Benny Barbasch Der Mann, dem ein Olivenbäumchen aus dem Ohr wuchs

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Inhaltsangabe zu „Der Mann, dem ein Olivenbäumchen aus dem Ohr wuchs“ von Benny Barbasch

Keine Diät, die der Vater nicht versucht hätte. Die Apfeldiät, die Traubendiät, die Auberginen-, Gurken-, Reisdiät, Blumenkohl, gedünstet, gebacken, als Rohkoströschen. Nichts hilft, der Vater bleibt übergewichtig. Als er dann, bei der Olivendiät angelangt, einen Kern verschluckt und ihm ein zartes Bäumchen aus dem Ohr zu sprießen beginnt, ist eine Geschichte in Gang gesetzt, deren Volten immer phantastischer werden. Ein Arzt für alternative Medizin empfiehlt ein zweites Bäumchen zu pflanzen, um Symmetrie und Gleichgewicht des Körpers wiederherzustellen, Al Gore eilt herbei, um das innovative ökologisch-symbiotische Phänomen in Augenschein zu nehmen, und dann schlägt das Bäumchen, und mit ihm der Vater, Wurzeln in besetztem Gebiet ...

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  • Rezension zu "Der Mann, dem ein Olivenbäumchen aus dem Ohr wuchs" von Benny Barbasch

    Der Mann, dem ein Olivenbäumchen aus dem Ohr wuchs

    WinfriedStanzick

    03. September 2012 um 12:33

    Dieser Roman des 1951 in Beersheba geborenen Stückeschreibers und Drehbuchautors Benny Barbasch ist 2009 in Israel erschienen, und nun nach „Mein erster Sony“ (1997) auch auf Deutsch im Berlin Verlag veröffentlicht worden. Es ist eine zunächst leicht daherkommende Satire, die aber einen gar nicht so leichten Stoff behandelt – den unlösbar scheinenden Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern. Erzähler der Geschichte ist der 12 jährige Assaf. Er erzählt von seiner skurrilen Familie und von dem schwierigen Land, in dem er lebt. Auf der Oberfläche geht es um den Vater des Jungen, dem eines Tages aus dem Ohr ein kleines Olivenbäumchen wächst. Dahinter aber geht es um eine genial und witzig konstruierte Parabel auf das heutige Israel und seine Widersprüche. Da geht es um die Erinnerung an den Holocaust. Die ganze Familie bringt die Großmutter, die den Holocaust überlebt hat, mit vielen Tricks dazu, endlich von ihren Erfahrungen zu reden, sozusagen ein familiärer Holocaust-Workshop. Es geht um die unterschiedlichen Auffassungen in einer jüdischen Mehrgenerationenfamilie, in der die Debatten nie zu enden scheinen. Es geht um die Frage der israelischen Siedlungsbaus und seiner Legitimität und letztendlich geht es darum, wie man in diesem Land Wurzeln schlagen und wie etwas dauerhaft wachsen kann. Alles beginnt damit, dass der Vater des Jungen, ein sehr beleibter Mann (er sieht aus, „als hätte er einen Sprengstoffgürtel unter der Jacke“), erfolglos mehrere Diäten ausprobiert. Schlussendlich ist er bei einre Olivendiät geladen, und als der Kern einer Olive ihm im Hals stecken bleibt, zieht dieser im Rachenraum Luftwurzeln und aus seinem Ohr beginnt nach neun Tagen ein Olivenbäumchen zu wachsen. Was der Vater zuerst nicht wahrnehmen will, stellt sich als ein Faktum heraus, mit er leben lernen muss; denn das Olivenbäumchen lässt sich weder abschneiden noch operieren. Der Vater ist mit ihm untrennbar verbunden, „ähnlich wie ein binationaler Staat, dessen Teilung vollkommnen undenkbar ist, weil das bedeuten würde, ihm die Glieder vom Leib zu reißen.“ Ein zu Rate gezogener alter Palästinenser sagt, ein Olivenbaum sei hartnäckig, er dringe in jede Spalte und Ritze ein. Aus der Erde könne man ihn mit der Wurzel ausreißen, aber habe er sich einmal im Kopf eines Menschen festgesetzt, gebe es keine Lösung. Als die ganze Familie eines Tages auf einem Sieldungsgelände demonstriert, das vom Militär geräumt werden soll, passiert das Unglaubliche. Als der Vater sich für eine Zeit auf den Boden gelegt hat um auszuruhen, hat der Olivenbaum durch die Öffnung des anderen Ohres schnell Wurzeln geschlagen und der Vater ist nicht mehr von der Stelle zu bewegen. Eine Sensation, die schnell um die halbe Welt geht, Fernsehteams rollen an, um alles zu filmen. Die Uno schickt einen Sondergesandten. „Man beschloss, das Gebiet bis zum Zustandekommen einer dauerhaften Friedenslösung in israelischer Hand zu belassen. Es gab auch alle möglichen anderen Vorschläge, zum Beispiel gemeinsame Souveränität oder sogar Internationalisierung. Selbstverständlich lehnte die Rechte, angeführt von Großmutter, diese Vorschläge ab und erklärte, dass jeder Ort, an dem ein Jude eingepflanzt ist, für immer und ewig in jüdischer Hand bleiben muss.“ Benny Barbasch beschreibt genial, wie grotesk und lächerlich beide Seiten, die Israelis und die Palästinenser in ihrer Besessenheit sind, die sie an den Tag legen, um das Land zu bewohnen. Er stellt sich auf keine Seite, er stellt sie beide satirisch bloß. Wie die Geschichte ausgeht, sollte man selbst nachlesen in einem köstlichen Buch, dem es gelingt, ohne auf die politische Korrektheit zu achten, mehr zu erzählen über einen schon Generationen dauernden Konflikt, als so manche abgewogene Stellungnahme. Das Buch ist voller witziger Anspielungen und eine gelungene Parabel auf das heutige Israel und seine Widersprüche.

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