Bernard Imhasly

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Autor von Indien.

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Indien

Indien

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Erschienen am 03.08.2016

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Ann-KathrinSpeckmanns avatar

Rezension zu "Indien" von Bernard Imhasly

Indien
Ann-KathrinSpeckmannvor einem Jahr

Meine Meinung:

Dies ist ein Buch, wo die durch das Cover und den Klappentext geweckten Erwartungen eine große Rolle spiele. Es gibt viele verschiedene Gründe ein Buch über ein Land zu lesen: Vielleicht möchte man sich fortbilden oder für sein Studium wissen sammeln. Ich wollte einfach nur mein Grundwissen über Indien erweitern, bevor ich im September nach Bangalore fliege. Auf dieses Buch bin ich in der Bibliothek gestoßen. Der Untertitel "Ein Länderporträt" klang für mich nach einem guten Überblick. Auch die Bezeichnung "Die besondere Reiseführerreihe" verstärkte den Eindruck. Und nach der Lektüre des Buches bin ich mir ziemlich sicher, dass der Autor genau dies als Ziel hatte. Leider ist er (meiner Meinung nach) weit über das Ziel hinausgeschossen.


Das Buch ist in ein Vorwort, einen Prolog, einem Epilog und in zwölf Kapitel unterteilt. Letztere befassen sich mit den größten Themen, die den meisten Menschen zu Indien einfallen. Dazu gehören beispielsweise die Ehe, Mythologie und Umwelt. So weit so gut. Beim Lesen hatte ich jedoch nicht das Gefühl einer Ordnung oder einem roten Faden zu folgen. Schon im Vorwort wird unsystematisch von all den Dingen berichtet, die es nicht in das Buch geschafft haben. Die im Prolog und Epilog aufgegriffenen Themen wirken bereits recht chaotisch. Und genau so geht es weiter. Ich sehe ein, dass es sehr schwer ist, sich für bestimmte Themen zu entscheiden und diese systematisch aufzuschreiben. Der Autor hat ohne Zweifel recht, dass dieses Länderporträt (und vermutlich auch jedes andere Buch über ein ganzes Land) sehr subjektiv und bruchstückhaft ist. Dies darf aber nicht als Ausrede dafür herhalten die Bruchstücke aneinander zu Reihen, wie sie dem Autor gerade einfallen.


Leider ist mir diese Vorgehensweise ständig aufgefallen. Die meisten Kapitel beginnen mit irgendeiner konkreten Geschichte oder Momentaufnahme. Vermutlich soll dadurch das Interesse geweckt werden. Das  könnte auch funktionieren, aber danach muss es dann systematisch weitergehen. Stattdessen folgen häufig Sätze im Sinne von "Da fällt mir gerade ein ...". Das hatte zur Folge, dass ich nur an jenen Stellen gut mitgekommen bin, mit denen ich mich schon ein wenig auskannte und an denen wenig bis gar keine fremden Namen genannt worden sind. Auf fast allen anderen Seiten geht vieles durcheinander. Das sorgt für Verwirrungen und nimmt die Lust am Lesen.


Ich möchte dem Autor auf keinen Fall sein Fachwissen absprechen. Er kennt sich mit Sicherheit hervorragend mit Indien aus und hat weit mehr zu sagen, als er in diesem Buch unterbringen kann. Er scheint dabei nur leider zu vergessen, dass der Leser möglicherweise noch kaum etwas über Indien weiß. Das hat auch zur Folge, dass der Leser nicht so leicht mit indischen Namen und Orten jonglieren kann. Natürlich kann der Autor nicht dafür sorgen, dass mir die Namen bekannter vorkommen, aber er und der Verlag hätten deutlich mehr Arbeit in die Leserfreundlichkeit stecken können und müssen. Warum werden keine Infokästen eingebaut, in denen Stammbäume schematisch dargestellt werden? Warum wird keine Karte mit Markierungen abgedruckt, wenn es um Orte geht? Warum gibt es keine grafisch hervorgehobenen Bereiche, wenn eine weiterführende Geschichte zwischen den eigentlich Text geschoben wird? Und was wäre so schlimm daran gewesen hin und wieder eine einfach Zeichnung einer beschriebenen Gottheit einzufügen? Schwarz-weiße, kleine Skizzen hätten vollkommen genügt. All das hätte helfen können. Stattdessen gibt es lediglich ein kleines Glossar und eine Karte am Ende, die aber ohne direkten Bezug zum Text kaum beim Verstehen oder Merken helfen.


Insgesamt denke ich, dass dem Autor und dem Verlag Testleser mit nur geringen Kenntnissen über Indien gut tuen würden. Es sollte mehr Wert auf eine gute Struktur und auf Leserfreundlichkeit gelegt werden. Deswegen gebe ich leider nur zwei Katzen.

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peedees avatar

Rezension zu "Indien" von Bernard Imhasly

Eine unwahrscheinliche Fülle von Informationen
peedeevor 2 Jahren

Reihe Länderporträts, Indien: Farben, Lärm, riesige Grösse, Armut vs. Reichtum, Kastenwesen, Bollywood, heilige Kühe, Taj Mahal – das sind Stichworte, die mir als Erstes bei Indien einfallen. Das zeigt wiederum, dass ich eigentlich keine Ahnung von Indien habe. Der Autor, geb. 1946, lebt seit 30 Jahren in Indien, zuerst als Schweizer Diplomat, dann als Südasien-Korrespondent der NZZ; er ist mit einer Inderin verheiratet.

Erster Eindruck: Ein zweigeteiltes Cover; oben sieht man ein chaotisches Strassenbild mit Autos, Elefanten, Rikschas und Männern, die mitten auf der Strasse stehen; unten nur den Buchtitel und Autorenname – gefällt mir.

Der Autor schreibt irgendwo „Es ist mehr eine Einfühlung als eine Einführung“; das Gefühl habe ich auch. Er liefert eine unwahrscheinliche Fülle von Informationen über Land und Leute – ich war schier erschlagen. Am Ende des Buches hat es nebst Literaturverweisen auch noch ein Glossar und eine Landkarte. Hier ein paar meiner Gedanken, Highlights, Bemerkungen:

- Grösse: Indien ist mit 3,2 Mio. km2 das siebtgrösste Land der Welt (Vergleich: Schweiz rund 41‘000 km2, Deutschland rund 357‘000 km2).

- Sprache: Es gibt kein „Indisch“; es gibt die Amtssprache Hindi, die mit 350 Mio. Muttersprachlern am weitesten verbreitet ist. Doch den Titel Nationalsprache muss sie sich mit weiteren 21 Sprachen teilen. Zudem gibt es weitere 1‘579 Sprachen und über 5‘000 Dialekte! Hm, in der Schweiz haben wir vier Amtssprachen, süss, oder?

- Es gibt nicht einfach „den“ Inder, nein – es ist eine für mich verwirrende Vielfalt: „Jede Inderin ist eine Tamil-Inderin, eine Rajasthani-Inderin, eine indische Assamesin, eine Südinderin. Die Bindestriche gehen noch weiter – es sind bengalische Assamesen muslimischen Glaubens oder einer bestimmten Kaste, südindische Marathen, die zudem Hindus sind, buddhistische Telugu-Inder oder Delhiwallahs aus einer Dalit-Unterkaste in Bihar […]“. Wow!

- Kastenwesen: Es gibt nur sehr wenig Leute, die ausserhalb ihrer Kaste heiraten (unter 5 Prozent). Für mich war das Kastenwesen bisher immer nur negativ behaftet, aber der Autor erzählt von einer Studie, dass für die Befragten die Solidarität innerhalb der Kasten wichtiger ist, als es die Job- und Bildungsquoten des Staates sind. Verblüffend, oder?

- Die meisten Auslandsinder leben in den USA (3,1 Mio. Inder); in Deutschland sind ca. 45‘000 Inder und in Indien ca. 3‘000 Deutsche ansässig. 150 Millionen indische Bauern produzieren gleich viel Nahrungsmittel wie sechs Millionen Amerikaner.

Was ich von diesem Buch mitnehme? Es gibt sehr viele Einblicke in den Hinduismus und die Geschichte des Landes. Sehr interessante Erklärungen zu den Themen Hochzeitsindustrie (Jahresumsatz von ca. 40 Mia. US-Dollar!), Politik, Arbeitssituation (jedes Jahr gibt es 12 Mio. Arbeitsmarktneulinge), Armut, Schwarzgeld. Schon gewusst, welcher Sport der Nationalsport Indiens ist? Nein? Es ist Cricket – wieder etwas gelernt.

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