Bernd Brunner

 3.5 Sterne bei 11 Bewertungen
Autor von Nach Amerika, Als die Winter noch Winter waren und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Bernd Brunner

Sortieren:
Buchformat:
Nach Amerika

Nach Amerika

 (3)
Erschienen am 16.06.2017
Die Kunst des Liegens

Die Kunst des Liegens

 (2)
Erschienen am 10.09.2012
Ornithomania

Ornithomania

 (2)
Erschienen am 08.10.2015
Das Granatapfelbuch

Das Granatapfelbuch

 (1)
Erschienen am 11.03.2018
Mond

Mond

 (1)
Erschienen am 29.08.2011
Als die Winter noch Winter waren

Als die Winter noch Winter waren

 (2)
Erschienen am 13.10.2016
Die Erfindung des Weihnachtsbaums

Die Erfindung des Weihnachtsbaums

 (0)
Erschienen am 11.09.2016
Wie das Meer nach Hause kam

Wie das Meer nach Hause kam

 (0)
Erschienen am 24.02.2011

Neue Rezensionen zu Bernd Brunner

Neu
buchstabensammlerins avatar

Rezension zu "Das Granatapfelbuch" von Bernd Brunner

Alles über eine Frucht mit ca. 613 Kernen
buchstabensammlerinvor 6 Monaten

Rund ums Buch:
Titel: Das Granatapfelbuch
Autor: Bernd Brunner
Seiten: 101
Verlag: Insel-Bücherei
Buch: Gebunden
Erschienen: 12.03.2018
ISBN: 978-3-458-19444-6
Preis: 14,00 €

Cover/Titel:
Die immer so wunderbar gestalteten Bücher der Insel Bücherei machen schon beim Ansehen Lust auf den Inhalt. Bei diesem Buch sind die Granatäpfel in ihrer einzigartigen Form farbschön abgebildet, sowohl geschlossen, als auch aufgeschnitten, sodass man die Kerne sehen kann. Ein sehr gelungener Einband!

Inhalt:
In diesem Buch erfährt der Leser wirklich alles über den Granatapfel. Über die Mythologie, Erscheinung in der Literatur und Kunst, Wachstum, Verarbeitung, Zukunft dieser einzigartigen Frucht.

Meine Meinung:
Da ich den Granatapfel vor über 25 Jahren durch einen längeren Spanienaufenthalt kennen und lieben lernen durfte, ist er aus meiner Küche nicht mehr wegzudenken. Umso erfreuter war ich, als ich dieses Buch der Insel Bücherei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekam und ich dadurch mein Wissen über diese einzigartige Frucht vertiefen konnte und dadurch meine Begeisterung für den Granatapfel nur noch mehr gewachsen ist.
Bernd Brunner geht in aller Ausführlichkeit den Spuren des Granatapfels nach. Dass der Granatapfel zu den ältesten kultiviertesten Obstarten gehört und erstmalig Erwähnung bereits in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts vor Christus fand, war mir komplett neu. Es ist dafür umso erstaunlicher, dass er so lange gebraucht hat, um in der deutschen Lebensmittelwelt Einzug zu halten und sich großer Beliebtheit, die er heute erfährt und vor allem in der moderneren Küche zu finden ist.
Spannend zu erfahren, dass es viele verschiedene Sorten gibt, die Bäume bis zu 15 Meter in die Höhe reichen und das heutige Hauptanbaugebiet Indien ist und die Kultur schaut auf lange Tradition des Granatapfelanbaus in Afghanistan zurück, die heute wächst und in diesem vom Krieg zerbeutelten Land ein neues wirtschaftliches Potenzial birgt.
Und es ist ja nicht nur die Frucht, die leider nicht immer ganz einfach zu verarbeiten ist bzw. verarbeitungsbereit gemacht werden muss, es uns angetan hat, sondern ihr Saft in seiner roten Pracht ist ein Genuss und reich an Vitaminen und Mineralstoffen und der hohe Anteil von Antioxidantien macht den Granatapfel zu einem Obst mit therapeutischer Wirkung. Interessant: nur etwas mehr als die Hälfte der Frucht, die essbar ist – ja, harte Schale, viele Kerne! Es ranken sich auch viele Geschichten um die Anzahl der Kerne, im Schnitt sind es 613, was man statistisch belegen konnte.
Und dass auch hier wieder die Chinesen Büsche züchten, die kirschgroße Granatäpfel hervorbringen, bleibt beim Einzug der Frucht in unseren Alltag nicht mehr aus.

Fazit:
So hat mir dieses Buch wieder einmal gezeigt, dass der Granatapfel ein Wunderkind der Obstlandschaft ist und mehr zu bieten hat, als nur als Kerne über einem Salat.
Ich bevorzuge sie übrigens in frisch gepresstem Orangensaft, was die perfekte morgendliche Erfrischungsbombe mit positiver Wirkung auf den Organismus ist! 




Kommentieren0
10
Teilen
Flohs avatar

Rezension zu "Ornithomania" von Bernd Brunner

Mit seinen Stärken und Schwächen braucht es den richtigen Adressanten und Leser!
Flohvor 3 Jahren

Als Naturliebhaberin konnte ich die Veröffentlichung des vielversprechenden Titels und neuen Werkes von Bernd Brunner kaum erwarten. Mit seiner neuen Kunst „Ornithomania – Geschichte einer besonderen Leidenschaft“ enthüllt der ambitionierte Autor unglaubliche Fakten, Erkenntnisse, Anekdoten und Geschichten rund um die Ornithologie/Vogelkunde, dessen Liebhaber, großer Persönlichkeiten, Geschichten aus der Antike und Historie, große Meilensteine, Mythen und Legenden um bestimmter Rassen und den Werdegang einiger Arten samt Seltenheitsgrat. An aller erster Stelle möchte ein großes Lob direkt vorweg äußern: Dieses besondere Thema der Darbietung der Ornithologie und die einzigartigen Beziehungen zwischen Mensch und Tier hat mich sehr neugierig gemacht und fasziniert. Dieser ansatz-biografische Roman/Anthologie zeigt die Natur und Vogelkunde mit der damit verbundenen Leidenschaft in seiner ganzen Gewalt und aus einer ganz neuen und eigenen Perspektive. Auf besondere Weise hat der Autor Bernd Brunner diesen offenen, verblüffenden und mit seiner eigenen Feder (von wessen Vogel diese wohl stammt) niedergeschrieben und dieses kunstvolle Buch erschaffen. Ein Buch das so besonders ist, wie wohl die Zielgruppe und Adressanten dieses Werkes. Doch leider konnte mich dieses Buch, welches ich so gern lieben wollte, mich nicht in allen Punkten überzeugen.
Erschienen im Galiani Berlin Verlag (http://www.galiani.de/)

„Die ungewöhnlichste Eigenheit Ezras ist wohl, dass der als überaus gutmütig und großzügig bekannte Tierliebhaber sogar Vögel in seinem Schlafzimmer beherbergt: Kolibris, Nektarvögel, Schamadrosseln, persische Nachtigallen und andere kleine Singvögel, für die jeweils kleine Käfige auf Tischen und Fensterbänken vorhanden sind. … Zwecks Bewegung lässt er sie im Raum frei, und auf eine geheimnisvolle Weise hat er ihnen beigebracht, danach wieder in ihre Käfige zurückzukehren (Seite 105).“

Inhalt / Klappeninnentext:
„Wahre Passion kennt keine Grenzen: Das Buch für alle Vogelliebhaber und die, die einen solchen kennen.
Bernd Brunner (der bis vor Kurzem übrigens Vögel bedrohlich und ihr Geflatter enervierend fand) hat den faszinierenden Viten derer nachgeforscht, die von Vögeln so fasziniert waren, dass sie ihnen ihr Leben verschrieben – von moderaten Exemplaren wie Friedrich II., 1194–1250, (dem ersten großen Ornithologen und Falkner auf dem Thron) über Leonardo da Vinci (dem Entwickler der ersten Flugapparate), Charles Darwin (der keineswegs den Finken, sondern den von ihm aus aller Welt gesammelten Tauben die entscheidenden Ideen zur Evolution verdankte) bis zu Konrad Lorenz, der die Rolle einer Gänsemutter übernahm. Freilich gab es auch extremere Formen: Phoebe Snetsinger etwa, eine Millionärin, die nach einer Krebsdiagnose beschloss, ihr restliches Leben ausschließlich dem Beobachten möglichst vieler Vogelarten in der Natur zu widmen – als sie starb, hatte sie mehr Vogelarten gesehen als je ein Mensch vor ihr; Kriminologen, die mit ornithologischen Kenntnissen Fälle lösten; Papageiensammler, die die natürlichen Populationen des Objekts ihrer Begierde an den Rand des Aussterbens brachten; bis zu Vogelschützern, die regelrechte Feldzüge zum Wohle ihrer Schützlinge führten, oder anderen, die für ihre Passion sogar betrogen, mordeten oder starben.
Ornithomania verharrt dabei nicht im Anekdotischen – en passant erzählt Bernd Brunner uns die Geschichte der Ornithologie und vermittelt Staunens- und Wissenswertes aus der Welt der Vogelkunde. Wer einen Vogel hat, braucht dieses Buch.“

Zum Inhalt:
Bernd Brunner ist ein bekannter Name und seine besonderen Werke und seine bezaubernde Art Dinge zu schildern und mit anderen Augen zu sehen und in Wort und Schrift niederzulegen hat schon für große Erfolge und einer kleinen Liebhaberlesegemeinde gesorgt. Er schafft es, den Grat zwischen Anthologie, Anekdote, Sachbuch und Schmuckstück zu verbinden und auf diesen schmalen Wegen zu gehen. In Ornithomania erwartet den Leser, wie es der Titel ja bereits assoziiert, eine schon fast eigene Welt der Vogelkunde und der Vogelbeobachter. In diesem Buch bietet der Autor verblüffende Geschichten historischer, aber auch aktueller Persönlichkeiten, die allesamt im übertragenen Sinne einen Vogel haben… Bernd Brunner verbindet hier in seinem Vogelkundebuch Sachgeschichte mit Biographien, Fakten und fundierter Recherche samt Quellenangaben. Zwar soll dieses Werk laut Ankündigung nicht arg anekdotisch erscheinen, kommt aber meiner Empfindung nach nicht weit darüber hinaus. Wer eine zusammenhängende Romangeschichte erwartet, der wird hier enttäuscht. Dieses Buch widmet sich in 23 Kapiteln unterschiedlichen Persönlichkeiten aus Politik, Geschichte, Sport und Kunst und beschreibt unglaubliche Leidenschaften zu Vögeln die zu Liebe und sogar Tod und Morderei führen. Unfassbar! Biographische Anthologien, Zitate, Verse, Gedanken und fundierte Fakten. Einzelne Vogelarten auf der ganzen Welt und tiefe Einblicke in ein oft verpöntes Hobby. Ein Buch über die Erinnerung, über Natur und Freiheit - und über das Glück, sich einer großen Aufgabe von ganzem Herzen zu widmen.

Meinung:
Ich bin sehr überrascht von diesem Buch. Ich muss gestehen, dass ich anfangs gar nicht so recht wusste, was mich erwarten wird. Die Liebe zur Natur und die Leidenschaft Dinge zu beobachten und sich mit Tieren zu befassen habe ich wohl von meinem Vater in die Wiege gelegt bekommen. So habe ich schon einige Sachbücher und Vogelbücher kennenlernen dürfen. Dieses Buch habe ich durch Zufall beim Stöbern entdeckt und fühlte mich vom Titel und Cover gleich angesprochen. Das Buch wirkte so geheimnisvoll und innovativ. Ein Thema, welches mich interessiert, ein Autor der Erfolge schreibt und eine ganz neue Art der Darstellung der Ornithologie haben mich dann überzeugt dieses Buch zu lesen. Mein Resümee reicht von: überrascht, erstaunt, bewegt und auch gerührt bis hin zu zweigespalten, verwirrt und auch verwundert. Ich bewundere die grandiose und fundierte Recherche des Autors und seine Kunst Fakten in Worte und Geschichten zu fassen. Jedoch hätte ich mir hier mehr von seiner Gabe Bilder zu erschaffen und Worte in Sprachgewalten zu verwandeln gewünscht. So liest sich dieses Machwerk eher trocken und berichtend. Da es kaum Auflockerungen durch Zeichnungen o.ä. gibt, wirkt es oft langatmig und schwer. Man sollte sich dieses Buch vornehmen und jeden Tag ein Kapitel oder lediglich einen Abschnitt genießen. So bleibt die Freude daran länger erhalten. Es ist kein Buch zum Weglesen, es ist ein Buch, welches man scheibchenweise genießen sollte. Wie eine gut gereifte Salami. Bewundernswert finde ich die vielen erstaunlichen Geschichten. Wie und wo kam der Autor dazu diese sonderbaren und beeindruckenden Geschichten und Erzählungen zu finden und zu ergründen? WOW. Wissen, welches die Welt nicht braucht, aber ungemein bereichernd ist. Um vom Buch nicht enttäuscht zu werden, sollte man einfach nicht zu viel erwarten und das nehmen, was man geboten bekommt und sich dieses sehr zu Herzen und Verstand führen. Dann wird auch dieses Buch ein besonderer Schmökererfolg! Ich bestaune den Mut und auch die Stärke der genannten Personen und Persönlichkeiten, auch ihre Klarheiten und die großen Gefühle, auch zu dem jeweiligen Land, der Natur, den Lebensräumen und den Tieren und der besonderen Leidenschaft zu den Vögeln. Ihre Faszinationen, ihre Ambitionen und ihren Wunsch den atemberaubenden Vögeln nahe zu sein, wird unheimlich greifbar. Vom Grundthema stark abweichend, jedoch dadurch nicht minder interessant, finde ich, dass der Autor Bernd Brunner sehr ins biografische der genannten Personen abschweift und geschichtliches, politisches und wirtschaftliches mit in den Hauptfokus stellt. Parallel wird viel über die geschilderten Personen berichtet und weniger über die Vogelarten geschildert. Diese biografischen Hintergründe und Geschichten sind beeindruckend, keine Frage, auch deren Hang zur Kompensation und Verarbeitung einprägsamer Schicksalsschläge, der Kindheit oder einem zerrütteten Elternhaus, durch die Ornithologie zu bezähmen, ist verständlich, nimmt aber großen Raum und Fokus ein.
Bernd Brunner zeigt in seinem biografischen Sachbuch die Leidenschaft zu Vögeln, die Arbeit mit den Tieren, die Naturgewalten, die Stille der Natur, das wachsame Auge der Falken, das Gesetz der Natur aus Fressen und gefressen werden, aus Stille und tiefster innerer Entspannung und Anspannung, seltene Arten, einzelne Gattungen, Mythen und Riten.... Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie facettenreich dieses Themengebiet doch ist und wer wie und wann mit dieser Leidenschaft beseelt war oder ist. Wir haben die Möglichkeit aus Brunners Erfahrungen und Berichten Botschaften zu erkennen und Rückschlüsse zu ziehen.

Pressestimme (Quelle: Verlagshomepage):
„So wird Brunners Federvieh-Studie auf hintergründige Art zu einer Philosophie über den Menschen an sich. Dass man nebenbei die bezauberndsten und abenteuerlichsten Geschichten über Vögel und Menschen erfährt, macht das Lesen zu einer großen Freude.“ (Berliner Morgenpost)

Kritikpunkt:
Etwas bedauernswert finde ich für meinen Lesegeschmack, dass dieses Buch nicht wie ein eigenes Werk wirkt. Für mich sind diese sehr vielen speziellen Biografien und Anthologien zwar interessant, wissenswert und fundiert, nehmen dem Buch aber seinen Charme und seine Nähe zum Leser. Sehr viele Einflüsse und Zitate aus anderen Werken und Darstellungen großer Redner, Künstler und Persönlichkeiten wurden adaptiert und übernommen. Der anekdotische und anthologische Stil war mir zuvor nicht bewusst und hat mich etwas enttäuscht. Ich hätte dem sonst so wunderbaren und besonderen Buch weitere Illustrationen gewünscht, außer den zierenden Vignetten am Kapitelanfang. Der Verlag bietet eine so tolle Galerie, und auch das Cover ist so kunstvoll, da hätte dem Inhalt des Buches solche Grafiken sehr wohl getan. Hier ein Link zu entsprechendem Bildmaterial: http://www.galiani.de/extras/ornithomania-galerie.html

Der Autor:
"Bernd Brunner, 1964 geboren, schreibt seit mehr als zehn Jahren vielbeachtete, höchst unterhaltsame Bücher an der Schnittstelle von Kultur- und Wissenschaftsgeschichte, u.a. über die Erfindung des Weihnachtsbaumes, die Faszination des Mondes und die Beziehung von Mensch und Bär. Die Kunst des Liegens erschien bei Galiani im Herbst 2012. Seine Bücher sind in zahlreiche Sprachen übersetzt."

Das Cover:
Das Cover ist einfach toll und stimmt auf den ebenso faszinierenden und besonderen Inhalt dieses Buches ein. Weitere Illustrationen findet man auf der Verlagshomepage in einer Galerie. Das Buch ist hochwertig und schmuckvoll verarbeitet, das Schriftbild sehr angenehm und es liegt wunderbar in der Hand. Ein gelungenes und rundes Motiv zum gelungenen Gesamtkonzept Buch.

Fazit:
Bei diesem Buch sollte man seine Erwartungen nicht zu hoch stecken. Es beschert wunderbare Elemente, ist aber nicht der übliche Roman und auch nicht das übliche Sachbuch. Mit diesem Buchprojekt hat der Autor Bernd Brunner einen wichtigen Beitrag geleistet, indem er diese biografischen Lebensgeschichten veröffentlicht, mit unglaublichen Fakten und Absurditäten ausformt und zeigt, dass das höchste Gut der Menschheit die Freiheit und die Natur ist. 3,5 Sterne, die ich für die unermüdliche Recherche und Arbeit zu verdienten 4 Sternen aufrunde!

Kommentare: 7
149
Teilen
HeikeGs avatar

Rezension zu "Die Kunst des Liegens" von Bernd Brunner

Rezension zu "Die Kunst des Liegens" von Bernd Brunner
HeikeGvor 6 Jahren

Bettgeflüster
.
"Liegen Sie gerade, dann lägen Sie sicher nicht falsch: denn wir alle liegen, und das regelmäßig und oft mit großer Freude. Im Liegen entspannen wir uns, es ist die Position, die dem Körper den geringsten Widerstand bietet und ihm am wenigsten Kraft abverlangt. Liegend tun wir so einiges: Wir schlafen und träumen, lieben, denken nach, geben uns melancholischen Stimmungen hin, dämmern und leiden. Nur eines tun wir liegend kaum: uns bewegen. In der Horizontalen kommen wir dem, was man seltsamerweise als Stillstand bezeichnet, sehr nah." So beginnt Bernd Brunner, der seit ca. zehn Jahren vielbeachtete, gescheite und höchst unterhaltsame Bücher an der Schnittstelle von Kultur- und Wissenschaftsgeschichte schreibt, sein kleines Büchlein über die Kunst des Liegens.
.
Einem Stillstand kommt der vielseitige Text allerdings keineswegs gleich. Amüsant, interessant und weitgreifend versucht er in 31 kurzen Kapiteln das Thema Liegen "unter die Bettdecke" zu bekommen. Entstanden ist ein globaler Streifzug durch die Welt der Horizontale. Brunner stellt den Philosophen des Liegens, den überaus produktiven englischen Gesellschaftskritiker Gilbert Keith Chesterton vor und befasst sich mit der "Nullposition" zum Beispiel im Hamam, in der Natur, der Sonne. Er berichtet von der richtigen Art und Position zu liegen, sei es nun allein oder lieber gemeinsam, plaudert über den Schlaf im Allgemeinen, dessen Rhythmus und den Traum im Besonderen oder unternimmt gar einen Versuch der Nahrungsaufnahme im Liegen, die bei den alten Römern und Griechen durchaus gang und gäbe war. Die Vor- und Nachteile des horizontalen Arbeitsplatzes werden unter die Lupe genommen, genauso wie eine Genese der Matratzen. Ein großer Teil seiner kleinen Essays schwenken in die Vergangenheit und zeigen uns unsere Vorfahren, aber auch die Tierwelt in der Horizontalen. Apropos Bett: Die germanische Sprachwurzel des Wortes bezeichnet übrigens schlicht eine "in den Boden eingegrabene Lagerstätte, Schlafgrube". Von unseren heutigen High-Tech-Betten haben unsere Vorfahren wahrscheinlich noch nicht einmal zu träumen gewagt. Die Wurzeln der LiegeKUNST allerdings dürften wohl im 16./17. Jahrhundert im Orient zu finden sein. Wie schrieb schon Friedrich Schlegel in seiner "Idylle über den Müßiggang": "Nur Italiener wissen zu gehen, und nur die im Orient verstehen zu liegen..." Doch bald hielt auch im Westen neben dem Bett die Couch, Chaiselongue, das Kanapee, der Divan, Récamière, Ottomane, Méridienne oder Duchesse Einzug.
.
"Im Bett schließt sich der Kreis, der des Tages wie der des Lebens. Hier kommt der Mensch im tiefsten Sinne zur Ruhe", stellte der Raumphilosoph Otto Friedrich Bollnow treffend fest." Und Peter Brunner ergänzt: "Das Bett ist das erste oder innere Haus im Haus, ein Ort, der einen Rückzug in die unbewusste Form unseres Daseins erlaubt und erleichtert." Ob Bett, Liegestuhl, die korrekte Stellung des Bettes und das Licht im Raum, ob schwebend, schaukelnd, schwingend oder wippend, Brunner umreißt in seinem Kompendium unser ganzes horizontales Leben, das ja gewöhnlich im Liegen beginnt und auch so endet. Allerdings kann er ob der Fülle der angesprochenen Themen diese allenfalls nur an- oder umreißen. Trotzdem ist ein nettes, charmantes Büchlein entstanden, das man immer wieder aufschlagen und zur beschaulichen Ergötzung der horizontalen Lebenskunst heranziehen kann. Allerdings sollte man sich dieser Lektüre vorzugsweise im Liegen hingeben, denn wie wusste schon der US-amerikanische Schauspieler und Entertainer Groucho Marx "Was man nicht im Bett tun kann, ist es nicht wert, getan zu werden."

Kommentieren0
10
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 19 Bibliotheken

auf 1 Wunschlisten

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks