Wer hätte gedacht, dass aus ein paar Kerben im Knochen eine ganze Kultur des Rechnens erwächst? Benjamin Wardhaugh nimmt einen mit auf eine Reise, die mit steinernen Markierungen beginnt und irgendwo zwischen mittelalterlichen Rechenbrettern und den Like-Zahlen koreanischer Vlogger endet. Das Buch ist kein staubiges Lehrbuch, sondern vielmehr ein Roadtrip durch Zahlenwelten, bei dem an jeder Ausfahrt eine Anekdote, ein kurioser Fund oder ein Denkfehler wartet, der sofort zum Schmunzeln bringt.
Besonders stark: Wardhaugh schafft es, abstrakte Konzepte greifbar zu machen. Statt Formeln gibt’s Geschichten — von Händlern, Zählern, Mathematiker-Exzentrikern — und plötzlich versteht man, warum ein Zählsystem Gesellschaft formen kann wie ein Fluss sein Ufer. Der Text bleibt dabei nie überheblich; im Gegenteil, er nimmt das Staunen ernst und macht es zu einem ständigen Begleiter.
Kleine Kritik: Manchmal verliert sich die Erzählung in Details, die zwar spannend sind, aber das Tempo drosseln. Das stört nur kurz — weil jede Abschweifung letztlich neues Licht auf unsere Zahlenwelt wirft. Für alle, die Mathe nie so richtig mochten, ist das hier die perfekte Versöhnung: klug, herzlich und mit einem Augenzwinkern.
Wer nach dem Lesen nicht mindestens einmal laut „Ach so!“ sagt, hat nicht richtig zugehört.






