Benjamin Whitmer Nach mir die Nacht

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Inhaltsangabe zu „Nach mir die Nacht“ von Benjamin Whitmer

Nicht weit von Denver im San Luis Tal eröffnet sich eine Welt voller Verlorener, die mit sich ins Reine zu kommen versuchen. Ein Leben voller Gewehre, Alkohol, Zigaretten, Pick-ups, Biker Bars, Schlägereien, endloser Straßen und einer zerstörten Landschaft. Vor Jahren ist Patterson Wells Sohn Justin wegen eines ärztlichen Fehlers verstorben. Er schreibt ihm Briefe, um ihn nicht zu vergessen, bekämpft den Schmerz mit Alkohol und ziellosem Umherreisen. Von einem Katastrophengebiet zum andern, um als Abraumfahrer gefährliche Aufträge zu übernehmen. Justins Mutter Laney strengt gegen die Ärzte, die am Tod ihres Sohnes schuld sind, einen Prozess an. Während Junior, der Sohn des ehemaligen Rodeoreiters Henry, sich seinen Lebensunterhalt als Drogen­kurier verdient und seinen Vater so abgrundtief hasst, dass er ihn zusammenschlägt. Ein Country Noir darüber, was Väter Söhnen und Söhne Vätern antun können.

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    Nach mir die Nacht
    Gwhynwhyfar

    Gwhynwhyfar

    04. April 2017 um 15:50

    Der erste Satz: »Als Patterson Wells durch die Haustür tritt, ist Chase gerade mit einem Haufen Crystal Meth beschäftigt, einem Haufen so groß wie sein eingefallener Schädel.«Patterson Wells arbeitet als »Sturmbeseitiger«, schafft in 16-Stundenschichten das fort, was die Natur hinterlassen hat, ein harter Job. Hier kann er vergessen, seinen Schmerz stillen. Sein Sohn ist verstorben, ein medizinischer Fehler. Ist die Hurrikan-Zeit vorbei, fährt er nach Colorado, zu seiner Holzhütte im San Luis Valley in der Nähe von Denver, gern fährt er auch in die Mesas. Er betäubt seinen Schmerz mit Alkohol und Drogen. Männer, die sich mit Drogen zupumpen, ausflippen, ihre Verdrängung von Frust und Wut in Gewalt umsetzen, einsame Gegenden, Abgehängte, die dort wohnen, wo die Umweltbehörde normalerweise das Gebiet räumen müsste, da die Verseuchung die Gesundheit gefährdet. Das Buch wird als Kriminalroman in den Handel gebracht. Das ist es auf keinen Fall. Es gibt Tote. Doch es schert sich kein Ermittler darum. »Nach mir die Nacht« ist für mich ein klassischer Gesellschaftsroman. Patterson rettet Chase Frau, davor, von Chase umgebracht zu werden. Sie macht sich von dannen, in der Tasche das Crystal Meth, eine ziemlich große Menge. Chase, ziemlich lädiert zurückgelassen, glaubt, Patterson hätte ihm die Frau und die Drogen gestohlen, ist auf der Jagd nach ihm. Patterson interessierte aber weder das eine noch das andere.»Junior lebt im heruntergekommenen Wohngebiet Elyria-Swansea, eingepfercht zwischen den vielen Schrottplätzen, Autowerkstätten und abgetakelten Kneipen im Nordosten Denvers. Was die Gegend besonders auszeichnet, sind die sogenannten Superfund Sites, die in einem Umkreis von zwei Meilen liegen. Sechs Gebiete, die nach US-Umweltschutzrecht als verseucht gelten ...«Patterson, in seiner Hütte angekommen, hängt mit Juniora ab, der mit der Augenklappe, von dem man sagt, er sei nicht ganz dicht, der krumme Geschäfte macht. Junior und seine Frau leben getrennt, nahe beieinander, damit er seinen Sohn besuchen kann. Seine Frau hielt es mit dem gewalttätigen Drogenabhängigen nicht aus. Und nun will sie wegziehen, weil sie einen guten Job angeboten bekommen hat. Noch ein Grund mehr, für Junior Frust zu schieben.»Es ist, als ob alle, die daran glauben, ein bodenloses Loch in sich hätten, aber niemandem davon erzählen können, weil es ja lediglich ein Loch ist, also erfinden sie Geschichten, die genauso schrecklich und beängstigend sind wie ihr Loch. Diese Geschichten schmeißen sie dann hinein und hoffen, dass es sich wieder füllen lässt.«Hillbillies, Verschwörungstheoretiker, Rocker, Kranke, hart arbeitende Menschen, die nicht ordentlich versichert sind, nicht daran denken mögen, was sie im Alter erwartet, weite Landschaften, Grundwasser, das man lieber nicht trinken sollte. Männer, die sich ihren Braten selbst schießen. Dafür gibt es um so mehr Alk und anderes Zeug und Waffen an jeder Ecke. Ein Amerika, das wir aus dem TV nicht kennen, weit entfernt von Denver-Clan.»Das Einzige, was es im gemeindefreien Adams County reichlich gibt, sind passende Plätze, um eine Leiche zu vergraben.«Im eigentlichen Sinn gibt es keinen Mord, eine geplante Tötung, es geht unter bestimmten Umständen immer ein wenig zu weit. Es endet mit dem Tod, er oder ich oder aus Versehen, aus Frust. Ein Gesellschaftsporträt des Amerika der unteren Klasse, düster, erschreckend. Colorado, Denver, man hat weite Landschaften, blühende Städte vor Augen. Hier nicht, man möchte dieses Colorado nicht besuchen, Menschen ohne Zukunft, die Fragen stellen, aber mit Antworten nicht hoffen können. Ein Roman, der berührt, bei dem es einem eiskalt den Rücken herunterläuft. Ein Patterson, der seinem toten Sohn Briefe schreibt gegen das Vergessen, die grandiose Landschaft der Mesa, zerklüftetes Gebirge der Tafelberge, dichte Wälder voller Wild. Als Gegenpol die versifften Vorstädte mit ebenso kaputten Menschen. Wer Noir Krimis mag, Gesellschaftsromane, kommt voll auf seine Kosten. Kraftvolle pointierte Sprache, kein Wort zuviel, keins zu wenig.

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  • Hillbillies, Verschwörungstheoretiker, Rocker, Kranke

    Nach mir die Nacht
    Gwhynwhyfar

    Gwhynwhyfar

    04. April 2017 um 15:50

    Der erste Satz: »Als Patterson Wells durch die Haustür tritt, ist Chase gerade mit einem Haufen Crystal Meth beschäftigt, einem Haufen so groß wie sein eingefallener Schädel.«Patterson Wells arbeitet als »Sturmbeseitiger«, schafft in 16-Stundenschichten das fort, was die Natur hinterlassen hat, ein harter Job. Hier kann er vergessen, seinen Schmerz stillen. Sein Sohn ist verstorben, ein medizinischer Fehler. Ist die Hurrikan-Zeit vorbei, fährt er nach Colorado, zu seiner Holzhütte im San Luis Valley in der Nähe von Denver, gern fährt er auch in die Mesas. Er betäubt seinen Schmerz mit Alkohol und Drogen. Männer, die sich mit Drogen zupumpen, ausflippen, ihre Verdrängung von Frust und Wut in Gewalt umsetzen, einsame Gegenden, Abgehängte, die dort wohnen, wo die Umweltbehörde normalerweise das Gebiet räumen müsste, da die Verseuchung die Gesundheit gefährdet. Das Buch wird als Kriminalroman in den Handel gebracht. Das ist es auf keinen Fall. Es gibt Tote. Doch es schert sich kein Ermittler darum. »Nach mir die Nacht« ist für mich ein klassischer Gesellschaftsroman. Patterson rettet Chase Frau, davor, von Chase umgebracht zu werden. Sie macht sich von dannen, in der Tasche das Crystal Meth, eine ziemlich große Menge. Chase, ziemlich lädiert zurückgelassen, glaubt, Patterson hätte ihm die Frau und die Drogen gestohlen, ist auf der Jagd nach ihm. Patterson interessierte aber weder das eine noch das andere.»Junior lebt im heruntergekommenen Wohngebiet Elyria-Swansea, eingepfercht zwischen den vielen Schrottplätzen, Autowerkstätten und abgetakelten Kneipen im Nordosten Denvers. Was die Gegend besonders auszeichnet, sind die sogenannten Superfund Sites, die in einem Umkreis von zwei Meilen liegen. Sechs Gebiete, die nach US-Umweltschutzrecht als verseucht gelten ...«Patterson, in seiner Hütte angekommen, hängt mit Juniora ab, der mit der Augenklappe, von dem man sagt, er sei nicht ganz dicht, der krumme Geschäfte macht. Junior und seine Frau leben getrennt, nahe beieinander, damit er seinen Sohn besuchen kann. Seine Frau hielt es mit dem gewalttätigen Drogenabhängigen nicht aus. Und nun will sie wegziehen, weil sie einen guten Job angeboten bekommen hat. Noch ein Grund mehr, für Junior Frust zu schieben.»Es ist, als ob alle, die daran glauben, ein bodenloses Loch in sich hätten, aber niemandem davon erzählen können, weil es ja lediglich ein Loch ist, also erfinden sie Geschichten, die genauso schrecklich und beängstigend sind wie ihr Loch. Diese Geschichten schmeißen sie dann hinein und hoffen, dass es sich wieder füllen lässt.«Hillbillies, Verschwörungstheoretiker, Rocker, Kranke, hart arbeitende Menschen, die nicht ordentlich versichert sind, nicht daran denken mögen, was sie im Alter erwartet, weite Landschaften, Grundwasser, das man lieber nicht trinken sollte. Männer, die sich ihren Braten selbst schießen. Dafür gibt es um so mehr Alk und anderes Zeug und Waffen an jeder Ecke. Ein Amerika, das wir aus dem TV nicht kennen, weit entfernt von Denver-Clan.»Das Einzige, was es im gemeindefreien Adams County reichlich gibt, sind passende Plätze, um eine Leiche zu vergraben.«Im eigentlichen Sinn gibt es keinen Mord, eine geplante Tötung, es geht unter bestimmten Umständen immer ein wenig zu weit. Es endet mit dem Tod, er oder ich oder aus Versehen, aus Frust. Ein Gesellschaftsporträt des Amerika der unteren Klasse, düster, erschreckend. Colorado, Denver, man hat weite Landschaften, blühende Städte vor Augen. Hier nicht, man möchte dieses Colorado nicht besuchen, Menschen ohne Zukunft, die Fragen stellen, aber mit Antworten nicht hoffen können. Ein Roman, der berührt, bei dem es einem eiskalt den Rücken herunterläuft. Ein Patterson, der seinem toten Sohn Briefe schreibt gegen das Vergessen, die grandiose Landschaft der Mesa, zerklüftetes Gebirge der Tafelberge, dichte Wälder voller Wild. Als Gegenpol die versifften Vorstädte mit ebenso kaputten Menschen. Wer Noir Krimis mag, Gesellschaftsromane, kommt voll auf seine Kosten. Kraftvolle pointierte Sprache, kein Wort zuviel, keins zu wenig.

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  • Reise in die Welt der Verlierer.

    Nach mir die Nacht
    Andreas_M_Sturm

    Andreas_M_Sturm

    07. September 2016 um 08:57

    Seit dem Tod seines Sohnes lässt sich Patterson Wells treiben. In sich zurückgezogen driftet er zwischen Extremjobs und Einsamkeit. Sein einziger Halt sind seine Briefe an den toten Sohn, die wie ein Tagebuch sein Leben reflektieren. Um aus dieser Tristesse auszubrechen, zieht Patterson ab und zu mit seinem ungeliebten Kumpel Junior los. Meist enden diese Unternehmungen in Kneipenschlägereien oder selbstzerstörerischem Kampftrinken. Es ist eine trostlose Welt, die Benjamin Whitmer beschreibt. Sämtliche Figuren entstammen der amerikanischen Unterschicht und leben in baufälligen Häusern, errichtet auf einer ruinierten Landschaft. Folgerichtig sind Konflikte und Traumata bereits in der Kindheit vorprogrammiert. Alkohol und Drogen zählen zu den Grundnahrungsmitteln und Probleme werden mit der Schusswaffe geregelt. Obwohl der Fokus auf den männlichen Akteuren liegt, sind es Frauen, die versuchen dieses Leben zu verändern, die sich Ziele stecken und nicht bereit sind aufzugeben. Der Roman ist eine Mischung aus Noir, Zynismus und Melancholie. Die Story lässt sich flott lesen und die Charaktere sind bis ins Detail sehr gut gezeichnet. Wer die Nase von amerikanischen Helden voll hat und lesen möchte, wie Menschen jenseits der aufpolierten Filme und Soaps leben, für den ist 'Nach mir die Nacht' die perfekte Literatur.

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