Bernard Stiegler Die Logik der Sorge

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Inhaltsangabe zu „Die Logik der Sorge“ von Bernard Stiegler

Seit der Aufklärung gilt das Idealbild vom mündigen Individuum, das Verantwortung für sein Handeln trägt. Durch die Übermacht der neuen Medien und den globalen Kapitalismus wird jedoch die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, systematisch zerstört. Auch Erwachsene sind tatsächlich keine mündigen Individuen, sondern verharren in einem Zustand der Unreife, der es ihnen unmöglich macht, die jüngere Generation zu Verantwortungsbewußtsein zu erziehen. Ein Generationenvertrag wird aufgelöst und das Leben auf das Lustprinzip, die bloße Gegenwart, reduziert, somit wird Vergangenheit ausgelöscht und eine Zukunft nach den Idealen der Aufklärung aussichtslos. Die Folgen sind eine Infantilisierung der Gesellschaft, strukturelle Verantwortungslosigkeit und eine durch manipulative Medien verursachte gesamtgesellschaftliche Aufmerksamkeitsstörung. Bernard Stieglers Hauptinteresse gilt dem Zusammenhang von Kultur und Technik und den Veränderungen der Gesellschaft durch Medien und Digitalisierung. Der Autor klagt die Medien an, die in ihrer Funktion als "Psychotechnologien" ein triebgesteuertes Publikum heranzüchten, das nicht mehr Sorge tragen kann und soll - Sorge um das Selbst, die Familie, die Umwelt und auch die Sorge, wie sie sich in der mündigen Kritikfähigkeit äußert. Marketing wird zum alleinigen Instrument der Sozialkontrolle, die Telekratie ersetzt die Demokratie.

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  • Rezension zu "Die Logik der Sorge" von Bernard Stiegler

    Die Logik der Sorge
    beate

    beate

    07. March 2009 um 18:34

    Leider ist dieses Buch so schwer zu lesen, dass ich nur ca. die Hälftel des Textes verstanden habe. Das, was ich verstanden habe, war dann allerdings sehr einleuchtend: wie unsere moderne Kommunikationstechnologie und unser Umgang damit (vor allem Vorherrschaft des freien Marktes) dazu führt, dass mehr und mehr Mangel an Aufmerksamkeit entsteht und dass die Grenze zwischen Mündigkeit (=Erwachsensein) und Unmündigkeit (=Kindheit und Jugend) immer mehr verschwimmt, denn Mündigkeit kann nur entstehen, wenn ein eigenes Urteilsvermögen gefördert wird und gebildet wird. Um das zu erreichen ist aber Konzentration und Aufmerksamkeit erforderlich. So nervig es war, immer wieder über die Psychoanalytiker-Terminologie zu stolpern, so wohltuend war es für mich, dass hier jemand Dinge anspricht, die ich auch beobachte: Die Weigerung der Elterngeneration, die Erwachsenenrolle zu übernehmen, die steigende Zahl von Menschen mit Aufmerksamkeitsstörungen, die Verblödung durch Medienangebote, die Verkümmerung der eigenen Aufmerksamkeit durch die Filterung der Informationen, die Anbieter im Internet für uns übernehmen usw. Was mir halt trotzdem immer wieder gegen den Strich geht, ist die Dreistigkeit, mit der Psychoanalytiker ihre "Lehre" auch auf gesellschaftliche Phänomene übertragen, auch wenn es für die Untersuchung der gesellschaftlichen Phänomene eigene wissenschaftliche Disziplinen gibt. Trotzdem verblüfft es manchmal, wie sie dabei Dinge auf den Punkt bringen., Insgesamt durchwachsen, aber sicherlich kein Lesevergnügen.

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