Bernd-Olaf Küppers

 4 Sterne bei 2 Bewertungen
Autor von Die Berechenbarkeit der Welt, Wissen statt Moral und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Bernd-Olaf Küppers

Die Berechenbarkeit der Welt

Die Berechenbarkeit der Welt

 (1)
Erschienen am 28.06.2012
Wissen statt Moral

Wissen statt Moral

 (1)
Erschienen am 22.09.2010
Leben ist gleich Physik plus Chemie?

Leben ist gleich Physik plus Chemie?

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Erschienen am 01.11.1996
Ordnung aus dem Chaos

Ordnung aus dem Chaos

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Erschienen am 01.01.1998

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Rezension zu "Die Berechenbarkeit der Welt" von Bernd-Olaf Küppers

Rezension zu "Die Berechenbarkeit der Welt: Grenzfragen der exakten Wissenschaften" von Bernd-Olaf Küppers
HeikeGvor 6 Jahren

"Wir müssen wissen, wir werden wissen" - Ein Experiment mit Ideen
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Eines der beeindruckendsten Fresken, die der römische Renaissancemaler Raffael geschaffen hat, findet man in den Stanzen des Raffael, im Apostolischen Palast in der Vatikanstadt: "Die Schule von Athen". Der Titel des Bildes verweist auf die herausragende philosophische Denkschule des antiken Griechenland, verkörpert von ihren Vorläufern, Hauptvertretern und Nachfolgern. In der Bildmitte stehen die Philosophen Platon und Aristoteles. Platon zeigt auf die überirdische Welt der Ideen, Aristoteles auf die Welt der konkreten Dinge - "eine symbolische Szene für die alles überragende Frage philosophischen Denkens", stellt Bernd-Olaf Küppers fest. Diese Frage, ob es tatsächlich eine von jeglicher sinnlicher Wahrnehmung und Erfahrung unabhängige, absolute Erkenntnis der Welt gibt, ein Wissen, das für sich absolute Gewissheit und Geltung beanspruchen kann, ein Weltwissen, sucht der Physiker und Philosoph in seinem Buch zu beantworten.
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Ein äußerst schwieriges Unterfangen ist dieses "Experiment mit Ideen" - wie er es selbst bezeichnet – allemal. Denn es erfordert Grenzüberschreitungen im Denken. Zumal Küppers provozierende Frage nach der Berechenbarkeit der Welt auf jene fundamentalen Erscheinungen zielen, "die sich nach herkömmlicher Auffassung dem Zugriff der strengen wissenschaftlichen Analyse weitgehend zu entziehen scheinen: Leben, Zeit und Geschichte." In neun Kapiteln versucht er zu ergründen, inwieweit sich der Ursprung des Lebens, das Wesen von Information und Sprache, das Naturschöne, die Zeitlichkeit des Seins und die Geschichtlichkeit der Welt wissenschaftlich erklären und verstehen lassen. Bei der Beantwortung zieht er hauptsächlich das Experiment und den auf Mathematik gründenden wissenschaftlichen Ansatzes zu Rate, lässt jedoch immer auch die philosophische Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen menschlichen Wissens mitschwingen.
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Küppers abstrahiert, vereinfacht und idealisiert, ganz im Sinne der methodischen Grundlagen der exakten Wissenschaften. Das hochinteressante Buch erfordert allerdings einen geschärften Geist, erhöhte Aufmerksamkeit und Denken in Zusammenhängen. Naturwissenschaftliche und mathematische Vorkenntnisse erleichtern die Lektüre. Zumal sich der Autor nicht scheut, eine Vielzahl von Fachbegriffen und Fremdwörtern sowie schwer zugängliche zum Teil logarithmische Formeln und binäre Codes aus dem Bereich der Wahrscheinlichkeitsrechnung bzw. der algorithmischen Komplexitätstheorie zu integrieren. Eine gewisse philosophische Basis erweist sich ebenfalls nicht von Nachteil. Schreckt man davor nicht zurück und setzt sich intensiv mit seinen Gedankenansätzen auseinander, gestaltet sich die Lektüre dieses auch optisch ansprechenden Buches (jedes Kapitel wird durch ein ganzseitiges Farbfoto eingeleitet) durchaus gewinnbringend, erkenntnisreich und regt zum Nachdenken an.
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Der Ausgang seines "wissenschaftlich-philosophischen Experiments" ist und bleibt allerdings auch in diesem Buch ungewiss. "Aber am Ende eines solchen Experiments weiß man ohnehin nur, was falsch war. Auch dies gehört zum Wesen einer sich ständig wandelnden und fortschreitenden Wissenschaft.", so der Autor. "Denn nur ein Wissen, das sich gegebenenfalls korrigieren lässt, kann auch wieder aus den möglichen Sackgassen der Erkenntnis herausführen." Oder um es mit Goethe auszudrücken: "So spricht die Natur hinabwärts zu andern Sinnen, zu bekannten, verkannten, unbekannten Sinnen; so spricht sie mit sich selbst und zu uns durch tausend Erscheinungen." Bernd-Olaf Küppers Buch erweist sich auf jeden Fall als gelungener Ansatz, interessierten Lesern den konstruktiven Umgang mit Wissen zu erläutern und ihn vielleicht auch zu selbigen zu befähigen.

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Rezension zu "Wissen statt Moral" von Bernd-Olaf Küppers

Rezension zu "Wissen statt Moral" von Bernd-Olaf Küppers
WinfriedStanzickvor 7 Jahren

Dieses Buch des Professors für Naturphilosophie in Jena, Bernd-Olaf Küppers ist ein wichtiger Zwischenruf in der Debatte um die Bildungspolitik und die Voraussetzungen für das Bestehen unseres Landes in der Wissensgesellschaft. Unter dem Titel „Wissen statt Moral“ arbeitet er in fünf Thesen seine Position heraus, die sagt: „Moral, die das Wissen beherrscht, ist Gift für eine Gesellschaft, deren Zukunft von Wissenschaft und Technik abhängt.“

Schon in seinem letzten 2008 veröffentlichten Buch hielt er mit seiner radikalen Position nicht hinter dem Berg. Sein das Buch „Nur Wissen kann Wissen beherrschen“ abschließende Statement sollte nach Auffassung des Rezensenten heftigen Widerspruch unter Philosophen und Theologen hervorrufen:
"Der Verzicht auf Werte und der Ausgleich des Wertverlustes durch wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse ist nicht das Ende, sondern der Anfang einer aufgeklärten Gesellschaft, die in uneingeschränkter Freiheit ihr Schicksal in die Hand nimmt."
Vor einer solchen Freiheit fürchte ich mich. Wer, so wie der Rezensent , Hinweise auf fundierte Gegenpositionen sucht, sei auf einen neuen Suhrkamp-Band hingewiesen mit dem Titel "Ein Bewusstsein von dem, was fehlt. Eine Diskussion mit Jürgen Habermas".
Der dortige Diskurs führt meines Erachtens weiter und sollte unbedingt fortgesetzt werden.

Im vorliegenden Buch geht es um die gleiche Geisteshaltung, wenn auch manche Thesen vollkommen richtig sind, so etwa wenn er in These eins sagt: „Wir müssen daher alle Anstrengungen unternehmen, der zunehmenden Selbstverdummung unsere Gesellschaft entgegenzuwirken.“
Oder in These 2: „Wir können unsere Autonomie nur zurückgewinnen, indem wir wieder lernen, den eigenen Verstand zu gebrauchen.“

Dennoch und noch einmal: Das, was Küppers hier will, wird ohne Orientierung an Werten in ein furchtbares Desaster münden.

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