Der Winterkönig

von Bernard Cornwell 
4,3 Sterne bei255 Bewertungen
Der Winterkönig
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Kriegsgemetzel gepaar mit heidn. Götterkult. Die Geschichte Britanniens in einen Roman gepackt mit berühmten Namen...

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Zu distanziert und berichtartig, um mich wirklich packen zu können.

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Inhaltsangabe zu "Der Winterkönig"

Winter über Avalon
Britannien zum Ende des fünften Jahrhunderts: Die Tage der großen Dunkelheit sind angebrochen. Längst ist die Erinnerung an das römische Imperium verblasst, und die heidnischen Götter weichen vor dem erstarkenden Christentum zurück. Über das Meer dringen die Heere der Sachsen auf die Insel. Eine tödliche Gefahr, denn die Bündnisse zwischen den keltischen Königreichen sind zu zerbrechlich, um dem Ansturm der Feinde auf Dauer standzuhalten. Als der Großkönig Uther Pendragon stirbt und sein Nachfolger noch ein hilfloses Kind ist, gibt es nur einen Mann, der den Thron halten kann: Uthers Bastardsohn, sein Name ist Arthur.
Der erste Band von Bernard Cornwells großer Artus-Trilogie.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499246241
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:688 Seiten
Verlag:ROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum:01.09.2008
Das aktuelle Hörbuch ist am 09.09.2013 bei Random House Audio erschienen.

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    MamaSandras avatar
    MamaSandravor 25 Tagen
    Kurzmeinung: Kriegsgemetzel gepaar mit heidn. Götterkult. Die Geschichte Britanniens in einen Roman gepackt mit berühmten Namen...
    Auftakt einer Trilogie in Anlehnung an die Artus-Sagen

    Inhalt:

    Mordred, der Enkelsohn des Großkönigs Uther Pendragon soll den Thron übernehmen. Dass er nach schwerer Geburt auch noch mit verkrüppeltem Fuß auf die Welt kam, ist schon ein schlechtes Omen. Dazu stirbt Uther noch bevor Mordred laufen kann. Aufgrund eines Eides wird Arthur, unehrenhafter Sohn Uthers, sowie andere wichtige Personen Britanniens zu Beschützern des Königs. Auf verschiedenen Wegen reduzieren sich diese Beschützer selbst, Arthur wird der wichtigste Protektor Mordreds und soll ihm später ein geeintes Britannien übergeben. Er selbst zerstört den Frieden des Landes aber, indem er, statt Ceynwin von Powrys zu ehelichen, mit Guinevere durchbrennt. Das Land liegt gegeneinander im Krieg, die Sachsen kommen vom Festland, die Iren streiten im Norden.

    Und mittendrin kämpft der Erzähler, Derfel, als Krieger auf Arthurs Seite. Er schreibt seine Erlebnisse der damaligen Jahre nieder und erzählt alles neben seiner Befürworterin Igraine, die ihre Vorstellung des berühmtes Arthurs untermalen möchte.

     

    Schreibstil:

    Es gibt keine Kapitel, sondern 4 größere Teile. Lange Abschnitte sind gelegentlich durch Absätze getrennt, man muss daher ziemlich viel in einem Rutsch lesen, kann schwer unterbrechen ohne den Faden zu verlieren. Derfel, der inzwischen alte Mönch, erzählt aus seiner Perspektive, gibt einen Rückblick auf die Geschehnisse ab Mordreds Geburt. Kriegsgeschehnisse und göttliche Riten werden sehr detailreich beschrieben.

     

    Meine Einschätzung:

    Gekauft haben wir die Trilogie anlässlich unseres Cornwall-Urlaubes und aufgrund der Neugier auf die Auslegungen der Artus-Sagen. Dieses Buch ist ein Roman „in Anlehnung an verschiedene Sagen dieser Zeit“. Mit dem Artus-Hörspiel für unsere Kinder hat es gar nichts mehr zu tun :- )  Trotzdem ein interessanter historischer Roman.

    Eigentlich bekriegt sich ganz England und dazu noch die Christen gegen die Druiden mit ihren alten Göttern. Bekannte Namen kommen eher schlecht weg: Merlin lässt sich äußerst selten blicken und ist dann eher mürrisch und unsympathisch, statt der liebe zaubernde Helfer. Arthur ist ein guter Krieger, aber sehr naiv und im Herzen schwach. Lancelot ist ein Weichei und Schönling, der sich geschickt um jeden Schwertkampf drückt.

    Derfel ist dann schon der Held der Geschichte, der irgendwie jeden Krieg unbeschadet übersteht, ist er ja auch der Todesgrube entkommen. Galahad aus Benoic ist mir hingegen sehr sympathisch, Nimue eine interessante aber ganz schön wahnsinnige Person, Norwenna eine noch naivere Frau als man zuerst denkt, Guinevere ein berechnendes Biest, welches sicher noch ein paar Überraschungen mit sich bringt. Soweit zu den Hauptpersonen der Handlung.

    Detailliert werden Kriege beschrieben, wobei ich ehrlicherweise immer mal ein paar Absätze nur überflogen habe. Genauso genau werden heidnische Riten beschrieben, die manchmal wirklich ekelhaft sind. Das Buch ist nichts für schwache Nerven und kann schon schlimme Bilder hervorrufen, die man nicht im Traum wiedersehen möchte.

    Ich habe mich ein bisschen durch den ersten Band gekämpft, denn auch die Orts- und Personennamen sind schwer zu lesen. Sicherlich gut recherchiert, aber im Lesefluss hindert es sehr, wenn so viele Vokale fehlen und man ins Stocken gerät, weil man gar nicht weiß, wie man das ausspricht.

    Mittlerweile bin ich im 2. Band etwas vorangeschritten und habe mich an den Stil des Autors gewöhnt. Das Buch ist sicherlich Geschmackssache. Wer auf britisches Kriegsgemetzel abfährt und etwas über den heidnischen Götterkult lesen möchte, ist hier gut aufgehoben. Meins ist es nicht unbedingt, aber ich lese dennoch alle 3 Teile. Das Buch ist ganz ok.

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    kornmuhmes avatar
    kornmuhmevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Zu distanziert und berichtartig, um mich wirklich packen zu können.
    Zu distanziert und berichtartig

    Inhalt:

    Britannien gegen Ende des 5. Jahrhunderts. Großkönig Uther ist alt und muss sich Gedanken um die Thronfolge machen. Der relative Friede und die Einigkeit unter den verschiedenen keltischen Stämmen, für die Uther ein Garant war, droht zu zerbrechen. Mit Mordred gerät schließlich ein Kindkönig auf den Thron, für den Uthers Bastardsohn Arthur die Vormundschaft übernimmt. Dunkle Tage brechen an, denn nicht nur streiten ein immer stärker werdendes Christentum und der einheimische Götterglaube um die Vorherrschaft; auch die Sachsen an der südöstlichen Küsten drängen immer weiter vor, plündern, brandschatzen und morden. Hinzu kommt, dass Arthur nicht von allen seinen Verbündeten anerkannt wird, so dass auch Krieg unter den vereinten Königreichen droht.

    Meinung:

    Bernard Cornwell zieht seine Arthus-Geschichte anders auf als die vielen Legenden und Mythen, die man vielleicht sonst so kennen mag. Im Vordergrund stehen hier die historischen Gegebenheiten und Verhältnisse, wie sie zu jener Zeit hätten sein können. Da die Quellenlage diesbezüglich mehr als dürftig aussieht - wie der Autor in einem sehr interessanten Nachwort anmerkt -, ist es Cornwell umso höher anzurechnen, dass er ein lebendiges und farbenreiches Bild dieses "dunklen Zeitalters" zeichnet. Immer wieder habe ich mir während der Lektüre gedacht: Ja, so könnte es in der Tat gewesen sein. Dies ist auch die große Stärke des Buches: das Bemühen um historische Authentizität. Cornwell konzentriert sich vor allem auf die politischen und religiösen Auseinandersetzungen und zeichnet diese detailliert nach: Es gibt nur noch Überreste der einstigen römischen Herrscher und die eigentlichen Briten müssen permanent um ihre Identität ringen. Der Frieden unter den verschiedenen Stämmen ist brüchig, das Christentum konkurriert mit dem einheimischen Heidentum und die Sachsen sowie die Iren sind eine grausame Bedrohung für die Menschen besonders in den Küstenregionen.

    Dieses ganze große Durcheinander hat mir in Cornwells Darstellung umheimlich gut gefallen, weil es zum einen sehr lehrreich war (selbst wenn man nicht alles als historisch gesichert betrachten darf), zum anderen aber auch richtig spannend. Ich mag diese ganzen politischen Auseinandersetzungen und religiösen Konflikte.

    Woran es dem Buch aber eindeutig mangelt, sind Charaktere! Die Geschichte wird uns aus der Sicht von Derfel, einem ehemaligen Kampfgefährten Arthurs, berichtet. Und dabei bleibt es auch: Das komplette Buch gleicht einem Bericht, bei dem ich als Leser durchgehend das Gefühl hatte, außen vor zu bleiben. Ich war nie Teil der Geschehnisse, sondern fühlte mich merkwürdig distanziert und daher auch kalt gelassen von den geschilderten Ereignissen. Mit Arthur konnte ich kaum etwas anfangen, er blieb auch am Ende des Buches für mich blass und unnahbar. Selbst Derfel, der Erzähler, wurde für mich nie zu einer Figur, mit der ich mitfiebern konnte.

    Auch der Scheibstil ähnelt dem eines Berichts; echte Emotionen sind bei mir nie aufgekommen, so dass sich die Lektüre als recht zäh und bisweilen langatmig gestaltete. Ob ich den 2. und soger 3. Teil dieser Arthur-Saga lese, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

    Fazit:

    Hervorragend recherchiertes Buch über die Arthur-Zeit, wie sie historisch wirklich hätte sein können. Leider vermisse ich starke, driedimensionale Charaktere. Die Geschichte hat mich zu keiner Zeit an sich herangelassen, alles blieb seltsam distanziert und blass. Für mich ganz klar verschenktes Potenzial.

    3 von 5 Sternen

     

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    ErleseneBuechers avatar
    ErleseneBuechervor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Man muss für das Buch Zeit investieren, aber es lohnt sich.
    Druiden, Toteninsel & Schildwall

    Ein gewaltiges Werk! Es ist so umfangreich und detailliert ausgearbeitet, dass man gerade zu Beginn das Gefühl hat, fast erschlagen zu werden. Herr Cornwell überhäuft einen schon auf den ersten Seiten mit etlichen fremdländischen Namen von Personen und Orten. Es bedarf ein wenig Kampfgeist, sich dem zu stellen. Außerdem gehört es natürlich auch zu Cornwells Charme, dass er z.B. Schlachten oder Orte sehr genau, sachlich, ausführlich und ausufernd beschreibt. Das muss man mögen.

    Aber, wenn man sich dem allen stellt und sich durchkämpft, dem Buch Zeit gibt, eröffnet sich ein großartiges Abenteuer. Man wird hineingenommen in das Britannien der ersten Jahrhunderte nach Christus. Man taucht in eine bekannte, aber auch so fremde und faszinierende Welt ein, die einen gefangen nimmt – gerade durch die genaue Beschreibung, hat man das Gefühl, die Zeit von damals fast zu riechen und zu spüren.

    Zwischenzeitlich dachte ich immer wieder, dass mir das alles zu nüchtern geschrieben ist, mir fehlten die Emotionen, die Leidenschaften, die inneren Gefühle und Gedanken. Dann aber wiederum fieberte ich richtig mit und musste immer wieder an die Story denken.

    Man muss für das Buch Zeit investieren, aber es lohnt sich. Der Aufbau, der Erzähler Derfel, die Darstellung der damaligen Zeit ist wirklich klasse. Ich werde es auf jeden Fall auch mit den nächsten beiden Bänden aufnehmen, muss aber erstmal ein wenig zu Atem kommen.

    Bewertung: 4 von 5 Punkten

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 6 Jahren
    Rezension zu "Der Winterkönig" von Bernard Cornwell

    Das war nix: Gefühlte 20 Namen direkt zu Beginn + gefühlte 20 Orte + Altenglische kaum aussprechbare Namen....
    Ne, kam nicht rein.

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    Laiiavasielvor 6 Jahren
    Rezension zu "Der Winterkönig" von Bernard Cornwell

    Großartig! Die Sage des Königs Arthur (der gar kein König war) in einem neuen Gewand. Ich habe den ersten Band verschlungen und kann kaum erwarten wie es für Arthur, Derfel, Merlin und alle anderen weiter geht.
    Bernard Cornwell hat es, meiner Meinung nach, perfekt geschafft die Sage in das reale Britannien des 5. Jahrhunderts einzubinden. Ich bin begeistert!
    Zwar bin ich manchmal doch mit den vielen Namen und Orten durcheinander gekommen, aber dafür gibt es ja ein Personenregister und eine Landkarte am Anfang des Buchs.
    Mich hat begeistert mal eine ganz andere Beschreibung der alt bekannten Charaktere zu lesen und die Geschichte aus einem anderen Blickwinkel zu erleben.
    Für Fans von Bernard Cornwell ein absolutes Muss! Und für alle die historische Romane und Sagen mögen sowieso. ;)

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    andreasmks avatar
    andreasmkvor 6 Jahren
    Rezension zu "Der Winterkönig" von Bernard Cornwell

    Bernard Cornwell greift in diesem Buch den Mythos um König Arthus auf und kleidet ihn in ein historisch realistisches Gewand. Es erscheinen zwar die bekannten Figuren wie etwa Arthur, Merlin, Guinevere oder Lancelot aber man sollte sich beim Lesen von den klassischen Vorstellungen der Arthus-Sage lösen. Denn Cornwell nimmt sich die Freiheit diese Charaktere so zu verändern wie sie gewesen sein könnten, bevor sie durch mündliche und dichterische Freiheit beschönigt dargestellt wurden. Aber eben dadurch wirken sie noch glaubhafter.
    "Der Winterkönig" spielt in der sehr interessanten Zeit, nachdem die Römer Britannien verlassen haben, die einzelnen britischen Königreiche untereinander und mit den einfallenden Sachsen im Krieg liegen und alte und neue Religionen sich begegnen. Wie vom Autor gewohnt beschreibt er die Handlung sehr realistisch, so dass man sich direkt in das dunkle Zeitalter hineinversetzt fühlt, ob es nun um Lebensgewohnheiten, religiöse Rituale oder die Beschreibung von Schlachten geht. Die vorkommenden Orte, Königreiche, Kriege, Herrscher und Personen nehmen doch schon manches mal Überhand. Man sollte nicht zu lange Lesepausen machen.
    Ein sehr starker historischer Roman, der Lust auf mehr macht. Nicht zuletzt weil man erfahren möchte wie der Erzähler Derfel zu dem so scheinbar komplett anderen Mann wurde.

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    tara_tonkss avatar
    tara_tonksvor 6 Jahren
    Rezension zu "Der Winterkönig" von Bernard Cornwell

    Eine sehr gut recherchierte Geschichte um Arthur und die Walisischen Kriege im 5./6. Jahrhundert. Phantastisch, wie alle Romane von Cornwell! Auch die deutsche Übersetzung ist fabelhaft und es macht sehr viel Spaß, auch als Historikerin, seine Bücher zu lesen. Magie und Glaube werden Wirklichkeit und man lässt sich durch jedes Wort mitreißen.

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    Moark41s avatar
    Moark41vor 6 Jahren
    Rezension zu "Der Winterkönig" von Bernard Cornwell

    Der Winterkönig ist ein Buch, das die Artussage auf eine gänzlich andere Weise darstellt, als man sie aus den zahlreichen, oft beliebteren Erzählungen kennt.
    Gerade am Anfang sorgt das Durcheinander von Namen, Ortschaften, und der politischen Verhältnisse eben dieser untereinander für etwas Verwirrung und teils langatmige Stellen.
    Hat man sich allerdings durch diese Passagen gekämpft geht es zum Ende des Buches doch weitaus spannender zu.
    Insgesamt hatte ich mir vielleicht ein wenig mehr erwartet, bin aber auch nicht unzufrieden. Gute 3,5 (>4) Punkte.

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    Stefan83s avatar
    Stefan83vor 7 Jahren
    Das Erbe des Uther Pendragon

    Nachdem zuletzt die Warterei auf Band 5 von Bernard Cornwells Sachsen-Saga zu lang zu werden drohte, habe ich mir „Der Winterkönig“ aus dem Bücherregal hervorgeholt, um damit zumindest etwas die Zeit überbrücken zu können. Ich konnte ja nicht ahnen, dass der Auftakt der Arthur-Trilogie, welche Cornwell Mitte der 90er und damit chronologisch vor der so erfolgreichen Serie mit dem Sachsen Uthred geschrieben hat, die anderen Werke nochmal derart in den Schatten stellen sollte. Und dabei standen die Zeichen vor der Lektüre doch eigentlich nicht so günstig, gibt es schließlich bereits genug Bücher über die Artus-Saga, von denen ein Großteil (von wenigen Ausnahmen abgesehen) letztendlich am versuchten Spagat zwischen Fiktion und Fakten gescheitert ist. Besonders auf Letztere legt nun ja auch Cornwell bekanntlich großen Wert, weswegen das von ihm hier Geleistete umso höher zu bewerten ist. Ihm ist es gelungen, aus Mythen und Legenden, und trotz fehlender geschichtlich belegbarer Aufzeichnungen, einen historischen Roman zu schmieden, der die märchenhafte Erzählung zwar zu großen Teilen entzaubert, dafür aber gleichzeitig eine viel realistischere aus der Taufe gehoben hat. Diese sei schnell angerissen:

    Britannien Ende des 5. Jahrhunderts. Es ist eine dunkle, eine düstere Zeit. Die Königreiche der Insel werden von Sachsen und Iren gleichermaßen bedroht, innere Streitigkeiten sorgen für Krieg zwischen den einzelnen Stämmen. Uther Pendragon, der alternde Großkönig, wartet verzweifelt auf die Geburt seines Kindes, in der Hoffnung es möge ein Junge sein, der seine Nachfolge sichert. Sein Wunsch wird ihm erfüllt, doch nur wenige Zeit später stirbt Uther aufgrund seines hohen Alters. Da der Säugling mit dem Namen Mordred das Land nicht regieren kann, beginnt nun die Suche nach einem Vertreter unter den Rittern, der anstatt des jungen Königs die Führung übernimmt und die begonnenen Friedensgespräche zwischen den britannischen Stämmen weiter vorantreibt. Ist Mordred alt genug, muss dieser Regent von seinem Amt zurücktreten und dem von Geburt an bestimmten Herrscher die Macht übergeben. Doch wer soll dieser Ritter sein?

    Ein Rat wird gegründet, der aus den verschiedensten Stämmen den geeignetsten Kandidaten auswählen soll. Nach langen, zähen Verhandlungen einigt man sich schließlich auf Arthur, den Bastardsohn Uthers ohne legitimen Kronanspruch, der derzeit in Armorica, an der nordwestlichen Küste Galliens weilt, um dort das gefährdete britannische Reich gegen die vorrückenden Franken zu verteidigen. Bevor er sein Amt als Protektor Mordreds antreten kann, kommt es zu Verrat zwischen den Stämmen auf der Insel, den der junge rechtmäßige König nur knapp überlebt. Arthur eilt in Riesenschritten zur Hilfe und macht sich fortan an daran, das zerteilte Britannien zu einen, um die Sachsen endgültig vernichtend schlagen zu können. Alles sieht danach aus, als hätte er Erfolg. Die Heirat der Tochter eines ehemaligen Feindes scheint endlich den ersehnten Frieden und damit auch den Sieg zu bringen … bis Arthurs Blick auf die junge Guinevere fällt und durch seine Liebe zu ihr das gesamte Königreich in den Abgrund zu stürzen droht.

    Uther Pendragon, Arthur, Guinevere, Merlin, Gawain, Lancelot. All die aus der legendären Sage bekannten Namen tauchen auch in diesem Buch auf, soviel sei verraten. Doch mit den Namen endet dann auch jegliche Ähnlichkeit zu anderen Artus-Büchern. Von Rittern in glänzenden Metallrüstungen oder elfengleichen Prinzessinnen vor turmhohen Steinburgen fehlt hier nämlich jede Spur. Und auch die Figuren sind so ganz anders, als man sie aus Film und vergleichbaren Büchern kennt. Cornwell zeigt sich einmal mehr als innovativer Autor und lässt die Geschichte, wie auch in der Sachsen-Saga, rückblickend erzählen. In diesem Fall von einem alten Mönch mit Namen Derfel, der als Kind nur knapp einer Todesgrube entkam und als Mündel des Druiden Merlins aufwuchs. In späteren Jahren wurde er zum findigen Krieger, Heerführer und Freund an Arthurs Seite, mit er gemeinsam so manche Schlacht schlug, um letztendlich in einem christlichen Kloster zu landen. Nun, im hohen Alter, schreibt er auf Wunsch von Lady Igraine seine Erlebnisse nieder, wobei diese stets den Ausgang der Geschichte sowie die Darstellung der Figuren zu beeinflussen versucht, da die von Derfel berichteten Vorgänge nicht zu dem von ihr lieber gesehenen Heldenbild der Beteiligten passen wollen. An dieser Stelle spielt Cornwell augenzwinkernd auf die verschiedenen, zumeist eher traditionellen Artus-Sagen an, die in seiner realitätsnahen Geschichte letztendlich keinen Platz finden.

    Arthur ist hier kein strahlender Held und schon gar nicht König, sondern lediglich ein willensstarker, fähiger Krieger mit politischem Weitblick, dem es jedoch nicht an charakterlichen Schwächen und Feinden mangelt. Sein Mentor Merlin kann keine Zauberkräfte aufbieten und ist vielmehr der führende Kopf des vom Aussterben bedrohten Druidenkults. Und selbst Lancelot, der strahlende, blondgelockte Vorzeigeritter aus der Sage, hat keinerlei Ähnlichkeit mit der von z.B. Richard Gere verkörperten Figur. In diesem Buch ist er ein Feigling und Blender, und ein besonders hassenswertes Geschöpf dazu, an dem Cornwell seinen Spaß gehabt zu haben scheint. Selbiges gilt natürlich auch für Merlin, der mit seiner zynischen Art und dem staubtrockenen Humor nicht nur für ordentlich Spaß in der Geschichte sorgt, sondern der auch trotz seiner anfangs undurchsichtigen Handlungen die zusammenhängenden und -führenden Faden der Ereignisse in den Händen zu halten scheint.

    Wo sonst besonders die Ausarbeitung der Charaktere zu den größten Schwächen des Autors zählt (u.a. bei „Das Zeichen des Sieges“ oder den ersten Bänden der Uthred-Reihe), so ist sie gerade hier das Bemerkenswerte des Romans. Alle, wirklich alle Personen innerhalb der Handlung überzeugen mit einer beeindruckenden Tiefe und einem Facettenreichtum, den man sonst innerhalb dieses Genres vergeblich sucht. Gute und Böse gibt es hier nicht. Vielmehr verkörpert fast jede Figur vor allem das Menschliche, das Zerrissene. Geleitet von den verschiedensten Motivationen und Wünschen sind sie weit entfernt von den strahlenden Rittergestalten der Sage, wodurch der Plot nicht nur an Authentizität gewinnt, sondern auch der Leser einen viel engeren Zugang zu den Charakteren bekommt. Und obwohl sich Cornwell liebevoll um diese, SEINE Figuren kümmert, verliert er doch nie den größeren Kontext aus den Augen. Dies hat zur Folge, dass „Der Winterkönig“ weit mehr ist, als nur eine weitere Version einer Legende. Der Autor erweckt eine ganze Epochen mit ihren Kriegen, Religionsstreitigkeiten und politischen Auseinandersetzungen zum Leben, und tut dies derart bildreich und berührend, das man nicht anders kann, als mitgerissen zu werden. So blutig und brutal auch hier die Schlachten wieder sind, sind es doch diesmal die ruhigen Szenen, die im Gedächtnis haften bleiben und das Leseerlebnis damit zu einem äußerst nachhaltigen machen.

    Insgesamt ist „Der Winterkönig“ weit mehr als ein guter Auftakt einer Trilogie. Cornwell stellt hier vielleicht erstmals sein sprachliches Können und seine Befähigung als Romancier unter Beweis. Ein historischer Roman mit Anleihen des Fantasy-Genres, der einen Mythos auf die allerbeste Weise neu erzählt und gleichzeitig in Punkto Spannungsaufbau neue Grenzen auslotet. Für mich das (bisher) beste Werk dieses Autors, der sich langsam aber sicher zum Olymp des Genres schreibt.

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    artphilias avatar
    artphiliavor 7 Jahren
    Rezension zu "Der Winterkönig" von Bernard Cornwell

    Der Winterkönig hat mir sehr gut gefallen. Das Buch ist allerdings aus einer recht militärischen Sicht und kann für weibliche Leser, die sich vielleicht auch etwas mehr Romantik erhofft hatten, gelegentlich langatmig wirken. So ging es mir an ein paar Stellen. Im Großen und Ganzen ist der Roman jedoch herforragend geschrieben und macht Lust auf mehr. :)

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