Der Erzähler befreit seinen depressiven Freund aus der psychiatrischen Anstalt und beschließt, ihn nach Kolbeinsey zu bringen, die nördlichste Insel Islands. Die Einsamkeit der Insel soll ihn heilen.
Die Flucht führt sie aus der zivilisierten Welt mitten hinein in die Gletschergebiete und zerklüfteten atemberaubenden Weiten Islands.
Mit einer erbosten Krankenschwester auf den Fersen beginnt eine wilde Verfolgungsjagd durch die magische Landschaft des Landes und der Psyche, schrill, anders, frei.
Dieses Buch sprengt alle Grenzen. Es ist so anders und dabei unfassbar faszinierend, literarisch, platzt vor visionärer Imagination. Die Krankenschwester wird immer wieder beseitigt, um dann plötzlich wieder aufzutauchen.
Rabiate Gesellschaftskritik wechselt mit Ausflügen in existentialistische Philosophie. Illustrationen, die zum Beispiel Munch und Boticelli nachempfunden sind, bringen eine weitere Bedeutungsebene. Spielerisch und mühelos verwebt der Autor als Experte der Skaldendichtung Anspielungen auf mythologische Figuren und Sagenheld*innen. Was für ein Einblick in die Kultur!
Das Gefühl ist das zentrale Motiv, auf das der Erzähler immer wieder zurückkommt, denn wie sonst wird der Mensch die Verbindung zu sich selbst herstellen können? Sind nicht die Wunden des Geistes und der Seele der Stoff der Dichtung? Ist nicht das Gefühl das, was Menschen einzigartig macht?
Was für ein Ritt! Durch die Seele und den Geist auf der Suche nach Heilung. Es wird viel geschrien in dem Buch, absurde Szenen wechseln mit kleinen Elegien, doch was Die Insel Kolbeinsey wirklich ausmacht ist die Sprache. Aus Selbstreflexionen entsteht fundierte Gesellschaftskritik, analytische Dekonstruktionen der digitalen Welt wechseln mit neurowissenschaftlichen Erkenntnissen in virtuosen Worten und Wendungen. Das ist ganz einfach grandios.
Ganz langsam dämmert die Erkenntnis, wie die Reise ausgeht, und so geht es immer weiter, angetrieben von der allumfassenden Liebe zum Leben und irgendwie auch zur Literatur.
Dieser Roman macht wirklich Spaß, das Grinsen verschwindet einfach nicht aus meinem Gesicht.
Ein Riesendanke an den Residenz Verlag für dieses wunderbare Island-Buch. Danke fürs Verlegen. Etwas ganz Besonderes.














