Benoît Duteurtre Vorzimmer zum Paradies

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Inhaltsangabe zu „Vorzimmer zum Paradies“ von Benoît Duteurtre

Gott und das Internet haben eines gemeinsam: Sie vergessen nichts. Das erfährt der 50-jährige Simon, als er im Vorzimmer zum Paradies sitzt, um sich für einen Platz im himmlischen Reich zu bewerben. Denn auch der Heilige Petrus nutzt die Cloud und weiß daher nur zu genau, dass Simons irdischer Lebenswandel alles andere als tadellos war. Da bleibt wohl nur das Tor zur Hölle - mit ungeahnten Perspektiven - »Das Wesentliche unserer Welt darzulegen und dabei der Imagination treu zu bleiben, in der alles Phantasie ist, irreal wie surreal - darin besteht die absolute Einzigartigkeit dieses Buches innerhalb der französischen Gegenwartsliteratur-« Milan Kundera

Großartig und brandaktuell über Political Correctness und den neuen Tugendterror

— Aliknecht
Aliknecht

Hat mich nicht abgeholt. Insgesamt natürlich sehr am Zeitgeist und regt zum Nachdenken an... Ist aber nichts, was mich begeistert hat.

— TenTakel
TenTakel

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    Vorzimmer zum Paradies
    Aliknecht

    Aliknecht

    03. April 2017 um 03:21

    Simon ist gestorben und sitzt in einer Halle, die an den Wartesaal einer Behörde erinnert. Er hat einen Zettel mit einer Nummer gezogen und wartet bis er an einem der Schalter aufgerufen wird. Auf orangefarbenen Plastikstühlen warten auch andere Personen. An den Wänden hängen Poster mit schicken Strandhotels, auf denen steht "Hol Dir Dein Ticket fürs Paradies". Rauchen ist verboten. Simon muss Fragebögen ausfüllen und erhält einen Rechtsanwalt zugeteilt. Die Archive in der Cloud ergeben, dass er wiederholt geschmacklose Witze über Schwarze, Juden und fahrendes Volk gemacht hätte. Ausschlaggebend sind aber seine Äußerungen über Frauen und Homosexuelle. Auch der Rechtsanwalt kann nichts daran ändern, dass Simon in die Hölle kommt. Es gibt keine Rechtsmittel und er fährt sofort zur Hölle, die sich überraschend darstellt. In seinem Leben hatte er einen gutdotierten Job als Vorsitzender der "Kommission für öffentliche Freiheit".  Er gebot über vier Mitarbeiter und publiziert regelmäßig "Mitteilungen zum Schutz der Privatsphäre". Er pflegte enge Kontakte zu einem Staatssekretär, der die Finanzierung der Kommission sicherstellte. Simon war mit Anna verheiratet und sie lebten mit ihrem halbwüchsigen Sohn Tristan in guten Verhältnissen. Anna war früher Künstlerin und hatte sich inzwischen in eine leicht verhärmte Frau verwandelt, die ihm ihre Diät aufzwang.Eines Tages veröffentlicht die Bewegung "Belange von Frauen"  eine Grundsatzerklärung gegen Pornographie im Internet. Gleichzeitig geschehen merkwürdige Dinge im Netz. In den Posteingangsordnern vieler Benutzer tauchen massenhaft gelöschte Emails wieder neu auf.  Nach einigen Tagen werden gelöschte Emails reaktiviert und an andere fremde Benutzer versendet. Dadurch werden zahlreiche Indiskretionen und Skandale verursacht, die in den Medien breitgetreten werden. Die Betreiber sind machtlos und niemand versteht diese Vorgänge. Simon veröffentlicht dazu eine neue Empfehlung zum Schutz der Privatsphäre und wird daraufhin zu einem Interview bei einem Radiossender eingeladen.Die Moderatorin Daisy führt das Interview durch. Simon findet Daisy anziehend und unterhält sich vor der Sendung ungezwungen mit ihr. Es fallen ein paar scherzhafte Sätze. Die Sendung wird ausgestrahlt und alle sind zufrieden. Doch dann bricht ein Shitstorm los. Simons Aussagen vor der Aufzeichnung wurden verkürzt veröffentlicht. Die Presse titelt "Der Vorsitzende der Kommission für öffentliche Freiheit hat Frauen und Schwule satt". Eine Welle von Hass und Häme ergießt sich über Simon und man ruft nach Vergeltung. Auch Daisy kann sich nicht erklären, wie diese Veröffentlichung zustande kam. Simon verliert jegliche Unterstützung und alle drängen ihn, sich öffentlich zu entschuldigen. Seine Familie fürchtet um das hohe Einkommen. Aber er will sich nicht entschuldigen. Simon und Daisy kommen sich näher, da sie ja weiss, wie es wirklich war. Es entwickelt sich eine kleine Liebesgeschichte. Der Staatssekretär lässt ihn fallen. Am Schluss stürzt Simon unglücklich in seinem Büro, verletzt sich schwer am Kopf und stirbt.  Das Buch ist toll geschrieben und ergreift den Leser voll. Man kann nicht mehr aufhören zu lesen. Es ist voller skurriler Einfälle und überraschender Momente, die Licht auf unsere Gesellschaft und auf unsere Vorstellungen von Tod und Jenseits werfen. Benoit Duteurtre geißelt mit Witz die Political Correctness und den neuen Tugendterror. Daneben thematisiert er das Internet als Datenmoloch mit unabsehbaren Wirkungen auf die Menschen und auf das gesellschaftliche Leben. Großartig und brandaktuell!Ausgabe: Duteurtre Benoit Vorzimmer zum Paradies Eichborn Verlag Köln 2015 (gelesen April 2017)

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