Bernd-Lutz Lange Das gabs früher nicht

(3)

Lovelybooks Bewertung

  • 5 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 2 Rezensionen
(1)
(1)
(1)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Das gabs früher nicht“ von Bernd-Lutz Lange

Von der nahen Vergangenheit und der fernen Gegenwart

Wofür braucht der Mensch einen „Wellnesswecker“? Wieso streben alle einen definierten Body an, aber sprechen ein undefinierbares Deutsch? Und wenn alle auf Stand-by sind, warum haben dann so wenige einen Standpunkt? – Indem er das Früher mit dem Heute vergleicht, rechnet Bernd-Lutz Lange mit dem Zeitgeist ab.

„Es scheint mir, dass ich in eine Zeit geraten bin, in der vieles, was sich zum Teil über Jahrhunderte erhalten hat, nun verschwindet.“

Seit je haben bahnbrechende Erfindungen die Gewohnheiten und den Alltag der Menschen gravierend verändert. Man denke daran, wie das Telefon, die Elektrizität oder das Automobil das Leben der Menschen beschleunigt haben. Doch kein Vergleich mit heute: Über das Internet drängt die ganze Welt in unseren Kopf, und so gibt es nur noch bewegte Männer, Frauen und Kinder. Zu keiner anderen Zeit bestand ein solcher Überfluss an Waren, Informationen, Grellheit und durchaus auch an Freiheit. Aber es gibt einen Nachholbedarf an Gerechtigkeit, Stille, Bildung des Kopfs und des Herzens. – Mit Wehmut, Schärfe und Witz erzählt Bernd-Lutz Lange von den Sitten und Traditionen, die im Laufe seines Lebens verloren gegangen sind. Als kluger Kritiker des Zeitgeists hinterfragt er die Rasanz unserer Zeit und mahnt zum Innehalten. Denn der Wandel gewinnt weiter an Fahrt. Aber gewinnen wir auch?

Amüsanter Alltagsvergleich zwischen DDR und heute. Muss man gelesen haben!

— seschat

Stöbern in Biografie

100 Länder, 100 Frauen, 100 Räusche

Im Vordergrund steht der Abenteurer und weniger die Reiseziele. Sein Wagnis macht Mut.

Lunamonique

Der Serienkiller, der keiner war

Die Gesichte zeigt, wie gesunder Menschenverstand ganz schnell auf die Probe gestellt werden kann.

dowi333

Für immer beste Freunde

Eine zufällige Begegnung bringt zwei Menschen eine unvorstellbare Horizonterweiterung.

Buchperlentaucher

Jupp Heynckes

Eine kurzweilige Biografie eines sympathischen Trainers mit Gentleman-Qualitäten.

seschat

Max

Speziell geschriebene, aber interessante Biografie über den Künstler Max Ernst

Hortensia13

Hass gelernt, Liebe erfahren

Ein tolles Buch, das die Sicht weitet und tolle Anregungen zum Nachdenken gibt. :)

Maerchentraum

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Kritischer sowie amüsanter Vergleich zwischen gestern und heute

    Das gabs früher nicht

    seschat

    05. January 2017 um 16:18

    Der deutsche Autor und Kabarettist Bernd-Lutz Lange ist vor allem in Ostdeutschland bekannt. Ob bei den "academixern" in Leipzig oder beim MDR Lange steht für zeitkritisches sowie DDR-historisches Kabarett. Am liebsten fabuliert er in Sächsisch. Für sein neuestes Werk mit dem programmatischen Titel "Früher gabs das nicht" vergleicht er den Lebensalltag und die Werte der DDR mit denen der Gegenwart; erfreulicherweise ohne das "Früher-war-alles-besser-Lamento" anzustimmen. Langes kurzweilige Beobachtungen lesen sich flüssig. Thematisch spricht er alle Lebensbereiche an. Ob der heutige Beautywahn, fehlende Beweglichkeit der Enkelgeneration, Smartphonemanie, ungewöhnliche Kindernamen oder Geschenkewahnsinn, Lange spart nicht an Kritik an der Jetztzeit. Der 1944 Geborene nimmt den rasanten technischen sowie sozialen Wandel mit Humor und verweist mehr als einmal auf die einfache, bescheidene Nachkriegs- und DDR-Zeit. Damals waren Geschenke noch Geschenke und der Besitz eines Telefons ein Privileg. Recht hat er, wird vor allem der ostdeutsche Leser beipflichten. Es ist m. E. richtig und wichtig, dass mal wieder auf die heutigen Selbstverständlichkeiten der Wohlstandsgesellschaft (Heizung, Auto etc.) hingewiesen wird, die unsere Eltern und Großeltern noch nicht kannten. Das stimmt den ein oder anderen sicherlich nachdenklich. Manches Angeführte ist zudem mehr als bedauerlich, so z.B. das leise Sterben der Antiquariate, der Schreibschrift oder handschriftlichen Briefkultur. Mir hat dieses Buch ausnahmslos gut gefallen, weil es viel Alltagsgeschichte aus der DDR transportiert und ohne Blatt vor dem Mund verfasst wurde. Seine persönliche Sicht auf die Dinge verpackt er auf ironisch liebenswerte Weise, so dass sich einfach jeder Leser angesprochen fühlt. Ob Mahner, Privatmann etc., seine Rollen bleiben authentisch. Besonders die Einbindung seiner Biografie fand ich klasse. Als gelernter Gärtner und Buchhändler kennt er sich in verschiedenen Metiers aus und weiß dies auch geschickt zu nutzen. FAZITEine amüsante sowie lehrreiche Vergleichsstudie, die man gelesen haben sollte.

    Mehr
  • 4,5 Sterne für Erinnerungen an früher und eine kritischen Blick aufs Heute

    Das gabs früher nicht

    Antek

    26. October 2016 um 18:27

    Der Wandel gewinnt an Fahrt. „Aber mit einer solchen Geschwindigkeit, wie in den letzten zwanzig Jahren hat sich die Welt nie vorher verändert.“ Man muss sich also zweifelsohne die Frage stellen, was bringt uns dies in Wirklichkeit. Wofür braucht der Mensch einen „Wellnesswecker“? Wieso streben alle einen definierten Body an, aber sprechen ein undefinierbares Deutsch? Und wenn alle auf Stand-by sind, warum haben dann so wenige einen Standpunkt? Was hier so pessimistisch und pauschal nach „Früher war alles besser“, klingt, ist längst nicht alles, was in diesem Buch steckt, in dem der Autor in gelungenem, äußerst kurzweiligen Erzählstil die verschiedensten Unterschiede von gestern zu heute aufzählt. Namen, Einkaufen, Ernährungsgewohnheiten, Freizeitverhalten, Religion, Sprache, Technisierung und vieles mehr hat sich einfach verändert. Der Autor wurde 1944 in Zwickau geboren und seine Erzählungen decken daher die Generation meiner Eltern, meine eigene, ich bin 1977 im Westen zur Welt gekommen und dort aufgewachsen, und die der heutigen Jugend mit ab. Auch meine Eltern haben mir von ihrer Kindheit in den Nachkriegsjahren erzählt, hier habe ich vieles wiedererkannt, einiges war aber auch neu für mich. Z.B. wie war ein typisches Nachkriegswohnzimmer eingerichtet, was gab es zu essen oder was wurde an zu Weihnachten verschenkt? Ebenfalls unbekannt waren mir diverse Eigenheiten, die es eben nur in der DDR gab. Hinter dem Begriff „Erdmöbel“ haben sich z.B. Särge verborgen. Über solche kleinen, interessanten Informationen, bin ich bisher noch in keinem Geschichtsbuch gestoßen. Ich konnte mich ebenfalls an vieles aus meiner Jugendzeit erinnern. So waren Anstandsregeln wichtig und meine Eltern legten sehr viel Wert darauf, welchen Eindruck man bei anderen hinterlässt und das hat mich geprägt. Zu meiner Jugendzeit wurde auch noch ganz selbstverständlich zu einem Schokokuss Negerkuss oder Mohrenkopf gesagt, ohne dass man sich dabei politisch unkorrekt verhielt. Da spricht er mir mit seiner Aussage „Rassismus versteckt sich nicht hinter Namen, sondern ist in den Köpfen mancher verborgen“ so richtig aus der Seele. Althergebrachte Begriffe werden durch neue Namen ersetzt, kurioserweise ohne Grund, auch dieser Gedanke ist mir schon oft durch den Kopf gegangen.   Zunehmendes Denglish, hier gibt der Autor auf amüsante Art und Weise Denkanstöße, wer hat sich denn schon einmal überlegt, was Public Viewing im Amerikanischen eigentlich heißt? “Muss man Outdoor Jacken Indoor ausziehen?“ Er gibt Beispiele für Extremsportarten, bei denen dem Leser völlig klar ist, dass dies Sport gegen jegliche Vernunft ist. Auch beim Sinn und Nutzen von Telefonhotlines, kann man, wie bei vielem mehr,  schmunzeln. Mit Wehmut erinnert Bernd –Lutz Lange sich an die gute alte Briefpost, die auch ich noch heute über alles liebe, ist es doch ein ganz anderes Gefühl, wenn man eine Postkarte oder einen persönlichen Brief im Postkarten findet, der vielleicht sogar noch duftet, als wenn nur das Handy schrillt, sie haben eine neue Mail. Auch entwickelten Fotos in Fotoalben, die man nicht irgendwann einfach löscht, oder der Geschmacksintensität von Gemüse früher, das noch nicht überzüchtet war, traure ich wie der Autor hinterher. Er verschweigt aber auch nicht die guten Errungenschaften, wie z.B. dass sich heute Väter einfach besser um ihren Nachwuchs kümmern oder dass man mit dem Handy im Notfall Hilfe holen und damit Leben retten kann. Auch dass Schneemänner bauen nie aus der Mode gekommen ist, wenn der erste Schnee im Winter fällt, sind Dinge, die angemerkt werden. Es sind aber auch provokante Sätze zu finden, wie z.B. „ Der neue Gott Google weiß, wo du bist, wo du warst, wie du denkst und was du vor hast. Dagegen war die Stasi eine Laienspielgruppe“, womit er ja aber im Grunde genommen mehr als Recht hat. Gut gefallen haben mir auch die Zitate von Loriot, Kästner oder auch Fontane, die von der Belesenheit des Autors und seiner Ausbildung zum Buchhändler zeugen. Antiquariate, Bücher und Lesen, auch ich teile die Leidenschaft des Autors, die leider zunehmend in Vergessenheit gerät. Alles in allem ein Buch, das über vergangene und heutige Zeiten berichtet, einen kleinen Ausblick auf die Zukunft bietet und zum Schmunzeln, Nachdenken und Innehalten einlädt - Eigentlich genau die Art an Buch, die unsere Welt, die Gefahr läuft, in der Menge an Infos zu ertrinken, braucht. Auch wenn für mich vielleicht nicht jedes, der angenehm kurzen Kapitel ein absolutes Lesehighlight war, hatte ich wirklich super Unterhaltung und kann das Buch nur weiterempfehlen.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks