Der Rest der Zeit

von Bernadette Németh 
4,7 Sterne bei20 Bewertungen
Der Rest der Zeit
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Neue Kurzmeinungen

JosefBrodtraegers avatar

Doppelliebe

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Ein erschreckend ehrlicher Roman. Ich hätte die Autorin manches Mal gerne umarmt.

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Inhaltsangabe zu "Der Rest der Zeit"

Als die Ärztin Tünde plötzlich selbst zur Patientin wird, beginnt sie über die Sinnhaftigkeit ihres Lebensweges nachzudenken. Ihre Geschwister Adam und Melinda eilen, ihr beizustehen, aber auch sie stehen vor Trümmern. Das Zurück gibt es nicht. Aber es gibt die Suche nach Verständnis, nach der Aufschlüsselung jener Kräfte, in deren Spannungsfeld die freie Entscheidung zum Diktat der Erwartungen verkommen ist. Wenn es ihnen gelingt, die Kräfte zu durchschauen, kann der Ausbruch gelingen.

Ein facettenreicher Roman von sprühender erzählerischer Kraft, der sich der Erforschung innerer Konflikte und der Suche nach den versteckten Zusammenhängen widmet.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783903091238
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:328 Seiten
Verlag:Verlag Wortreich
Erscheinungsdatum:16.01.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Bücherwurms avatar
    Bücherwurmvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein erschreckend ehrlicher Roman. Ich hätte die Autorin manches Mal gerne umarmt.
    das Leben ist vergänglich

    Nun hatte ich gerade kürzlich geäußert, dass ich keine fiktiven Romane mehr lesen mag. Einfach, weil ich -auch Dank meines eigenen dramatischen Lebenslaufes- mit Happy Ends einfach nicht mehr klar komme ...
    Und dann kam dieses Buch: "Der Rest der Zeit" von Bernadette Nemeth. Eine Geschichte von drei Geschwistern. Zwei Töchter, ein Bruder.
    Alles drei versuchen ihren Veranlagungen entsprechend einen Lebensweg zu finden, glücklich zu werden. Alle drei haben Träume, Hoffnungen und Idealismus. Alle drei sind lebhafte, aktive und realistische Figuren, aber sind sie glücklich?
    Woran liegt das, dass ein Mensch in seinem Leben mit viel mehr Unglück, Schicksalsschlägen und bösen Folgen von Fehlentscheidungen klar kommen muss, als dass da glückliche Momente sind, die das Leben lebenswert machen?
    Ich fand das Buch ausgesprochen gut geschrieben, spannend und lebensecht! 
    Nicht übertrieben, sondern glaubhaft. 
    Da ich ebenfalls als junge Frau in Krankenhäusern gearbeitet habe, kann ich jeden Satz doppelt unterschreiben. Ja, die Situation des Mobbings ist auch in Deutschland, auch heute wie beschrieben auf fast jeder Station zu finden. In vielen Krankenhäusern geht es weniger um die Patienten als um das Gegeneinander der dort Angestellten.
    Als ältere Leserin kann ich heute mit dem Erlebten anders umgehen und ich hätte zu gerne die Autorin hin und wieder in den Arm genommen.
    Ich kann dieses Buch wärmstens empfehlen, und ja, es gibt sie, die Romane ohne rührselige Wendung zum Guten, ob ein Happy End vorliegt, das mag jeder für sich entscheiden.

    Kommentare: 1
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    JosefBrodtraegers avatar
    JosefBrodtraegervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Doppelliebe
    Doppelliebe

    Gleich ab den ersten Zeilen nimmt die Autorin Bernadette Németh in dem Roman Der Rest der Zeit den Leser an der Hand und führt ihn durch diese Familiengeschichte hindurch.

    Sie tut das manchmal sehr zärtlich und einfühlsam, dann wieder unmissverständlich und sogar schonungslos aufrichtig, erzählt erotisches Verlangen und Träume genauso meisterhaft wie  über den anstrengenden  und auslaugenden Alltag einer  jungen Turnus Ärztin. Über Daseins- und Versagensängste, Pflichtbewusstsein und Opferrollen. Sie erzählt über Unerfülltes, versteckte Begierden, erwachendem Willen und der Wunsch nach dem richtigen Leben genauso, wie über Verdrängte Ziele und geheime Liebe.

    Es ist die Geschichte einer Familie wo die Kinder die Traurigkeit der Mutter fühlen und erahnen, wo diese ihre künstlerische Laufbahn der Familie opfert und die Kinder, zwei Töchter und ein Sohn dadurch selbst in diese Rolle geraten.

     

    „Die Erkenntnis traf ihn so hart, dass er sich hinsetzen musste, die Erkenntnis, dass er nicht alles wusste über seine Mutter; sogar sie trug ein Geheimnis mit sich herum, ein bitteres Geheimnis…Und er fühlte sich schuldig wie er versucht hatte, beides zu haben Agi und Lenka, während der Rest seiner Familie immer dazu verdammt gewesen war zwischen zwei Möglichkeiten zu entscheiden, Ehefrau oder Geliebte, Mutterschaft oder Beruf, Priester oder Familienvater, Ärztin oder Schriftstellerin; alle hatten sie Doppellieben und zerbrachen daran, letzten Endes auch er und seinen Schwestern. Und ausgerechnet er, der immer die höchsten moralischen Ansprüche gestellt hatte, hatte sich nun das unverschämte Recht herausgenommen, ein zweites Leben zu wollen. Und dann wusch er sich die Hände, bis sie bluteten.“

     

    Bernadette Németh geboren 1979 in Wien, wuchs zweisprachig auf und wurde zuerst Journalistin und Ärztin, bevor sie sich immer stärker der Schriftstellerei widmete.

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    LimitLesss avatar
    LimitLessvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Realistische Lebensgeschichten.
    Was bleibt am Ende?

    3,5 Sterne

    In ihrem Debüt zeichnet Bernadette Németh interessante Lebensgeschichten, die von einer gewissen schicksalhaften Traurigkeit geprägt sind. Es geht um die drei Geschwister Tünde, Melinda und Adam, aus deren Sichten die Geschichte erzählt wird. Tünde setzt sich jedoch als eigentlicher Hauptcharakter durch. Das meiste geschieht rückblickend und die eigentliche Ausgangsituation dient nur als Rahmen am Anfang und am Ende. Mir hat in der Hinsicht ein bisschen was gefehlt, ich wollte immer, dass endlich der Anfang weitererzählt wird. 

    Die Autorin arbeitet mit einigen Geheimnissen, die mit der Zeit aufgedeckt werden und Spannung erzeugen sollen. Dies ist ihr nicht immer so gut gelungen und wirkte eher zu gewollt. Der Schreibstil an sich hat mir jedoch sehr gut gefallen, sie hat viele wichtige Themen angesprochen und in die Geschichte verarbeitet. Vor allem durch den Beruf von Tünde, sie ist Ärztin bzw. in der Ausbildung dazu, wird sehr viel vermittelt. Die Themen werden aber (außer die beschissenen Arbeitsbedingungen für junge Ärzte) nur oberflächlich angekratzt.

    Die Charaktere sind mir leider nicht ganz so sympathisch geworden. Man bekommt sozusagen einen Schnelldurchlauf der Lebensgeschichten und nicht nur von den drei Hauptpersonen. Schön fand ich, dass keine der Personen einem schwarz-weiß Muster unterlag, sondern alle mit vielen Facetten ausgestattet wurden. Die Figuren verkörpern vieles, konnten mich aber nicht so richtig berühren bzw. kein großes Interesse wecken, so vielseitig sie auch dargestellt wurden. Mir hat die Handlung gefehlt. Die Rückblenden, die sich wie die Gegenwart angefühlt haben, konnten mich doch nicht ganz überzeugen.

     

    Fazit

    Ein ansprechendes Debüt mit vielseitigen und gut gezeichneten Figuren und einem wirklich sehr lesenswerten Schreibstil. Die Lebensgeschichten sind von einer gewissen Schwere umhüllt und von einer Traurigkeit eingenommen. Ich konnte deswegen keine langen Passagen am Stück lesen und doch ist es auch eine Geschichte, die dazu aufruft, das Leben zu leben, das man sich wünscht.

     

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    S
    Susanne_Stokreitervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein gelungenes Werk, das Lust auf das Lesen weiterer Bücher von Bernadette Nemeth macht!
    Bernadette Nemeth hält den Spiegel vor

    Der Roman „Der Rest der Zeit“ von Bernadette Nemeth führt den Lesenden in die Geschichte der Familie Enek, die ihre Wurzeln in Ungarn hat. Die Autorin schildert den Umgang des früheren Ungarns mit seinen Bürgern, deren Bespitzelung und  Vernehmungsmethoden bis hin zu gestellten Unfällen zum Zweck des Machterhalts. Sie erspart dem Lesenden nicht die Auswirkungen einer Fluchterfahrung, die lebenslange Traumatisierung, die Flüchtende – so auch der Vater der Familie – zum Bestandteil des neuen Lebens in Freiheit machen müssen.

    Die Hauptfigur des Romans ist Tünde, eine Ärztin. Sie eint mit ihren Geschwistern, dass alle Drei gebildet und sozial eingebettet sind, sich jedoch in Sinnkrisen befinden. Die Seele als maßgeblicher Bestandteil von Lebensqualität wird nicht ihren Wünschen entsprechend bedient – der Bruder sieht seine Berufung entgegen seinem Broterwerb in der Geistlichkeit, die Schwester befindet sich in der Unzufriedenheit einer Beziehung und Tünde selbst sehnt sich danach, Schriftstellerin zu werden.

    Authentisch schildert die Autorin den Alltag in einem Spital, mit Machtspielen, der als Hierarchie getarnten Hackordnung, der fehlenden Unterstützung und skrupelloser  Demoralisierung neu Hinzukommender. Sie benennt schonungslos den Ärztemangel und die Realität von Dienstzeiten (Zitat): „Man darf nicht an den falschen Tagen krank sein“. Ein Hauch von Sarkasmus macht die bittere Pille des Systems eines Krankenhauses für den Lesenden erträglich.

    Bernadette Nemeth macht aber auch deutlich, wie schwer es ist, die Logik einer Familiengeschichte zu durchbrechen: Die einen flüchten aus ihrer Heimat, die anderen vor einer geplanten Hochzeit. Es ist in beiden Fällen die Flucht vor einem unerwünschten Leben. Aber auch das Muster elterlicher Verantwortung dem Kind das ersparen zu wollen, was sich für das eigene Leben als Irrweg herausgestellt hat und damit in Wirklichkeit den Weg des Kindes zu behindern, wird nicht tabuisiert.

    Bei allen Familiendetails geht es im Endeffekt um gelebte Werte und Rollenverteilungen, die trotz besten Absichten nicht immer zum gewünschten Ergebnis führen. Zwänge bestimmen den Alltag - im Beruf, in Beziehungen oder im Waschen der Hände - Zwänge durch Erwartungshaltungen diktiert oder durch vorauseilenden Gehorsam selbst auferlegt. Als Lesender würde man am liebsten protestieren, um den zu erwartenden Verlauf zu stoppen, wenn ein junger Mann im Lieblingsrestaurant der Eltern um die Hand seiner Angebeteten anhält.

    Der Roman beschreibt Herausforderungen wie Patchwork in Familien oder die Rolle eines sozialen Vaters. Er macht aber auch betroffen, wenn er Ausgrenzung durch fremden Akzent in der Sprache oder den Umgang mit dem Tod in seinen unterschiedlichen Facetten thematisiert. Die Autorin konfrontiert unbarmherzig den Lesenden mit dem Gefühl des Versagens der Protagonistin, was zwangsläufig zur Reflexion auch des eigenen Lebens führt.    

    Bernadette Nemeth hat einen großartigen Schreibstil. Sie erzeugt mit vielen wunderbaren Metaphern klare Bilder in der Vorstellung des Lesenden. Die freizügige Beschreibung der erotischen Szenen überrascht, stellt man sich doch im Laufe der Erzählung auf biedere Familienwerte und Gehorsamkeit in Bezug auf familiäre Erwartungshaltungen ein, was erst gedanklich mit Freizügigkeit in Einklang gebracht werden muss. Die großzügige Verwendung von Semikolons lässt den Lesenden nicht zur Ruhe kommen und hält in der Handlung der Erzählung gefangen, zumal zeitweilig der Eindruck vermittelt wird, im Tagebuch der Autorin zu lesen. Das versöhnliche Ende des Romans entlässt den Lesenden aus der Spannung, in dem es Tündes Leben wieder zu einem einheitlichen Ganzen fügt.

    Ein gelungenes Werk, das Lust auf das Lesen weiterer Bücher von Bernadette Nemeth macht!

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Von existenzieller Wucht, wahrhaftig, großartig, erotisch
    existenzielle Wucht

    Von existenzieller Wucht, wahrhaftig, großartig, erotisch (Kurzmeinung C.G.)

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    P
    Paradeisvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Diese wichtige Lektüre macht nicht Lebensweise, kann aber hilfreiche und tröstliche Denkanstöße geben.
    Hilfreiche und tröstliche Denkanstöße

    Als frühere Spitalsärztin mit schockierenden Grenzerfahrungen stellt Bernadette die brennende Frage: Wie nützt du deine kurze Lebenszeit in Todesnähe? Mit eindringlichem Röntgenblick und empathischem Feingefühl werden Lebensabschnitte dreier Geschwister erzählt und reflektiert. Gefangen in den Zwängen ihres Familiensystems suchen diese nach der Sinnhaftigkeit ihrer ungelösten Probleme angesichts ständiger Lebensbedrohungen. Mühsam finden sie zu Entscheidungsfreude und stimmigen Einsichten.

    Mit meisterlicher Ausdruckskraft und urweiblicher Vernetzungskunst entwirft die Autorin sehr lebensechte Psychogramme, sodass der Leser darin sein ähnliches Schicksal erkennen kann. Die permanente Lust an Psychodramen und bisweilen arge Schocktherapie durch das brutal offene Benennen intimer Erotik und medizinischen Ekels mag kranke oder sehr sensible Leserinnen verstören, aber mehr Humor würde wohl nicht zur sehr ersthaften Todesthematik passen. Diese wichtige Lektüre macht nicht Lebensweise, kann aber hilfreiche und tröstliche Denkanstöße geben.

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    werderaners avatar
    werderanervor 2 Jahren
    Der Rest der Zeit

    Tünde eine junge Ärztin in Ausbildung erkrank selber und lernt das Krankenhaus aus der andren Seite kennen. Sie stellt ihr Ärzte dasein in Frage und stellt sich die Frage nach den Rest der Zeit..
    In Rückblicken erfährt man Tündes Werdegang in Krankenhaus und stellt sich manches mal die Frage ob Ärztin der richtige Beruf für sie ist. ebenso deutlich wird das das Gesundheitssystem selber zu kranken scheint.
    Außerdem geht es um ihre Geschwister deren Leben auch nicht gerade langweilig und Problemlos verläuft..
    Ein sehr gelungener Debütroman der auch nach den Lesen noch nachdenklich stimmt und nicht nach dem zuklappen vergessen ist.
    Absolute Leseempfehlung!!

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    F
    Fleivor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Mit eindringlichem Röntgenblick und empathischem Feingefühl werden Lebensabschnitte dreier Geschwister erzählt und reflektiert.
    Meisterhafte Ausdruckskraft durch weibliche Vernetzungskunst

    Als frühere Spitalsärztin mit schockierenden Grenzerfahrungen stellt uns Bernadette Németh die brennende Frage: wie nützt du deine kurze Lebenszeit in Todesnähe? Mit eindringlichem Röntgenblick und empathischem Feingefühl werden Lebensabschnitte dreier Geschwister erzählt und reflektiert. Gefangen in den Zwängen ihres Familiensystems, suchen diese mühsam nach der Sinnhaftigkeit ihrer ungelösten Konflikte, bis sie schließlich durch stimmige EInsichten zu befreiendem neuen Lebensmut finden.
    Mit meisterhafter Ausdruckskraft und urweiblicher Vernetzungskunst entwirft die Autorin spannend so lebensechte Psychogramme, dass der Leser darin sein eigenes, sehr ähnliches Schicksal erkennen kann. Die permanente Lust an Psychotraumen und Schocktherapie durch bisweilen schonungslos offene Benennung intimer Erotik und medizinischem Ekel mag kranke oder sehr sensible LeserInnen verstören, aber mehr Humor würde wohl nicht zur zeitlos aktuellen Todesthematik passen.
    Diese wichtige Lektüre allein macht noch nicht lebensweise, gibt aber hilfreiche und tröstliche Denkanstösse.
    I.F.

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    Chirises avatar
    Chirisevor 2 Jahren
    Toller Debütroman, der einen nachdenklich zurücklässt

    Als die Ärztin Tünde plötzlich vor einer lebensbedrohlichen OP steht, lernt sie zum einen das Krankenhaus von der Patientenseite aus kennen und zum anderen stellen sich ihr Fragen über den Sinn ihres bisherigen Lebens, ob sie all das getan hat was sie tun wollte, ob sie sich an manchen Stellen hätte anders entscheiden sollen. Auch ihre Geschwister, Adam und Melinda, die mit der schrecklichen Nachricht konfrontiert werden, haben mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen..

     Bernadette Németh hat einen tollen Schreibstil, der einen gleich gefangen nimmt und immer wieder mit zitatwürdigen Passagen punktet. Das Buch ist in eine Rahmenhandlung eingebettet, die in der Gegenwart spielt, und in den Kapiteln wird in Rückblicken und abwechselnd aus der Sicht aller drei Geschwister erzählt, sodass man sie und ihr Leben und ihre Probleme kennen lernen kann und nah an sie herankommt. Sie sind geprägt von ihrer Vergangenheit, von den Erwartungen, die von anderen und ihnen selbst an sich gestellt wurden. Ich fand sie abgesehen von Tünde nicht direkt Sympathieträger, aber doch habe ich ihre Entscheidungen verstanden. Gleichzeitig bedrückt es einen davon zu lesen, wie sie sich teilweise selbst verleugnen und ihrem Glück im Weg stehen. Aber gerade das ist so realistisch und wird einem schonungslos vor Augen geführt. Mich haben die Lebenswege der drei Geschwister zum Reflektieren über mein eigenes Leben gebracht, über Entscheidungen, mögliche Fehlentscheidungen, die man nicht mehr ändern konnte oder wollte aus Angst jemanden zu enttäuschen. Ein großes Thema war auch das der Leidenschaft, der eigenen Interessen, die bei manchen Personen auf der Strecke bleiben aus „rationalen“ Gründen und was es mit einem macht, wenn einem dies irgendwann bewusst wird. Mittendrin ließ mich „Der Rest der Zeit“ eher bedrückt und deprimiert zurück, doch am Ende war ich wieder etwas versöhnt und konnte vor allem auch einige wichtige Aussagen daraus mitnehmen.

    Fazit: Ein tolles Buch, das man schnell gelesen hat, das aber noch lange in mir nachgehallt hat. Eine klare Leseempfehlung von mir, wenn man Bücher mag, die einen mit unangenehmen Wahrheiten konfrontieren und einen zum Nachdenken anregen.

    Kommentare: 5
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    I
    Isabell47vor 2 Jahren
    Lebe dein Leben!

    "Lebe dein Leben" so könnte "Der Rest der Zeit" auch verstanden werden und jeder sollte sich bewusst machen, dass er nur ein Leben hat und wie er dieses leben möchte bzw. in wie weit er die Möglichkeit hat es zu beeinflussen.
    Doch kurz zum Inhalt :
    Als die Ärztin Tünde zur Patientin wird, lässt sie ihr eigenes Leben Revue passieren. Ebenso wird das Leben ihrer Geschwister und ihrer Eltern geschildert. Denn sind diese Menschen glücklich? In wie weit haben sie ihr Leben in der Hand?
    Mich hat diese Geschichte sehr bewegt und insbesondere hat mich Tünde beeindruckt, die während ihrer Ärzteausbildung sehr unter den unmenschlichen Bedingungen gelitten hat. Sie hat da schon vieles in Frage gestellt, aber ganz klar wird ihr es, als sie selber vor einer gefährlichen OP steht.
    Jeder der Menschen in dieser Geschichte hatte Gründe für sein Handeln bzw. war in sich selbst gefangen.
    Dieses Buch gibt einem die Gelegenheit über das eigene Leben nachzudenken. Bin ich glücklich und zufrieden und wenn nicht, was kann ich ändern?
    Dieses Buch bekommt eine klare Leseempfehlung von mir, denn es punktet mit leisen Tönen, die mich nicht zu Ruhe kommen ließen.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Bernadette35s avatar
    Ich freue mich sehr, eine Leserunde zu meinem Debütroman "Der Rest der Zeit" ankündigen zu dürfen. Mein Roman wird am 23.1.17 im Literaturhaus Wien vorgestellt; weiters lese ich am 25.3. bei der Leipziger Buchmesse daraus. Es handelt sich um einen Familienroman über weitergegebene Muster, versteckte Begierden und die Suche nach dem Glück. Anbei die Beschreibung des Verlags mit Leseprobe: http://verlag-wortreich.at/buecher/der-rest-der-zeit/
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