem Menschen schaden kann - aber aus erzählerischer Sicht hatte diese Methode in meinen Augen auch Nachteile. Zu vieles blieb für mich offen; ich habe mich wirklich ein wenig geärgert, weil ich z. B. partout nicht verstanden habe, was nun aus der Freundin und der Geliebten geworden ist. Und aus dem Chef! Aber immerhin verleihe ich dem Buch drei Sterne, und das steht bei mir für eine durchaus solide schriftstellerische Leistung. Bewundert habe ich vor allem die Charakterzeichnung des Autors, und seine Fähigkeit, in einer leicht lesbaren Sprache auf viele Tiefgründigkeiten anzuspielen. Man kann mit dem Erzähler Ed Rosen mitfühlen, wie er langsam aber sicher in seiner eigenen, erfundenen Welt abdriftet. Vor allem die Erotik ist hier ein Hauptgrund, und die entsprechenden Szenen sind mit Geschmack und nicht zu derb ausgeführt worden. Allerdings muss ich doch sagen, dass man sich streckenweise sehr an berühmte Vorbilder erinnert fühlt - Schnitzlers "Traumnovelle", verfilmt als "Eyes Wide Shut" von Stanley Kubrick, steht da sicher an erster Stelle. Aber auch Schwarzeneggers "Total Recall" kam mir in den Sinn. Könnte ich Wünsche äußern, würde ich den Autor bitten, dass er das Buch für mich umschreibt - als wirklicher Roman, der sich geradlinig entwickelt, mit deutlich mehr Seiten, und vor allem: nicht nur aus der Rückblende geschildert, hätte mich die Geschichte besser erreicht.

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  • Rezension zu "Replay" von Benjamin Stein

    Replay

    purpurrot

    25. April 2012 um 10:56

    Könnt ihr euren Sinnen trauen? Als Ed Rosen in der Morgendämmerung erwacht und mit den Zehen wackelt, steht eines fest: der Huf, der am Fußende aus seinem Bett ragt, ist auf keinen Fall seiner. Aber da. Wie soll er sich die erklären? Rosen, ein Software-Experte, war Mitentwickler und erster Träger des UniCom, eines Kommunikationsmittels, die als Implantat weit mehr kann als ein Smartphone – es protokolliert die Sinneswahrnehmungen seines Besitzers und macht die, was wir Realität nennen, in „Replays“ unendlich wiederhol- und veränderbar: vor allem eine erotische Verlockung. Und es macht den Träger total kontrollierbar. Rosens Chef Matana und seine Firma treten einen weltweiten Siegeszug mit diesem Gerät an und nur ein paar ewiggestrige Störenfriede mahnen. Bis sich unerwartet Widerstand gegen die digitale Arkadien regt, der vielleicht auch den Huf erklärt? In Benjamin Steins neuem, glänzend geschriebenen und spannenden Roman geht es um Körper und Kontrolle, Erotik, Macht und Geheimnis und die Tyrannei totaler Transparenz. Die Beschreibung des Buches hat mich schon sehr verlockt – einerseits klingt es nach Virtual Reality und Science Fiction, andererseits, angesichts der ganzen neuen technischen Änderungen, irgendwie gar nicht mehr SO fantastisch. Toll fand ich, das der Autor des Öfteren Bezug zu aktuellen und zeitgemäßen Themen – unter anderem Facebook und Mark Zuckerberg – einfließen lässt, welches den Roman wirklich realistisch erscheinen lässt. Prinzipiell geht es um ein neues Gerät, das entwickelt wird, und dessen Prototyp Ed Rosen, der Protagonist, als erster ausprobieren darf. Ed ist auf einem Auge blind und soll durch das “UniCom” wieder sehen und vor allem eine räumliche Wahrnehmung bekommen. Dazu muss er körperlich fit sein, und mausert sich vom typischen “Programmierer” zu einem sportlichen Athleten, hat mehr Erfolg im Leben, lernt seine Freundin kennen – und bekommt das UniCom. Es könnte letztendlich so schön sein, doch mehr und mehr Leute wollen nach dem anfänglichen Erfolg in den Genuss des Gerätes kommen – und vergessen oder missachten die Risiken, die durch diese totale Kontrolle und die Monopolstellung der Herstellerfirma mit einhergehen. Das gebundene Buch ist mit 176 Seiten recht dünn und schnell zu lesen, es fesselt absolut und man kann es kaum mehr aus der Hand legen – zumindest, wenn man sich, wie ich, für solche Themen interessiert. Gerade in Zeiten, in denen jeder zweite Bürger seine Daten völlig freiwillig im Internet preisgibt und sich der Risiken entweder nicht bewusst sind oder ihm diese egal sind, schafft es ein solches Werk vielleicht, ein paar Bedenken zu streuen. Das Modell des “UniCom”, das von der Herstellerfirma immer geortet werden kann, wird bald zum Universal-Gerät und Lebensstandart und die Leute, die freiwillig und aus gutem Grund darauf verzichten, zu Außenseitern, die teils nicht mal mehr einen Arbeistplatz bekommen, also zu Ausgestoßenen der Gesellschaft. Und das Gleiche, wenn auch etwas weniger drastisch, passiert momentan durchaus auch mit der Generation Facebook. Das Buch nimmt jedoch nicht direkt Bezug darauf, sondern spinnt eine fantastische Geschichte darum herum, die man selbst erst auf das eigene Leben beziehen muss.

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  • Rezension zu "Replay" von Benjamin Stein

    Replay

    Claudia-Marina

    Alles auf Anfang. Und wieder zurück. Ist es wirklich erstrebenswert immer mit der Zeit zu gehen, immer mit dem Strom zu schwimmen? Ed Rosen ist als Software-Experte einer der Entwickler des UniCom und zugleich sein erster Träger. UniCom ist mehr als ein Kommunikationsmittel, es kann auch mehr als ein schnödes SmartPhone – und es wird dem Träger implantiert. Einfach mal zu Hause auf dem Küchentisch liegen lassen? Geht nicht. Es ist immer und überall dabei. Es zeichnet die Sinneseindrücke des Trägers auf und ermöglicht es ihm, diese jederzeit erneut abzuspielen und zu manipulieren. Was ist hier noch Realität? Und wieso sollte Ed sich noch mit der Realität zufrieden geben, wenn er immer und immer wieder seine erotischen Abenteuer aus jedem erdenklichen Blickwinkel erleben kann? Das er mit dem UniCom ständig kontrolliert wird, das wird da doch zur Nebensache. Jeder soll – nein, MUSS - das Implantat tragen, auch wenn es natürlich keine Pflicht ist. Keine ausgeschriebene jedenfalls. Aber wer will denn schon zurück bleiben? Wenn mein Nachbar eins hat, mein Zeitungsverkäufer, mein Bäcker – dann bleibt mir doch nichts anderes übrig. Einfach die Bedenken in den Wind streuen. Überwachung rund um die Uhr? So schlimm kann das doch auch nicht sein. Benjamin Steins Roman muss nachwirken. Was sich zuerst liest wie eine recht simple Geschichte über einen jungen Mann auf der Überholspur – Sex und Geld inklusive – entfaltet seine ganze Wirkung erst, wenn man das Buch schließt. Was für eine Geschichte ist das eigentlich? Geht es nur darum, ständig auf dem neuesten Stand zu sein, in jedem Netzwerk angemeldet, ständig und überall auf dem Laufenden und mit Allem und Jedem im Kontakt? Oder geht es vielleicht auch darum, zu hinterfragen, wie man sein Leben lebt? Ed lebt nicht mehr im Hier und Jetzt, er lebt in seinen Replays. Neue Erfahrungen? Fehlanzeige. Alles ist nur eine Wiederholung des schon Dagewesenen. Dabei geht natürlich auch nichts verloren, alles wird gespeichert, in unzähligen Versionen – eine besser, aufregender und schöner als die Vorherige. Vielleicht ist Replay – und so sehe ich es – auch ein Apell daran, sich auf ein Implantat zu verlassen, das nicht überwacht werden kann und das unter Garantie mehr kann als jeder Chip, das auch jederzeit bei einem ist und dabei auch noch zuverlässiger als jedes Computersystem – das eigene Gehirn.

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    • 2

    thursdaynext

    23. April 2012 um 18:10
  • Rezension zu "Replay" von Benjamin Stein

    Replay

    utaechl

    28. March 2012 um 09:08

    Benjamin Steins neuer Roman Replay beschäftigt sich mit der möglichen Zukunft sozialer Netzwerke und wie sie dank zukünftiger Technikmöglichkeiten unser aller Leben und Denken beeinflussen kann. Früher hätte man ihn wohl als Science Fiction Geschichte eingestuft, doch da er so nah an unserem jetzigen Leben ist, hat C.H. Beck die 171 Seiten lange Erzählung als Roman veröffentlicht. Es geht um einen Mann, der einen körperlichen Makel mit modernster Technik ausgleicht und damit für den Rest der Menschheit die Möglichkeit eröffnet, ebenfalls die Technik zu nutzen, um all das, was sie erleben, aufzeichen- und wiederholbar zu machen. Diese Möglichkeit ist so verlockend, dass schließlich fast jeder daran teilhaben wird und die Firma, welche die Geräte herstellt, damit zu einer der mächtigsten Faktoren der Welt wird. Sie kann im Endeffekt mit den Daten machen, was sie will, und nur vereinzelt gibt es noch Menschen, die sich ihr zu entziehen versuchen. Erzähl wird das Ganze nun durch Ed Rosens Augen. In kurzen Situationen, die auch gerne erotischen Inhalt haben dürfen, wird der Leser immer mehr in das Wirrwahr aus Wahrheit und Lüge, Gegenwart und Vergangenheit und Erlebtes und Gedachtes entführt. Wenn sich der Leser darauf einlässt, wird er mit einer logischen Auflösung belohnt und hat gleichzeitig den Anreiz den Roman noch ein zweites oder drittes Mal zu lesen. Empfehlenswert, wenn auch nicht einfach zu lesen.

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  • Rezension zu "Replay" von Benjamin Stein

    Replay

    Jetztkochtsie

    22. March 2012 um 20:34

    Und meine Vorfreude wurde zum ersten Mal seit langem belohnt. Ein wirklich sehr grandioses Buch. Gut geschrieben, unterhaltsam, anspruchsvoll, stilistisch treffsicher und nachdenklich. Außerdem Gesellschaftskritik die sehr sanft und leise angeschlichen kommt und sich dann im Hirn festfrißt und das Nachdenken auslöst. Dazu kommen Sexszenen, die ich wirklich wirklich sehr gelungen fand. Ohne lächerlich zu wirken, sehr intim und ansprechend, traf irgendwie genau den richtigen Ton. Für mich ein fast rundum gelungenes Buch, denn leider war ich mit dem offenen Ende und dem Raum der dort für eigene Spekulationen bleibt zu unzufrieden, da hätte ich gerne noch weiter gelesen, tiefer geschürft und mehr erfahren. Allerdings finde ich, daß das Büchlein ganz schön teuer verkauft wird, obwohl sich im Nachhinein jeder Cent gelohnt hat. Daumen hoch! Lesen!

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  • Rezension zu "Replay" von Benjamin Stein

    Replay

    WinfriedStanzick

    „Pan schweigt“ sollte das Buch nach den ersten Plänen von Benjamin Stein heißen, dessen Entstehungsgeschichte er bis etwa zur Hälfte des Buches fast täglich auf seinem literarischen Weblog „Turmsegler“ dokumentierte. Das hängt mit dem Beginn des Buches zusammen, das mit seinem Ende eine Klammer bildet, zwischen der sich der Protagonist des Buches erinnert an wichtige Jahre seines Lebens. Ed Rosen ist über viele Jahre ein gefragter und überaus talentierter IT-Fachmann. Eines Morgens wacht er auf, will wie üblich mit seinen Zehen wackeln. Da entdeckt er am Fußende des Bettes einen herausragenden Huf. Gehört dieser Huf, so wie der Hirtengott Pan welche hat, zu ihm? Was ist eigentlich passiert? Und er beginnt sich in der kurzen Phase des Wachwerdens zu erinnern an sein Leben und vor allen Dingen die vergangenen Jahre, in denen er als Softwareexperte ein sogenanntes UniCom mitentwickelt hat und auch dessen erster Träger war, ein Implantat, das die Sinneswahrnehmungen seines Besitzers protokolliert. Eine geniale, die Welt verändernde Erfindung, die alles das, was wir Realität nennen in sogenannten „Replays“ ( das wurde dann der eigentliche Titel des Buches) unendlich wiederholbar und auch veränderbar macht. Auch im Bereich der Erotik eine faszinierende Verlockung, der Ed Rosen auch über weite Teile des Buches nicht widerstehen kann und die Benjamin Stein ohne Plattitüden mit einer sensiblen und dennoch kräftigen erotischen Sprache beschreibt. Seit seiner Geburt ist Ed Rosen behindert: „Die Muskeln, die mein rechtes Auge bewegen sollen, verweigern seit meiner Geburt den Dienst, du so steht dieses Auge unbeweglich im äußersten rechten Augenwinkel und starrt nahezu blind ins Leere. Ein Kainsmal…“ Als Ed Rosen mit Professor Matana in Kontakt kommt, der ihn für sein Projekt offenbar genau ausgesucht hat, ist die Zeit des fehlenden Auges bald vorbei. Ed Rosen ist ausersehen, der erste Träger eines Implantats zu sein, das in der digitalen Welt eine weitere Revolution bedeutet, es ist die Entwicklung einer Zwei-Wege-Kommunikation des Auges, die später von Matana expandierender und weltweit erfolgreicher und mächtig werdender Firma (die „Corporation“) noch weiterentwickelt wird. Zuvor muss er aber mit einer persönlichen Trainerin namens Katelyn ein mehrere Monate dauerndes Fitnessprogramm absolvieren. Diese Katelyn hat Rosen schon vorher kennen und lieben gelernt, und es wird nie ganz klar, ob auch diese später sehr erotische und für Ed Rosen sexuell erfüllende Freundschaft nicht von vornherein von Matana angebahnt wurde. Die Darstellung des Professor Matana, der auch im Buch aus Chile stammt und irgendwann unter mysteriösen Umständen dorthin wieder zurückkehrt, hat mich erinnert an Humberto Maturana, einen 1928 geborenen bedeutenden Wissenschaftler uns Konstruktivisten, von dem hier nur ein Satz zitiert sei: „Als lebende Systeme existieren wir in vollständiger Einsamkeit innerhalb der Grenzen unserer individuellen Autopoiëse. Nur dadurch, dass wir mit anderen durch konsensuelle Bereiche Welten schaffen, schaffen wir uns eine Existenz, die diese unsere fundamentale Einsamkeit übersteigt, ohne sie jedoch aufheben zu können. [...] Wir können uns nicht sehen, wenn wir uns nicht in unseren Interaktionen mit anderen sehen lernen und dadurch, dass wir die anderen als Spiegelungen unserer selbst sehen, auch uns selbst als Spiegelung des anderen sehen.“ Nach dem erfolgreichen Versuch des Implantats an Ed Rosen, wollen im Laufe der Jahre immer mehr Menschen dieses Gerät eingepflanzt haben und die Firma tritt einen weltweiten Siegeszug an. Hier versucht Benjamin Stein in einer fiktiven Geschichte sich vorzustellen, wie es mit der Digitalisierung unserer Welt und Lebenswelt weitergehen könnte. Doch bei allen die Menschen beglückenden Veränderungen, es gibt auch anhaltenden Widerstand. So hat sich etwa Julian Assange mit Gesinnungsgenossen zum Ziel gesetzt, diese Entwicklung in ein „digitales Arkadien“ zu stoppen. Und da ist die Sache mit dem Huf, der eines Morgens aus dem Bett von Ed Rosen herausschaut. Nur wer zu Beginn des Buches genau gelesen hat über die Jugendzeit des Ed Rosen, die er wie das ganze Buch in der Ich-Form erzählt, und seine Vorbereitung für seine Bar-Mizwa, die er als Sohn säkularer Juden auf jeden Fall feiern soll, kann den Zusammenhang mit dem Folgenden herstellen. Im Rahmen dieser Vorbereitung erzählte ihm sein Lehrer von Sheol, jenem Gebiet, in dem sich die Menschen auf dem Weg in die künftige Welt aufhalten müssten und in dem keine Lügen helfen. Jedes Detail aus dem Leben sei dort offenbar: „Wir würden zwar unseren irdischen Körper abgelegt haben, dafür aber in einer Art Geistkörper wandeln, und an jenen Körperteilen, mit denen wir in der hiesigen Welt gesündigt hätten, würden wir dort als untrügliche Zeichen tragen, die unser vergehen offenbarten: Verkrüppelungen oder Verkümmerungen.“ Am Ende des Buches, nachdem Ed Rosen seine Geschichte erzählt und den Leser in eine neue Welt mit beängstigenden Folgen geführt hat, liegt er immer noch im Bett und betrachtet seinen Huf. Benjamin Stein kommt selbst nicht mehr auf die Geschichte von Sheol zurück. Ob er das dem Leser überlassen will?

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  • Rezension zu "Replay" von Benjamin Stein

    Replay

    Binea_Literatwo

    22. January 2012 um 17:40

    Literatwo-Besprechung: Totalitäre Systeme kennzeichnen sich dadurch, dass sie Informationen beschaffen müssen und das perfide Wunderwerk Macht funktioniert durch Überwachung und die Transparenz der Untertanen. Musterbeispiel: George Orwell – Überwachungskameras bis zum Erbrechen und jede Bewegung wird von Staatsorganen überwacht. Musterbeispiele: Geheime Staatspolizei und STASI. Der totalitäre Staat glänzt durch Abhören und ausspionieren. Niemand kann sich dem entziehen. Würden wir uns freiwillig in eine Diktatur des Geistes begeben und wer würde gegen diese Entwicklung ankämpfen, wenn es so wäre? Sind wir auf dem Weg, uns selbst transparent zu machen und ist es uns dabei vollkommen egal, welcher „Apparat“ im Hintergrund unser Leben ausspioniert? Benjamin Stein beantwortet diese Frage mit JA – wir begeben uns freiwillig in die Welten des Internets, geben freiwillig Foren wie Facebook unser Geheimstes Preis, sei es öffentlich oder in Chatforen. Wir schreiben freiwillig Mails und transferieren unser Geld online. Und was interessiert uns, welcher Anbieter im Hintergrund sitzt und die Daten auswertet? Wir vertrauen auf das Gute im Menschen. Diktatoren von einst würden sich die Finger lecken nach einem solchen Volk. Unternehmen von heute mutieren zu Monopolisten und drohen Machtstellungen zu erreichen, die man sich vielleicht im Moment nicht so recht vorstellen kann. Benjamin Stein visioniert weiter. Er überwindet als Chefentwickler eines Kommunikationsgiganten die Hardware eines Smartphones und erfindet einen Chip. Dieser wird dem Kunden eingepflanzt und leistet Erstaunliches. Sämtliche Features moderner Kommunikation funktionieren durch gedankliche Konzentration. Die Realität verändert sich, indem man vollkommen unabhängig von Geräten Filme anschauen kann, Musik hören und seine täglichen Geschäfte abwickelt. Und das Größte daran – auch das eigene Gedächtnis kann man zurückspulen bis zu dem Punkt, der besonders schön war. So lässt sich der Protagonist des Romans jeden Morgen von seinem schönsten sexuellen Erlebnis wecken. Was für ein Start in den Tag. Niemand muss den Chip besitzen – es ist freiwillig, aber die Lust und die Begierde des Menschen machen dieses neue Medium bald zum Weltstandard. Nichts geht mehr ohne ihn – Fahrzeuge lassen sich nur starten, wenn man ihn besitzt, der öffentliche Nahverkehr kann nur von Gechipten genutzt werden, Bankgeschäfte und das gesamte Leben werden gedanklich abgewickelt. Natürlich mit einem Großkonzern in der Hinterhand. Wer ist Herr der Gedanken, wer ist Herr der Gefühle und welche Bilder sehe ich, weil ich sie mir ausgesucht habe oder werden sie mir vorgegeben? Wo endet und wo beginnt die Diktatur des Geistes, in die sich die Menschheit freiwillig begibt? Unser Protagonist erwacht eines Morgens mit den schönsten Gefühlen an eine aufregende Nacht – nur – was schaut unter seiner Bettdecke heraus? Ein Huf… was soll das und kann es wirklich sein eigener ehemaliger Fuß sein? Alles halb so schlimm, wäre er nicht selbst der Erfinder des Chips… Er müsste es doch wissen. Stein orwellt sich durch die selbst gewählte Zukunft des Menschen. Nicht absurd, nein, greifbar ist das Bild das er erzeugt. Dabei erzeugt er ein Bild, das ihm selbst fremd sein muss. Dreidimensionale Welten für Menschen, denen das Stereosehen nicht gegeben ist. Hier kokettiert Stein mit seinem eigenen Schicksal und schreibt sich selbst in eine Zukunft der Weitsicht. Ob diese neue Dimension das Opfer der Selbstaufgabe wert ist? Ob diese Zukunft nicht besser mit verschlossenen Augen zu ertragen wäre? Dies beantworten wir selbst beim Lesen von Replay. Apple und Facebook sind nur die Paten solcher Visionen – Benjamin Stein ist ihr Vater. Er ist streng und verlangt viel. Wer ihm folgen will, sollte sich auf eine Reise in eine denkbare Zukunft vorbereiten und weiterdenken… Ganz für sich… oder gemeinsam – so wie Literatwo Artikel mit Bildern zur Besprechung auf Literatwo: http://literatwo.wordpress.com/2012/01/17/benjamin-stein-replay-wir-spulen-mal-vor-und-zuruck/

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  • Rezension zu "Replay" von Benjamin Stein

    Replay

    michael_lehmann-pape

    21. January 2012 um 13:05

    Die mögliche Zukunft des Social Networking Ed Rosen ist IT-Fachmann und ein sehr begabter, keine Frage. Und Professor Matana mit seiner Firma genau der richtige Mentor für den, vom Leben auch ein wenig geschlagenen Mann. Denn eines seiner Augen hängt schief in der Augenhöhle. Nutzlos. Was ihn nicht hindert, mit der wunderbaren und attraktiven Katelyn ein intensives Verhältnis zu beginnen. Und was ihn dafür prädestiniert, ein neues Implantat der „Corporation“ zu erproben, ein künstliches Auge auf Smartphone-Basis. Ein Auge, das Ed Rosen intensiv weiterentwickelt. Ein Sender tritt hinzu, mit dem das, was er über dieses Auge sieht, abgespeichert werden kann. Der Durchbruch aber ist die Entwicklung einer Zwei-Wege Kommunikation des Auges. So dass es möglich wird, Gesehenes, Erlebtes, sich wieder und wieder „vor Augen“ zu führen (Replay). Dass die Technik hierbei nicht stehen bleibt, dass digitale Welten plötzlich direkt (im Kopf) zur Verfügung stehen und dass immer mehr Menschen dieses Implantat für sich erwerben, das ist die logische Folge. Nicht unbedingt logisch aber ist es, dass es für das Gerät keinen Ausschalter gibt. Oder, wenn doch, dann nur für ganz wenige Träger des Implantats. Mit ungeahnten Folgen für die „freie“ Gesellschaft. Die völlig transparent nun wird. Eine Transparenz, die nicht jeder, auch nicht jede der Hauptfiguren, auf Dauer erträglich finden wird. All dies sind Ereignisse und Entwicklungen, die der Leser im gesamten Buch allein aus der inneren Perspektive des Protagonisten heraus erfährt. Eine Form von äußerer, erzählter Geschichte oder ein Wechsel der Perspektiven tauchen im Rahmen der 170 Seiten des Buches nicht auf. Eine Geschichte, die von Rosen im Buch zudem, was zu Beginn nicht ganz deutlich wird, im Rückblick erzählt. Eine Geschichte, in der Pan mit seinem Ziegenunterleib eine gehörige, durchaus „gehörnte“ Rolle spielen wird. Eine Bedeutung, die Stein geschickt einfließen lässt und dem Leser erst spät im Buch eröffnen wird. Die Wahl dieser Perspektive ermöglicht es, gemeinsam mit der hervorragenden sprachlichen Qualität des Buches, dem Leser, intensiv und hautnah beschrieben in die Erlebnisdichte und Erlebniswelt Rosens einzutreten. Gerade die erotischen Komponenten im Buch tauchen so in lebhafte Farben. Stein allerdings gelingt es, trotz aller Deutlichkeit der Beschreibungen, gerade diese Sequenzen tatsächlich im erotischen statt im platt-sexuellen Bereich zu halten. Und immer gelingt es Stein, einen doppelten Boden zu ziehen, Bilder hinter Bildern auftauchen zu lassen und damit durchaus eine verwirrend-interessante Atmosphäre herzustellen. So zieht sich ein Schachspiel im Buch beileibe nicht nur über die Felder des Brettes, sondern in Doppeldeutigkeit auch in Erlebniswelten der Protagonisten herein und, wie im gesamten Buch, darüber hinaus in Grundfragen gesellschaftlichen Seins. Grundfragen, zu deren Erörterung Stein auch Julian Assange im Buch einen Platz zuweist. Allerdings, auch dies wieder fordert das eigene Reflektieren des Lesers, beileibe nicht in einfachen Schwarz-Weiß Schemata dargestellt. Alle Wege aller Figuren im Umgang mit der „neuen Technik“ und den daraus folgenden inneren Erlebniswelten sind für sich verständlich und trotz der völlig gegenteiligen Konsequenzen für jede der Figuren nachvollziehbar. Was eine eigene Positionierung des Lesers letztlich erfordern wird. Soweit Realität und Replay noch auseinander gehalten werden können, denn nicht immer wirken die Handlungen und Folgen im Buch ganz logisch, gerade zum Ende hin nicht. Und nicht völlig transparent, was sicher auch ganz gut so ist. Benjamin Stein legt eine „Reise nach Innen“ vor, in der er fiktiv die Digitalisierung der Welt weiterdenkt und differenziert bildreich an seiner Hauptperson aufzeigt, welche inneren Entwicklungen eine zunehmende Transparenz nach sich ziehen kann (und fast logisch wird). Sprachlich wunderbar umgesetzt und daher gut zu lesen ist dies ein interessantes Thema für die Haltung und die Folgen immer stärkerer und fast vollständiger Digitalisierung der Welt.

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  • Rezension zu "Replay" von Benjamin Stein

    Replay

    Mr. Rail

    20. January 2012 um 17:10

    Totalitäre Systeme kennzeichnen sich dadurch, dass sie Informationen beschaffen müssen und das perfide Wunderwerk Macht funktioniert durch Überwachung und die Transparenz der Untertanen. Musterbeispiel: George Orwell – Überwachungskameras bis zum Erbrechen und jede Bewegung wird von Staatsorganen überwacht. Musterbeispiele: Geheime Staatspolizei und STASI. Der totalitäre Staat glänzt durch Abhören und ausspionieren. Niemand kann sich dem entziehen. Würden wir uns freiwillig in eine Diktatur des Geistes begeben und wer würde gegen diese Entwicklung ankämpfen, wenn es so wäre? Sind wir auf dem Weg, uns selbst transparent zu machen und ist es uns dabei vollkommen egal, welcher „Apparat“ im Hintergrund unser Leben ausspioniert? Benjamin Stein beantwortet diese Frage mit JA – wir begeben uns freiwillig in die Welten des Internets, geben freiwillig Foren wie Facebook unser Geheimstes Preis, sei es öffentlich oder in Chatforen. Wir schreiben freiwillig Mails und transferieren unser Geld online. Und was interessiert uns, welcher Anbieter im Hintergrund sitzt und die Daten auswertet? Wir vertrauen auf das Gute im Menschen. Diktatoren von einst würden sich die Finger lecken nach einem solchen Volk. Unternehmen von heute mutieren zu Monopolisten und drohen Machtstellungen zu erreichen, die man sich vielleicht im Moment nicht so recht vorstellen kann. Benjamin Stein visioniert weiter. Er überwindet als Chefentwickler eines Kommunikationsgiganten die Hardware eines Smartphones und erfindet einen Chip. Dieser wird dem Kunden eingepflanzt und leistet Erstaunliches. Sämtliche Features moderner Kommunikation funktionieren durch gedankliche Konzentration. Die Realität verändert sich, indem man vollkommen unabhängig von Geräten Filme anschauen kann, Musik hören und seine täglichen Geschäfte abwickelt. Und das Größte daran – auch das eigene Gedächtnis kann man zurückspulen bis zu dem Punkt, der besonders schön war. So lässt sich der Protagonist des Romans jeden Morgen von seinem schönsten sexuellen Erlebnis wecken. Was für ein Start in den Tag. Niemand muss den Chip besitzen – es ist freiwillig, aber die Lust und die Begierde des Menschen machen dieses neue Medium bald zum Weltstandard. Nichts geht mehr ohne ihn – Fahrzeuge lassen sich nur starten, wenn man ihn besitzt, der öffentliche Nahverkehr kann nur von Gechipten genutzt werden, Bankgeschäfte und das gesamte Leben werden gedanklich abgewickelt. Natürlich mit einem Großkonzern in der Hinterhand. Wer ist Herr der Gedanken, wer ist Herr der Gefühle und welche Bilder sehe ich, weil ich sie mir ausgesucht habe oder werden sie mir vorgegeben? Wo endet und wo beginnt die Diktatur des Geistes, in die sich die Menschheit freiwillig begibt? Unser Protagonist erwacht eines Morgens mit den schönsten Gefühlen an eine aufregende Nacht – nur – was schaut unter seiner Bettdecke heraus? Ein Huf… was soll das und kann es wirklich sein eigener ehemaliger Fuß sein? Alles halb so schlimm, wäre er nicht selbst der Erfinder des Chips… Er müsste es doch wissen. Stein orwellt sich durch die selbst gewählte Zukunft des Menschen. Nicht absurd, nein, greifbar ist das Bild das er erzeugt. Dabei erzeugt er ein Bild, das ihm selbst fremd sein muss. Dreidimensionale Welten für Menschen, denen das Stereosehen nicht gegeben ist. Hier kokettiert Stein mit seinem eigenen Schicksal und schreibt sich selbst in eine Zukunft der Weitsicht. Ob diese neue Dimension das Opfer der Selbstaufgabe wert ist? Ob diese Zukunft nicht besser mit verschlossenen Augen zu ertragen wäre? Dies beantworten wir selbst beim Lesen von Replay. Apple und Facebook sind nur die Paten solcher Visionen – Benjamin Stein ist ihr Vater. Er ist streng und verlangt viel. Wer ihm folgen will, sollte sich auf eine Reise in eine denkbare Zukunft vorbereiten und weiterdenken… Ganz für sich… oder gemeinsam – so wie Literatwo Artikel mit Bildern zur Besprechung auf Literatwo: http://literatwo.wordpress.com/2012/01/17/benjamin-stein-replay-wir-spulen-mal-vor-und-zuruck/

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