Bergsveinn Birgisson

 4 Sterne bei 16 Bewertungen
Autor*in von Die Landschaft hat immer recht, Die Insel Kolbeinsey und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Bergsveinn Birgisson, geboren 1971 in Reykjavík, ist Autor und Literaturwissenschaftler. Er studierte altnordische Literatur in Bergen, Norwegen, und forscht vor allem zur Dichtung des skandinavischen Mittelalters. Als Schüler und Student arbeitete er in den Sommermonaten als Fischer, was ihn stark geprägt hat. Er publiziert Gedichtbände sowie Essays und mehrere Romane, die zahlreiche Preise gewannen. Birgisson lebt in Bergen, wo er auch an der Universität lehrt.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Bergsveinn Birgisson

Cover des Buches Die Landschaft hat immer recht (ISBN: 9783293209718)

Die Landschaft hat immer recht

(5)
Erschienen am 13.03.2023
Cover des Buches Die Insel Kolbeinsey (ISBN: 9783701717996)

Die Insel Kolbeinsey

(3)
Erschienen am 03.03.2025
Cover des Buches Quell des Lebens (ISBN: 9783701717187)

Quell des Lebens

(2)
Erschienen am 18.02.2020
Cover des Buches Die Landschaft hat immer recht (ISBN: 9783701716951)

Die Landschaft hat immer recht

(1)
Erschienen am 30.01.2018
Cover des Buches Antwort auf den Brief von Helga (ISBN: 9783701717552)

Antwort auf den Brief von Helga

(1)
Erschienen am 15.02.2022
Cover des Buches Die Insel Kolbeinsey (ISBN: 9783701747467)

Die Insel Kolbeinsey

(1)
Erschienen am 03.03.2025
Cover des Buches Paarungszeit (ISBN: 9783869303581)

Paarungszeit

(3)
Erschienen am 04.10.2011

Neue Rezensionen zu Bergsveinn Birgisson

Cover des Buches Die Insel Kolbeinsey (ISBN: 9783701717996)
rockchickdeluxes avatar

Rezension zu "Die Insel Kolbeinsey" von Bergsveinn Birgisson

rockchickdeluxe
Ein wilder Ritt und ein literarisches Abenteuer


Der Erzähler befreit seinen depressiven Freund aus der psychiatrischen Anstalt und beschließt, ihn nach Kolbeinsey zu bringen, die nördlichste Insel Islands. Die Einsamkeit der Insel soll ihn heilen. 


Die Flucht führt sie aus der zivilisierten Welt mitten hinein in die Gletschergebiete und zerklüfteten atemberaubenden Weiten Islands. 


Mit einer erbosten Krankenschwester auf den Fersen beginnt eine wilde Verfolgungsjagd durch die magische Landschaft des Landes und der Psyche, schrill, anders, frei.


Dieses Buch sprengt alle Grenzen. Es ist so anders und dabei unfassbar faszinierend, literarisch, platzt vor visionärer Imagination. Die Krankenschwester wird immer wieder beseitigt, um dann plötzlich wieder aufzutauchen.


Rabiate Gesellschaftskritik wechselt mit Ausflügen in existentialistische Philosophie. Illustrationen, die zum Beispiel Munch und Boticelli nachempfunden sind, bringen eine weitere Bedeutungsebene. Spielerisch und mühelos verwebt der Autor als Experte der Skaldendichtung Anspielungen auf mythologische Figuren und Sagenheld*innen. Was für ein Einblick in die Kultur!


Das Gefühl ist das zentrale Motiv, auf das der Erzähler immer wieder zurückkommt, denn wie sonst wird der Mensch die Verbindung zu sich selbst herstellen können? Sind nicht die Wunden des Geistes und der Seele der Stoff der Dichtung? Ist nicht das Gefühl das, was Menschen einzigartig macht?


Was für ein Ritt! Durch die Seele und den Geist auf der Suche nach Heilung. Es wird viel geschrien in dem Buch, absurde Szenen wechseln mit kleinen Elegien, doch was Die Insel Kolbeinsey wirklich ausmacht ist die Sprache. Aus Selbstreflexionen entsteht fundierte Gesellschaftskritik, analytische Dekonstruktionen der digitalen Welt wechseln mit neurowissenschaftlichen Erkenntnissen in virtuosen Worten und Wendungen. Das ist ganz einfach grandios. 


Ganz langsam dämmert die Erkenntnis, wie die Reise ausgeht, und so geht es immer weiter, angetrieben von der allumfassenden Liebe zum Leben und irgendwie auch zur Literatur. 


Dieser Roman macht wirklich Spaß, das Grinsen verschwindet einfach nicht aus meinem Gesicht. 


Ein Riesendanke an den Residenz Verlag für dieses wunderbare Island-Buch. Danke fürs Verlegen. Etwas ganz Besonderes.


Cover des Buches Die Landschaft hat immer recht (ISBN: 9783293209718)
Wortgedankens avatar

Rezension zu "Die Landschaft hat immer recht" von Bergsveinn Birgisson

Wortgedanken
Etwas schwere Geschichte, gleichzeitig Island pur

Der Fischer Halldór, der an der kargen Küste Islands zwischen rauem Wetter, Schafen und Fischen seinen Alltag meistert, erzählt in seinem Tagebuch von seinem Leben. Seine trockenen Beobachtungen und die tief verwurzelte Verbindung zur Landschaft geben einen guten Einblick in das Leben „am Ende der Welt". Doch als eine Haushälterin in sein Leben tritt, sieht er sich mit ungewohnten Gefühlen und neuen Herausforderungen konfrontiert. Wir lesen von der rauen Schönheit des Küstenlebens und zugleich von den stillen, unverwechselbaren Momenten menschlicher Nähe und Eigenheiten.

Ich hab das Buch empfohlen bekommen mit dem Hinweis, dass es locker drei Jahre Skandinavistikstudium ersetzt. Leider kam ich aber irgendwie nicht so leicht und sofort in die Geschichte und konnte zeitweise nicht folgen. Und doch bin ich gleichzeitig gedanklich komplett nach Island ausgewandert. Ich hatte alles sehr bildlich vor Augen, die Landschaft, die Menschen, das Leben dort. Wer mal etwas anderes" lesen mag, dem sei die Geschichte sehr empfohlen!



Cover des Buches Die Insel Kolbeinsey (ISBN: 9783701717996)
Thomas_Lawalls avatar

Rezension zu "Die Insel Kolbeinsey" von Bergsveinn Birgisson

Thomas_Lawall
Existenzielles Verwirrspiel


Plötzlich ist alles anders. "Sein Freund" war schon immer depressiv gewesen, doch neuerdings scheint alles zu eskalieren.

"... als hätten alle Dämme nachgegeben und eine schwarze, zähflüssige Masse sich ihren Weg in seine Seele gebahnt wie ein reißender Strom durch eine geborstene Staumauer."

"Ein Mann", der Erzähler", fühlt sich verantwortlich, schon um der langjährigen Beziehung willen, seinem Freund zu helfen, der sich, wie dessen Mutter sagt, aufgegeben hat und nicht mehr leben will.

Die Zwangseinweisung in die Psychiatrie scheint unvermeidlich, was die beiden Männer gleichsam in eine tiefe Krise treibt. Jeden auf seine Art. Der Mann verliert die Orientierung und sein Alltag bricht aus den gewohnten Bahnen aus, was auch seiner Freundin nicht entgeht:

"Wo bist du, mein Freund? Wo ist mein fröhlicher Junge?"

Schließlich entschließt er sich, seine Vorlesungen an der Uni in Reykjavik ausfallen zu lassen, um seinen Freund zu besuchen. Die Dinge entwickeln sich anders als gedacht, als selbiger nach mehreren Versuchen endlich zu sich kommt, reagiert und zu sprechen beginnt...

Leserinnen und Leser ahnen noch nicht, was sie erwartet, wobei die Sprache Bergsveinn Birgissons indirekte Hinweise gleich zu Beginn gibt. Das sind keine Dialoge von der Stange, und schon gar nicht eine Geschichte wie jede andere. Diese Reise geht nach innen. So als ob zwei Menschen ihr vergessenes Seelenleben neu entdecken.

Die Hauptdarsteller kommen ohne Namen aus. Die Geschichte braucht sie nicht. Sie lebt von dem, was sie tun und was sie sagen. Die ausgeprägten Dialoge geraten immer mehr aus dem Ruder und sind geprägt von Vorwürfen, Anklagen und Selbstzweifeln. Sowohl Realität als auch Literatur, des Erzählers Fachgebiet, werden in Frage gestellt. Auch für Leserinnen und Leser ergeben sich immer mehr Fragen.

Die erste mag sein, wer denn nun eigentlich der Depressive ist und die weitaus größere gipfelt in der Vermutung, dass hier irgend etwas ganz und gar nicht zu stimmen scheint. Schließlich scheint sich die abenteuerliche Befreiung aus der Psychiatrie, die sich anschließende Flucht kreuz und quer durch Island und die Verfolgung durch eine rabiate Krankenschwester in eine sich immer weiter steigernde Absurdität zu entwickeln.

Hierzu gehört auch und ganz besonders das Ziel der Reise. Die Insel Kolbeinsey misst nur noch wenige Quadratmeter und ist dem sicheren Untergang geweiht. In nicht wenigen Passagen verliert man die Orientierung und kann dem Wechselspiel der schrägen Realitäten, den Bezügen in die nordische Mythologie und dem Sinn des Ganzen überhaupt, kaum mehr folgen.

Wie soll das alles überhaupt enden? Nach Kolbeinsey geht es nicht weiter. Der Rest dieser Insel markiert eine Grenze. Auch jene der Literatur vielleicht, deren Bedeutung der Erzähler sich nicht mehr sicher ist. Eine Entscheidung scheint unausweichlich zu sein, eine Art Lösung des existenziellen Verwirrspiels aus Sinnfindung, Selbstheilung und -reflexion.

Ob wohl (mindestens) eine Figur für den Autor selbst steht? Wie dem auch sei: Das Ende löst den Knoten und fasziniert ebenso, wie die Geschichte selbst, was man erst im Nachhinein erkennt. Eine seltsame aber reale Erleichterung schafft sich Raum, und wirkt wie eine unerwartete, aber um so mehr beflügelnde Erlösung. Fragen gibt es jetzt keine mehr.

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