Bernd Brunner Die Kunst des Liegens

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Inhaltsangabe zu „Die Kunst des Liegens“ von Bernd Brunner

Die unterschätzte Kunst des Liegens Alle tun es, doch kaum jemand spricht darüber: Bernd Brunner lädt zu einem entspannten Streifzug durch die Welt des Liegens ein Gut ein Drittel unseres Lebens verbringen wir liegend: wir schlafen und träumen, lieben, denken, dämmern, leiden und erholen uns. Dennoch hat das Liegen im Allgemeinen keinen guten Ruf und wird mit Stillstand, Passivität und Faulheit gleichgesetzt. Dabei ist die Horizontale von unschätzbarem Wert, bietet sie doch Momente der Kontemplation, die oft die besten Ideen mit sich bringen. Hätte Michelangelo sich nicht dem Liegen hingegeben, er wäre wohl nie auf die Idee gekommen, die Decke der Sixtinischen Kapelle zu einem der größten Kunstwerke der Menschheit zu machen. Bernd Brunners Hymne auf das Liegen ist gehaltvolle kulturgeschichtliche Tiefenbohrung und unterhaltsame Geschichtensammlung zugleich. Er nähert sich der Horizontalen auf ganz unterschiedliche Weisen, verliert dabei aber nie den Blick für das Kuriose und Skurrile: ob das Liegen in der Steinzeit, die Entwicklungsgeschichte der Matratze oder die neuesten Erkenntnisse der Schlafforschung – Die Kunst des Liegens entspannt spannend. Ein elegant geschriebens Stück Literatur über eine Kunst, die wir alle beherrschen.
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  • Rezension zu "Die Kunst des Liegens" von Bernd Brunner

    Die Kunst des Liegens
    HeikeG

    HeikeG

    18. October 2012 um 15:07

    Bettgeflüster . "Liegen Sie gerade, dann lägen Sie sicher nicht falsch: denn wir alle liegen, und das regelmäßig und oft mit großer Freude. Im Liegen entspannen wir uns, es ist die Position, die dem Körper den geringsten Widerstand bietet und ihm am wenigsten Kraft abverlangt. Liegend tun wir so einiges: Wir schlafen und träumen, lieben, denken nach, geben uns melancholischen Stimmungen hin, dämmern und leiden. Nur eines tun wir liegend kaum: uns bewegen. In der Horizontalen kommen wir dem, was man seltsamerweise als Stillstand bezeichnet, sehr nah." So beginnt Bernd Brunner, der seit ca. zehn Jahren vielbeachtete, gescheite und höchst unterhaltsame Bücher an der Schnittstelle von Kultur- und Wissenschaftsgeschichte schreibt, sein kleines Büchlein über die Kunst des Liegens. . Einem Stillstand kommt der vielseitige Text allerdings keineswegs gleich. Amüsant, interessant und weitgreifend versucht er in 31 kurzen Kapiteln das Thema Liegen "unter die Bettdecke" zu bekommen. Entstanden ist ein globaler Streifzug durch die Welt der Horizontale. Brunner stellt den Philosophen des Liegens, den überaus produktiven englischen Gesellschaftskritiker Gilbert Keith Chesterton vor und befasst sich mit der "Nullposition" zum Beispiel im Hamam, in der Natur, der Sonne. Er berichtet von der richtigen Art und Position zu liegen, sei es nun allein oder lieber gemeinsam, plaudert über den Schlaf im Allgemeinen, dessen Rhythmus und den Traum im Besonderen oder unternimmt gar einen Versuch der Nahrungsaufnahme im Liegen, die bei den alten Römern und Griechen durchaus gang und gäbe war. Die Vor- und Nachteile des horizontalen Arbeitsplatzes werden unter die Lupe genommen, genauso wie eine Genese der Matratzen. Ein großer Teil seiner kleinen Essays schwenken in die Vergangenheit und zeigen uns unsere Vorfahren, aber auch die Tierwelt in der Horizontalen. Apropos Bett: Die germanische Sprachwurzel des Wortes bezeichnet übrigens schlicht eine "in den Boden eingegrabene Lagerstätte, Schlafgrube". Von unseren heutigen High-Tech-Betten haben unsere Vorfahren wahrscheinlich noch nicht einmal zu träumen gewagt. Die Wurzeln der LiegeKUNST allerdings dürften wohl im 16./17. Jahrhundert im Orient zu finden sein. Wie schrieb schon Friedrich Schlegel in seiner "Idylle über den Müßiggang": "Nur Italiener wissen zu gehen, und nur die im Orient verstehen zu liegen..." Doch bald hielt auch im Westen neben dem Bett die Couch, Chaiselongue, das Kanapee, der Divan, Récamière, Ottomane, Méridienne oder Duchesse Einzug. . "Im Bett schließt sich der Kreis, der des Tages wie der des Lebens. Hier kommt der Mensch im tiefsten Sinne zur Ruhe", stellte der Raumphilosoph Otto Friedrich Bollnow treffend fest." Und Peter Brunner ergänzt: "Das Bett ist das erste oder innere Haus im Haus, ein Ort, der einen Rückzug in die unbewusste Form unseres Daseins erlaubt und erleichtert." Ob Bett, Liegestuhl, die korrekte Stellung des Bettes und das Licht im Raum, ob schwebend, schaukelnd, schwingend oder wippend, Brunner umreißt in seinem Kompendium unser ganzes horizontales Leben, das ja gewöhnlich im Liegen beginnt und auch so endet. Allerdings kann er ob der Fülle der angesprochenen Themen diese allenfalls nur an- oder umreißen. Trotzdem ist ein nettes, charmantes Büchlein entstanden, das man immer wieder aufschlagen und zur beschaulichen Ergötzung der horizontalen Lebenskunst heranziehen kann. Allerdings sollte man sich dieser Lektüre vorzugsweise im Liegen hingeben, denn wie wusste schon der US-amerikanische Schauspieler und Entertainer Groucho Marx "Was man nicht im Bett tun kann, ist es nicht wert, getan zu werden."

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